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Schweiz oder Bulgarien? Hitzfeld oder Matthäus?

Thomas Renggli am Samstag den 26. März 2011


Wien, Belgrad, Budapest, Salzburg, Netanya, Sofia. Das ist nicht die Route einer Gruppenreise durchs östliche Europa, sondern der Berufsweg von Lothar Matthäus als Trainer. 2006 legte der deutsche Rekordnationalspieler ausserdem einen Zwischenstopp in der brasilianischen Provinz (Curitiba) ein – für einen Monat.

Irgendwie ist es merkwürdig: Als Spieler hat Matthäus fast alles erreicht. Er gewann den WM-Titel sowie in Deutschland und Italien insgesamt acht Meisterschaften. Als einziger Deutscher wurde er zum Weltfussballer des Jahres gewählt. Mit seinen Auszeichnungen kann er die Wände tapezieren: Unter anderem ist er Ehren-Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Träger des Bayrischen Verdienstordens. Und eigentlich hat er auch die Champions League gewonnen. Im epochalen Final von 1999 in Barcelona zwischen Bayern München und Manchester United (1:2) wurde er kurz vor Schluss ausgewechselt – von Ottmar Hitzfeld. Zu diesem Zeitpunkt führte Bayern 1:0.

Trotz dieses beeindruckenden Palmarès blieben ihm als Trainer die Türen zu einer der grossen Ligen bisher verschlossen. Selbst wenn die halbe Bundesliga innerhalb einer Woche die technische Belegschaft in die Wüste schickt (und wieder zurückholt), fällt der Name von Matthäus nie. Lediglich beim konkursgefährdeten Zweitligisten 1860 München wurde er zuletzt als ernsthafter Kandidat gehandelt. Eigentlich eine Bankrotterklärung.

Heute Abend kann der Verschmähte nun zumindest den Schweizern beweisen, dass er als Regisseur an der Seitenlinie ebenso viel zu bieten hat wie als Dauergast in den Klatschspalten.

Das Duell mit seinem ehemaligen Lehrmeister Ottmar Hitzfeld ist nicht nur emotional von höchster Brisanz – auch was die strategische Ausgangslage betrifft. Übermässiges Taktieren kommt weder für Bulgarien noch für die Schweiz in Frage. Nach dem beidseits ernüchternden Start in die Euro-Qualifikation wäre schon ein Unentschieden wie eine Niederlage. Hitzfeld zerbrach an der WM 2010 an einer fast identischen Konstellation. Gegen Honduras wäre ein Sieg Pflicht gewesen – am Schluss stand ein trauriges 0:0.

Für Honduras war dieses Resultat wie ein kleiner Sieg – zumindest dies ist in Sofia anders. Auch Bulgarien steht unter Druck, auch Bulgarien muss gewinnen. Spektakel scheint garantiert. Wer ist zuerst bereit, die Deckung zu öffnen? Wer sucht den K.-o.-Schlag mit grösserer Konsequenz? Würde man ein Psychogramm der beiden Trainer erstellen, käme wohl nur Matthäus in Frage. Er ist ein Mann der Tat – sportlich wie privat. Hitzfeld dagegen ist so sehr auf Resultatfussball fixiert, dass seine Mannschaft nur in Ausnahmefällen Tore schiesst.

Sehr geehrte Leser, was glauben Sie? Kann sich Hitzfeld von seinen Mustern lösen? Lässt er die Mannschaft endlich offensiver und beschwingter spielen? Befreit er sie aus dem taktischen Korsett? Oder bleibt er seiner übervorsichtigen Linie treu und riskiert eine Lehrstunde vom eigenen Lehrling? Wer gewinnt? Hitzfeld oder Matthäus?

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19 Kommentare zu “Schweiz oder Bulgarien? Hitzfeld oder Matthäus?”

  1. Knobel sagt:

    Ich denke, dass es Hitzfeld mit der CH-Nati irgendwie schafft, die Bulgaren knapp zu besiegen. Dann ist Hitzfeld wieder der Grösste, aber immer noch der falsche Trainer für die CH. Dieser Rechner-Stratege-Zauderi ist nicht mein Fall. Die CH-Nati braucht einen Anführer, der sie mitreisst und aus ihrer eingebildeten Komfortzone reisst. Ja, KOMFORTZONE! Matthäus ist von seiner Persönlichkeit her, noch weniger mein Fall. Ein grosser Weiberheld und Sprücheklopfer. Eine grosse Karriere als Spieler garantiert überhaupt keine grosse Trainerlaufbahn. Ich jedenfall würde den Loddar nie anstellen. Ein Trainer muss auch ein Vorbild sein und davon ist er meilenweit entfernt. Einer der in der Regenbogenpresse herumgereicht wird, kann es einfach nicht sein!

    • Bernasconi Mario sagt:

      Wie wahr! Leider ist wohl wieder taktischer Fussball angesagt, heute in Bulgarien. Herr Karl Rappan mit seinem Riegel war mir sympatischer, damals vor vielen Jahren. Würde mich sehr, sehr erstauenen wenn sich Herr Hitzfeld von seiner taktischen Rechnerei und Spielweise wird lösen können. Mutiger Angriffsfussball, Spielfreude und voller Einsatzt wäre gefragt und würde die Fans erfreuen, aber eben es wird wahrscheinlich wohl anders kommen.

  2. Walter Signer sagt:

    Ich wage zu behaupten, dass die Mannschaft von Herrn Hitzfeld weiterhin resultatorientiert aufspielt. Hinten absichern und vorne läuft weiterhin nichts. Leider. Die Schweiz verliert.
    Walter Signer

  3. josé bütler sagt:

    auch wenn ich mir nichts sehnlicher wünsche, als ein sieg der schweiz, damit die em-quali chancen weiterhin intakt bleiben, muss ich mich meinen vorschreibern leider anschliessen. so wie ich hitzfeld einschätze, kann er nicht über seinen schatten springen, er beharrt auf seiner defensiven, berechnenden strategie und geht lieber nüchtern und ohne emotionen unter, als das risiko einzugehen, mit wehenden fahnen unterzugehen.
    ok, ich muss gestehen, ich höre gerade den wm-song: http://www.youtube.com/watch?v=a2djUuJOFk8&feature=related ;o) und lasse mich von den leidenschaftlichen, mitreissenden klängen vom safri duo anstecken! aber ist es nicht gerade dass, was wir schweizer fussballfans uns wieder einmal wünschen??? eine nati, die mit begeisterung fussball spielt, die es krachen lässt, die voller enthusiasmus und kreativität auf den platz tritt. eine schweizer nati, die FUSSBALL spielt und nicht fussball rechnet und in taktischen vorgaben erstickt.
    ich wünsche ottmar hitzfeld und der nati viel glück in bulgarien und HOPP SCHWIIZ!

  4. Dr. Robredo sagt:

    Montenegro2 calling.

  5. Auguste sagt:

    hmm…, angesichts der ausgangslage könnte das ein total verkrampftes gegurke werden zwischen diesen zwei teams. und das einzige, was das verhindern könnte, wäre ein frühes tor. um überhaupt ein chance darauf zu haben, einen frühen treffer zu erzielen, müsste man offensiv aufspielen. auf die schweizer mannschaftsaufstellung bin ich ja mal gespannt.

  6. Mauli René sagt:

    immer heisst es das duell hitzfeld -Matthäus das spielt doch keine rolle es heisst schweiz – bulgarien das ist das was zählt und die schweiz muss gewinnen und wenn sie das nicht schaft hat sie auch nichts zu succhen an einer EM

  7. René Emery sagt:

    Man kann über den vergangenen Trainer der Schweizer Nati, Köbi Kuhn, nachsagen was man will: seine Personalpolitik war unbestritten gut. Er nominierte stets die besten und aktuell erfolgreichsten Spieler, was man von Hitzfeld nicht unbedingt behaupten kann. Einen Dzemaili zu bringen, der im letzten Testspiel so was von daneben war – auch wenn er in Parma angeblich ganz passabel spielen soll -, zeugt von einer defensiven taktischen Disposition, von Fussballkennern im allgemeinen auch Angsthasenfussball genannt.

    Wieso bringt er nicht Derdjiok von Anfang an, der zur Zeit in Leverkusen der letzte Kracher ist? Damit würde er der Mannschaft ein Offensivpotential mit auf den Weg geben , welches meiner Meinung nach absolut notwendig ist, um die angestrebten 3 Punkte einzufahren.

    Ein Unentschieden nützt niemanden was!

  8. Hans Saurenmann sagt:

    Nur die duemmsten Kaelber waehlen ihre Metzger selber, oder anders gesagt Flaschen stuetzen Flaschen

    • Thomas Renggli sagt:

      Das war lausig – taktisch, spielerisch, kämpferisch. Aber es lag wohl am Gegner. Wenn dieser FCZ, GC oder YB geheissen hätte, wäre A. F. in der 30. Minute kaum so kläglich gescheitert…

      • Maesi sagt:

        DAS ist ihr Kommentar zum Spiel?!?
        Sorry, aber langsam ist’s nur noch bemitleidenswert.
        Angriffsflaeche zur Kritik hat das Spiel mehr als genuegend geboten, aber sowas zuletzt…

  9. josé bütler sagt:

    oh mein gott, was war denn dass? alles auf zufall basierend! kein konzept, keine ordnung, sehr viele fehlpässe, keine leidenschaft, die ganze mannschaft statisch, spiel ohne ball gleich null, keine solidarität im team, keine kreativität, kein überraschungsmoment, alles träge, die qualität jeglicher aktionen spottet jeder beschreibung –> bankrotterklärung der schweizer nati. dass war total stümperhaft, ich fass es einfach nicht!!!

    was ist mit unserer nati los??? ich will es ja nicht wagen dem trainer die schuld dafür zu geben … man hat ja eben den vertrag bis 2014 verlängert … heisst dass im klartext, die nächsten drei jahre grottenfussball unserer nati???

    es ist wie verhext, jeder spieler, egal ob er im club noch so gut spielt, in der nati, reiht er sich sofort in die reihe der versager und looser ein. WIESO ist dass so? werden die spieler vom trainer in ein taktisches konzept gezwängt, dass ihnen die luft zum atmen nimmt? werden sie vollgequasselt, dass sie nicht mehr wissen was oben und unten ist? hitzfeld steht doch im ruf ein motivator zu sein. einer der seine spieler auf den punkt genau einstellen kann. wieso präsentiert sich die nati seit fast drei jahren mit wenigen ausnahmen in einem solch desolaten zustand??? ich bin total frustriert und ratlos!!!

  10. josé bütler sagt:

    nach dem dritten frustbier ist mir eine idee eingefallen. hitzfeld soll doch mal folgende matchvorbereitung versuchen, schlechter als das gegurke der letzten spiele kanns nicht kommen:

    zehnmal den song von baschi “bring en hei” in voller lautstärke abspielen und dann wie “franz der grosse” sagen: geht’s raus und spuilts!

  11. andy sagt:

    Otto Hitzfeld verdient grossen Respekt, er hat es geschafft den SFV zu überlisten, sein Engagement für die privaten TV- Sender lässt keine Wünsche mehr übrig, der ist so satt und glaubt an Wunder, hat er das nötig? Er bleibt ein Superschwiizer, Timo K. soll übernehmen.

  12. dieter brunner sagt:

    Als Stadtzürcher muss ich sagen: Solange wir kein “echtes” Fussballstadion haben, bleiben uns wenigstens (hoffentlich) Auftritte der nationalen Gurkentruppe erspart. Gut entschieden Gemeinderat!!

  13. Milan sagt:

    Mein Gott, war das ein Grottenkick! Ich fühlte mich an die schlimmsten Partien unter Jorge oder Fringer erinnert. Bezeichnend aber, dass Hitzfeld, frei und Co. tatsächlich noch eine gute (dominierende) Halbzeit der Nati gesehen haben wollen! Also, die EM können wir uns an’s Bein streichen (ich glaube halt nicht an “Wunder”). Schade, aber ist jetzt nunmal halt so. Aber meine grösste Sorge ist/bleibt nun, ob wir uns eventuell wirklich drei weitere Jahre lang jeweils so ein Gegurke werden antun müssen, wenn man ein Spiel der CH Nati sehen möchte? Die Erfahrungen der letzten bald 3 Jahre scheinen das zu belegen 🙁

    Im Übrigen, ist es ja schön, dass Otti nochmals das Vertrauen des SEFV spüren durfte und dass die CS ihren Glückshamster gleich nochmals weitere 3 Jahre zur Schau stellen darf. Aber eigentlich, finde ich zumindest, müsste Hitzfeld so viel Grösse und (sorry) Anstand haben, dass er nach Abschluss dieser total vermurksten Kampagne von sich aus auf die ganze Kohle verzichtet und einem neuen Mann mit einem neuen Konzept (oder überhaupt einem Konzept) seinen Posten überlässt. Wobei’s sich halt unter der aktuellen Verbandsführung wohl kaum etwas ändern dürfte.. Schön wäre es, wenn die auch endlich mal von ihren prestigeträchtigen Ledersesselchen runterrutschen würden. Aber dafür dürften deren Hinterteile wohl schon zu tiefe Eindrücke geschaffen haben..

    • josé bütler sagt:

      @milan: genau meine meinung! hitzfeld soll die grösse haben und den kürzlich unterschriebenen vertrag zerreissen ohne forderungen zu stellen!!!

  14. kurt abächerli sagt:

    kein gutes spiel unter othmar. ein dusel gegen spanien sonst rein gar nichts. wir sind wieder soweit wie vor zwanzig jahren. zittern gegen malta, honduras, luxemburg.

    was gestern gezeigt wurde war ein frechheit. dzemaili inler unterirdisch. behrami kopflos und gefährlich. die basler eine zumutung. neuer trainer neue mannschaft. schlechter wird es sicher nicht, aber vielleicht zeichnet sich etwas wie eine entwicklung ab.

    die grösste freichheit. der bekloppte audi-werbespot mit den unfähigen millionären…

  15. René sagt:

    Das Wembley-Spiel wäre auch eine gute Gelegenheit für Hitzfeld, seinen Hut zu nehmen, zusammen mit seinem, auch am Samstag wieder grottenschlechten Captain, Alex Frei. Ich glaube dieses kommende Spiel gegen England sollte auch Symbolcharakter für einen definitiven Wechsel in der gesamten Nationalmannschaft, angefangen von den Funktionären, haben. Auch sie sollten sich hinterfragen und die Konsequenzen ziehen. Im Team ist Gleiches angesagt, sollten doch nur noch Spieler aufgeboten werden, welche sich für’s Nationalteam der Schweiz den “Arsch aufreissen” wollen und nicht einfach ein Länderspiel mehr in ihrer persönlichen Statistik haben wollen, Spieler welche nach dem Spiel “dreckig und gezeichnet” sind und nachher ohne schlechtes Gewissen die Dusche benützen “müssen”, Spieler, die bei der Rückkehr im Flughafen, auch wenn sie verloren haben, den Fans in die Augen sehen können, auf ihre Leistung stolz sein können und nicht wie Diebe davonschleichen müssen.
    Liebe Fans, macht Druck auf den Fussballverband und die dort herrschenden, unfähigen Sesselkleber, dass endlich etwas geht und nicht einfach wieder so weitergewurstelt werden kann. Dies zum Wohle des Schweizer Fussballs!