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Der Fussball ist ein Gott

Hugo Stamm am Montag den 27. Juni 2011

Religion hat die Aufgabe, Orientierung zu bieten, Sinn zu stiften, Hingabe zu ermöglichen, emotionale Rückbindung auf ein göttliches Wesen zu schaffen und Trost zu spenden. Gläubige sind in der Regel überzeugt, dass nur der Glaube an einen personalen Gott diese Anforderungen zu erfüllen vermag. Doch: Stimmt dieser Alleinanspruch?

Nein. Es gibt eine scheinbar weltliche Disziplin, die die Anforderungen an eine Religion ebenfalls bestens erfüllt: der Fussball.

Das klingt in den Ohren vieler Gläubiger nach Gotteslästerung. Fussball mit dem Glauben an Gott zu vergleichen, ist für sie blasphemisch.

Treten wir also den Beweis für die Behauptung an.

Ob es Gott tatsächlich gibt, kann niemand beweisen. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist eine metaphysische Spekulation. Der Fussball hingegen ist ein reales, sinnstiftendes Objekt. Er ist zwar nur mit Luft gefüllt, aber er bewegt die Welt wie kaum ein anderer Gegenstand. Fussball begründet Gemeinschaft – mehr als leere Kirchen. Fussball stiftet Identität, die klar definiert ist: Meine Farben sind Blau-Weiss, meine Heimat ist das Letzigrund-Stadion, mein Talar sind die Fan-Klamotten, meine Glaubensbrüder finde ich im Fanclub oder der Südkurve. Ich weiss, wer ich bin, ich gehöre zu einer grossen Familie, ich lebe für den Fussball, ich zelebriere das weltumspannende Spiel, ich bin Teil der globalen Fussball-Kultur.

Der katholische Geistliche Josef Hochstrasser, der das Buch «Ottmar Hitzfeld – die Biographie» geschrieben hat, unterstreicht den religiösen Charakter des Fussballspiels ebenfalls – als Mann Gottes muss er es schliesslich wissen: «Der Fussball ist tatsächlich eine Religion. Mögen Kritiker diesen Sport allenfalls als Ersatzreligion durchgehen lassen, ich halte ihn für eine Primärform von Religion.»

Fussball ist gar eine Weltreligion mit einer globalen Heilslehre. Sie verbindet Menschen unterschiedlicher Farben, Ethnien, Weltanschauungen und Kulturen. Es gibt auch im Fussball «Religionskriege», doch diese sind ritualisiert und beschränken sich in der Regel auf 90 Minuten.

Das Fussballspiel kennt auch den Gottesdienst. Das Stadion ist die Kirche, ein Final in der Champions-League ein Hochamt. Das Ritual beginnt ebenfalls mit einem (Fan-)Gesang, der Schiedsrichter amtet als Pfarrer. Seine Glocke ist die Pfeife. Die Fans glauben und hoffen wie die Gläubigen. In heiklen Momenten beten sie zum Fussballgott. Und sie pendeln auch zwischen Halleluja und Hölle. Wenn das Ritual den Höhepunkt erreicht, erheben sie sich wie die Gläubigen in der Kirche.

Mancher Pfarrer würde sich wünschen, seine Gläubigen wären nur halb so ergriffen wie die Fans beim Abspielen der Hymne. Und die Ehrfurcht vor Jesus wäre so stark wie vor ihren Fussball-Idolen. Übrigens: Der Fussball ist eine hoch entwickelte Religionsform. Er kennt wie das monotheistische Christentum nur einen personifizierten Gott: den Fussball.

Kritiker werden einwenden, Fussball sei nur ein Spiel. Wer beweist, dass Religionen mehr sind? Einzig bei der Transzendenz wird es schwierig: Fussball hat wenig mit dem Jenseits zu tun. Aber er kommt auch von einem andern Stern, wenn ihn Fussballgötter wie Lionel Messi spielen.

Hugo Stamm arbeitet seit über 30 Jahren beim «Tages-Anzeiger». Er hat als Sektenexperte mehrere Bücher geschrieben und betreibt seit 2006 einen viel beachteten Blog zu Glaubens- und Sektenfragen.

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54 Kommentare zu “Der Fussball ist ein Gott”

  1. Hugo Fasel sagt:

    Nach dieser Definition von Religion ist auch Familie, Partnerschaft Religion. Oder Politik, Wirtschaft, irgendein Hobby, Philosophie, Musik, Kultur; eigentlich alles. Es ist einer dieser ewigen Variationen aufzuzeigen, dass Religion etwas Menschliches ist. Darin steckt aber auch die etwas überhebliche Haltung, dass jeder, der darin mehr sieht, einem Trugbild nachrennt.

    • SAM sagt:

      Und jeder, der Religionen abschaffen will (nicht nur im damaligen Sowjetkommunismus), kommt schlussendlich nicht darum, auch den Mensch abschaffen zu wollen .. oder kann “Humanismus”, als einst so gute Denkenshaltung, nicht auch als fanatische Religion gelebt werden?

    • Loris Scheuch sagt:

      Genau so ist es aber, Herr Fasel. Jeder, der darin mehr sieht, rennt meines Erachtens einem Trugbild nach. Es tut emotional weh, sich das einzugestehen, aber es ist auch sehr befreiend, wenn man es mal akzeptiert hat. Das ist zumindest meine Erfahrung.

  2. Werner Graf sagt:

    Ich gratuliere, habe mein Schmunzeln fast nicht mehr weggebracht.

  3. Marthaler Patrick sagt:

    in den Tempel gehen, Lieder singen, gemeinsam etwas glauben. Fussball und Religion ist doch genau das Gleiche. Wobei: Den Gegner so zu hassen, wie dies oft geschieht, das ist dann schon etwas unchristlich.

    • Thomas Flückiger sagt:

      Oder eben gerade typisch für Religion, wenn man die Geschichte und auch die Gegenwart so betrachtet. Gewalt scheint ein fester Bestandteil aller Religionen zu sein.

    • beat buerki sagt:

      nicht wirklich herr marthaler, denken sie nur an den abscheu den viele (christen) an den tag legen, wenn es um andersgläubige (muslime) geht. (funktioniert auch umgekehrt. natürlich sind das jeweils nur die extremisten, die fundamentalisten, aber genau so ist es doch auch im fussball. die meisten sind zwar gegner von anderen mannschaften, wissen aber, dass sie eigentlich an den gleichen gott, den fussball, glauben.

      • Matti Hoch sagt:

        Religion hat vordergründig nichts mit einem Gott zu tun, sondern kann jedes Objekt beinhalten, um das dann ein Ritual gegründet wird. Viele Menschen, da sie nicht mehr an den lebendigen Gott glauben, müssen sich einen Ersatz zutun, weil offenbar in uns Menschen irgendwo im Geist ein Ort besteht, der sich nach der zerbrochenen Gottes-Verbindung sehnt. Dass Fussball Religion ist, muss mir niemand sagen, das war schon seit Jahrzehnten so, wenn auch nicht im gleichen Ausmass wie heute! Und immer wieder möchte ich betonen, dass ein lebendiger christlicher Glaube, der auf den Worten der Bibel und von Jesus Christus basiert, keine Religion ist!! Religion ist nicht Glaube, und Glaube ist nicht Religion. Religion ist das, was der Mensch rund um Gott herum gebaut hat (alle die Kriege, Boshaftigkeiten, Abgrenzungen etc. ist nichts Göttliches, nichts Biblisches!!)
        Heute glauben zuviele Menschen nicht mehr an den EINEN lebendigen Gott, wollen sich von ihm nichts sagen lassen, wollen SEIN Wort, die Bibel nicht lesen geschweige denn für sich in Anspruch nehmen! Aber, als Ersatz dafür müssen sie sich eine Religion basteln…und Fussball erfüllt dazu eigentlich fast alle Voraussetzungen. Nur, leider wie oben beschrieben, ist dieser “Gott” nur Luft und wenn man ihn braucht, wird er nicht da sein. Eigentlich arme Menschen, die so leichtsinnig sind…..

        • Roger sagt:

          Sehr gut gesprochen Herr Hoch. Aus ihrem Text kann ich ersehen, dass den lebdnigen Gott bereits angenommen haben und nicht irgend eine tote Religion. Möchte dann nur einen Vers aus der Bibel anfügen:

          “Die Botschaft des Kreuzes ist denen eine Torheit, die verloren gehen.”

          Das sollte sich Herr Stamm auch mal vor Augen führen.

          • xyxyxy sagt:

            @Hoch und Roger – “alle sind religiös, nur ich habe den wahren Glauben”
            sie machen es sich zu einfach. Nähmen sie sich mal die Mühe mit anderen tiefgläubigen Menschen (in ihren Augen nur “Religiöse”) echt zu kommunizieren, würden sie feststellen, dass diese gleich denken wie sie. Und wären sie wirklich selbstkritisch, dann würden sie feststellen, dass ihr “wahrer Glaube” in grossen Teilen eben auch nur eine Religion ist.
            Letztlich sind sie nicht überzeugt von Gott – sondern von ihrem eigenen Glauben. Denken Sie mal darüber nach, bevor sie weiterhin sich selbst den wahren Glauben zuschreiben und allen anderen nur tumbe Religion (mit der sie selbst natürlich nicht das Geringste zu tun haben – hüstel, hüstel)

        • Kurt Schmid sagt:

          Herr Hoch da bleibt mir nur der Satz; GLAUBST DU NOCH ODER DENKST DU SCHON

        • beat buerki sagt:

          @ matti hoch
          dass der fussball nicht für einen da ist, wenn man ihn braucht, würde ich so nicht unterschreiben. der zusammenhalt innerhalb der fanclubs oder fankurven ist oft sehr gross. die vielen leute aus verschiedenen schichten und berufen, können da in vielen lebenslagen hilfreich sein und eine echte stütze. das mag nicht für alle fussballfans gelten, aber gerade in kurven ist der soziale zusammenhalt sehr gross und geht weit über das materielle hinaus. so kann zum beispiel die aktion, dass sich dutzende, wenn nicht hunderte fcb-fans für die blutdatenbank registrierten, um einem an leukämie erkrankten kollegen zu helfen, bei diesem sehr viel hoffnung und trost bringen. genau so, wie gott das eben für die gläubigen tun kann.
          sie schöpfen diese hoffnung aus dem glauben an gott, andere eben aus dem glauben an die mitmenschen oder eben den fussball. es ist vermessen, das eine oder das andere als besser oder hochwertiger zu betrachten.

  4. GC-FAN sagt:

    Diese Gedanken habe ich mir schon gemacht. Man hat etwas verbindendes, etwas woran man “glaubt”. Das schöne ist – und da unterscheidet sich der Fussball-Fan vermutlich nicht gross von einem Freikirchler – man ist eine Gemeinschaft. In der Fankurve spielt es keine Rolle, welcher Herkunft man ist, welche politische Gesinnung man hat, welche Hautfarbe, welches Alter, welches Geschlecht. Das einzig verbindende und woran man glaubt ist die Mannschaft auf dem Platz. Dies Gemeinschaftsgefühl zu erleben, ist etwas sehr schönes. Es verbindet Menschen die sonst nie was miteinander zu tun haben würden. Dabei hilft es eben auch Vorurteile abzubauen, Menschen gegenüber die einem bis anhin fremd waren. Und das schöne am Glauben Fussball ist, dass man nicht verstossen wird wenn man auch mal Monate oder Jahre nicht an Spiele geht. Wenn man zurückkehrt gehört man einfach wieder dazu, so als wäre man nie fort gewesen. Und falls sich Interessen ändern sollten, gibt es auch Niemanden der sich daran stört.

    • Auguste sagt:

      hmm…, wäre ja alles gut und recht, wenn gc ein typischer “südkurven-verein” wäre. aber gc ist ein “vip-logen verein” – leider ohne logen und ohne stadion. aber was solls, man kann auch vor dem match im wappenverzierten blazer zum kathedralen-mahnmal an der hardturmstrasse pilgern, ein kerzchen anzünden, mit zum himmel gereckten fäusten die ungerechtigkeit auf erden im allgemeinen und gegenüber gc und der fdp im besonderen beklagen und nachher den weiss-blauen schal etwas enger zurren, damit man sich später in der zugluft ennet den gleisen nicht den tod holt in der kalten jahreszeit.

      • GC-FAN sagt:

        hmm…, wäre GC ein typischer “südkurven-verein”, dann hätten in der GC-Kurve eben nicht ALLE Platz. Sondern nur die vermeintlich-ober-mega-coolen. Ihr Kommentar ist aber insofern überflüssig, da Sie über eine Kurve urteilen von der Sie keine Ahnung haben. Insofern ist auch mein Kommentar überflüssig. Denn genau wie der Ihrige pflegt er nur Vorurteile.
        Ergo: überflüssig.

        • Auguste sagt:

          hmm…, also ich fand ihren post überhaupt nicht überflüssig – im gegenteil – klang als käme er von herzen. und ist nicht genau das der ort, wo jede religion und “religion” eigentlich hin will?

          zugegeben, über meinen kann man geteilter meinung sein, aber ich bin definitiv unschuldig an der ganzen gc-misere. ich komme aber halt manchmal aus dem staunen über die kluft zwischen anspruch und wirklichkeit bei diesem verein nicht heraus.

          • GC-FAN sagt:

            Mit überflüssigem Post meinte ich meine Antwort auf Ihre Antwort…;-)
            Wissen Sie, die GC-Misere, welche durchaus statt gefunden hat, hatte eben auch ihre schönen Seiten. Bleibt der Erfolg aus, so bleiben am Ende noch die treuen Fans. Und der Zusammenhalt dieser Fans wächst um so mehr. Glauben Sie mir, es war und ist eine der schönsten Zeiten, welche wir als GC-Fans erleben dürfen.

      • Marc Fehr sagt:

        Hahaha. Der Beitrag von Auguste zeigt wie kleinkariert und langweilig der typische Südkurvler ist. Das lustige ist ja die Einbildung, dass ein Hopper gerne tauschen würde. Man merkt so richtig schön aus dem Text, wie der Grasshopper-Club beim Auguste schon einige Male ins Herz gestochen hat. Der zweite Platz (auch erster Verlierer genannt) aufgrund der Derbyniederlage letzte Saison ist da wohl noch nicht ganz verdaut. Wenn der Auguste daran zurückdenkt schäumt es bereits wieder aus den Mundwinkeln.

        • Auguste sagt:

          hmm…, sie täuschen sich marc fehr, ich liebe das zürcher derby und ganz besonders, wenn es heiss umkämpft ist. zugebeben, mein herz schlägt nicht für die grasshoppers, aber ich hätte absolut nichts dagegen, wenn gc eines tages wieder einmal um den titel mitspielen könnte – je mehr anwärter, desto spannender der saisonverlauf. und was die meisterschaft angeht, da mache ich es mir sehr einfach: wer am ende oben steht, hat es wohl verdient – punkt fertig, neue saison, please.

    • Chregi sagt:

      Wunderbar, wie sie hier beide gerade aufzeigen, wo das Problem liegt. Nämlich dass die Akzeptanz nicht über die Kurve hinausgeht. So wie sie in der Religion oft eben auch nicht über die Konfessionsgrenze reicht. Obwohl der Gott ja eingentlich der gleiche ist. Sehr schade.

  5. Kurt Thaler sagt:

    Ja, ich habe mich oft gefragt, wieso sich Herr Stamm nicht ebenso vehement des “Fussballs” annimmt wie des Sektenwesens oder Unwesens. Er tut es nun doch, aber allerdings auf eher humorvolle Art.Mit etwas simplem “wissenschaftlichem Anspruch”. Was er auslässt, dass Leute Fussball, auf entsetzliche Weise zu ihrem ausschliesslichen und wichtigsten “Lebensinhalt” machen, die Kosten die diese “Glaubenskrieger” verursachen, und – das Geld, die Milliarden, die vermutlich aus Drogenhandel, Sklaverei (Prostitution) stammen, das in diesem Geschäft gewaschen wird, no comment. Und auch, die Belästigungen, die sich eine grosse Mehrheit uninteressierter durch diese Veranstaltung, auch durch Medienpräsenz (Massage) gefallen lassen müssen. Kein Wort. Schade Herr Stamm, ich würde Sie für einmal ernst nehmen, wenn Sie da mit mutigerem Blick draufschauen würden. Der Guru, der da mit einigen Leutchen unappetittliche Sachen veranstaltet ist da zu vernachlässigen. Schade Herr Stamm, gegen dieses Tabu kommen Sie nicht an.

    • fabio sagt:

      Ihre Punkte lassen sich jedoch schnell relativieren: Terroranschläge (fundamentalistische Religion) lösen ebenfalls Kosten aus, Kirchen verschwenden Geld für goldene Kelche (woher dieses Geld kommt will ich gar nicht wissen). Belästigungen finden häufig nicht nur durch Kirchenglocken statt…

  6. Marcel Kraus sagt:

    Es ist historisch unbestritten, dass die Ballspiele bei den indianischen Hochkulturen (Azteken, Olmeken etc.) in einem religiösen Kontext standen. Keineswegs handelte es sich dabei um eine Ersatzreligion, sondern um ein wesentliches Element der zahlreichen religiösen Ritualhandlungen. In der modernen Zeit hat der Fussball aus meiner Sicht keine religiöse oder spirituelle Funktion mehr. Vielmehr dominiert die hemmungslose Verherrlichung von Höchstleistung, Spitzensport und Kommerzialisierung.

    • young boy bern sagt:

      Hätte die Zürcher Redaktion der BZ ein bisschen besser recherchiert, hätte sie die augenzwinkernde, selbstironische Werbekampagne von YB gefunden. (Siehe Links.)

      http://youtu.be/_hmBi_RfqMk
      http://youtu.be/vC1-igeIbcE

      Diese Werbung verbindet plakativ die Themen des ewigen Zweiten («veryoungboysen») und des dennoch nicht endenden Glaubens an eine Meisterschaft oder einen Cupfinalsieg.

      Bestimmt haben sich die damaligen Werber auf dem von Dir geschilderten Hintergrund die Idee entwickelt.

  7. kurt abächerli sagt:

    herr stamm liebt es alles und jede glaubensrichtung durch den dreck zu ziehen. gemäss dieser definition sind rocker-vereinigungen, metal-konzerte, swinger-clubs noch viel fesselndere religion. aber herr stamm: zynismus ist keine religion sondern eine westliche degenerierung.

  8. Thomas1 sagt:

    Gottesgläubige Menschen würden dazu einfach sagen: alles ist Gott, also auch Fussball. In Hinblick auf Religionen ist der Vergleich mit dem Fussball reichlich undifferenziert: für den GC-Fan ist GC Gott und alle anderen sind des Teufels etc. Und deshalb hauen sich die verschiedenen Dogmatiker mit Alleinanspruch auf ihren Gott jeweils auch die Hucke voll – verbal oder sogar tätlich. Ganz genau so ist es auch, wenn Glaubensvertreter und Religionsanhänger wie Atheisten, Agnostiker, Buddhisten, Christen und wie sie alle heissen aufeinander treffen: diejenigen der Fankurve behaupten, nur sie hätten recht, zetteln Streit an und die Mehrheit der Fans heisst es gut. Und nur ganz wenigen gelingt es, Fussball nur des guten Fussballs wegen zu lieben. Die sich nicht in die Grabenkämpfe hineinziehen lassen. Die gute Aktionen hier wie dort feiern können. Fouls und Unfaires Verhalten hier wie auch dort verurteilen. Ja, und genau so ist es auch bei Glaubensvertretern und Religionsanhängern: die wenigen Dogmatiker pro Richtung (da würde ich auch Sie dazu zählen, Herr Stamm) profitieren vom Aufstacheln und Aufhetzen gegeneinander (z.b. mit einem Blog). Die Mehrheit der Fans unterstützt die Dogmatiker mehr oder weniger aktiv. Und nur ganz, ganz wenige lassen sich nicht hineinziehen – und ziehen aus all den verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen das heraus, was für sie passt, respektieren alle anderen und tragen so zu eine friedlichen statt feindlichen Koexistenz bei.
    Oder zusammengefasst: man kann vollen Herzens GC-Fan sein – und Fans anderer Mannschaften respektieren und in Ruhe lassen. Genau so könnte man Atheist sein und die Anhänger anderer Religionen respektieren und in Ruhe lassen. Leider können das nur die wenigsten. Ihr Argument; die anderen lassen mich ja auch nicht in Ruhe. Und so beginnt sie: die Never Ending Story der Glaubenskriege, von denen stets die jeweiligen Anführer und Aufwiegler am meisten profitieren.

    • xyxyxy sagt:

      dieser Kommentar gefällt mir

    • Hans vom Hübel sagt:

      Wenn es wirklich so wäre wie Sie schreiben, hätten wir schon längst einen Bürgerkrieg. Mir scheint, Sie übertreiben da gewaltig. Ich kann doch als FCB-Fan mit einem Anhänger des “Erzfeinds” FCZ ein Bierchen trinken, ohne dass wir uns gleich die Köpfe einschlagen. Natürlich kommt es bei solchen Begegnungen zu den üblichen Sticheleien, mehr aber auch nicht. Ich würde meinen, so oder ähnlich verhält es sich mit 95% aller Anhänger/Fans eines Clubs.

      Das selbe gilt für die Politische Überzeugung oder die Religion: Als humanistischer Atheist habe ich keinerlei Mühe, mich mit einem gläubigen Christen oder Moslem auszutauschen, vorausgesetzt unsere Grundwerte sind deckungsgleich. Gegenseitiger Respekt gründet nicht auf gemeinsamen religiösen oder politischen Ansichten, sondern auf gemeinsamen Werten. Und auch wenn Letzteres nicht immer gegeben ist, so gilt das Gebot der Toleranz, ein Grundpfeiler unserer so genannten Willensnation.

      • Thomas1 sagt:

        Ja klar, Hans von Hübel. Ich habe polarisiert. Liegt auch daran, dass ich die letzten paar Stadionbesuche in der Fankurve miterlebt habe. Auch ist mir klar, dass die Mehrheit der Fans nicht gewalttätig ist. Aber lustigerweise finden die meisten, dass ein Hooligan der eigenen Mannschaft weniger schlimm ist als einer der gegnerischen Mannschaft…Das ist zwar nicht direkt gewalttätig, aber auf indirekte Weise ist die Haltung eben doch gewaltunterstützend. Es geht mir deshalb generell um die Haltung und darum, ob sie letztlich Zwietracht fördert oder ein friedliches Mit- oder Nebeneinander. Mein Eindruck ist, dass die Tendenz, Leute und Gruppen gegeneinander aufhetzen, zunimmt – in allen Bereichen. Entsprechend ist auch die Gewaltbereitschaft gestiegen und die Toleranz gegenüber Andersdenkenen oder -gläubigen gesunken. Am meisten störe ich mich dann daran, wenn jemand sich nun vor diese Strömungen schwingt und sein Megafon (oder seinen Blog oder was auch immer) dazu missbraucht, diese Tendenz zu verstärken und davon zu profitieren. Cool, wenn jemand das Talent hat, mit seinem Megafon eine Bombenstimmung anzufachen, weniger cool, wenn er dieses Talent missbraucht, um damit eine explosive Stimmung zu entfachen und gegen die anderen aufzuwiegeln… Besuchen Sie mal Hugo Stamms Sektenbolg – und Sie wissen, was ich meine.

  9. Kurt Schmid sagt:

    @Patrick Marthaler schreibt, hassen sei unchristlich, ich nehme an, sie haben weder die Bibel gelesen noch die Geschichte des Christentums. Die Betrachtungen von Hugo Stamm haben etwas für sich, so haben doch die Saubannerzüge der Fans ein klein wenig gemeinsames mit den Kreuzzügen. Es gibt noch weitere parallelen, man hasst die Fremden, aber verehrt sie, wenn sie zur gleichen Mannschaft/Religion gehören. Gewalt wird moralisch legitimiert wenn es um die Bekämpfung der anderen Mannschaft/ Religion geht. Für mich ist klar, ich mag beides nicht, weder die Religionen noch diese fanatischen und geistig zurückgebliebenen Fussball-Raudies.

  10. Auguste sagt:

    hmm…, fussball ist keine religion! beweis: glauben und “ische sepp” sind nicht unter einen hut zu bringen.

  11. Jörg Wirz sagt:

    Die Religion solls richten: “Religion hat die Aufgabe Sinn zu stiften” und jetzt sogar der Fussball: “Fussball ist gar eine Weltreligion” und dann wieder: Da Gott nicht bewiesen werden kann, kann auch Fussball als Religion verstanden werden “er erfüllt die Anforderungen”. – Mein lieber Hugo S., sie tun mir leid, so viel geistige Leere und Verwirrtheit habe ich noch nie in einem Bericht von Ihnen gelesen. Ich vermute in Ihrem Innern sieht es ähnlich aus.

    Der Sinn muss der Mensch in sich selber finden, wer jeden tieferen Sinn ablehnt wird zu einem materialistischen Krüppel und Zyniker. Solche Bericht sind dann das Ergebnis, traurig.

  12. Auguste sagt:

    hmm…, fussball könnte aber auch nur ein auf grünflächen basierendes imperium sein. fragen sie mal, den kaiser, herr stamm.

  13. paedemorf sagt:

    der lionel messi (ich sehe den namen zum ersten mal) scheint ja ein as zu sein – da haben wir ihn schon – DER messias!. bin mir zwar nicht mehr sicher ob ich as richtig geschrieben habe. aas – ass???

  14. L. Fischer sagt:

    Der Vergleich zwischen eine Gottesdienst und einem Fussballspiel ist so alt wie dumm.
    Das spannende am Fussball ist ja (jedenfalls bei Spielen in derselben Liga), dass ich vorher nicht weiss, wie es ausgeht. Die Begeisterung für “meine Mannschaft”, die reisst mich mit. Aber wenn sie verliert, dann bin ich hinterher zu Tode betrübt. Emotionen bestimmen!
    Beim Gottesdienst weiss ich, wie es ausgeht, egal ob bei einer Messe oder einem reformierten Gottesdienst. Da ich reformiert bin, kann ich vor allem davon schrieben: Ich erwarte in einem Gottesdienst – in dem ich Ruhe vom Alltag finde – Gedanken, die ich mit nach Hause nehmen kann, an denen ich ncoh etwas “rumstudiere”.
    Kann es einen grösseren Unterscheid geben, als zwischen diesen beiden Arten von Veranstaltungen?

    • beat buerki sagt:

      @ l. fischer
      natürlich gibt es unterschiede. die gibt es ja in gottesdiensten auch. hier die gesprochene predigt mit viel nüchternheit und einigen liedern, dort die gospelkirchen.
      aber es gibt natürlich auch sehr viele gemeinsamkeiten. sich in trance singen, in gospelkirchen wie auch in fussballstadien. hier nehen sie sich gedanken für die woche mit, dort überlege ich mir die ganze woche, wieso die taktik nicht zum sieg über den gegner geführt hat. sie suchen die ruhe vom alltag, ich suche das ventil um alles rauszulassen, um ruhe im alltag zu finden. hier machen gläubige prozessionen, dort fanmärsche zum stadion. hier werden götter, götzen, reliquien, etc. dort, fussballspieler, ehemalige fussballspieler, pokale und getragene trikots, etc.

      • L. Fischer sagt:

        Vielleicht ist ja der reformierte Glauben keine Religion?!
        Jedenfalls haben wir kein “in Trance singen”, keine Prozessionen und auch keine Reliquien.

  15. Franz Melliger sagt:

    Ach nein, ist das Sommerloch jetzt schon so gross, dass man Hugo Stamm ins Rennen wirft ? Wer kommt als nächstes, Erich von Däniken?

    • Peter Suter sagt:

      @F.Melliger:
      Ich vermute, als nächstes ist Beda Stadler dran, der Fussbälle mit Globuli vergleicht und folglich die WM in Katar absagen möchte. Dann haben wir bald alle fanatischen Wissenschaftsektierer durch und können uns wieder dem Fussball widmen.

  16. Hans vom Hübel sagt:

    Schon der renommierte Biologe und Verhaltensforscher Desmond Morris, der unter Anderem auch das Verhalten von Fangruppen untersuchte und sie als ritualisierte Stammeskriege der Neuzeit bezeichnete, hat einmal gesagt: “Wenn Ausserirdische auf die Erde schauten und die Menschen zu den Spielen strömen sähen, so müssten sie zum Schluss kommen, dass die Stadien unsere Kirchen seien.”
    Führt man sich beispielsweise das “Joggeli” mit dem St. Jakobs-Turm gleich nebenan vor Augen, so erhält diese Interpretation auch gleich eine optische Untermalung.

    • Auguste sagt:

      hmm…, in zürich dagegen hätten die aliens den plan auf der ersten seite der asterix comics 1:1 ansehen können. ein bernoullisches dorf in schach gehalten von einer mächtigen, eckigen feldbefestigung davor. aber wie im comic-heft, haben die unnachgiebigen dörfler die festung der banker gebodigt und in ein paar hundert jahren wird die hardturm-ruine von schulklassen besucht werden, wie früher augusta raurica.

      • Hans vom Hübel sagt:

        Lieber August, angesichts des staatlich subventionierten, baufälligen Tobels in welchem der Stadtclub nun zu spielen hat, würde mir das schadenfrohe Lachen über das selbstverschuldete Leid der Niederhasler im Halse stecken bleiben.

        Hätten die Rauracher damals schon das Verbandsbeschwerderecht gekannt, gäbe es heute wohl auch keine Römerstadt zu besichtigen… 😉

    • Aqua sagt:

      Ausserirdische wissen also, was Kirchen sind? Dann wissen die aber auch, was Fussbalstadien sind…

  17. Auguste sagt:

    hmm…, ich konnte nicht widerstehen: das wort fussball wurde ersetzt durch rock-musik und messi durch bono. resultat: so einfach bin ich noch nie zu einem artikel über rock-musik gekommen.

    youtube: rem – losing my religion

  18. Karl Eigenmann sagt:

    Das würde ja bedeuten, Josef Blatter ist so eine Art von Papst… wobei die Parallelen ziemlich erschrecken sind, insbesondere die Unfehlbarkeit…
    Bei der “Iglesia Maradoniana” ist es aber so, dass Maradona als Gott betrachtet wird – eben “D10S”! Beim Aufnahmeritual muss man eine getretene Flanke mit der Hand reinmachen – irgendwie noch witzig.

    • manfred zürcher sagt:

      Der Vergleich von Blatter und dem Papst hat mehr dran als alle Vergleiche von Herrn Stamms Artikel zusammen… Ein Fussballfan ist noch lange kein Blatterfan – im Gegenteil -, und selbiges gilt für das Verhältnis von Christen bzw. Katholiken und dem Papst…

  19. Georgina Best sagt:

    Es lebt das nicht ganz neue, phänomenale Wesen
    neben ‘Gott’ – ob der auch wirklich immer da gewesen?
    Es wird geschleudert durch die Himmel’s Lüfte
    von Kopf, vom Fuss auch aus der Hüfte
    Es prallt gen Kreuze, schlägt das Holz
    ist von seinen Fans der Stolz
    erleiden beide gar viel Pein,
    Wer möcht da Christ oder Fussball sein?

  20. manfred zürcher sagt:

    Ein sehr oberflächlicher Artikel – und noch nichtmal wirklich humorvoll und unterhaltsam. Solche hanebüchenen Vergleiche kann man mit so ziemlich allem machen, man findet immer irgendwelche interessanten und weniger interessanten Parallelen. Ebenso könnte man beliebig viele Unterschiede aufzählen!

  21. Theo sagt:

    Meines Erachtens ist nicht Fussball ein oder der Gott, weil der Fan auf dem Photo ja nicht zum Fussball betet sondern zu Gott, damit seine Mannschaft nicht absteigt. Demzufolge ist Fussball eine (von vielen, die hier bereits zitiert worden sind) Plattform, wo der Mensch der heutigen Zeit mit seinem Gott emotional in Verbindung treten kann. Er tut dies aber stets als Anhänger seiner Religion, also kann Fussball demzufolge keine eigene Religion darstellen. Er ist also sozusagen ein Ersatz, bzw. eine Manifestation des unsichtbaren Gottes bzw. des nicht mehr unter den Lebenden weilenden, wunder vollbringenden Jesus (Beispiel Messi).

    Es ist meiner Beobachtung nach bei jeder – zumindest jeder der grossen – Religionen so, dass man sich diesen Ersatz sucht, damit begründet man aber noch lange keine eigene Religion. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es viele Fussballfans gibt, die zum Fussball auf ihrem Altar zuhause im Wohnzimmer beten, wenn z.B. ein geliebter Mensch in echten Schwierigkeiten steckt. Diese Gebete, wenn sie denn erfolgen, richten sich dann wie gewohnt nach “oben”.

    In vielen interessanten Kommentaren habe ich diverse Sichtweisen erlebt, teils ablehnend, ironisch, aggressiv, abgrenzend; teils annehmend, verständnisvoll, offen, integrierend. Die Weisen im alten Hawaii sagten dazu in einem ihrer Energie-Gesetze, Ike: “Die Welt ist, wofür du sie hälst”. Also kann men ebenso negative Argumente für das Weltphänomen Fussball finden, wie positive. In der niedergeschriebenen Betrachtungsweisen findet man deshalb nicht so sehr die Wahrheit über das Phänomen Fussball, sondern vielmehr die Reflexionen der eigenen Betrachtungsweise, projiziert auf das Thema Fussball.

    Ich selbst liebe Sport aller Art sehr, bevorzuge dabei generell die positive Sichtweise und schätze daher z.B. das völkerverbindende Element des Wettkampfs ohne Kampf um Leben und Tod wie früher bei den legendären Gladiatorenkämpfen. Ich hoffe aber auch, dass der Fussball als weltumgreifendes Phänomen irgendwann durch ein noch lebensfreundlicheres, integrierendes Modell abgelöst werden wird….ein massenbewegendes Phänomen ohne religiösen Anstrich???

  22. Roland sagt:

    Diejenigen, die Fussball mit Religion verwechseln oder Spieler, die vor dem Spiel beten oder sich bekreuzigen, haben wohl in ihrem marginalen Dasein nie schlimme Zeiten durchleben müssen. Ansonsten würden sie den Unterschied kennen und dies als einen erbärmlichen Versuch ansehen, Widerwertigkeiten zu kompensieren.

  23. Florian Hess (Zürich) sagt:

    Meines Erachtens ist es viel wichtiger, was man im Leben konkret tut, und zwar für sich und die Mitmenschen. Verlässlichkeit und Ehrlichkeit z.B. sind keine Trugbilder, sondern Tugenden, wonach man immer streben sollte und nicht nur dann, wenn es dem eigenen Vorteil dient. Als Erinnerungsstütze steht auf meinem Schreibtisch ein kleines, eingerahmtes Jesusbild. Das ist für mich kein Trugbild, sondern es hilft mir im Alltag, mich an diese Tugenden zu erinnern.

  24. Hurti sagt:

    Fussball ist zumindest in den südlicher gelegenen Ländern (z.B. Argentinien, Brasilien, etc. …) zur Religion geworden.

    Der Fussball lenkt die Fans von ihren privaten Problemen ab und scheint manchmal der einzigste Halt im Leben einiger Menschen zu sein.

    Da viele Fussball Vereine in diesen lateinamerikanischen Ländern, nicht jedes Fussballtalent aufnehmen können, weil diese Talente nicht das nötige Geld für die Vereinsaufnahme haben, so versuchen diese jungen Fussballer in dem Ableger des Fussballs “Futsal” ihre Talente weiter zu entwickeln.

    Die Futsal Vereine in diesen Länder sind finanziel, für diese Jungtalente, erschwinglicher.

    Der Futsal Sport hat auch in Europa Fuss gefasst und erfreut sich immer stärkerer Beliebtheit.

    Siehe dazu: http://www.amigos-de-futsal.org

    Gruss

    Herti

  25. Beda Ziegler sagt:

    Lieber Hugo

    Da hast du sicher recht, Fussball kann auch eine Religion sein !
    Da aber das Evangelium von Jesus Christus keine Religion ist,
    fuehrt es ueber den Glauben an Jesus Christus zur Wahrheit !
    Diesen Glauben wuensche ich dir !

    Mit Liebe aus Chiang Mai, Thailand
    Beda