Logo

Hinten Schweizer, vorne Multikulti

Mämä Sykora am Samstag den 25. Juni 2011

Eine Mannschaft, die den idealen Mix gefunden hat: Die Schweizer U-21 vor dem Spiel gegen Weissrussland am 18. Juni 2011. (Bild: Keystone)

Schaut man sich die Stammformation der Schweizer U-21 genauer an, fällt einem vor allem eines auf: Hinten halten mehrheitlich die Kinder von Schweizer Eltern das Tor rein, vorne sorgen die Secondos aus südlichen Ländern für Wirbel. Es ist genau dieses Zusammenspiel der Mentalitäten, das die Mannschaft bis ins Endspiel dieser EM gebracht hat. Ohne die hervorragende Defensivarbeit von Sommer, Rossini, Koch, Lustenberger und dem schweizerisch-deutschen Doppelbürger Klose würde die Null längst nicht mehr stehen, ohne die Offensivkraft von Shaqiri, Xhaka, Mehmedi oder Emeghara stünden nicht bereits 7 Tore auf dem Konto.

Die Schweiz ist nicht die einzige Nation, die von den Zuwanderern fussballerisch profitiert. In fast jeder europäischen Auswahl finden sich mehrere Spieler mit Migrationshintergrund, und sie sind meist eine Bereicherung für die Mannschaft. In der Schweiz als klassischem Einwanderungsland ist dies besonders ausgeprägt: Vom 23-Mann-Kader der U-21-EM wären 15 auch für eine andere Nation spielberechtigt.

Trotz der unglaublichen Anzahl Talente, deren Ursprünge im Balkan liegen, liegt der letzte Titel einer Nationalmannschaft von dort ewig zurück: 1987 gewann Jugoslawien mit Boban, Prosinečki und Šuker die U-20-WM. Seither sammelten Balkankicker zwar fleissig Titel, jedoch nie für ihr Vaterland. Zweifellos bringt diese Region die meisten Topfussballer Europas hervor, doch offensichtlich braucht es für den Erfolg einer Mannschaft mehr als das.

Für Jan Berger junior, Ex-Profi bei diversen Schweizer Vereinen und Sohn der tschechischen FCZ-Legende gleichen Namens, ist die gelungene Eingliederung der talentierten Secondos der Schlüssel zum Schweizer Erfolg: «Die ‹echten› Schweizer ähneln in ihrem Naturell den Deutschen. Man kann sie taktisch sehr fest einbinden, deshalb besteht die Verteidigung mehrheitlich aus den Echten, die sind sehr diszipliniert und verantwortungsvoll ihre Aufgaben erfüllen. Vorne spielen kreative Kosovaren, Albaner, Kroaten, Italiener oder Afrikaner. Die Schweizer Trainer haben begriffen, dass man diesen Spielern mehr Freiheiten gewähren und ihre Stärken fördern muss.»

Die Mischung macht’s. Die Immigrantensöhne, die sich stets mehr beweisen müssen als andere und deshalb auch mehr zu investieren bereit sind, geniessen hier eine hervorragende fussballerische Ausbildung, durch die aus Talenten Spitzenfussballer werden. Dank des stabilen Gerüsts, das die «Urschweizer» an dieser EM bieten, kommen die Vorzüge der Secondos bestens zur Geltung. Die Schweizer Erfolge im Nachwuchsfussball stellten sich erst mit der Einbindung von Zuwanderern ein. Ohne sie würde die aktuelle U-21 nicht so viel Freude bereiten. Gleichzeitig darf bezweifelt werden, ob sie ebenso erfolgreich wären, würden sie für ihr zweites Heimatland spielen.

Eine bessere Kombination als diejenige aus Schweizer Tugenden und südosteuropäischer Spielfreude gibt es nicht. Nur so kann die kleine Schweiz mit den grossen Nationen mithalten, nur so können wir unterhaltsamen und erfolgreichen Fussball sehen.

« Zur Übersicht

45 Kommentare zu “Hinten Schweizer, vorne Multikulti”

  1. Patrick Marthaler sagt:

    Interessante Beobachtung! Ist mir bisher gar nicht aufgefallen.

    • Pascal sagt:

      dann interessiert dich fussball nicht so was. also für mich ist diese “entdeckung” nicht neu. dieser trend ist schon seit jahren auszumachen. sieht man doch die kaderlisten der u-mannschaften an ist dies sofort ersichtlich.

  2. Stefan Büchler sagt:

    Finde ich eine seltsame Strategie… Wozu eine Nati wenn der Haufen nicht der Grundgesamtheit der Nation entspricht? Im Club-Fussball ist es ein noch grösserer Witz, da spielt nur noch Kapital gegen Kapital.
    Drücke der Nati trotzdem die Daumen, ist eine sympathische Truppe.

  3. Tschar Li sagt:

    Genau. So ist es auch in vielen anderen Bereichen. Die Vorteile der Zuwanderung überwiegen die Nachteile für die Schweiz, wenn man wie die Fussballtrainer weiss, wie man aus Unterschieden gemeinsame Stärken formen kann.

    • Walter Bossert sagt:

      Ja Tschar Li, wir sollten dann schliesslich noch Fussballspielen können, wenn vor lauter Armut in der Schweiz dereinst nichts mehr geht! Etwa so wie in den Armenvierteln in Affrika oder Lateinamerika.In der Schweiz im Winter zwar etwas kalt,aber drinnen ist ja dann auch nicht viel wärmer.

  4. Schön am Blog ist, dass er die Zuwanderung als denjenigen Gewinn begreift, die sie für unsere Gesellschaft darstellt. Nur eine offene Gemeinschaft ist letztlich erfolgreich, wie eben die U 21 Nationalmannschaft. Allerdings erlaube ich mir den Einwand, dass es die Urschweizer nicht gibt. Jedes Geschlecht ist irgendwann einmal in dieses geografische Gebiet der Schweiz eingewandert, seien die Kelten, die Römer, die Germanen, in unseren Jahrhunderten waren es dann wohl die Rheintaler, die Italiener, die Menschen aus dem Balkan, aus Deutschland usw. Solange es also Menschen gibt, wird es immer sesshaftere und weniger sesshafte geben, die aus wirtschaftlichen Gründen in ein Gebiet einwandern. Wir sollten diejenigen als Schweizer betrachten, die hier geboren wurden, hier wohnen und arbeiten und nicht auf eine Blutlinie abstellen, wie dies ihr Blog tut und schon gar nicht “Mentalitäten” davon ableiten. Der Charakter eines Menschen bestimmt sich nicht nach Nationalität, sondern nach der Erziehung und seinem Umfeld. So besehen genügt es doch sich an dem tollen Spiel der schweizerischen Nationalmannschaft und der guten Arbeit der Nachwuchsförderung zu freuen.

    • Carly Pfitzner sagt:

      Herr Stolkkin > Sie könnens und wollens nicht lassen, immer wieder gut analysierte Artikel mit dem ‘richtige Schweizer gibt es nicht’ zu kontroversieren! Irgendwie stört es Sie extrem, dass Sie mit Ihrem ‘unschweizerischen’ Namen leben müssen—-aber Sie machen es sich selber nur schwer! Selbst die Ethnologie, Stammbaum-Forschung können Ihnen bestätigen, dass es die ursprünglich als helvetische Kelten (vier Stämme) immer noch gibt (empirische DNA-Analysen) und in einem Grossteil der heutigen ‘Urschweizer’ auch bestimmt werden kann! Aber bitte lassen Sie keine neue Polemik aufkommen, welche bereits durch Fakten klargestellt wurde——es geht hier schliesslich um eine tolle Analyse, die die Stärke unserer U21-Nati auf den Punkt bringt! Hier geht es nicht um Ideologien, anti-schweizerische Thesen etc., sondern um FUSSBALL und gut beobachtete Hintergründe……

      • Herr Pfitzner, gerne nehme ich zur Kenntnis, dass Sie offensichtlich alle meine Kommentare aufmerksam lesen, offensichtlich scheinen Sie mich persönlich zu kennen, was mich doch sehr erstaunt: Die von Ihnen beobachteten Hintergründe indes, haben für mich den Beigeschmack längst vergangener Zeiten: Selbst wenn es die von Ihnen behaupteten Genanalysen geben sollte, was mich sehr verwunderte, kann man nicht daraus auf die Mentalitäten schliessen, nicht darauf, dass die einen hinten solide stehen und die anderen vorne kreativ spielen- allein wegen des Genpools. Sie werden doch nicht allen ernstes diese simplifizierte Anschauung teilen, bei aller Liebe zum Fussball.

    • Chris Frank sagt:

      Danke, Herr Stolkker!

  5. Franz Melliger sagt:

    Auf jeden Fall ist es korrekt, dass wir ohne die Einwanderer niemals so erfolgreich im Fussballgeschäft wären. Ebenfalls glaube ich, dass die Shaqiris und Co. in ihren Heimatländern nicht so professionell ausgebildet worden wären.

    Die Einteilungen nach Herkunft in Kreative und Disziplinierte ist ja allgemein ein sehr heikles Thema. Das klingt halt schnell ein wenig nach Rudolph Steiners “Farbenlehre” und dergleichen. Aber ohne sagen zu wollen, wie so das so ist, muss ich dem Blogger schon recht geben. Es kann tatsächlich kein Zufall sein. Auch bei der A-Nationalmannschaft der Schweiz und Deutschen lässt sich dieses Muster ziemlich gut anwenden, auch wenn es natürlich keine absolute Allgemeingültigkeit bestitzt.

    Die Frage nach dem Grund für diese Unterschiede wäre natürlich eine sehr interessante, sprengt aber wohl den Rahmen des Fussball-Blogs.

  6. Tschar Li sagt:

    Genau zum zweiten: Jürg Ackermann hat es in seinem Kommentar noch besser erfasst als Mämä Sykora in seinem Blog.

  7. Marco Mächler sagt:

    Ja ja heute Abend sitzen wahrscheinlich die SVP Büenzlis mit dem Schwiizer Fähnli vor der Glotze und fiebern mit diesem multikulturellen Haufen mit. Am Montag ist dann alles vergessen und es wird wieder auf dem Buckel derer, die unser Land so würdevoll vertreten haben, Politik betrieben. An Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Sieht doch endlich ein, dass die Kombination unserer Stärken mit denen der hier lebenden Ausländer unser Erfolgsmodell ausmacht!

    • Heinz Bärtschi sagt:

      Ich bin so ein SVP-Bünzli (Danke für die Beleidigung, Anstand fordert man ja am liebsten bei den Anderen ein, ohne sich selber daran zu halten). Ich finde es gut, dass die SVP ihre Politik nicht von Fussballspielchen abhängig macht. Auch ist eine Einbürgerung kein Problem. Problematisch ist aber, wenn man trotz Einbürgerung den ursprünglichen Pass behalten kann und zum Rosinenpicker mutiert – insbesondere beim Fussball offensichtlich. Da will man dann den CH-Pass und spielt schliesslich für eine andere Nationalmannschaft. Di Mateo, Petric, Lulic, Kuzmanovic, Neuville, Rakitic und Co. lassen grüssen. Wer die volle Akzeptanz will, muss sich eben auch voll zur Schweiz bekennen. Ansonsten muss man sich nicht wundern, wenn ein gewisser Vorbehalt besteht. Und wenn man nun einwendet, dass sich viele Secondos auch für die CH-Nati entschieden (meist nach langem überlegen, gutem Zureden und Chancenlosigkeit in der anderen Nati) – dann wird hier schlicht das Selbstverständliche als Leistung herausgestrichen. Es sollte gar keine Frage sein! Aber die Instrumantalisierung des Sports in Ausländerfragen hat ja Tradition. Auch z.B. in Frankreich. Lobhudelung, als das Team den Weltmeistertitel holte, Staatspolitikum, als die Mannschaft in Südafrika rebellierte. Nein, hier geht es einfach um einen Tschuttimatsch. Wollen die eingebürgerten Secondos die volle Zügehörigkeit, sollen Sie auf ihren anderen Pass und damit ihre Wahlmöglichkeit verzichten. Alles haben kann man eben nicht. Trotzdem wünsche ich den Spielern heute natürlich viel Glück und Bescheidenheit.

      • Marco Mächler sagt:

        Herr Bärtschi, die Entscheidung für welche Nationalmannschaft man spielen will, ist eine Herzensangelegenheit und nicht zuletzt tun sich die Spieler selber am schwersten damit (inkl. aller rationaler Überlegungen). Aber wir sollten vor der eigenen Haustür wischen, bevor wir andere anklagen. Unsere Politik zielt ja genau in die gleiche Richtung: Wir wollen nur die, die uns einen Nutzen bringen. Wir sind also die genau gleichen Rosinenpicker. Was sollen denn die Deutschen beispielsweise sagen, dass wir deren hochqualifizierten und teuer ausgebildeten Akademiker so rege importieren? Und ich möchte doch noch einmal mehr darauf hinweisen, dass gerade die SVP Ausländer wiederholt für ihre Politik instrumentalisiert. Dass diese Exponenten heute Abend ein multikulturelles Produkt unter Schweizer Flagge anfeuern, ist für mich einfach schizophren. Die Alternative ist nicht, diese Jungs nicht anzufeuern, sondern eine vom Populismus abgewandte, rationalere, auf Integration basierte Politik zu betreiben. Dies muss auch kein Widerspruch zu konservativen Standpunkten sein. Insofern ist dieser Tschuttimatsch auch eine Metapher für viele weitere Bereiche in unserer Gesellschaft, erbringt doch ein Grossteil der Ausländer wunderbare Leistungen hier, für die sie von einem signifikanten Teil der Politik und Bevölkerung keine Wertschätzung erhält bzw. im Gegenteil noch sich ständig diffamieren lassen muss. (P.S. Tut mir leid wegen dem Büenzli Begriff)

      • Sutter sagt:

        man wird sein ganzes leben lang als hier geborener schweizer von dieser partei und ihren anhängern als zettelischweizer bezeichnet. von dieser partei und ihren anhängern ist man auch als ausländer zweiter generation nicht willkomen. so verstehe ich die sportler, die sich nicht für die schweiz entscheiden.

      • Ruedi von Steiger sagt:

        Dass die Schweiz die mehrfache Staatsbürgerschaft akzeptiert- ich kenne ein paar Leute mit drei Staatsbürgerschaften – liegt daran, dass man nicht wollte, dass Schweizerinnen, die einen Ausländer heiraten, die CH- Staatsbürgerschaft verlieren. Was daran problematisch sein soll, seh ich nicht ein. Die Einen wollen lieber für ihr Ursprungsland spielen, die Anderen für die Schweiz. Wo ist das Problem? Mühe habe ich allerdings dann, wenn man zuerst alle Juniorennatis der Schweiz durchläuft, um sich dann umzuentscheiden. Di Mateo bspw. hat von Anfang gesagt, dass er für Italien spielen wolle. Einen solchen Entscheid gilt es zu respektieren. Gäbe es “Kantonsnatis” hätte ich als Exilbündner in Zürich auch meine Freude daran, wenn meine im Kanton Zürich geborenen und aufwachsenden Söhne für Graubünden spielen würden. Wenn nicht, auch nicht so tragisch. Vielleicht würden sie dereinst auch für Griechenland spielen, da ihre Mutter als Seconda neben der CH-Staatsbürgerschaft auch die griechische besitzt. Sie sehen, es ist mitunter komplizierter als Sie denken.

  8. Fabio Rechsteiner sagt:

    Der Autor greift in seinem Essay zu kurz. Der Erfolg der U21 fängt nicht mit dem erfolgreichen Mix an sondern mit den absoluten Basics eines jenden erfolgreichen Zusammenlebens:

    Die Jungs unserer U21, ob nun “Bio”-Schweizer oder Zugewanderter spielen ZUSAMMEN, verfolgen ein GEMEINSAMES Ziel und führen das Spiel nach festgelegten REGELN, welche für ALLE gelten.

    Jeder Spieler kennt diese Regeln in- und auswendig und ist sich der Konsequenzen eines Fehlverhaltens bewusst und hat keine andere Wahl als das Urteil des Schiedsrichters zu akzeptieren – da gibt es keine Berufungsinstanzen.

    Wenn z.B.Lustenberger ein Foul begeht wird dies genauso geahndet wie wenn es z.B. durch Shaqiri begangen worden wäre.
    Ein Foul bleibt ein Foul, egal wer es begangen hat, die Nationalität oder Herkunft des Spielers ist absolut irrelevant.

    Es wäre im übrigen noch interessant zu erfahren in welcher Sprache sich der Trainer mit den Spielern und die Spieler untereinander verständigen

    • Gianni R. sagt:

      Mit Rauchzeichen vermutlich :-)) Obwohl das alles Leute sind, die hier aufgewachsen oder schon Jahre in der Schweiz leben.

    • Ruedi sagt:

      Ich tippe mal auf Deutsch und/oder Italienisch und/oder Französisch.

  9. Bertrand Sparent sagt:

    In der in den letzten Jahren ja auch nicht völlig erfolglosen A-Auswahl war es hingegen genau ungekehrt: vorne die Altschweizer Frei und Streller, hinten die Neuschweizer Benaglio, Djourou und Senderos. Die Rollenverteilung folgt wohl eher dem Zufall der zur Verfügung stehenden individuellen Talenten als einer Theorie der Mentalitätsunterschiede, die sich aus dem geographischen Familienhintergrund erklären liessen. Diese aus Klischees und Tagesform von ein paar wenigen Jungtschüttelern gestrickte Theorie steht auf wackligen Füssen.

    • Mämä Sykora sagt:

      Hier müsste man freilich «Erfolg» zuerst definieren. Klar, in den letzten Jahren war die A-Nati erfolgreich – allerdings nur für Schweizer Verhältnisse. 2004 an der EM (ausgeschieden als Gruppenletzter), 2006 an der WM (Achtelfinale), 2008 als Gastgeber für die EM qualifiziert und ebenso in den Gruppenspielen ausgeschieden wie an der WM 2010. Die U17 bespielsweise qualifizierte sich ab 2008 dreimal in Folge für die EM (und da sind nur 8 Mannschaften zugelassen!), wurde 2009 EM-Dritter und Weltmeister, jetzt steht die U21 im EM-Endspiel. Das sind Erfolge, die auch im Ausland als solche bezeichnet werden.

      • Hannes Bickel sagt:

        Selbstverständlich, oder freilich, wie der Österreicher sagt, ist es eine Ermessenssache, welche Parameter dafür angewendet werden, um Erfolg zu “messen”. Der Vergleich zwischen der A-Nati und den U-Auswahlen kann nur relativ zueinander geschehen; nicht aber mit “harten” Fakten, wie sie dies vorschlagen. Bildlich gesprochen: Man kann nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen.

        • Mämä Sykora sagt:

          Sowohl A- wie U-Nati haben die gleichen Ziele: sich für Endrunden qualifizieren und Titel zu holen. Sie haben hierbei die gleiche Anzahl Gegner aus den gleichen Ländern. Die U21 kann sich zwar alle zwei Jahre für eine EM qualifizieren, dafür sind nur halb so viele Mannschaften zugelassen. Gleiche Ziele, gleiche Voraussetzungen. Darum finde ich die Aussage unbestreitbar, dass die Schweizer Nachwuchsmannschaften erfolgreicher sind als die A-Mannschaft. Auch wenn selbst die Endrunden noch zur Ausbildung dazu gehören.

          • Hannes Bickel sagt:

            Gleiche Ziele: ja. Gleiche Voraussetzungen: nein.
            Unter Newsnetz / Berner Zeitung nachzulesen:
            http://www.bernerzeitung.ch/sport/fussball/Bricht-jetzt-die-goldene-Schweizer-Fussballzeit-an/story/31995152

            Hier ein Auszug: Meriten an U-21-Europameisterschaften oder U-20-Weltmeisterschaften sind für jeden Verband eine schöne Sache, der Fokus der dominierenden Nationen liegt aber unbestritten auf den A-Nationalmannschaften. Sonst müssten in Deutschland, Italien, Frankreich und Holland die Alarmglocken schrillen. Alle diese Länder haben nämlich den Sprung an die Endrunde in Dänemark verpasst. Die Deutschen, die als Titelhalter in die Qualifikation gegangen waren, verzichteten wiederholt auf die Dienste von Stars wie Thomas Müller vom FC Bayern. Vor dem Amtsantritt von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer im Frühling 2006 war der Stellenwert des Nachwuchs-Fussballs in Deutschland noch geringer. Dennoch war die DFB-Elf bei den Männern bei grossen Turnieren fast immer zur Stelle.

            An Nachwuchsturnieren wirkt sich ein starker Jahrgang zudem bedeutend stärker aus als im Bereich der A-Nationalteams. Dort spielt das Alter eines Spielers erst dann eine Rolle, wenn sein Körper nicht mehr mit Technik und taktischem Verständnis mithalten kann. Ob der Star einer Equipe nun 33 oder erst 20 Jahre alt ist, hat dagegen keinen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg.

          • Mämä Sykora sagt:

            Nicht nur bei den dominierenden Nationen liegt der Fokus auf der A-Nati. Auch die Schweiz verzichtete in der Qualifikation weitgehend auf die besten Spieler (Derdiyok, Stocker, Shaqiri). Aber Sie haben natürlich Recht, dass sich in den U-Auswahlen lediglich Jahrgänge miteinander messen, was nie so aufschlussreich ist, wie wenn sämtliche Spieler eingesetzt werden könnten.

    • Hannes Bickel sagt:

      Ja, der Artikel ist müssig und versucht mit Begriffen wie “echte” Schweizer und Urschweizer auf der einen Seite, Secondos und Immigrantensöhne auf der anderen Seite ein Konstrukt aufrechterhalten, welches zwischen dem Eigenen und dem Fremden unterscheidet. Die ewigen Klischees werden bedient. Hier der kreative Südeuropäer, da der arbeitssame Schweizer. Mit ihrem Beispiel (A-Auswahl) widerlegen sie somit diese unsinnige These. Danke.

      Bemerkung:
      Dass dieser Text aus der Feder eines Autors, der im weitesten Sinnen selbst ein Zugewanderter ist (dem Namen nach) gibt zu denken. Denn er müsste doch gerade speziell auf diese Thematik sensibilisiert sein.

  10. Kurt sagt:

    Alles völlig richtig. Die Mannschaft leistet in dieser Kombination auch wichtige Integrations- und Gesellschaftsarbeit für die Schweiz als Ganzes: Ich habe noch keinen Schweizer getroffen, der nicht Spass hätte an dieser Mansnchaft und auch Stolz darüber ist. Secondos wie “Urschweizer” können sich in dieser Aussenwirkung gerne zusammen finden und gehören zu dem einen Ganzen. Das mag ein bisschen übertrieben sein und nicht “nachhaltig”, aber es sind Beispiele, Bilder, Erfahrungen und Emotionen die mithelfen, uns zu zeigen, wie viel uns die Vielfalt unserer Gesellschaft in allen Lebensbereichen bringen kann – und tatsächlich auch bringt. Wir sind bei weitem nicht so verknöchert, wie wir gesehen werden. Wir lernen im Kleinen sehr viel mehr Offenheit als sie in Nachbarländern üblich ist. Wir sind Schweizer mit offenerem Horizont, und wir brauchen keine Angst vor “dem Anderen” zu haben.

  11. Karl Eigenmann sagt:

    Nicht zu vergessen in der Abwehr: Gaetano Berardi ist ein Schweizerisch- Italienischer Doppelbürger geboren in Sorengo (bei Lugano).
    Es ist der Mix, der den Erfolg ausmacht! Die Erkenntnis ist aber nicht gänzlich neu, denn ein solcher Mix macht(e) auch aus Uruguay und Argentinien bereits erfolgreiche Mannschaften, ganz zu schweigen Brasilien. Bestes Beispiel: Diego Armando Maradona, der einen solchen Mix in sich vereint: italienische-, kroatische- und indigene Vorfahren. Wir können uns also freuen – irgendwann werden wir ein solches Talent in unseren Reihen spielen sehen…

  12. von felten sagt:

    Wieso funktioniert die Integration im spitzen Fussball nicht aber in täglichen Leben in der Gesellschaft ?
    Die Linken nehmen sehr gerne das Beispiel vom Fussball als gelungene Integration und vergessen oder erwähnen kaum wieso die Integration gerade hier funktioniert:
    1. es gibt ganz klare Regeln, an die sich jeder halten muss….wer nicht will, egal aus welchen Gründen, der fliegt aus der Mannschaft, der bleibt auf der Ersatzbank…
    2. es geht um die ganze Mannschaft, es werden keine Extrawürste geduldet, das persönliche Ego steht im Hintergrund
    3. durch diese Regeln und das Verhalten der einzelnen Spieler entseht das Vertrauen und nur so formt sich eine Mannschaft, wo jeder für den Anderen kämpft.
    REGELN…VERHALTEN…ANPASSUNG…
    Wenn alle diese Vorgaben akpzeptieren und leben, dann funktioniert die Integration…. aber nur dann !
    Und nochmals, wer sich nicht an die Regeln hält, der fliegt raus…. analog auch aus der Schweiz.

    • Reto sagt:

      Ach ja Herr von Felten, aus der Schweiz fliegt raus, wer sich nicht an die Regeln hält? Das stimmt doch nicht, ein Schweizer fliegt nicht raus, wenn er sich nicht an die Regeln halt. Also geht schon mal ihr erster Punkt der Analogie Schweiz Fussball nicht auf. In der Schweiz gibt es eben Regeln die nicht für alle gelten (siehe auch Minarettverbot). Damit werden auch Extrawürste geduldet, die im Fussball bei genügend Talent (siehe Arnautovic, Balotelli usw.) und in der Schweiz bei genügend Geld sowieso geduldet werden. Schade ist die Welt nicht so einfach, wie sie sie sich ausmahlen…

      • Heinz Bärtschi sagt:

        Ach ja, Hr. “Reto”, ein Schweizer fliegt nicht raus, wenn er sich nicht an die Regeln hält. Im Fussballclub schon. Im richtigen Leben selbstverständlich nicht, da es ja sein Heimatland ist und man die Verantwortung nicht einem Drittstaat übergeben kann. Für einen Ausländer ist aber die Schweiz nicht Heimatland, sondern Gastland! Insofern hat er mehr Rechte. Er hat diesselben aufenthaltsrechtlichen Rechte in seinem Heimatland wie ein Schweizer in der Schweiz und zusätzlich ein bedingtes Aufenthaltsrecht in einem zweiten Land – in casu der Schweiz. Und nur dieses zweite Mehrrecht wird beschnitten, wenn sich der Ausländer nicht an die Regeln hält. Sie sollten also nicht ungleiches mit ungleichem Vergleichen. Ausländerrecht ist immer ein zusätzliches Recht für den Ausländer (neben den Rechten, die er in seinem Heimatland geniesst). Insofern kann man tatsächlich vom Ausländer ein wenig mehr verlangen. PS: einschnitte in die Religionsfreiheit gibt es immer wieder (und sie sind verfassungskonform). Sei dies ein Minarettverbot, ein Bistumsartikel, ein Schächtverbot oder das Verbot, katholische Kirchtürme zu beuen wie bis vor 3 Jahren in der Appenz. Kantonsverfassung legiferiert (aber daran haben Sie sich sicherlich nie gestört, wenn Sie es denn wussten).

        • Mämä Sykora sagt:

          Ich bin mir nicht sicher, wie einfach es ist für einen Betroffenen, in seinem etwa von Bürgerkriegen heimgesuchten Land seine Rechte einzufordern. Ebenso wenig sicher bin ich mir, ob hier in einem Fussball-Blog der richtige Ort ist, um ausschweifend über die Ausländerpolitik zu diskutieren. Hier geht es – der Name legt es nahe – um Fussball. In diesem spezifischen Fall um unsere Nachwuchsnati, die in wenigen Stunden die Möglichkeit hat, Geschichte zu schreiben. Danke.

          • Heinz Bärtschi sagt:

            Sie haben recht – hier sollte Politik eingentich keine Rolle spielen und es ist auch nicht der richtige Ort, dies zu besprehen und ich freue mich an den tollen Leistungen der Nachwuchsspieler. Aber wenn Sie keinen politfreien Blog wünschen, dann sollten Sie hier auch nicht Beiträge über SVP-Bünzlis veröffentlichen (Beitrag von Hr. Mächler, bevor ich hier etwas schrieb), die die Erfolge politisch ausschlachten und Beiträge, die darauf reagieren, kürzen. Besten Dank

    • Heinz Bärtschi sagt:

      Integration heisst Anpassung in einem anderen Umfeld. Fussball hat nichts mit Integration zu tun, da dies ein weltumspannender Sport ist mit überall den gleichen Regeln. EIne besondere Anpassung ist da nicht notwendig. Ich störe mich an der Verpolitisierung des Sports. Die Jungs verfolgen einfach den Sport, den sie lieben und den sie in ihrem Heimatland auch z.T. spielten. Ein Indiz für Integration ist dies nun weiss Gott nicht. Von einer bestimmten Anpassung oder Integration könnte man ev. noch sprechen, wenn ein Mehmedi oder Emeghara einen Sport ausführen würden, der ihnen, ihrer Kultur oder ihren Eltern fremd ist. Skifahrer z.B. oder Schwinger. Aber den Weltsport Fussball?

      • Egon Putzig sagt:

        Albanische, portugiesische und weitere Namen sind bei jedem Schwinganlass, vor allem bei den Jungschwingern, anzutreffen.

      • Ruedi von Steiger sagt:

        Ich glaube, Sie verwechseln Integration mit Assimilation.

  13. Roli sagt:

    Interessant die Aussage, dass die vorne Secondos sind, Klose aber Doppelbürger. Haben die vorne denn alle nur den CH-Pass?
    Ansonsten ber ist klar: Wo Disziplin verlangt wird, sind die ‘Nordländer’ auf Grund der Mentalität den ‘Südländern’ eigentlich immer überlegen. Dafür haben die Ersteren nach vorne keine Kreativität. die Mischung machts eben. Trotzdem kann ich mit unserer ‘Nati’ auf Grund der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nur noch bedingt identifizieren. Als Einwanderungsland werden wir bezeichnet, als Einwanderungsland sind wir aber schlecht geeignet.

    • Rudi Andrček sagt:

      Interessant wie hier wieder mal viel verwurstelt und simplfiziert wird mit Klischees und Platitüden. Man kann doch nicht erst von Integration sprechen wenn sich ein Secondo für den Hosenlupf interessiert. Hat sich nun ein Spieler bei seinem Flankenpass oder seinen Dribbelkünsten von seiner Zeit beim FC Hinterpfüpflingen oder von seinem Grossonkel in der Ukraine inspirieren lassen? Steckt es gar in seiner nicht-keltischen DNA? Man weiss es schlichtwegs nicht! Tatsache ist, dass er sich Mühe gibt, seine Talente in die Ziele der Mannschaft zu integrieren und dafür gefördert werden sollte. Allein darum geht es bei Integration.

  14. SUSI Streller sagt:

    Die Ausbildung im Schweizer Fussball hat Weltformat. Nun haben auch die Leute an der Verbandsspitze kapiert, dass sie dem feet-drain aktiv entgegenwirken müssen. Nicht zuletzt dank Hitzfeld, wird es wohl Fälle wie Petric, Kuzmanovic und Rakitic in dieser U21 nicht geben. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht nur daran liegt, dass die Spieler mehrheitlich für weniger attraktive Nationalteams wie Albanien auflaufen würden. Gavranovic ist das beste BSP dafür, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. Denn mit Spielern wie Petric und Rakitic hätte Hitzfeld einem Streller (NKufo, Frei) nicht über die Schmerzgrenze hinaus die Stange halten müssen. Ein bisschen mehr südeuropäschische Schlitzohrigkeit hätte ich dem Schweizer Gejammer der letzten Jahre auf alle Fälle vorgezogen.

    Kuss, Susi

  15. Peter Meier sagt:

    Meiner meinung nach, sollten sich die Jungs schon in ihrem Juniorenalter für eine Nation entscheiden.
    Sobald einer das CH-Shirt trägt, auf dem Feld alles gibt und auch ein wenig stolz ist, für die Schweiz spielen zu können, ist mir sein Name, Hautfarbe, etc. egal. Was wir aber gar nicht brauchen, sind Talente die wir ausbilden, wahrscheinlich noch in unserer U17 spielen lassen und danach spielen sie für die A-Nati ihres Ursprungsland. (z.B. Rakitic)

  16. #10 sagt:

    Sykoras Beobachtung mag in diesem expliziten Fall zutreffen, heizt aber leider wieder eine unsägliche, da völlig überflüssige Integrationsdebatte an. Tatsache ist, dass unsere Kinder, insbesondere die fussballspielenden, kein “Ausländerproblem”, sondern in jeder Mannschaft ab F-Junioren einfach Kollegen haben. Und wenn einer davon Rinor, Nicola oder Lavtrim heisst, ist das nie ein “Immigrant”, sondern schlicht ein Mitspieler, der stark (oder schwach) spielt. Bei dieser Generation ist die Realität schon lange angekommen, das Integrationsgeschwätz ist für sie ein Diskurs der Eltern oder Grosseltern.

  17. Marco sagt:

    Sorry, wenn ich kritisch bin. Aber für mich ist die Zusammensetzung des CH-Teams ein weiteres Zeichen dafür, wie es denn mit der Chancengleichheit bei uns steht. Faktisch haben die Immigrantenkinder in der Tendenz weniger Chancen auf die grosse Karriere und aufs grosse Geld auf herkömmlichen Wegen (Bank, Versicherung, Kader). Weil der Faktor Sprache/Kultur/Background grosse bis zu grosse Hindernisse darstellen. Der Sport verlangt nach Disziplin, zuweilen Kreativität und stellt alle Mitbewerber gleich. Und darin liegt die grosse Chance der Secondos. Welcher Schweizer aus gutem Hause mit guten Karrierechanchen ggf. Studium wählt die Sportkarriere, es sei denn er hat eh schon ausgesort weil die Eltern gleich soviel Kohle haben, dass es eh keine Rolle spielt was der Sprössling macht? Sehr wenige, weil einfach Risiko und Ertrag auf dem herkömmlichen Weg für Schweizer durchaus interessant ist. Für viele Secondos wärs schon ein Highlight wenn sie mit 50 CHF 90000 im Jahr verdienen. Da lohnt sich doch das Risiko, auf die Karte Sport zu setzen wo im Optimalfall Millionen und viel Anerkennung drin liegen. So einfach ist das…

    • Fritz sagt:

      Da haben sie natürlich ien Stück weit recht, allerdings ist die Ungleichheit der Chancen kein Verschulden seitens unserer Gesellschaft sondern ein Spiegelbild der Bildung der Eltern der jeweiligen Migranten. Ich denke Migrantenkinder von deutschstämmigen Eltern haben sogar im Durchschnitt mehr Karrierechancen als der Durchnitt im Land, ganz einfach da deren Eltern aus eher gebildeten Schichten aus Deutschland stammen. Klose dürfte also der Ausnahme Secondo ssein 😉 Die anderen passen aber genau in Ihre Analyse die meisten deren Eltern dürften aus bildungsfernen Schichten kommen. Stellt sich nur die Frage warum die schweizer Kinder aus bildungsfernen Schichten nicht eine Fussballerkarriere anstreben 😉

  18. Keller sagt:

    Bereicherung durch Einwanderung? Sicher. Aber man kann das ganze auch anders rum sehen: gerade weil sie hier Strukturen erhalten können die angriffigen Stürmer mit Migrationshintergrund diesen Erfolg haben. Trotzdem fehlt mir wohl das bestimmende Gen für Fussball wenn ich von einer Jugendmannschaft nicht auf die Gesellschaft schliessen kann. Wo in der Gesellschaft kann man äquivalente Bedingungen finden und dieses System anwenden? Wie schön wäre es, wenn es so einfach wäre!

  19. Don Ballon sagt:

    Das Ganze ist weder eine neue Erkenntnis, noch typisch für die Schweiz. Jede A-Juniorentruppe in der Schweiz, Deutschland oder Frankreich sieht ähnlich aus – für viele Secondos aus Afrika und den südosteuropäischen Ländern ist Fussball der einfachste und oft auch einzige Weg, an Ruhm und Geld zu gelangen und für viele Schweizer ist die Doppelbelastung Ausbildung/Fussball zu mühsam und die Hoffnung, im Fussball Karriere zu machen zu klein – sie setzen auf ihren angestammten Beruf. Ob Verteidiger oder Stürmer ist dabei wohl egal, das hat mehr mit Physis, Technik und häufig Zufall zu tun (welche Position in der Mannschaft war gerade frei oder schwach besetzt) und weniger mit Mentalität. Um das Ausleben von Kreativität geht es dabei wohl auch nicht, ich dachte über diese Vorurteile (Nordeuropäer = disziplinierte Kämpfer, Südeuropäer = kreative Ballkünstler) sind wir seit Gentile hinweg?