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Der Fussball steht vor der grössten Revolution

Thomas Renggli am Mittwoch den 30. März 2011

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter muss sich in diesen Tagen wie Goethes Zauberlehrling vorkommen. Er wird die Besen, die er rief, nicht mehr los…

Mohamed Bin Hammam, der Obmann des asiatischen Kontinentalverbands AFC, will den Walliser vom Thron des Weltfussballs stossen. Noch 1998 gehörte der Scheich aus Katar zu Blatters wichtigsten Wahlhelfern im Kampf gegen Lennart Johansson.

Blatter droht ein Opfer seiner eigenen Expansionspolitik zu werden. Hätte er nicht zugelassen, dass die Weltmeisterschaft 2022 ins Golf-Emirat vergeben wird, Bin Hammam wäre kaum mit so viel Selbstbewusstsein in die Offensive gegangen.

Der arabische Frühling auf sportpolitischem Parkett könnte zur grössten Revolution in der Geschichte des Fussballs führen – auch wenn Blatter am Kongress Anfang Juni seinen Gegner zurück in die Wüste schickt.

Denn im intensivierten Wahlkampf machte der Regent in den letzten Tagen zwei erstaunliche Aussagen: Er kündigte an, auch bei einer erfolgreichen Wiederwahl am Ende der nächsten Amtsperiode (2015) zurückzutreten. Vor allem rückte er in der Thematik der technischen Hilfsmittel für Schiedsrichter von seinen hehren Grundsätzen ab.
Hatte Blatter während Jahren auf seine Stammtisch-Argumentation («Der Reiz des Fussballs liegt auch in den Diskussionen über umstrittene Entscheide») gepocht, stellt er nun die baldige Einführung der Torlinientechnologie in Aussicht: «Ich denke, dass wir 2012 ein System haben werden, mit dem man feststellen kann, ob ein Tor erzielt wurde oder nicht. Und dieses System würde dann bei der Weltmeisterschaft 2014 eingeführt werden», so der Schweizer in der Sendung «Telefoot» auf TF1.

Mit dieser Botschaft will Blatter vor allem seine Kritiker aus England ruhig stellen. «Um das zu vermeiden, was die Engländer eine schreiende Ungerechtigkeit genannt haben, musste man diese Diskussion wieder aufnehmen, und das haben wir gemacht», sagte er – mit Blick zurück auf den «Lattenschuss» von Frank Lampard im WM-Spiel gegen Deutschland.

Anfang März erst hatte die Fifa eine Entscheidung zur Einführung von Torlinientechnologien vertagt. Nun der spektakuläre Fallrückzieher. Zu was er führen wird, ist absehbar. Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Auf die Torlinien-Technologie wird der Videobeweis folgen – spätestens an der WM 2022 in Katar. Und das ist gut so…

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31 Kommentare zu “Der Fussball steht vor der grössten Revolution”

  1. Kraft sagt:

    Technische Neuerungen in Ehren, aber die grösste Revolution des Fussballs war das Bosman-Urteil.

    • Patric sagt:

      Die grösste Revolution war das Einführen des Abseits im Jahre 1866. Ohne diese Regel wäre ein Fussballspiel nicht mehr vorzustellen.

      • lightsout sagt:

        sicher nicht—-der outeinwurf ist das A und O des spiels, sonst könnte man ja nicht weiterspielen

  2. DAM sagt:

    “Mit dieser Botschaft will Blatter vor allem seine Kritiker aus England ruhig stellen”.
    Witzig ist nur, dass die Briten selbst bisher fast alle Erneuerungen der Regeln verhindert haben. Im dafür zuständigen International Football Association Board (IFAB) sitzen nämlich 4 Briten und 4 FIFA-Mitglieder (und die FIFA-Mitglieder müssen alle gleich abstimmen, während die Briten einzeln stimmen können!).

    Zum eigentlichen Thema:
    Blatter ist für mich in gewisser Weise ein Phänomen, da es stets so scheint als ob ihm nichts und niemand etwas anhaben kann.

    2 Besipiele:
    – Ich erinnere mich an die FIFA-Sitzung 2002, bei der die Wiederwahl Blatters ein Thema war. Michel Zen-Ruffinen, damals ein enger Mitarbeiter Blatters, erhebt direkt vor dem Wahlprozedere schwerste Bestechungsvorwürfe gegen Blatter. Blatter entgegnet nichts weiter als: “Die Zukunft wird die Wahrheit ans Licht bringen.” Einige Minuten später wird Blatter von der Versammluing in seinem Amt bestätigt.

    – Im letzten Herbst war der Aufschrei gross als von der englischen Presse die Bestechlichkeit einzelner FIFA-Exekutivmitglieder nachgewiesen wurde. Blatter übergibt den Fall einer internen Ethik-Kommission. Und nun ein gutes halbes Jahr später hört man nichts mehr davon und es wird weitergemacht wie bisher.

    Worauf ich hinauswill ist. dass man Blatter und seinen Einfluss nie unterschätzen soll. Ich zumindest gehe davon aus, dass er auch in diesem Jahr wieder im Amt bestätigt wird.

    • josé bütler sagt:

      “ische sepp” for president ;o)

      • Geni Meier sagt:

        Sepp Blatter braucht sich auch bei einer Abwahl keine Sorgen zu machen. Er wurde bereits angefragt, die Hauptrolle in einem Remake von “der Pate” zu spielen.

        • Hans Müller sagt:

          Im Fussball endlich ein Schweizer, der zwar vielleicht unschön spielt, aber dennoch immer gewinnt. Blatter for President!!

  3. Knobel sagt:

    Wie alle Herrscher kämpft auch Blatter um sein Königreich. Da sind ihm alle Mittel recht. Der angetönte Rücktritt auf 2015 ist ein Silberstrahl am Horizont. Ich kann mit Menschen wie Blatter nichts anfangen. Ich verabscheue machtgeile, geldgierige, korrupte Selbstdarsteller. Das mit der Torkamera ist auch schwach. Was es braucht, ist der Videobeweis wie im Eishockey. Fussball ist nicht in den richtigen Händen und ich würde keinen Rappen in dieses blattersche Machtgebilde investieren.

    • Dan Rifter sagt:

      ..und du hast allen Ernstes das Gefühl, dass es besser wird, wenn irgend ein Arabischer Scheich (oder irgendwer sonst) FIFA-Chef wird?
      Die Pasta ist immer die gleiche.. nur die Sauce ändert.

      Der einzige, dem ich zutrauen würde, dass er mit diesem Korrupten Laden aufräumt, wäre Franz Beckenbauer (und das sage ich als jemand, der Bayern ein Leben lang verabscheut), den in ich absolut integer halte.
      Dumm nur, dass jene, die den Präsidenten wählen nicht so blöd sind und an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

      • Jean Jacques Jean sagt:

        Ich frage mich, was ihnen das Bundesland Bayern angetan hat, dass sie dieses ein Leben lang verabscheuen. Bier, Weisswurst oder das Oktoberfest?

  4. Heinz sagt:

    Ich sage nur Teflon-Blatter….aber diese Beschichtung hat er schon länger, nur hat bisher keiner ein Rezept für die Auflösung dieser Teflon-Beschichtung gefunden…oder wer hat’s erfunden….?

  5. kurt abächerli sagt:

    auf meinen weiten reisen in der welt, von österreich bis china habe ich gemerkt, dass sepp dem bild der schweiz viel mehr geschadet hat als schwarzgeld, minarettinitiative u.ä.

  6. Poldi sagt:

    Ja, Teflon passt in der Tat sehr gut zu SB, Heinz! Beruhigend zu wissen, dass uns diese Lichtgestalt nicht noch mit 80 als FIFA-Präsident beglücken möchte….

    Im Ernst: dass mit der Technologie ist perfektes Wahlkampf-Getue, analog dem schnellen Abschalten der AKW^s in Deutschland durch Merkel. Lange wollte SB nichts von dem Thema wissen, jetzt will er natürlich keinesfalls als Innovations-Bremse dastehen. Dabei werden die Diskussionen um Abseits, rote Karte etc. doch bleiben, dieses Argument fand ich schon immer vollkommen lächerlich. Einzig die Entscheidung “Tor oder nicht Tor” sollte (vorerst) das Ziel sein; und dafür gibt es mittlerweile nun wirklich schon ausreichend Hilfsmittel. Es ist schon fast eine Schande, dass die weltweit populärste Sportart im Jahre 2011 diesbezüglich hinter anderen Sportarten wie Tennis, Eishockey und American Football hinten ansteht…..

  7. Auguste sagt:

    hmm…, tor oder nicht? die schlüssige klärung dieser frage ist die revolution schlechthin – und sepp blatter soll nun nach besonders reiflicher überlegung und pirouette ihr bannerträger sein? sein bild mit dem lorbeergeschmückten, greisen haupt wäre von keiner stationanzeigetafel mehr wegzudenken. und in england würde er als erlöser gefeiert – nein, vielleicht doch nicht, penalties könnten sie ja dann immer noch nicht versenken.

    vergessen sie 1776, 1789, 1917 oder gar den 12.12.2007.

  8. Andreas Eicher sagt:

    Sepp der Opportunist bei seiner 954’543’177ten Kehrwende…

  9. Willy Black sagt:

    Im Sechszehner sollte der Videobeweis möglich sein nämlich ob Offsidetor oder nicht ob Schwalbe oder Foulpenalty ob Hands oder nicht. Man kann ja wie im Tennis 3 Einspruchsmöglichkeiten pro Mannschaft zulassen. Die Einwendungen der Spielfluss werde gestört stimmt nicht, da bei jeder strittigen Entscheidung 1-2 Minuten Diskussionen zwischen Schiri und Spielern das Spiel mehr verzögern. Nur Torentscheid oder nicht ist doch ein Witz weil das selten vorkommt. Bei der WM 1966 und letztes Jahr beim Tor von Lampard. Blatter will dies alles verhindern weiss der Herrgott wieso. Derselbe Blatter glaubte auch dass die Katholische Kirche seine erste Ehe annulliert (Zischtigsclub Sendung am SF) wie diejenige von Caroline von Monaco. Die zweite hat übrigens auch nicht einmal ein Jahr gehalten. Der Herr Blatter der sich so gerne als Walliserbub sieht scheint den Boden unter seinen Füssen verloren zu haben.

    • DAM sagt:

      Hört doch endlich mal auf Tennis als Argument für den Videobeweis anzuführen. Fussball ist nun mal ein völlig anderes Spiel.

      Beispiele:
      Situation1:
      Ein Spieler von Mannschaft A könnte alleine aufs Tor losziehen und wird wegen Abseits zurückgepfiffen. Bei der Videoanalyse stellt sich heraus, dass es kein Abseits war. Was macht man nun?
      1. Man stellt die Situation nach und lässt den Spieler alleine auf den Torhüter losziehen. Dies stelle ich mir sehr spannend vor und mit Garantie nicht zeitsparend.
      2. Man pfeifft überhaupt kein Abseits mehr. lässt jede Situation zu Ende laufen und entscheidet per Videoanalyse im Nachhinein. Die effektive Spielzeit verringert sich massiv. Dafür hat man den Nebeneffekt, dass man Lohnkosten sparen kann, denn die Linienrichter werden nicht mehr gebraucht.

      Andere Varianten fallen mir im Moment nicht ein, würde ich aber gerne hören.

      • DaniSK sagt:

        Ist doch einfach: Dann gibt es einen Penalty. Wichtig ist vor allem, dass die Einspruch-Möglichkeiten pro Team sehr begrenzt sind, damit nicht wegen jeder zweifelhaften Szene Einspruch erhoben wird, sondern eben nur bei eindeutigen und krassen Fehlentscheiden.

      • Maesi sagt:

        Die Unparteiischen pfeifen nur eindeutige Abseits – im Zweifelsfall wird weitergespielt. Schnell kann ein 5. Offizieller in seiner Kamera mit der heutigen Technik (vgl. Libero Vision) aufloesen.
        Damit hoert endlich mal das muehsame Haende hochhalten auf und auch nachtraegliche Diskussionen eruebrigen sich, weil die Spieler wissen, dass es einen ‘Beweis’ gibt. Dadurch gleicht sich das mit der effektiven Spielzeit wieder (teils) aus.

        Alternative: effektive Spielzeit einfuehren, dann hoert endlich mal das nervende Zeitspiel etc. auf. Aber dann kommen bestimmt wieder die abertausenden Traditionalisten angerannt. Klar, der Fussball verliert im Moment etwas, aber im Eishockey bewaehrt sich die effektive Spielzeit auch.

  10. DaniSK sagt:

    Die FIFA Farce geht weiter. Die Torlinientechnologie ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Sie ist relativ teuer und bringt vergleichsweise wenig. Einerseits kann der Seppi dann behaupten er mache etwas für die Zukunft des Sportes und anderseits bleibt alles so ziemlich beim alten, da es bei der überwältigenden Mehrheit der Fehlentscheide nicht um Tor oder Nicht-Tor geht. Das ganze System ist durch und durch korrupt und mit einem anderen Vertreter der FIFA-Altherrenrige am Steuer ändert sich vermutlich auch nichts. Daher pfere ich mich und stelle ich mich zur Wahl zur Verfügung! Ich verspreche die sofortige Einführung des Hawk-Eye, wie im Tennis. Ach und wenn ich schon mal Chef bin, dann verspreche ich grad noch, dass der FCZ automatisch immer Meister wird. Aber wenigstens verstecke ich nicht, dass ich bescheisse…

  11. E. Schönbächler sagt:

    Die Torlinientechnologie ist völlig überflüssig. In praktisch allen Fällen ist klar ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Klar gab es 1966 das Wembley-Tor. Doch an der WM letzten Sommer hätten die Schieds- und Linienrichter auch bei normalem Tempo sofort auf Tor für England entscheiden müssen. Der Ball sprang ja ca. 30 cm hinter der Linie auf. Mit besserem Stellungsspiel des Refs und seiner Assistenten können solche Situationen in 99.9 % der Fälle aufgeklärt werden. Und ich betone es immer wieder Fussball ist NICHT Eishockey oder Tennis. Ein Aufschlag im Tennis oder ein Gedränge vor dem kleinen Eishockey-Goal ist mit einer Spielszene im Fussball nicht vergleichbar. Wenn ein Hockeygoalie mit seiner Ausrüstung auf dem Puck liegt ist auch mit der Hintertorkamera ein richtiger Entscheid für den Schiedsrichter schwierig.

  12. Fritz Henning sagt:

    UNd ich rege mich jedesmal auf wenn diesem Mafia Paten aus dem Wallis überhaupt noch irgenwie Platz in den Medien geschenkt wird. Der Ballter ist ein Auswuchs der FIFA Korruption und solange in der CH die FIFA als Verein/Verband angesehen ist und nicht Steuern zahlen muss wird sich nichts ändern.
    Gebt dem Blatter keinen PLatz in den Medien und sehet her wie schnell er sich ändern wird.
    In diesem Sinne “Stopp MaFIFA”

  13. René sagt:

    Hört doch endlich auf, Sepp Blatter in Frage zu stellen. Er hat dieses Amt viele Jahre sehr souverän ausgeführt, hat die FIFA zu grossem Ansehen und nicht zuletzt auch grossem Reichtum geführt, hat unzählige Millionen in (Fussball)Entwicklungsländer für Plätze und Infrastruktur gesprochen und nicht zuletzt die Uebersicht über seinen “heterogenen Haufen” Funktionäre behalten. Dass es darunter manchmal “korrupte Vögel” hat, ist nicht Blatter anzulasten. Der Neid und die Behauptungen, dass der Blatter-Seppi sein Portemonnaie auf Auslandreisen zuhause lassen kann, sind nicht beweisbar und von Journalisten erfunden. Blatter ist, mit seinen Qualitäten und seinem staatsmännischen Umgang eine Idealbesetzung dieses Job. NB. Trifft man Blatter zufällig in einem Reataurant in Zürich, grüsst er alle Leute freundlich und gibt sich nicht so agbehoben wie viele sogenannte Managerli oder Politiker. Ein Typ mit Charme und Charisma eben, was ihn für mich einzigartig macht.

    • Maesi sagt:

      Ein richtiger Blender eben. Machtkaempfe/Korruption innerhalb der FIFA, Charme und Charisma beim Volk.

      Zudem soll er die FIFA nicht zu Reichtum fuehren (und horrende Boni auszahlen), sondern dieses Geld sinnvoll investieren – wurde teils zwar gemacht, aber vom Kuchen haben sich noch andere einen ganz schoenen Batzen rausgenommen. Noch geht zu viel Geld an die Sesselhocker der FIFA.
      Wenn die FIFA ihr Vereinsdasein aufgibt, dann sieht das wieder anders aus, aber so ist’s einfach nur laecherlich.

    • Peter Riese sagt:

      Danke, René – endlich mal ein fundiertes Statement Pro Blatter. Vorallem der Punkt mit dem “heterogenen Haufen” darf nicht unterschätzt werden. Das übliche Blatter-Bashing (normalerweise ein Nachplappern von nicht bewiesenen Gerüchten) langweilt mich langsam… Die Lektüre des FIFA Activity Reports ist übrigens sehr zu empfehlen.

    • josé bütler sagt:

      genau meine meinung, sepp for president!

  14. Daniel Spörri sagt:

    Typisch Blatter – ein Wendehals wie er im Buch steht. Die während Jahren vertretene Überzeugung wird – schwupps! – über Bord geworfen, wenns ihm an den Kragen geht.

  15. Christoph Zingg sagt:

    Sepp Blatter for ever,

    Jeder Schweizer Arbeitnehmer muss sich mit 65 pensionieren lassen. Sepp Blatter ist ein Paradebeispiel wie sich diese greisen “Sportfunktionäre” an Ihre Sessel kleben und den jungen Leuten den Weg in diese Ämter verwehren.
    Dazu kommt noch, dass Herr J. Blatter während seiner Amtszeit der grassierenden Korruption und den Stimmenkäufen für sein Mandat nie Einhalt gebieten wollte. Eine wahre Schande, dass ein Schweizer in einer so exponierten Organisation sein Land so schlecht und ungebührlich vertritt. Herr Blatter, gehen Sie endlich und nehmen Sie Ihre korrupten Kollegen, vor allem auch Julio Grondona, mit. Es ist schon lange Zeit.