Beiträge mit dem Schlagwort ‘Street-Parade’

«Sie war schön»

Alex Flach am Montag den 14. August 2017
    Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.

Sie war schön, sie war die schönste seit vielen Jahren: Die Street Parade in diesem Jahr stand wahrlich unter einem guten Stern. Am Anfang stand der erstaunliche Wetterumschwung, just auf Beginn des Umzugs. Wer immer schon den Verdacht hegte, dass Petrus ein alter aber nach wie vor leidenschaftlicher Raver sei, der hat nun ein Indiz mehr das seine Mutmassung stützt.

Meine erste Street Parade habe ich 1994 besucht und bis Ende der Neunziger habe ich dem Umzug alljährlich entgegengefiebert, eine Vorfreude vergleichbar mit jener auf Weihnachten im Vorschulalter. Dann, ab der Jahrtausendwende, franste alles aus. Der Sound an der Parade wurde kommerziell und entsprach nicht mehr jenem, der in den Zürcher Clubs läuft. Sie verabschiedeten sich folgerichtig vom Konvoi und ich mich mit ihnen. 2002, das Jahr in dem es in Strömen regnete und in dem die Temperaturen einem miesen Schweizer Herbst alle Ehre gemacht hätten, war mein letztes auf einem Lovemobile: Damals bin ich auf Höhe des roten Schlosses vom Lastwagen gehüpft und zum Partysan Boot gerannt, in der Hoffnung der Kapitän hätte in weiser Voraussicht einen Vorrat an Heizöl beiseitegelegt.

Nach diesem, auch für das Street Parade-OK, tristen Jahr war die Street Parade nicht mehr dieselbe. Der Zauber war weg und sie hatte einen neuen Lover, die Masse der Eintagesraver, die House nicht von Techno unterscheiden können und die denken, die Swedish House Mafia sei das Nonplusultra in Sachen Danceflooring.

Doch in diesem Jahr war Vieles anders. Nicht ganz so wie früher (noch nicht), aber ein kleines Bisschen schon. Zu Beginn stand das Statement des Street Parade Bookers Robin Brühlmann, dem man entnehmen konnte, dass er die Schnauze voll hat von Beat-gestütztem Saxophongedudel. Es soll wieder mehr Techno werden, weg mit dem als Clubmusik getarnten Pop.

Als nächstes wurde dann verkündet, dass mit dem Klaus nach zig Jahren endlich wieder ein angesagter Zürcher Club ein Lovemobile stellen wird. Natürlich, das Klaus… Alain Mehmann, einer der Chefs da, ist ein Street Parädler der ersten Stunde, einer dem die Liebe zum Umzug auch in den erzkommerziellen Nullerjahren nie abhandengekommen ist.

Dennoch: Über zehn Jahre akustischer Zwiespalt lassen einen trotz dieser Schwalben noch nicht an den Sommer glauben. Erst als mir am Samstag auf dem Sechseläutenplatz von der Hauptbühne der kompromisslose Techno mit 160 bpm entgegendonnerte und erst als ich danach die Superszenis auf dem Klaus-Mobile wie Honigkuckenpferde (Mehmann und seine Partner würden sagen wie Einhörner) grinsen sah, da wusste ich, dass ein Stück des Zaubers zurückgekehrt ist.

Der Rest des Tages war Chaos und Tohuwabohu, vermengt mit reichlich Bier und Vodka Martini. Aber wenn mich die Erinnerung nicht trügt, war 2017 tatsächlich ein wenig wie 1997. Mit dem Unterschied, dass der Kater 1997 nicht ganz so garstig und nachhaltig gewesen sein dürfte.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Die Barbaren kommen!

Réda El Arbi am Dienstag den 8. August 2017
Unausprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins umland!

Unaussprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins Umland!

Es gibt in der Menschheitsgeschichte viele Beispiele, in denen eine friedliche Bevölkerung von unzivilisierten Massen überrannt wurde: Die Türken vor Wien, die mongolischen Horden, die Kreuzritter in Jerusalem – und eben die Spasszombies, die jedes Jahr im August über Zürich herfallen. Man kann keinen Widerstand leisten, die Überzahl ist unbezwingbar. Aber man kann fliehen, wenn man sich früh genug vorbereitet. Hier ein paar sichere Horte, an denen Sie diesen Samstag verbingen können:

Die andere Zürcher Stadt

Nur 16 Minuten vor den Toren der Stadt gibts ein Städtchen, das eine eigene, blühende Kulturszene aufweist. Wer Musik mag, die wirklich noch von Menschen an Instrumenten gespielt wird, wird sich an den Musikfestwochen Winterthur wohlfühlen. Je nach Wetter verbringt man den Nachmittag in einem der kleinen Cafes mit dem Lesen eines guten Buchs oder planscht mit den Kids in der Töss, um sich am Abend dann von verschiedenen Konzerten unterhalten zu lassen.

Nordwärts!

Wer dem Niederdorf nachtrauert und wissen will, wie eine lebendige Altstadt aussieht, sollte sich ans Stars in Town in Schaffhausen begeben. Neben verschiedenen Konzerten gibt ein Streetfood-Festival und ein riesiges Nebenprogramm.  Nachmittags kann man sich in Neuhausen am Rheinfall von der Gischt besprühen lassen. Schliesslich war man seit der Schulreise nicht mehr da.

In die Boote!

Wenn wir schon im Norden sind, ist eine kleine Gummibootfahrt auf dem Rhein von Stein am Rhein bis Diessenhofen zu empfehlen. Dazu gibts jede Menge Kultur und Unterhaltung: eine Burg, Wandmalereien aus dem Mittelalter, Pfahlbau-Überreste – und als grossen Joker: Die Minieisenbahn, mit denen man die Kids unterhalten kann. Abends isst man dann Fisch und schaut dem Strassenprogramm des Theaterfestivals nordArt zu.

Zum Feind überlaufen

Für einmal kann man die alte Fehde zwischen Zürich und Basel vergessen und bei den Bäppis um Asyl bitten. Die sind gar nicht so schlimm. Und dieses Wochenende lohnt es sich, Basel einmal zu besuchen: Man kann noch den letzten Tag des Basel Openair miterleben und sich davon überzeugen, dass fremde Kulturen (ja, sogar Basler!) durchaus auch ihren Charme haben.

Gemütlich nehmen

Wer dem Stress der Grossstadt entfliehen will, kann sich nach Bern absetzen. Neben Aareschwimmen und Kaffee in der Altstadt findet man in Bern unter jedem Pflasterstein eine Band. Was in Zürich die Clubs sind, ist in Bern Live-Musik. Von Klassik bis Blues und Rock – in Bern gibts am nächsten Samstag alles.

Ab in die Agglo

Verbringen Sie einen ruhigen, friedlichen Nachmittag am Greifensee und lassen Sie den Abend im Openair Kino in Uster ausklingen. Wir garantieren, dass die Gegend sicher ist, da sich alle ansässigen Barbaren schon früh morgens mit der SBahn in Richtung Stadt aufgemacht haben.

Also, fliehen Sie! Retten Sie sich und ihre Lieben!

Klaus macht Mobile

Alex Flach am Montag den 7. August 2017
Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Am kommenden Samstag findet die 26. Street Parade statt. Neben dem musikalischen und vom Street Parade-Booker Robin Brühlmann verantworteten Kurswechsel auf den Bühnen an der Strecke, einer Abkehr vom EDM hin zu House und Techno, hat im Vorfeld vor allem das Love Mobile des Klaus-Clubs für Aufsehen gesorgt. Dass ein angesagtes Szene-Lokal wie das Klaus ein eigenes LoMo stellt, ist seit vielen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr: Seit der Jahrtausendwende haben sich die Zürcher Clubszene und die Street Parade auseinandergelebt, sich immer weiter voneinander entfernt.

Als der Klaus-Mitinhaber Alain Mehmann seine erste Street Parade besucht hat, war er noch weit davon entfernt einer der Macher des Zürcher Nachtlebens zu sein. «Während der dritten Parade war ich per Zufall auf Einkaufstour in der Stadt. Da habe ich sie und die elektronische Musik erstmals wahrgenommen. Das war die Initialzündung für mich.»

Mehmann wurde später Redaktor beim ehemaligen Szene-Magazin Forecast. Noch später hat er mit Partnern den Heaven-Club im Niederdörfli eröffnet, das Partylabel Behave (Friedas Büxe) lanciert und schlussendlich hat er seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde des Klaus gesetzt, einen der aktuell liebsten Clubs aller sich mit der Aura des Wissens um die wahre Subkultur umgebenden Nachtzürcher.

Mehmann: «Vor circa einem Jahr und nach unserer Street Parade-Afterparty habe, ich halb im Jux, halb im Ernst gesagt: ‚Lasst uns nächstes Jahr auch ein Love Mobile an den Start bringen!‘. Die Reaktionen meiner Partner und Gäste waren so positiv, dass wir an der Sache drangeblieben sind. Definitiv zugesagt haben wir aber erst, als wir das Angebot erhalten haben, den Wagen zusammen mit dem BPM Festival zu organisieren.»

Auch andere Zürcher Clubmacher haben sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten überlegt einen Wagen zu stellen. Dass nun ausgerechnet das Klaus diese Überlegungen Tatsache hat werden lassen, ist auch für das Street Parade-Komitee ein Glücksfall: Nicht viele Zürcher Clubs hätten besser zum Winkelried für künftige Teilnahmen anderer Szenelokale getaugt als der Langstrasse-Memberclub. Mehmann: «Wir haben die Startnummer 13, ein Motto haben wir nicht. Der Wagen wird aber bunt, schrill und schräg sein wie unser Club. Die Deko und die Outfits gehen in Richtung ‚Alice im Wunderland und Mad Max machen zusammen einen Zirkus am Strand mit Grossmutters Möbeln‘. Wie du dir ja vorstellen kannst, machen wir nicht an der Street Parade mit, weil wir mehr Werbung bräuchten. Es ist wirklich aus Freude an der Sache und weil wir finden, dass die Street Parade für die Stadt und das Nachtleben nicht nur eine wichtige Rolle gespielt hat sondern immer noch spielt. Und schlussendlich: es ist ein Riesenspass!»

Alle die noch auf Klaus-Wagen zu den Sets der DJs Carlo Lio, Nathan Barato (beides langjährige DJs am BPM Festival), Playlove, Pazkal, Nici Faerber, Aaron Khaleian und Raphael Raban raven möchten muss Mehmann enttäuschen: «Wir sind leider längst ausgebucht.»

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Street-Parade: Mega-Raves sind tot

Alex Flach am Montag den 24. Juli 2017
Die Party nach der Party ist tot.

Die Party nach der Party ist tot.

Am 12. August zuckeln wieder die Lovemobiles ums Zürcher Seebecken. Derweil der Umzug selbst auch nach mehr als zwei Jahrzehnten die Massen mobilisieren kann, scheint die Ära der grossen Raves am Abend nach dem Techno-Konvoi endgültig vorbei zu sein. Konnte man früher gar in der Halle des Hauptbahnhofs weitertanzen, sucht man in diesem Jahr vergebens nach Party-Giganten.

Selbst Arnold «Technopapst» Meyer, seit den frühen Tagen der Street Parade Zeremonienmeister von riesigen Afterpartys wie der Energy im Hallenstadion oder der Electric City auf dem Maag Areal, wird an der diesjährigen Parade nur Zaungast sein: «Raves in der Grössenordnung wie ich sie jeweils veranstaltet habe, rentieren nicht mehr, seit das Street Parade-Komitee ein so grosses Gratisangebot auf die Beine stellt. Auch das Berner Label Abflug Berlin von Lorenz Misteli hat sich verabschiedet, da die Party im Volkshaus letztes Jahr ebenfalls defizitär war. Ich mache 2017 zwar noch eine Electric City, aber erst zu Silvester in der Bea Expo Bern mit Ben Klock als Headliner. Die Energy führen wir bereits seit 2014 nicht mehr durch.»

Damit dürften die Afterparty im Kaufleuten mit Jamie Jones an den Decks und die Lethargy in der Roten Fabrik, unter anderem mit Bonaparte, Convextion, Roman Flügel und Matrixxman, die grössten Sausen nach der Street Parade sein. Was die Lethargy anbelangt, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie, war sie in ihren Anfangstagen doch eine augenzwinkernde Alternative zu Meyers übergrossen Energy – nun ist also sie selbst die grösste.

Die vermeintlichen Nutzniesser dieser Entwicklung sind die Zürcher Clubs, die an diesem Tag nun nicht mehr mit Grossveranstaltungen in Stadien und Industriehallen konkurrieren. Jedoch bedeutet das nicht, dass all die berühmten Djs die an der Strecke auf den Lovemobiles und den Bühnen auflegen, danach in den Clubs zugange sind: Die meisten dieser Grössen sitzen am Abend bereits wieder im Flieger, der sie zu ihrem nächsten Set bringt.

Das liegt auch daran, dass viele Zürcher Clubs auch am 12. August nicht von ihrem gewohnten Programm abweichen und zwar mit der Begründung, dass sie ihre Stammgäste nicht verprellen möchten, indem sie ihre hehren Hallen mit Hundertschaften zugereister Eintages-Raver füllen.

Sprich: Es dürfte im Anschluss an die diesjährige Street Parade viel weniger Platz für eine etwa gleichbleibende Zahl Techno- und House-Jünger geben. Leidtragende sind nicht nur die Securities der Clubs, die an diesem Abend viel Zeit in Diskussionen mit verschmähten Einlasswilligen verbringen dürften. Auch die die Street Parade-Touristen aus anderen Kantonen, aus Deutschland oder Italien, die nicht über ein Zürcher Netzwerk verfügen, dürften dabei in die Röhre gucken. Ihnen sei an dieser Stelle dringend empfohlen, sich bereits vor ihrem Ausflug nach Zürich die passende Afterparty auszusuchen und – sofern einer angeboten wird – den entsprechenden Vorverkauf zu nutzen. Ansonsten kann es gut sein, dass die Street Parade bereits endet, wenn das letzte Lovemobile den Motor abstellt.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Street Parade reanimiert

Alex Flach am Montag den 10. Juli 2017
Langweiliges Motto, spannendes LineUp an der Street Parade 2017

Langweiliges Motto, spannendes LineUp an der Street Parade 2017

Alljährlich und bereits Wochen vor der Bekanntgabe des Street Parade-Mottos, kann die Community vor lauter Aufregung jeweils kaum an sich halten. Was wird es werden? Ein Gefühlsklassiker wie «Believe in Love» (2000), «Friendship» (2005) oder «Follow your Heart» (2012)? Etwas, das mit einer unterschwellig kritischen und doppelbödigen Botschaft zum Nachdenken anregt wie «PEACE!» (2002), «Respect» (2007) oder «It’s All In Your Hands» (2013)?

Oder gar etwas, das die Clubkultur auf vielsagende Weise auf den Punkt bringt wie «Elements of culture» (2004), «Dance for Freedom» (2013) oder «Enjoy the Dancefloor – and save it» (2014)? Oder kann das Komitee gar den riesigen Erfolg des längst zum geflügelten Wort gewordenen «Today is tomorrow» aus dem Jahr 2005 wiederholen? Das hätte den Verantwortlichen um den Street Parade-Präsidenten, Joel Meier, dann wohl doch zu grossen Rummel verursacht. Wohl deshalb haben sie mit «Love never ends» einmal mehr ganz tief ins Schatzkästchen gegriffen.

Man kann vom Street Parade-Mottogenerierer (die maskuline Form ist korrekt, denn auch bei der Street Parade haben, wie (beinahe) überall sonst im Clubleben, Männer das Sagen) halten was man will, der Street Parade-Booker Robin Brühlmann hat einen klasse Job abgeliefert und in diesem Jahr gar einen mutigen: Er hat EDM aus den Bühnen-Line Ups gekehrt und sie mit grossen Techno- und House-Namen wie Nicole Moudaber, Ellen Allien, Dubfire und Paco Osuna besetzt und das abermals ohne einen Rappen Gage in die Hand zu nehmen. Auch bei den Kooperationen hat sich diesbezüglich Einiges getan: Beispielsweise ist das Zürcher Partylabel Rakete mit einer eigenen Stage am Start und die Street Parade-Hymne kommt in diesem Jahr nicht von einem Sir Colin oder einer Tatana, sondern vom Cadenza-Macher Luciano (und ist tatsächlich eine geworden, die man lauter drehen kann ohne die Krätze zu kriegen).

Auch bei den Lovemobiles herrscht hoffnungsvolle Aufbruchstimmung dank der Beteiligung von international bekannten Electronica-Marken wie Hyte, Elrow und BPM Festival und DJs wie Chris Liebing, Loco Dice und Claptone. Klar: Die «lässigen» Lovemobiles werden auch 2017 in der Unterzahl sein, aber der Schwenk in Richtung Coolness lässt sich bei einem Anlass in der Grössenordnung einer Street Parade nun wirklich nicht in nur einem Jahr komplett bewerkstelligen.

Selbst in die Eiszeit in der Beziehung zwischen den Zürcher Clubs und der Street Parade scheint ein wenig Tauwetter einzukehren: Das Komitee veröffentlich erstmals einen offiziellen Street Parade-Clubbing Guide und an dessen Finanzierung haben sich Clubs wie die Friedas Büxe, das Hive, das Klaus und die Zukunft beteiligt. Und gar das Undenkbare könnte Realität werden: Schenkt man dem Gemunkel Glauben, wird doch tatsächlich erstmals seit vielen Jahren wieder ein Zürcher Underground-Club mit einem Lovemobile an den Start gehen.

Zum Schluss ein Hinweis an den Street Parade-Mottomacher, so als Tipp: «Enjoy the Second Spring» wäre für die diesjährige Ausgabe schöner gewesen.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 26. Mai 2017

«Ich hatte riesige Angst,
dass ich im «Chefi» lande.»

Der Zürcher Fotograf Alberto Venzago feiert mit einer Werkschau sein bisheriges Schaffen. Die ausgestellten Bilder erzählen von einem bewegten Leben. Und er erinnert sich dabei noch gut an die eine oder andere «Jugendsünde». (Foto: Esther Michel) Zum Artikel

 

«Lass uns Liebe machen.»

«Love Never Ends» ist das Motto der diesjährigen Street-Parade. Doch wie kam es eigentlich dazu? Das streng geheime Protokoll der Findungskommission verrät es. (Foto: Tages Anzeiger) Zum Artikel

 

«Ich bin immer auf der Suche nach Utopie.»

Wieder aktiv: Der Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, möchte in den Kirchtürmen des Grossmünsters seinen Fischzyklus sprayen. Ganz offiziell. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich musste handeln.»

FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger schaut nicht länger zu: Sein ERZ-Chef, Urs Pauli, muss kürzertreten, weil er sich einen 130’000 Franken teuren Dienstwagen eigenmächtig angeschafft hat. Die Stadt hat Strafanzeige gegen ihn eingereicht. Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Ich wollte ein Auto, das bis
zu meiner Pensionierung durchhält.»

Der Erklärungsversuch der Woche: Der freigestellte ERZ-Chef Urs Pauli sagt, warum er sich einen BMW für 130’000 Franken als Dienstwagen geleistet hat. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Wir geben Flüchtlingen ein bisschen Normalität.»

Piera Cerny und Annina Largo lehren Asylsuchende das Fitnessboxen. Die Nachfrage übersteigt das Angebot: Deshalb suchen sie einen weiteren Trainingsraum.(Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Zürich ist wieder ein bisschen
mehr wie Manhattan.»

Das neue Interior Design passt in dieses historische Haus und zu Zürich wie der Trump Tower an den Bürkliplatz, schreibt TA-Redaktor Edgar Schuler (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Zürich ist zur Baustelle verdammt.»

Zürich hat diesen Sommer nach dem Bellevue und der Bahnhofstrasse mit dem Central schon wieder eine Monsterbaustelle im Stadtzentrum. Hört das denn nie auf? Nein, ganz sicher nicht, meint TA-Redaktor Jürg Rohrer. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Die SP hat so viele intelligente
Mitglieder wie keine andere Partei.»

Mann/Frau, Stadt/Agglo: Das neue Co-Präsidium soll den Richtungsstreit der SP in Erfolg umwandeln.Einstimmig haben 220 Genossinnen und Genossen Nationalrätin Priska Seiler Graf (48, Kloten) und Kantonsrat Andreas Dauru (37, Winterthur) zum Co-Präsidium der kantonalen SP gewählt.  (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Dafür muss ich zuerst googeln.»

Der abtretende Migros-Konzernchef und Springsteen-Fan Herbert Bolliger über seinen Lohn, Radarfallen und das Glück. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Angst vor Vandalen haben wir nicht.»

Die Stadt Zürich offeriert in Zusammenarbeit mit der Pestalozzi Bibliothek Zürich (PBZ) auf dem Friedhof Sihlfeld auf sechs neuen Lesebänken Gratisbücher. PBZ-Direktorin Brigitte Zünd fürchtet sich nicht vor Beschädigungen, Kritiker hingegen bemängeln den Standort als pietätslos. (Foto: Tina Fassbind) Zum Artikel

Wieder mehr Rave und weniger Fasnacht

Alex Flach am Montag den 15. August 2016
Einfach tanzen.

Einfach tanzen.

2008 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte der Street Parade. Damals hat der Stadtrat die Sonderbewilligung für Outdoor-Bars und Musikanlagen im Freien während der Street Parade aufgehoben. Nach einer vierjährigen Beobachtungsphase hat Stadtrat Daniel Leupi im März 2012 entschieden auch weiterhin keine Outdoor-Bars zuzulassen. Eine entsprechende Bewilligung würde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder zu einem deutlichen Anstieg von verletzten Personen führen: Seit 2008 seien sowohl die Anzahl der Körperverletzungen als auch der Behandlungen durch Schutz & Rettung markant zurückgegangen.

Jedoch hat die Verweigerung dieser Sonderbewilligung auch Schattenseiten. War zuvor die ganze Stadt ein einziger Dancefloor und bereits der Gang zur Strecke Bahnhofstrasse oder das Limmatquai hinunter ein Bass-unterlegtes Happening, gleicht der Zug der Raver zum See heute einem Schweigemarsch, begleitet von kleinen Partyreisegruppen die sich in Seitengassen verstecken um die Drogen für den Tag unter sich aufzuteilen.

Zudem hat sich das Nachtleben mit der Verweigerung der Sonderbewilligung endgültig vom Umzug verabschiedet: Wegen der hohen Kosten, der vielen Auflagen und des enormen Personalaufwands für das Stellen eines Love Mobiles verzichteten circa seit der Jahrtausendwende immer mehr Zürcher Clubs und Veranstalter auf einen eigenen Lastwagen und fokussierten sich stattdessen auf die einträglichen Afterpartys und auf die Organisation von Outdoor-Partys wie jener im Rosenhof am Limmatquai.

Als 2008 diese innerstädtischen Club-Präsenzen während des Umzugs plötzlich keine Bewilligung mehr erhielten, wurde aus der Street Parade der Clubber endgültig ein Karneval für die ganze Familie. Zwar hat das Organisationskomitee diese Entwicklung mit diversen Soundstages etwas dämpfen können, aber es war und ist nicht mehr dasselbe.

Durch die 25. Parade wehte jedoch der leise Hauch von Umkehr. Es waren weniger Familien mit Kindern auszumachen und auch der Anteil an Verkleideten war deutlich kleiner als in früheren Jahren. Dass weniger Familien an der Strecke waren hing sicher mit der Angst vor einem Terroranschlag zusammen – die schrecklichen Bilder aus Nizza gingen wohl auch den 900‘000 Furchtlosen an der Strecke bisweilen durch den Kopf.

Warum sich hingegen immer weniger Leute verkleiden, liess sich gut an einem kleinen Zwischenfall abseits der Strecke ablesen: Als sich einer aus einer Gruppe mit blauen Perücken und ebensolchen Röcken bewehrter Männer im fortgeschrittenen Alter laut wunderte, dass nur vereinzelt andere Fasnächtler auszumachen sind, entgegnete ihm ein vorbeigehender Raver lapidar, dass sich halt nur Deppen verkleiden würden.

Es wäre schön, wenn die kommende Clubber-Generation aus dem Fasching für Jung und Alt wieder ein Anlass der elektronischen Musik machen würde. Jedoch müssten dann die Love Mobiles bezüglich Soundqualität nachziehen: Die schwankte auf vielen Lastwagen auch in diesem Jahr zwischen nervtötend und nicht vorhanden und einfach nur Insomnia von Faithless mit 160 BPM abspielen ist nicht die Art von repräsentativem Beitrag den die Street Parade als grösste Technoparty der Welt zur Musik leisten sollte.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Keine Liebe für Lovemobiles

Alex Flach am Sonntag den 7. August 2016
DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street Parade.

DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street-Parade.

Hierzulande kann man immer häufiger zu Sets von Frauen wie Patrischa, Eli Verveine, Honorée, Frau Hug oder Vanita tanzen. Sie alle spielen in den besten Clubs mit subkultureller Programmierung wie der Friedas Büxe, dem Basler Nordstern oder dem Supermarket. Auch die Bernerin Carol Fernandez vermag sich seit längerer Zeit in der Männerdomäne DJing zu behaupten. Im Unterschied zu den Genannten ist sie aber in sehr kommerziellen Gefilden zuhause, samt Gastauftritten bei der SRF-Sendung Glanz & Gloria. Ähnlich wie die Ostschweizerin Tanja La Croix vermarktet sie sich denn auch nicht primär über ihre Musik, sondern mit peppigen Modelfotos.

An der Street-Parade vor zwei Jahren hat Fernandez ein Zeichen gesetzt, das man trotz Absenz von Absicht als Statement interpretieren kann, und hat den ehemaligen Sidekick von Harald Schmidt und heutigen Ballermann-DJ Oliver Pocher auf ihr Lovemobile gebucht. Klar… dieses Booking war wohl eher das Resultat einer enormen Fehleinschätzung der Ansprüche leidenschaftlicher Raver, aber trotzdem hat sie damit die Entwicklung auf den Punkt gebracht, welche die Zürcher Clubs von der Street-Parade fernhält: Die Musik die von den Lastwagen runterdonnert ist mehr Tortur als Kunst und hat nichts mit dem zu schaffen, was beispielsweise in einem Club Zukunft läuft – dort würde man Pocher und Fernandez wenn nötig mit Gewalt von den Plattentellern fernhalten.

Auch in diesem Jahr lässt einen die Durchsicht der Lovemobile-DJs erschaudern. Klar gibt es Ausnahmen wie beispielsweise das «Mimmo & Friends»-Lovemobile mit DJs wie Dario D’Attis oder Mirco Esposito oder das „Black & White Lovemobile“ auf dem unter anderem das Mad Katz DJ Team zugange ist. Aber alles in allem wünscht man sich bei den meisten Lovemobiles die Motoren wären lauter als das Soundsystem. Ganz anders sieht es hingegen auf den Bühnen aus: Der Street-Parade-Booker Robin Brühlmann hat ganze Arbeit geleistet und seine acht Stages hochkarätig besetzt. Loco Dice, Mind Against, Martin Buttrich, Pan-Pot und Steve Lawler sind nur ein paar der grossen DJs die da spielen.

Vor diesem Hintergrund ist die Idee zu sehen, die neulich in den sozialen Medien aufgetaucht ist, man könnte doch die Lovemobiles abschaffen und die Street-Parade zum elektronischen Festival umbauen. Dieser Gedanke ist nicht neu und es waren bereits zögerliche Ansätze zu beobachten aus der Parade ein mehrtägiges Happening analog der Sonàr in Barcelona zu machen. Jedoch sollte auch dann keinesfalls auf den Lastwagen-Umzug verzichtet werden: Auch wenn der Zürcher die Lovemobiles nur noch als akustisches Ärgernis sieht, so sind doch sie es, die die Street-Parade so einzigartig machen. Egal wie scheusslich der Sound bisweilen ist: Die Lastwagen sind als Herzstück und ultimativer Wiedererkennungswert der Street-Parade nicht ausklammer- oder abschaffbar. Egal wie man’s dreht und wendet: Soll sich was ändern müssen die Clubs mit eigenen Lastwagen zurück an die Strecke. Je früher desto besser.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Die Afterpartys

Alex Flach am Montag den 25. Juli 2016

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Am 13. August darf das Organisationskomitee der Street-Parade um seinen Präsidenten Joel Meier die bereits 25. Ausgabe seines Umzuges feiern. Exakt ebenso lange währt die Tradition der Afterpartys nach der Street-Parade, die bisweilen bis in den Montagmorgen hinein dauern. Einer der ältesten und bekanntesten dieser Raves, die Energy im Hallenstadion, findet seit 2013 nicht mehr statt und auch in diesem Jahr wird die veranstaltende Glamourama GmbH um Arnold Meyer von einer Durchführung absehen.

Meyer beteiligt sich stattdessen an der Organisation der Electric City auf dem Maag Areal, die seine Energy als grösste Afterparty abgelöst hat. Dennoch werden an der Electric City deutlich kleinere Brötchen gebacken als bis vor drei Jahren an der Energy: Mit bekannten ausländischen Headlinern wie Chris Liebing, Kollektiv Turmstrasse und Len Faki und Schweizer Talenten wie DJ Definition ist das Line Up zwar grundsolide besetzt, jedoch fehlt die grosse Überraschung, ein Name mit Wow-Effekt. Einen solchen findet man hingegen im Kaufleuten: Dort wird Carl Cox, der ehemals bestverdienende DJ der Welt, nach seinem Set an der Street-Parade-Strecke ein weiteres Mal auflegen. Dies dürfte vor allem die erfahrenen Raver freuen, die sich an das letzte Kaufleuten-Gastspiel des britischen Meisters in den 90er Jahren erinnern mögen.

Weitaus häufiger nach einer Street-Parade anzutreffen ist der Der Dritte Raum. Der deutsche Live-Act wird in diesem Jahr im Blok Club musizieren, zusammen mit Schweizern wie beispielsweise Nici Faerber oder Manon. Ansonsten bieten die Clubs mehrheitlich ein Programm, das (wenn überhaupt) nur bezüglich Anzahl der DJs von ihrem üblichen abweicht: Im Hive spielen unter anderem Einmusik, André Hommen und Pele & Shawnecy, in der Zukunft Adriatique, Jimi Jules und Kalabrese, im Stall 6 gibt’s Drum’n’Bass vom Zürcher Label Divercity zu hören, im Plaza spielen Richard Judge, Deepend und Lovra breitentauglichen Deep House, in Friedas Büxe sind André Butano und der Bar 25-Plattenlabelbetreiber Danny Faber zugange und im Lexy Barem. Der bekannteste Name prangt im Line Up des Supermarkets: An der dortigen Cityfox werden die DJs vom Innervisions-Chef Dixon angeführt und der stand in den meisten global wichtigen und subkulturell orientierten DJ-Rankings der letzten paar Jahre ganz zuoberst.

Wer es auch nach der Street-Parade musikalisch unorthodox mag, der kann sich vertrauensvoll an die Macher der Lethargy um den DJ und Veranstalter Petar P. Bell halten: Am mehrtägigen Festival in der Roten Fabrik spielen beispielsweise die Westschweizer Electronica-Pioniere The Young Gods und auch Acid Tribe feat. Acid Pauli wird dort zu hören sein (beide jeweils am Abend vor der Street-Parade). Alternativ dazu ist auch der Gang in die Amboss Rampe zu empfehlen: Der Kasheme-Macher Nick Mazrekaj hat dort ein anspruchsvolles Feinschmecker-Line Up mit Artisten wie Masomenos, San Proper & D., Adil Hiani und Margaret Dygas zusammengestellt. Wer hingegen auch an der 25. Street-Parade einen Bogen um House und Techno machen möchte, der hält sich ans Gonzo: Dort spielen Nasty Naas und Jay Boogie 80s, 90s, Funk und Pop.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Die 25. Street-Parade

Alex Flach am Montag den 11. Juli 2016
Als die Street Parade noch nicht Massenfasnacht war: 1992 (Bild: Tom Kawarra)

Als die Street-Parade noch ein Kleinkind und kein Mittzwanziger war: 1992 (Bild: Tom Kawara)

Am 13. August zuckeln zum 25. Mal die Lovemobiles durch Zürich und selbst der Street-Parade-Gründer Marek Krinsky hätte sich 1992 wohl nicht träumen lassen, dass sein Umzug 24 Jahre später die Raver noch immer in Massen zu mobilisieren vermag. Dies ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, denn die grösste Techno-Party der Welt war zeit ihres Bestehens stets von Feinden umzingelt und stand bereits 1994 das erste Mal vor dem Aus, als der damalige Stadtrat Robert Neukomm sich weigerte, sie ein weiteres Mal zu bewilligen: Sie sei zu laut, sie verschmutze die Strassen und die Innenstadt sei für solche Grossanlässe völlig ungeeignet.

Zudem seien die Initianten ein «unwichtiges Grüppchen» und man könne diesen Umzug doch auch in Basel oder Bern durchführen. Glücklicherweise darf man in der Schweiz irrenden Politikern die Meinung geigen und so machte der Stadtrat nach anhaltenden Protesten der Bevölkerung und der Clubszene einen Rückzieher.

Ironie der Geschichte: Ein Vierteljahrhundert später wird der Stadtrat nicht müde zu betonen, wie wichtig die Street-Parade für das Image Zürichs ist, derweil ihr die Szene demonstrativ den Rücken zukehrt. Selbst anlässlich ihrer diesjährigen Jubiläumsausgabe verweigern ihr die Nachtleben-Macher die Zuneigung: Kein einziger Zürcher Club mit Renommee wird mit einem Lovemobile am Umzug teilnehmen, derweil bis zur Jahrtausendwende noch Rangeleien um die besten Startplätze zu beobachten waren.

Heutzutage wird man auf der Suche nach gewichtigen Zürcher Nightlife-Namen lediglich bei den DJs fündig. Neben international bekannten Star-DJs wie Carl Cox, Chris Liebing, Loco Dice, Mind Against, Martin Buttrich, Steve Lawler, Felix Kroecher, Nic Fanciulli, Pan-Pot und Art Department, werden auch bekannte Zürcher DJs aus (beinahe) sämtlichen bekannten elektronischen Clubmusik-Genres auflegen – und zwar ohne dass der Street-Parade-Booker Robin Brühlmann dafür einen Rappen Gage in die Hand nehmen muss.

Die Turntable-Grössen, die in- wie auch die ausländischen, werden mehrheitlich nicht auf den Lovemobiles ihrem Tagwerk nachgehen, sondern auf einer der acht verschiedenen und entlang der Strecke positionierten Bühnen. Vor allem eine dieser Stages dürften die Herzen der Techno-Nostalgiker höher schlagen lassen und zwar die 25 Years Jubilee Stage mit dem Berliner Loveparade-Gründer Dr. Motte und den Street-Parade-Veteranen Styro 2000, Gogo, Mas Ricardo, Art of Etienne, Cut A Kaos, Madness und Viola.

Trotz der abermaligen Absenz der Zürcher Clubs ist es dem Street-Parade-OK um seinen Präsidenten Joel Meier gelungen, ein beeindruckend besetztes und äusserst vielseitiges Programm auf die Beine zu stellen. Wer weiss: Vielleicht animiert dies doch den einen oder anderen Clubbesitzer sich heimlich an die Street-Parade zu stehlen und Meier zum Jubiläum die Hand zu schütteln. Und selbst wenn nicht: Für ihn und seine Kollegen wird der 13. August wohl trotzdem ein sehr erfolgreicher und schöner (wenn auch anstrengender) Tag. Zum Jubiläum jedenfalls nur das Beste, liebe Street-Parade.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.