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Streller hat Recht!

Thomas Renggli am Montag den 27. September 2010


Mit zwei Toren war Marco Streller der Matchwinner beim 4:1 des FC Basel in Zürich. Und trotzdem tobte der Nationalstürmer nach dem Spiel, dass im Letzigrund die Wände wackelten. Seine Wut galt der Leistung von Schiedsrichter Jérôme Laperrière, der in der letzten halben Stunde zwei Basler vom Platz gestellt hatte – zunächst Safari wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Chermiti, dann Ferati nach wiederholtem Foulspiel. «Das ist lächerlich. Wenn Laperrière pfeift, gibts immer Probleme. Er ist ein Selbstdarsteller vor dem Herrn. Ich kann Urs Meier nicht verstehen, dass er in so einem brisanten Spiel so eine Besetzung wählt», sagte Streller jedem, der es hören wollte.

Sein Frust war nachvollziehbar. Die Szene, die zum Ausschluss Safaris führte, war höchst unglücklich: Nachdem die Basler den Ball aus dem Spiel spediert hatten, damit ein Zürcher gepflegt werden konnte, wollte FCZ-Mittelfeldspieler Margairaz den Gegner wieder in Ballbesitz bringen. Chermiti durchkreuzte den Fairplay-Gedanken, erlief sich den Ball und traf mit einem Schlenzer die Latte. Nun stürmte Safari auf Chermiti los. Nach einer leichten Berührung liess sich der FCZ-Tunesier theatralisch fallen. Laperrière zückte Rot – gegen Safari.

Es war eine Sanktion, die aufgrund der Reaktion des Linienrichters im Interpretationsspielraum des Schiedsrichters lag. Trotzdem hätte eigentlich Chermiti den Marschbefehl erhalten müssen – für seine doppelte Unsportlichkeit. Laperrières Fehlgriff in die Brusttasche, spiegelt zwei der grössten Schwächen vieler Schweizer Unparteiischer: ihr zuweilen ausufernder Geltungsdrang und das fehlende Fingerspitzengefühl. Dabei ist Laperrière kein Einzelfall, sondern das Produkt eines Systems, das auf Minderwertigkeitskomplexen, Missverständnissen und Argwohn zu beruhen scheint. Man wird den Verdacht nicht los, dass sich viele Schweizer Schiedsrichter notorisch ungerecht behandelt fühlen und dieses mentale Defizit mit einer übertriebenen Selbstdarstellung und einer unnötigen Arroganz kompensieren: Nase hoch, Brust raus, Widerspruch zwecklos. – Und Ober-Schiedsrichter Urs Meier macht gute Miene zum bösen Spiel.

Der Schlüssel, um diesen Missstand zu beheben, liegt in einer Akzeptanzsteigerung der Referees. Die Einführung des Profistatus ist über kurz oder lang unumgänglich – wie im Eishockey erfolgreich praktiziert. Dabei geht es nicht nur um die bessere Vorbereitung der Referees auf ihre Einsätze, sondern auch um den psychologischen Faktor: Urteile von einer professionellen Instanz werden automatisch schneller akzeptiert als solche von einem Feierabendfunktionär.

Das Imageproblem der Referees ist aber auch selbstgemacht. Das schlechte Beispiel liefert ausgerechnet Massimo Busacca, Schweizer Vorzeige-Ref und (angeblich) bester Schiedsrichter der Welt. Während der Tessiner in internationalen Spielen fast ausnahmslos souverän pfeift, erweckt er im heimischen Geschäft zuweilen den Eindruck, als betrachte er diese Aufgabe als lästige Pflicht. Dass er den YB-Fans vor Jahresfrist an einem Cupspiel in Baden den Mittelfinger zeigte, passte ins Bild. Busacca war auch der Hauptgrund, weshalb Laperrière in Zürich zum Zug kam. Der Tessiner hatte vor zwei Wochen in Thun den FCZ dermassen bevorteilt, dass er kurzfristig kaum mehr für eine Partie der Zürcher nominiert wird. – Übrigens: Laperrière war am Samstag schlecht, aber bei weitem nicht der schlechteste Mann auf dem Platz. Die «Auszeichnung» der goldenen Pfeife geht in corpore ans Zürcher Personal: Von A wie Alphonse bis Z wie Zouaghi.

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25 Kommentare zu “Streller hat Recht!”

  1. rené sagt:

    Streller hat Recht? So ein Käse. Das ist ein Gränni.

    • Hans Bon sagt:

      Herr Renggli hat recht das Streller recht hat 🙂

      und um de FCZ stahts nöd guet, das schläckt kei Geis wäg.

      • werner grundlehner sagt:

        vielleicht liegt es daran, dass der fcz nur offiziell dasfarmteam von tunis fc étoile du sahel ist. das kann nicht gutgehen.

  2. brennio sagt:

    Laperriere hat völlig falsch entschieden. Und was die Zürcher gemacht haben…absolut unsportlich. Und schlecht waren die, mein Gott. Vor allem dieser neue Abwehrspieler. Zouaghi. dio mio. was der zusammengespielt hat……..

  3. Patrick Natter sagt:

    Ein Selbstdarsteller vor dem Herrn ist insbesondere der Oberschiedsrichter Urs Meier selber. Kein Wunder dass sich gewisse seiner Schützlinge ebenso gebaren.

  4. peter sagt:

    Schiedsrichter abschaffen, die Spieler, Trainer und Funktionäre sollen auf jeder Seite selber entscheiden! Sie wissen es ja sowieso immer besser.

    • Peter Widmer sagt:

      Von der falschen Seite her gesehen. Die Frage lautet doch eher: wer stellt die Schiedsrichter? Wie können sie also besser sein als die Spieler? Das Niveau der Schiedsrichter entspricht doch recht genau demjenigen der Ligen!

  5. ball sagt:

    der gedanke in richtung mehr profi-schiris ist zu verfolgen.

    auf das beispiel bezogen: nur das verhalten der spieler betrachten, wenn einer meint, er müsse auf den gegenerischen spieler los wie ein taliban auf die amis, dann ist auch ein guter schiri gefordert und KÖNNTE mal falsch liegen…also easy nehmen

  6. Taste sagt:

    Ok Chermiti hat einen Fehler gemacht, er hat es nicht gecheckt mit dem Ball zurück spielen. Solche Szenen gibt es immer wieder, dass es einer nicht merkt wieso der Ball ins Aus gespielt wurde. Vielleicht hat er gerade einer Zuschauerin nach geschaut oder hat Hunger bekommen als ein Zuschauer in die Bratwurst biss. Aber dann müssen nicht 5 oder 6 Basler auf ihn losstürmen und die Rächer für das verlorene Fairplay spielen. Deshalb, wenn ihn einer angefasst hat, Rot. Richtig hingegen, Laperriere ist wirklich einer jener SR’s die immer wieder mit kurrligen Entscheiden für Erstaunen sorgen. Streller mit seinen schlacksigen Bewegungen und seinen Aussagen zu jedem Thema auch!

  7. Eckereder sagt:

    Dieser Blog ist unqualfiziert bzw. zeigt das der Autor nicht Schiedsrichter ist und die Absprachen bzw. Mechanismen zwischen dem Schiedsrichter und den Assistenten nicht kenne.t Die rote Karte hat nämlich der Schiedsrichter Assistent draussen an der Linie angezeigt und dann dem Schiedsrichter auch mitgeteilt. Da hat der Schiedsrichter selber nicht mehr viel
    Spielraum, was ja auch richtig ist, da der Assistent die Szene aus nächster Nähe beurteilen konnte.
    Ob richtig oder nicht, Selbstjustiz auf dem Platz ist nie gut und hat dem Spieler Safari die Rote Karte gebracht.
    Ein Schiedsrichter aus der Amateurliga.

  8. Andreas Weber sagt:

    Ich war am Samstag Augenzeuge des Vorfalles. Da sich die Situation keine zwanzig Meter vor mir abgespielt hat, möchte ich alle, die die Situation nur von den Medien her kennen, darüber aufklären, was genau passiert ist:
    Erstens: Chermiti hat mit dem Erlaufen der Rückgabe gegen das Fairplay verstossen, da gibt es nichts zu diskutieren! Das gefiel mir überhaupt nicht! Der Schiri kann aber dagegen nichts unternehmen, auch wenn Chermiti verwerflich gehandelt hat. Der Ball war ordnungsgemäss im Spiel und es gibt keine Regel, welche besagt, dass in einem solchen Fall der Gegner Anrecht auf Ballbesitz hat. Zweitens: Safari ist wie eine “Furie” auf Chermiti zugerannt und hat ihn eindeutig gerempelt. Die Berührung war klar sichtbar (wenn auch nicht heftig). Ein solches Vergehen hat aber korrekterweise “rot” zur Folge, ob es Streller passt oder nicht. Drittens: Dass Chermiti gegen die Moral verstossen hat, ist nachvollziehbar, wenn man sich die Situation eine Minute zuvor vor Augen führt, als er bei einem guten Angriff kurz vor dem Strafraum m.E. mit einer ungesehenen Tätlichkeit niedergestreckt worden ist. Fazit: Schiri war gut, FCZ war nicht gut, Chermitis Verhalten war verwerflich!

    • Joe sagt:

      Das sehe ich genau so. Und eben… Natürlich ist Chermitis Verhalten nicht löblich und unfair. Doch bei JEDEM Match gegen den FCB halte ich ein Auge auf das Verhalten der Herren Frei und Stocker. Beide sind keinen Dreck besser, wirklich kein Yota. Von Rempeln, versteckten Fouls, Theater, Flennen, Provozieren, auf die Füsse treten… Die ganze Palette ist dabei. Bei jedem Match. Zumindest gegen den FCZ.

      • Boris Sepulveda sagt:

        Wer sich das SF-Video reinzieht sieht ganz klar dass A. Frei mit Absicht noch auf den Fuss von Chermiti steht während den Tumulten.

      • Egeler Roger sagt:

        ich frag mich wieso du an Spiele gehst… um bei anderen nach fehlern zu suchen??? Das gleiche könnte ich über Margairaz und Magnin genauso sagen. Auch bei denen ist die ganze Palette dabei.

    • Tanner sagt:

      Andreas Weber: Genau so und nicht anders war es. Ich war auch im Stadion und die Szene hat sich genauso wie beschrieben abgespielt. Inklusive der Szene mit dem Foul oder Tätlichkeit an Chermiti bei der Szene vorher. Streller, Blick, Tagi & Co. täten gut daran, den Ball flach zu halten.

  9. Andreas Keller sagt:

    ein thema, das hier (nur vermeintlich) nicht hinpasst: passt auf mit vermeintlichen kamerabeweisen! ich als augenzeuge finde es SEHR interessant, was hier geschieht. andreas weber hat es korrekt beschrieben. chermiti wird – aus meiner sicht im stadion eindeutig – mit einer tätlichkeit (nachtreten, beinkick) im strafraum übel gefoult. eine 100%ige rote karte und penalty. das spiel war unterbrochen weil chermiti im strafraum liegen blieb eben gerade wegen dieser tätlichkeit. aus dem affekt und der wut im bauch über den krassen fehlentschied heraus (kein penalty und platzverweis gegen – ich glaube es war – ferati) übt er sich – zugegebenermassen absolut unsportlich und unprofessionell – in selbstjustiz. die reaktion von safari dagegen war dann wiederum ebenfalls klar rotwürdig. er ist nun einmal nicht der schiedsrichter.
    fazit: die schiedsrichterleistung war katastrophal, aber nicht wegen der roten karte, sondern weil zuvor nicht penalty und rote karte wegen tätlichkeit im strafraum gepfiffen wurde! chermiti’s verhalten unsportlich, aber zumindest nachvollziehbar wenn man das vorgefallene berücksichtigt, er fühlte sich extrem unfair behandelt, gerade so wie safari und die basler kurz danach.
    das grosse erstaunen in dieser ganzen geschichte finde ich aber, dass offenbar keine kamera im ganzen stadion das – wie ich es gesehen habe und ich würde es gerne bestätigt oder verworfen sehen – glasklare foul und nachtreten gegen chermiti im strafraum in der szene zuvor gesehen haben will!!!!! das kann ich schlicht nicht glauben! oder versucht hier das sf gezielt tatsachen zu unterschlagen. wer hat auf teleclub geschaut? war dort die vermeintliche tätlichkeit gegen chermiti auch nicht zu sehen????

    • Taste sagt:

      So ist das eben im Profifussballland Schweiz. Mit 3 Kameras wird das Spiel übertragen. Ein Kameramann beisst in die Bratwurst, einer zommt weiss ich wohin und der andere unterhält sich mit dem Regisseur. Ach ja der Teleclub-Kommentator könnte auch was sehen, aber er schaut einfach dem Ball nach und wartet auf den Abstoss…..

  10. Auge Zeuge sagt:

    Ich war am Samstag ebenfalls im Stadion. Ich bin kein Fan, sondern lediglich ein neutraler Zuschauer und gebe Herrn Keller und Herrn Weber abslout recht. Diese Geschichte wurde in den Medien zum einen absolut falsch wiedergegeben und ausserdem völlig daneben gedeutet. Chermiti wurde im Basler Strafraum klar gefoult. Dass der Schiedsrichter den Penalty nicht pfiff, spricht Bände über seien Aufmerksamkeit auf dem Platz. Es war nicht die erste Szene, die er nicht sah oder nicht sehen wollte. Er hat von Anfang an viel zu viele kleine Fouls laufen lassen und die Stimmung so regelrecht aufgeheizt. Chermiti mag unsportlich reagiert haben, aber wie meine Vorredner schon gesagt haben, kann auch ich verstehen, dass er frustriert war, nachdem er im ganzen Spiel gelaufen ist wie der Teufel und dann nach einem so klaren Foul nicht mit einem Penalty entschädigt wurde. Eine Regel, die sein Verhalten ahnden könnte, gibt es im Fussball übrigens nicht. Daher war die rote Karte für Safari, der Chermiti klar umgerempelt hat, absolut korrekt. Wenn Streller sich also aufregt, dann vermutlich wegen der Gesamtleistung des Schiris, die wirklich lächerlich war, und nicht wegen dieser einen Szene.

  11. Egeler Roger sagt:

    Es ist lustig wie sie gewisse Dinge verdrehen ( Andreas Weber, Auge Zeuge, Andreas Keller ). Es mag evtl. stimmen das vorher ein Foul ( Tätlichkeit ) vorausging. War im Fernsehen nicht eindutig zu sehen ( habe das Spiel Live im Fernsehen gesehen ) Aber das rechtfertigt doch nicht die Aktion von Chermiti. Das ist unterste Schublade. Und die Begründung er war frustriert… da kann ich nur lachen. Und wie war das mit Alphonse und Stocker??? War er auch frustriert.
    Das Safari rot bekommen hat, kann er sich selbst hinter die Ohren schreiben.
    Zum Schiri nur soviel… FCB 5 gelbe eine gelb rote und eine direkt rote. FCZ 2 gelbe. Ich glaube damit ist wohl alles gesagt.

  12. *sigh* sagt:

    Was niemand anspricht: Kindskopf Alex Frei muss mal wieder bei einen am Boden liegenden “Widersacher” nachtreten — alles auf Video und keiner hats gesehen? Warum wird das nicht nachträglich geahndet?
    Hier schön zu sehen: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=5215189d-9b83-4ede-b50a-affb4aed8c51;DCSext.zugang=sfsport (4 Minuten 31 Sekunden).

    • Egeler Roger sagt:

      Was heisst nachtreten… er schaut nicht mal nach unten. Ich frag mich wieso der sich am Boden krümmt, weil er ein wenig geschubst wurde… ist ja lächerlich. Und übrigens nachdem Chermiti wieder steht versucht er Frei eine zu langen. Also den Ball schön flach halten.

      • *sigh* sagt:

        Pha, als ob man hinschauen müsste um auf jemanden zu treten der vor einem liegt – fühlt sich da etwa jemand in seiner Klub-Ehre gekränkt?

        Dass die meisten Fussballer theatralische Memmen sind habe ich in keinster Weise dementiert, ich habe bloss den Hernn Frei etwas in den Fokus gerückt – völlig zu Recht wenn man sich diese Unsportlichkeit anschaut. Spielsperren wurden schon für weniger Schlimmes vergeben.

  13. Toni sagt:

    @sigh
    Das ist tatsächlich skandalös. Wie lange darf Frei seine miesen Charaktereigenschaften noch ungestraft auf dem Platz ausleben. Klar andere Spieler haben auch solche unsportlichen Anflüge. Bei Alex Frei scheint es aber zum Wesenszug zu werden. Nur schade, dass er auch noch den Stocker damit ansteckt.
    Absichtlich andere Spieler verletzen zu wollen, das geht einfach nicht. Da liegt es auch an Fink den Herren ins Gewissen zu reden.
    Zu Streller: Der sagt wenigstens was er denkt und ist eigentlich ein sympathischer Typ. Interviews direkt nach dem Spiel soll man auch nicht 1-1 nehmen.

  14. Marco sagt:

    Besonders witzig finde ich, dass die Bezeichnung “Selbstdarsteller vor dem Herrn” ausgerechnet von Streller kommt. Streller ist ja wohl selber der Ober-Selbstdarsteller vor dem Herrn. Wer rennt denn vor und nach dem Spiel und in der Pause zu jedem Journalisten mit Mikrofon, der bis drei nicht auf den Bäumen ist…