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FCB oder FCZ? Auf wen würden Sie Ihr Geld setzen?

Thomas Renggli am Montag den 23. Mai 2011

«Ich war nie der Meinung, dass meine Entlassung ein guter Entscheid war», sagte Rolf Fringer in einer Mischung aus Selbstironie und Zynismus, als er am Sonntag die desaströse Leistung seines ehemaligen Arbeitgebers Luzern anlässlich der Gersag-Dernière gegen den FCZ (0:5) kommentierte. Der Leistungszerfall beim Wintermeister ist eines der auffälligsten Merkmale des dramatischen Saisonfinales.

Vor diesem Hintergrund mutet es grotesk an, dass die Innerschweizer eine entscheidende Rolle in der Titelvergabe spielen. «Dank» ihrer sonntäglichen Nullleistung trennt Basel und Zürich vor der Schlussrunde ein Punkt – bei exakt dem gleichen Torverhältnis (73:44). Und am Mittwoch gastieren die Luzerner im St. Jakob-Park. Zentrale Frage: Stehen sie bei der Basler Meistergala ähnlich Spalier wie gegen den FCZ – oder erwachen sie im letzten Moment zu neuem Leben und tragen zum Umsturz im Meisterrennen bei? So oder so steht dem Schweizer Fussball ein aufregender Mittwoch bevor. Noch hält der FCB die besten Karten in der Hand. Doch auch der FCZ hat den einen oder anderen Trumpf im Ärmel. Eine Bestandesaufnahme zwischen Rhein und Limmat vor dem Super Wednesday in der Super League.

Das Spricht für Basel:

Die Frei-Garantie. Der Basler Topscorer Alex Frei ist das Gegenteil von FCZ-Stürmer Alphonse. Im entscheidenden Moment trifft er ins Tor statt den Pfosten – garantiert.

Die Ausgangslage. Die Mannschaft von Thorsten Fink kann im Gegensatz zum FCZ den Titel aus eigener Kraft gewinnen.

Der Gegner in der Schlussrunde. Luzern gewann im Dezember den virtuellen Titel des Wintermeisters. In einer Mischung aus Grössenwahn, Blauäugigkeit und Selbstherrlichkeit hat Präsident Stierli dieses Fundament zerstört. Nun blickt er auf die Trümmer seines Chaos-Managements. Wer gegen den FCZ den Eindruck eines Scheintoten hinterlässt, kommt innert dreier Tage nicht mehr auf die Füsse.

Die Siegermentalität. FCB-Trainer Thorsten Fink ist ein Meisterstratege. In St. Gallen zog er zehn Minuten vor Schluss die Handbremse und liess das 0:0 verwalten. Der Punktgewinn hält den Titelverteidiger im Fahrplan.

Die Qualität. 1. Basel. 2. Zürich. Die Tabelle spiegelt die Kräfteverhältnisse exakt – selbst wenn der Unterschied nur einen Punkt beträgt. Der FCB ist cleverer, routinierte, stabiler, effizienter – und vor allem breiter besetzt. Das macht über die gesamte Saison die Differenz aus.

Das spricht für Zürich:

Die Fussballkunst. Flanke Nikci – Direktabnahme Mehmedi. Das 3:0 gegen Luzern war das Tor des Jahres. Wer das Spiel so zelebriert, darf im entscheidenden Moment auf die Gunst der Fussballgötter zählen.

Der Yakin-Effekt. Gegen Zürich machte sich der FCL-Regisseur der Arbeitsverweigerung strafbar. In Basel wird er sich rehabilitieren – nur schon um seinem Bruder (und künftigem Chef) die Sommerferien nicht zu verderben.

Die Unlogik des Fussballs. Sieben Punkte Rückstand. Zwei Punkte Vorsprung. Ein Unentschieden gegen Basel wie eine Niederlage. Derby-Absturz. In diesem Fussballfrühling verlief beim FCZ kaum etwas nach Plan. Das bleibt auch auf der Zielgerade so: Zürich schliesst die Mission Impossible mit der rauschenden Meisterparty ab.

Der Europa-Faktor. Mit einem Punktgewinn in Basel wahrt der FCL die Option auf die Europa-League-Qualifikation. Das wird beim abgestürzten Wintermeister den Kampfgeist nochmals wecken.

Der Druck. Wie Zürich muss Basel in die Champions-League, um die finanzielle Balance zu halten. Wer schon anderthalb Hände am Meisterpokal hat, steht zwangsläufig stärker unter Druck – und gerät im entscheidenden Moment auf die (sportlich) schiefe Bahn.

Sehr geehrte Leser. Ihre Meinung ist gefragt. Wer holt den wertvollsten Titel in der Schweizer Fussball-Geschichte? Behält der FCB die Nerven? Oder gelingt Zürich die spektakuläre Wende im Last-Minute-Verfahren? Was ist dem FC Luzern noch zuzutrauen?

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