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Gygax und der Yakin-Faktor: Weshalb es der FCZ doch noch schafft

Thomas Renggli am Mittwoch den 18. Mai 2011

Drei Punkte und fünf Tore Rückstand – bei zwei ausstehenden Spielen. Der Abwehrchef gesperrt. Die eigene Moral im Keller. Stürmer, die im entscheidenden Moment nur den Pfosten treffen – oder verletzungsbedingt durch Abwesenheit glänzen. Ein Sportchef, der dem Erzrivalen vom Rhein unterwürfig zum Titel gratuliert.

Nichts, aber rein gar nichts spricht 180 Minuten vor Ende der Meisterschaft noch für den FC Zürich. Im Gegenteil: Wer die vergebenen Chancen im Direktduell mit Basel und den sich abzeichnenden personelle Exodus in die Überlegungen einbezieht, kommt nach logischen Gesichtspunkten zum einem (aus Zürcher Sicht) ernüchternden Schluss: Der FCZ hat für Jahre die letzte Chance auf den Gewinn der Meisterschaft fahrlässig verspielt. Ähnlich wie 1981 – nach dem neunten Titel der Klubgeschichte – steht ihm eine lange, lange Dursttrecke bevor. Damals musste er ein quälendes Vierteljahrhundert auf die meisterliche Renaissance warten.

Doch der Fussball ist nicht immer logisch. Er ist ein Spiel der Unwägbarkeiten, Umwegen, Zufällen.

Sorry, liebe Basler, aber genau deshalb geht der Pokal am Schluss doch nach Zürich – deshalb wird auf dem Helvetia- und nicht auf dem Barfüsser-Platz gefeiert. Gigi Oeri kann dabei auf die schon 2006 gemachte Erfahrung zurückgreifen. Sie weiss, wie man den Korken in die Champagnerflasche zurückbringt.

Die Zürcher Rechnung ist einfach. Sechs Punkte aus den beiden Spielen in Luzern und gegen Thun. Der Rest erledigt sich von alleine.

Eine Hauptrolle in der finalen Wende spielt ein Aargauer – ein Aargauer, der beim FC Luzern unter Vertrag steht, aber auf dem Letzigrund gross geworden ist und dort sein Herz verloren hat. Daniel Gygax. Er wird seine Luzerner Kollegen davon überzeugen, dass es ein Heidenspass werden kann, dem FCB in der Schlussrunde einen Strich durch die Meisterrechnung zu machen. Dass der FCL am Sonntag gegen Zürich den Kopf nicht bei der Sache hat, ist auf den Yakin-Faktor zurückzuführen. Nach der Verpflichtung von Murat als Trainer ist der Aufruhr am Pilatus gross. Das Gerücht macht die Runde, Präsident Walter Stierli werde jetzt auch noch Mutter Emine als Sportchefin einstellen.

Möglicherweise kann der FCZ auch auf St. Galler Schützenhilfe zählen. Wenn der FC Basel am Sonntag in der AFG-Arena aufläuft, hat er die Gedanken schon bei der Meisterfeier. Dabei sieht er sich einer Mannschaft gegenüber, die mit Haut und Haar um die sportliche Existenz kämpft, keinen Zentimeter Rasen preisgibt und im wichtigsten Moment ihr Offensivpotenzial doch noch ausschöpfen kann. Oscar Scarione, der Olma-Messi, stiehlt Alex Frei die Show und hält die schöne Tradition der st. gallisch-zürcherischen Kollaboration aufrecht. Es muss ja nicht immer Muntwiler sein…

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