Beiträge mit dem Schlagwort ‘Party’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Street-Parade: Mega-Raves sind tot

Alex Flach am Montag den 24. Juli 2017
Die Party nach der Party ist tot.

Die Party nach der Party ist tot.

Am 12. August zuckeln wieder die Lovemobiles ums Zürcher Seebecken. Derweil der Umzug selbst auch nach mehr als zwei Jahrzehnten die Massen mobilisieren kann, scheint die Ära der grossen Raves am Abend nach dem Techno-Konvoi endgültig vorbei zu sein. Konnte man früher gar in der Halle des Hauptbahnhofs weitertanzen, sucht man in diesem Jahr vergebens nach Party-Giganten.

Selbst Arnold «Technopapst» Meyer, seit den frühen Tagen der Street Parade Zeremonienmeister von riesigen Afterpartys wie der Energy im Hallenstadion oder der Electric City auf dem Maag Areal, wird an der diesjährigen Parade nur Zaungast sein: «Raves in der Grössenordnung wie ich sie jeweils veranstaltet habe, rentieren nicht mehr, seit das Street Parade-Komitee ein so grosses Gratisangebot auf die Beine stellt. Auch das Berner Label Abflug Berlin von Lorenz Misteli hat sich verabschiedet, da die Party im Volkshaus letztes Jahr ebenfalls defizitär war. Ich mache 2017 zwar noch eine Electric City, aber erst zu Silvester in der Bea Expo Bern mit Ben Klock als Headliner. Die Energy führen wir bereits seit 2014 nicht mehr durch.»

Damit dürften die Afterparty im Kaufleuten mit Jamie Jones an den Decks und die Lethargy in der Roten Fabrik, unter anderem mit Bonaparte, Convextion, Roman Flügel und Matrixxman, die grössten Sausen nach der Street Parade sein. Was die Lethargy anbelangt, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie, war sie in ihren Anfangstagen doch eine augenzwinkernde Alternative zu Meyers übergrossen Energy – nun ist also sie selbst die grösste.

Die vermeintlichen Nutzniesser dieser Entwicklung sind die Zürcher Clubs, die an diesem Tag nun nicht mehr mit Grossveranstaltungen in Stadien und Industriehallen konkurrieren. Jedoch bedeutet das nicht, dass all die berühmten Djs die an der Strecke auf den Lovemobiles und den Bühnen auflegen, danach in den Clubs zugange sind: Die meisten dieser Grössen sitzen am Abend bereits wieder im Flieger, der sie zu ihrem nächsten Set bringt.

Das liegt auch daran, dass viele Zürcher Clubs auch am 12. August nicht von ihrem gewohnten Programm abweichen und zwar mit der Begründung, dass sie ihre Stammgäste nicht verprellen möchten, indem sie ihre hehren Hallen mit Hundertschaften zugereister Eintages-Raver füllen.

Sprich: Es dürfte im Anschluss an die diesjährige Street Parade viel weniger Platz für eine etwa gleichbleibende Zahl Techno- und House-Jünger geben. Leidtragende sind nicht nur die Securities der Clubs, die an diesem Abend viel Zeit in Diskussionen mit verschmähten Einlasswilligen verbringen dürften. Auch die die Street Parade-Touristen aus anderen Kantonen, aus Deutschland oder Italien, die nicht über ein Zürcher Netzwerk verfügen, dürften dabei in die Röhre gucken. Ihnen sei an dieser Stelle dringend empfohlen, sich bereits vor ihrem Ausflug nach Zürich die passende Afterparty auszusuchen und – sofern einer angeboten wird – den entsprechenden Vorverkauf zu nutzen. Ansonsten kann es gut sein, dass die Street Parade bereits endet, wenn das letzte Lovemobile den Motor abstellt.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Partypatrioten vs Hudigäggeler

Alex Flach am Montag den 17. Juli 2017
Kann man den 1. August auch ohne kitschiges Brauchtum feiern?

Kann man den 1. August auch ohne kitschiges Brauchtum feiern?

In zwei Wochen feiert die Schweiz Geburtstag. Ein ziemlich in die Jahre gekommenes Guetzli ist sie mit ihren 726 Jahren mittlerweile. Viel anzuhaben scheint ihr die Zeit aber nicht zu können, genau so wenig wie der Helvetia: Auf dem Einfränkler sieht die mit Schild und Lanze bewehrte Dame immer noch frisch und wehrhaft aus wie eh und je: Würde sie die soldatischen Accessoires zuhause lassen, sie hätte keine Probleme an den Selekteuren der Zürcher Clubs vorbeizukommen.

Dennoch tut sich das städtische Nachtleben traditionellerweise schwer damit, den 1. August zu feiern. Auf eine politische Botschaft wird verzichtet und auch auf alles, das den Verdacht der Volkstümelei erwecken könnte. Eigentlich ist der zusätzliche freie Tag nur eine Gelegenheit das Wochenende um eine Partynacht zu erweitern: Im Club Bellevue heisst die Party am 31. Juli Martin Buttrich (ein Verweis auf den Headliner, der da spielt), im Exil ist der unverwüstliche Nik Bärtsch zugange, Friedas Büxe bleibt geschlossen, im Mascotte findet eine reguläre Cool Monday statt und im Hive ein Bisschen Schweizfeiern unter dem Namen Nationale Feierei.

Wer sich den nationalstolzgeschwellten Bauch trotzdem mit einem ordentlichen Stück Geburtstagskuchen in Rot und Weiss füllen möchte, der kann sich an Extellent halten. Seit 2006 stellen die Macher des Partylabels alljährlich am Vorabend des 1. August eine Nationalfeier für Clubber auf die Beine. Dieses Jahr abermals mit einem Strassenfest beim und einer Feier im Plaza, samt Konzerten und DJ-Sets. Dabei wird nicht an Folklore gespart, auch nicht bei den Plakaten, die derzeit in den Trams hängen: Fahnenschwinger, Trachten und Alpenromantik.

Auch das offizielle Zürcher Bundesfeierkomitee, das in diesem Jahr eng mit Extellent kooperiert, spart nicht an Reminiszenzen an die Schweiz von Heidi und Knecht Ueli: Nebst der Rede von Stadtpräsidentin Corine Mauch ist das «Fest mit volkstümlichen Darbietungen» beim Pavillon in der Stadthausanlage und mit der Moderatorin Monika Fasnacht das Highlight, inklusive des Alphorntrios Bärgfridä, der Fahnenschwinger Kerns, der Jodlergruppe Schlierätal und des Ländlertrios Echo vom Hittlidach.

An dieser Stelle ein paar rhetorische Fragen: Was zum Alpöhi haben die Stadtzürcherin und der Stadtzürcher mit dem Programm der offiziellen Zürcher Bundesfeier 2017 am Sennenhut? Wann hört man hier unter dem Jahr mal einen Jodler oder sieht einen Trachtenträger eine Fahne schwingen? Warum wird an der offiziellen 1. August-Feier in der Stadt Zürich die Schweiz der Land- und nicht der Stadtbevölkerung gewürdigt (wobei auch etlichen auf dem Land wohnenden Schweizern bei so viel Haudrauf-Folklore etwas kötzlig werden dürfte)? Und: Gibt es wirklich nichts kulturell Passendes wofür man die Schweiz hochleben lassen könnte, etwas das nichts mit volksdümmlichem Judihui zu tun hat?

Ich denke, ich streck an dem Tag die Füsse in den Zürisee und lass Monika Fasnacht Fasnacht sein. Und freue mich darüber, dass Techno jetzt Zürcher UNESCO-Kulturerbe ist.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Der Glanz alter Tage

Alex Flach am Montag den 12. Juni 2017
Stolze Flügel an der Zürcher Pride 2017.

Stolze Flügel an der Zürcher Pride 2017.

Gestern Sonntag ging bei strahlendem Wetter die Pride-Woche zu Ende. Höhepunkt war der Umzug am Samstag, an dem 19‘000 Menschen für gleiche Rechte für alle und insbesondere für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Flüchtlinge einstanden – Rekord.

Tradition hat auch das Pride-Festival auf dem Kasernenareal, das am Wochenende die Besucher ebenfalls in stattlicher Zahl zu mobilisieren vermochte und wem Massenaufläufe zuwider sind, der konnte auf die alternative «Eyduso? The queer thing Festival» auf dem Kochareal zurückgreifen. Auch wenn der Zuspruch und das Interesse der Zürcher Bevölkerung im Vergleich zu jener in anderen Städten wie beispielsweise Berlin nach wie vor in Grenzen hält, so dürfen die Veranstalter die diesjährige Pride doch getrost als Erfolg verbuchen.

Für viele Pride-Besucher sind jedoch weder der Umzug noch die offiziellen und inoffiziellen Festivals die eigentlichen Highlights sondern die begleitenden Partys. Mit der Kiki-Party in Friedas Büxe, der Ride im Lexy, der Super-Blutt im Kauz und vielen weiteren Feten konnte sich auch diese Seite der diesjährigen Pride sehen lassen. Diese Partys haben aber auch offengelegt, wie sich die Rolle der Queers im Zürcher Nachtleben im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre verändert hat, denn sie waren häufig kaum von den üblichen Clubnächten zu unterscheiden.

Das war früher einmal anders: Clubs wie das Labyrinth, das Aera und diverse queere Partylabels waren in den 90er- und den Nullerjahren die Motoren und unablässig sprudelnde Inspirationsquellen der Szene, der kreative Pool aus dem sich sämtliche Club- und Partymacher die Ideen fischten. Die grossen Schwulenclubs sind längst aus dem Stadtbild verschwunden: Kleine Lokale wie der Heaven Club im Niederdorf oder die Heldenbar am Sihlquai haben ihren Platz eingenommen und queere Events von Partylabels wie Kiki oder Behave sind (von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen) bezüglich Look und Line Up deckungsgleich mit ihren heterosexuellen Pendants.

Einige verorten den Grund für den Rückzug der Schwulen aus der Führungsrolle des Nachtlebens beim Aufkommen von Dating-Plattformen, andere sind der Ansicht, dass es im Clubbing nichts Neues mehr auszuprobieren gibt, dass alles schon einmal gemacht wurde.

Der DJ, Veranstalter und ehemalige Mitbetreiber der Clubs Pfingstweide und Café Gold Patrick Juen vermag dieser Entwicklung aber auch Positives abzugewinnen: «Die Zeiten, als die Queers das Nachtleben dominierten und sich dort ihre eigenen Nischen schafften, sind vorbei, denn wofür viele gekämpft haben, ist heute zumindest teilweise Realität: Nämlich eine offene Clubbing-Kultur in der jeder und jede sich selber sein kann». Dennoch kommt auch bei ihm bei der Erinnerung an die glorreichen Sturm- und Drangjahre des Zürcher Nachtlebens etwas Wehmut auf: «Das Pride-Wochenende eröffnet die Chance sich wieder einmal so richtig auszuleben und damit auch die alten Zeiten hochleben zu lassen».

Glaubt man dem Feedback der Clubschaffenden, so hat die Pride 2017 auch dieses Ziel erreicht. 

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

«Wääk, Sommer!»

Alex Flach am Montag den 29. Mai 2017
Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann?

Wozu Club, wenn man draussen tanzen kann? Zumindest bis um 22 Uhr der Stecker gezogen wird.

Der Sommer ist nach Zürich zurückgekehrt und alle freuen sich. Alle ausser jenen, die ihren Lebensunterhalt mit dem Betrieb eines Fonduestüblis oder eines Clubs bestreiten.

Derweil sich die professionellen Zürcher Käseschmelzer immerhin auf die Witterungsunabhängigkeit der kulinarischen Neugier ausländischer Touristen verlassen können, mussten die Zürcher Nachtmacher erstmals in diesem Jahr Bekanntschaft mit der meteorologisch motivierten Sommer-Fahnenflucht ihres Stammpublikums machen: Petrus, hierzulande meist ein zuverlässiger Verhinderer von wochenendlichen Outdoor-Aktivitäten, war den Zürcher Club-Cäsaren der mit Grillzange meuchelnde Brutus auf der Senatstreppe.

Die städtischen Clubberinnen und Clubber hat es wenig gekümmert, denn mit Partys am Oberen Letten, auf dem Üetliberg, der Allmend oder in einem direkt an der Limmat gelegenen Lokal, standen ihnen genügend Frischluft-Alternativen zu Verfügung um sich die so dringend benötigte Dosis Beats und Bass zu verabreichen.

Jedoch scheinen sich die Veranstalter dieser (tagsüber stattfindenden) Feste bisweilen gegenseitig das Wasser abgegraben und potenzielle Gäste abgezwackt zu haben: Die eine oder andere Party scheint die Erwartungen in ernüchternder Manier unterboten zu haben. Aber die Macher nur mässig besuchter Draussenfeste waren an diesem Wochenende nicht die am ärgsten Gebeutelten, sondern die Chefs von Clubs ohne akzeptablen Aussenbereich, wie ihn beispielsweise das Hive oder der Supermarket ihr Eigen nennen.

Wenn auch die beiden genannten Lokale ihre Gäste nicht in gewohnter Anzahl zu mobilisieren vermochten, im Vergleich zu den reinen Indoor-Clubs waren sie klar im Vorteil: Dort gerieten selbst einige «todsichere» Nummern, Partys bei denen die Konstellation aus Club, Veranstalter und Line Up üblicherweise Garant für eine rappelvolle Tanzfläche ist, zu melancholischen Einsamkeiten mit eremitärem Anstrich.

Nun ist es aber nicht so, dass sich die Clubchefs wegen des wetterbedingten Umsatzeinbruchs an diesem Wochenende in Selbstmitleid suhlen und der Verzweiflung ergeben: Im Unterschied zu der auch durch Unerfahrenheit geprägten Aufbruchzeit elektronischer Clubs in den 90er Jahren, verfügen professionell agierende Nachtleben-Treibende heute über genügend monetäre Mittel und Know How um die Baisse der heissen Sommermonate unbeschadet zu überstehen.

Das Ausbleiben der Gäste während der heissen Wochenenden zwischen Mai und September ist einkalkuliert und einige Lokale, wie beispielsweise die Friedas Büxe in der zweiten Junihälfte, schliessen gar für ein paar Wochen im Wissen, dass sie mit 30 Grad Aussentemperatur nicht konkurrieren können. Jedoch gibt es auch den einen oder anderen Club der wider Erwarten noch nicht im Zürcher Nachtleben angekommen ist, dessen Betreiberschaft noch auf kein genügendes finanzielles Polster zurückgreifen kann und der sich deshalb leider kaum in den Herbst retten können wird: Der Sommer 2017 wird mit grosser Wahrscheinlichkeit einigen Spreu vom Weizen trennen.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Hardcore-Sechseläuten

Alex Flach am Montag den 24. April 2017
Saufen, bis der Kopf platzt .- das andere Sechseläuten.

Saufen, bis der Kopf platzt – das andere Sechseläuten.

Die Zürcher Jungzünfter trinken, mit kleineren oder grösseren Pausen, bis und mit heute Montag fünf Tage lang durch. Gestartet sind sie bereits am Donnerstag mit der Itrinketä im Riesbach-Quartier, am Freitag waren sie mit Vertretern des Gastkantons Glarus auf dem Lindenhof bechern und am Samstag waren für sie die Zunftbälle Pflicht.

Für den Sonntag planten zwar viele Greenhorns einen Ruhetag, dabei kamen ihnen aber die sehr grosszügig gefassten Club-Öffnungszeiten in Zürich ins Gehege – gute Vorsätze und ein üppiges Nightlife vertragen sich halt schlecht. Heute Montag nun das grosse Abschluss-Feuerwerk mit Apéros morgens um 9 Uhr und bis Dienstagmorgen brechend vollen Sechseläuten-Partys wie der Use It im Kaufleuten oder jener im Mascotte. Manch einen Jungzünfter überwältigt Morpheus nach diesen sportlichen Tagen mit Gewalt und es soll vorkommen, dass einer schnarchend und noch immer in Vollmontur neben dem abgebrannten Scheiterhaufen aufgefunden wird.

Einige der älteren Zünfter mögen ein solch unsittliches Gebaren ihrer Nachwuchsleute nicht gutheissen, vergessen dabei aber, dass die mit ihrer ausufernden Feierei eigentlich nur die wahre Fest-Tradition ehren: Im Gegensatz zum gesitteten Bourgeoisie-Stadtspaziergang mit finaler Pferdchen-Hoppelei von heute, waren das früher wilde Feten mit bisweilen subversivem Anstrich, bei denen auf diversen Scheiterhaufen in der Innenstadt die unterschiedlichsten allegorische Figuren verbrannt wurden. Gar der entflammbaren Version eines Börsenspekulanten soll einmal genüsslich der Schädel vom Rumpf gesprengt worden sein und das verruchte Kratzquartier war lange Zeit das Epizentrum der Sechseläuten-Exzesse – der Kinderumzug, der Schneemann und die Pferde kamen erst später.

Tempi passati: Dort wo sich früher das Kratzquartier befunden hat, stehen heute die Fraumünsterpost und die Nationalbank und die Menschen der Langstrasse, des derzeitigen Zürcher Jubeltrubel-Quartiers, scheren sich keinen Deut um das Sechseläuten: Für sie ist das bloss der Tag, an dem die Mehrbesseren wieder mal aus ihren Villen am Züriberg in die Strassen der Innenstadt purzeln um dort in seltsame Textilien gehüllt den niederen Chargen zu zeigen, wer in Zürich die Fäden in der Hand hält. Volksfest? Mitnichten: Ein elitäres Manifest des monetären Grabens in der Stadt. Nicht einmal zum Vorzeigeobjekt für ausländische Gäste taugt das Sechseläuten: Als ich es vor Jahren in Begleitung einer bezaubernden, australischen Freundin besucht habe, war ihr Fazit nach Inspektion der um das Feuer trabenden Rösser und des explodierenden Bööggs ein verstörtes „What is wrong with you people?“.

Es bedürfte nicht mal eines Anti- Sechseläutens – wie die Fuckparade zur Street Parade –  um den Anlass wieder in einem Volksfest zu machen. Man bräuchte dazu den Humor vergangener Tage und die Zünfter bräuchten sich bezüglich Feiergebaren nur an ihren Nachwuchs zu halten: Die wissen noch wie man abseits des Umzugs die Sechse nach alter Väter Sitte läutet. Oder sie tun’s einfach.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof Basel, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Wie man Promis meistert (2)

Thomas Wyss am Samstag den 15. April 2017

Am letzten Samstag konnten wir ja trotz des weiten Umwegs über die frühere Fernsehsendung «Teleboy» imposant aufzeigen, dass heutige Zürcherinnen und Zürcher oft dramatisch überfordert sind, wenn sie unverhofft einem Star nahe kommen.

Als Beweis führten wir die grundsätzlich gut geerdete Frau F. (Name d. Red. bekannt) ins Feld, die in einem Zugabteil plötzlich vis-à-vis von Stephan Eicher landete – er ist im Genre «Schöne Chansons mit Tiefgang plus fast ausnahmslos geglückte Mani-Matter-Coverversionen» ihr grösster Heroe – und darob so sehr die Bodenhaftung verlor (sitzend!, und übrigens in der 2. Klasse, was wiederum zeigt, dass Eichers Bodenhaftung absolut intakt ist), dass sie einer Freundin eine «SOS!»-SMS zukommen lassen musste.

Diese schlug F. vor, sie solle doch Eichers Lied «Déjeuner en paix» summen (natürlich möglichst «gut», damit er tatsächlich eine Chance auf Wiedererkennung bekäme), also poetisch gesagt eine Brücke legen, auf der ihr Eicher mitsummend oder gar redend entgegenkommen könnte.

Der Schlusssatz des Beitrags versuchte dann den Cliffhanger, er lautete: «Warum der Rat doppelt bescheuert war, und wie man solche und ähnlich ‹heisse› Situationen souverän meistert – also Promibegegnungen unbeschadet übersteht –, lesen Sie am Ostersamstag». Das ist heute, genau. Damit sind wir jetzt buchstäblich up to date und können fortfahren. Und das tun wir mit der durchaus bemerkenswerten Bemerkung, dass man im Journalismus – anders als in der Literatur – ersten und letzten Sätzen nie zu viel Bedeutung beimessen sollte. Weil sie häufig mehr versprechen, als sie letztlich einzulösen vermögen. In unserem Fall ist das aber erfreulicherweise grad andersrum: Es wird nämlich noch viel besser, als wir (und Sie!) erwartet hätten!

Grund dafür ist der von uns hochgeschätzte Jack Stark. Wem der Name kein Begriff ist: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1967 – vor präzis 50 Jahren! – führte Jack die Rolling-Stones-Member Mick Jagger und Brian Jones, die nach ihrem wilden Gig im Hallenstadion noch den Drang nach Party verspürten, zum Privatclub High-Life an der Lessingstrasse. Dort amtete der ältere Securitas Stöckli als Türsteher; die Stones kannte er nicht, doch er wusste, wie Anstand aussieht – weshalb er dem für seinen Geschmack viel zu exzentrischen Jüngling (also Jagger) den Eintritt verwehrte, die attraktive «Blondine» mit Federboa und Schlapphut (also Jones) jedoch passieren liess.

Der hübschen Episode kurzer Sinn: Dr. iur. Herbert «Jack» Stark, der damals als erster Schweizer People-Journalist und Promikenner wirkte, hat spontan zugesagt, uns zu berichten, mit welchen Tricks er sich die Jetsetter und Stars für ein offenes Gespräch oder Interview «gewogen» machte. Es sind wenige goldene Regeln, doch wer sie befolgt, kann jeden Promi meistern.

Dazu aber mehr nächste Woche in Teil 3, hier gibts jetzt die Auflösung des Rätsels, wieso der Rat der Freundin an Frau F. «doppelt bescheuert» war.

1. Eicher trug Kopfhörer, er hätte das Summen also gar nicht gehört.

2. Wenn schon summen, dann sicher keinen seiner Hits (das ist anbiedernd), sondern vielmehr eines der nach wie vor eher unbe- bis ver-kannten Stücke, beispielsweise «Ce soir (je bois)».

Hier gibts Lebensgefühle!

Thomas Wyss am Samstag den 1. April 2017

Kaum streckt uns der Frühling erste Knospen entgegen, kaum sehen die Bäume nicht mehr aus wie Magermodels, kaum fangen die Allergiker an zu keuchen und zu niesen, reden sie hier wieder alle und überall vom «neuen Lebensgefühl», das sie plötzlich spüren, angeblich sogar von früh bis spät, also vom Kaffee bis zum Koitus (wers glaubt, wird selig).

Und dieses neue Zürcher Lebens­gefühl, heisst es – auch da scheint man sich verblüffend einig – komme heuer aus Bern (was die einen hinter vor­gehaltener Hand mit «nöd guet, aber immer no besser als us em Ussland» ergänzen), nämlich von der Band Jeans for Jesus (die hysterische Fans bereits in «Jeans für alli!» umgetauft haben), konkret vom Stück «Wosch no chli blibä», das ebenso zum kollektiven Glückshüpfen animiere wie anno dazumal Pharell Williams’ «Happy».

Nun, wir von der städtischen Gebrauchsanleitung stehen der Sache, die irgendwie Hype und irgendwie Phänomen und irgendwie doch auch ziemlich irrelevant ist, etwas ratlos gegenüber.

Nichts gegen diese junge Band, die passt schon, wie die Kollegen von der Wiener Gebrauchsanleitung an dieser Stelle sagen täten. Doch unter dem Begriff Lebensgefühl verstehen wir Nachhaltigeres und Zeitloseres. Etwas, das zwar praktisch schon ewig existiert, das aber dank einem Kreativ­organismus, der sich quasi vorzu selbst bespringt und befruchtet und dabei Woche für Woche immense Ideen­mengen erzeugt, eben doch jedes Mal wieder einzigartig wirkt.

Wer nun gerade mitten in der Lektüre fast zu laut gerufen hat: «Hey, die meinen doch die Boschbar!», dem rufen wir anerkennend zu: «Aha, ein Habitué!» Wer die Boschbar nicht kennt – sie findet jeden Montagabend im Provitreff statt, kostet fünf Stutz und offeriert in der Regel irrwitzige Konzert- und trippige Disc-Jockey-Musik –, der soll die folgenden fünf Punkte bitte genau lesen – und genau befolgen.

1. Anders als in den bisherigen Beiträgen geht es das erste Mal nicht um die Frage, wie man sich verhalten soll, um nicht (oder mindestens nicht unangenehm) aufzufallen, nein: In der Boschbar sind «verhaltensauffällige» Menschen herzlich willkommen. Weil die Philosophie der Boschbar ähnlich ist wie die Philosophie von Lars von Triers Dogmafilm «Idioten»: Echte und falsche Hemmungen, Rollenzwänge, den inneren «Coolio» etc. deponiert man hier an der Garderobe.

2. Wer in der Boschbar tanzen will wie ein Hippie oder wie Kermit, tanzt wie ein Hippie oder wie Kermit. Wer laut ein Buch lesen will, liest laut ein Buch. Wer Bier mit Cola mischen will, sagt an der Bar, er wolle Bier mit Cola mischen. Wer weinen will, weint. Die Freiheit ist hier noch grenzenloser als über Reinhard Meys Wolken.

3. Dennoch gibt es Regeln. a) Wer am Töggelikasten fordert, muss das Spiel beherrschen. b) Beim DJ «Jeans für alli!» (oder sonst eine Lebens­gefühlsband) zu wünschen? Ein No-Go! c) Die Würde der Boschbar ist unantastbar (Aggressionen sind strikt tabu).

4. Nein, in diesem Artikel wurde weder geschrieben noch angedeutet, Boschbar-Besucher seien Idioten.

5. Nein, dies ist kein expliziter Aufruf für einen Besuch der Boschbar, es ist ein etwas anderer Erklärungsversuch für den Begriff «Lebensgefühl».

Outdoor feiern nur für bis zu 25jährige

Alex Flach am Montag den 20. März 2017
Allzu viele Outdoor-Anlässe gibts aus Bewilligungsgründen nicht. (Bild: Mandy von Zu)

Allzu viele Outdoor-Anlässe gibts aus Bewilligungsgründen nicht. (Bild: Mandy von Zu)

Heute ist Frühlingsanfang und am kommenden Wochenende Umstellung auf Sommerzeit. Für die Zürcher Clubs bedeutet dies, dass sich die Nachtleben-Saison 16/17 so langsam aber sicher ihrem Ende zuneigt: Auch die Clubber ergreifen nun jede Gelegenheit die immer milderen Temperarturen und die immer längeren Tage draussen zu geniessen und opfern dafür den einen oder anderen Clubbesuch, sodass sie das nicht mit Katerbeschwerden tun müssen.

In circa drei Monaten sind sie dann gar nicht mehr in die Clubs zu kriegen und verzichten für die Cervelat über offenem Feuer und das kalte Bier unter Sternenhimmel auf ihre geliebten DJ-Sets.

Freiwillig tun sie das nicht, aber auch im anstehenden Sommer hauen die Stadtzürcher Würdenträger jedem auf die Pfoten der mit ihnen draussen eine Platte auf einen Drehteller legen will. Ausser er ist zwischen 18 und 25 Jahren alt, verfolgt mit seinen Partys keine kommerziellen Ziele, zahlt 100 Franken Gebühr und kriegt einen Stempel unter sein Gesuch für eine Jugendbewilligung für Outdoor-Partys.

Trotz ihres Erfolges bleibt diese 2012 eingeführte Jugendbewilligung aber auch ein Ärgernis, denn die Stadtverwaltung setzt hier voraus, dass Menschen die älter als 25 Jahre sind keine Outdoor-Partys feiern möchten. Für die gilt nämlich weiterhin, dass „Singen, Musizieren und der Gebrauch von Tonwiedergabegeräten von 22.00 bis 07.00 Uhr im Freien verboten sind“ und, dass „der Betrieb von Lautsprechern, Megaphonen und anderen Verstärkeranlagen zwischen 22.00 und 07.00 Uhr nur für grössere Veranstaltungen (Knabenschiessen, Sechseläuten, Quartierfeste usw.) bewilligt werden“ (Lärmschutzverordnung der Stadt Zürich).

Selbstverständlich umgehen etliche Veranstalter diese Verordnung und führen ihre Partys einfach illegal durch. Leider sind das aber nicht selten die Partymacher, die sich auch sonst nicht um allzu viel scheren, die ihren Müll einfach liegenlassen und die ihren Gästen keinen Schutz durch eine professionelle Security-Firma bieten.

Die Altersbeschränkung für Bewilligungen für Outdoor-Partys ist überholt, geht von der antiquierten Vorstellung aus, dass Leute ab Mitte 20 nicht mehr in die Clubs gehen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei: Wurde man Mitte der 90er noch misstrauisch beäugt, wenn man als Dreissigjähriger auf einer Tanzfläche zu House und Techno gezappelt hat, rühmen sich heute viele Clubs eines „erwachsenen“ Publikums und meinen damit ein Gäste-Durchschnittsalter von 27 oder gar höher.

Viele der Leute die mit der Technorevolution Anfang Neunziger aufgewachsen sind, hören diese Musik auch heute noch. Und Techno erlebt gerade einen neuen Frühling, samt einer Unmenge grossartiger Musik von einer neuen Generation DJs und Produzenten, die das Genre revolutionieren. Es wäre zu begrüssen, wenn die Stadt rechtliche Räume schaffen würde, in denen die Musik sich auch in den warmen Monaten des Jahres und abseits der Street Parade entfalten könnte. Damit auch dieses Stück Kultur ungehindert und in einem würdigen Rahmen prosperieren kann.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Feiern über die Feiertage

Alex Flach am Montag den 19. Dezember 2016
Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Rampe.

Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Ramp (Bild ganz rechts: Der 2014 leider verstorbene Big Bank Hank)

Irgendwann in den 90er Jahren in irgendeiner Halle, in der nie zuvor und nie wieder danach eine Party stattgefunden hat, stand Urs Kind auf einer Leiter und liess sich Lametta und Christbaumkugeln hochreichen um damit einen Nadelbaum von stattlicher Grösse zu schmücken. Draussen vor der Tür legte sich langsam die Nacht über Zürich und wer dem “Fest” in Festtage Tribut zollen wollte für den war Urs Kind auch Christkind, denn es war Tanzverbot und ausser ihm bot keiner Bass und Beats. Man müsste eigentlich annehmen können, dass es dafür eine ganz besonders gute Party wurde, wenn alle mangels Alternativen dort feierten, aber es war bestimmt keines von Kinds besten Feten – dafür war zu viel Platz auf der Tanzfläche.

Alljährlich steigt in der Adventszeit die Vorfreude auf Weihnachten und Silvester, nicht zuletzt weil da eigentlich die opulentesten Partys des Jahres stattfinden müssten. Was sie aber nie geschieht: Der Clubbetrieb an Heilig- und am Weihnachtsabend ist gar etwas lauer als üblich und an Silvester macht jeweils die überhöhte Erwartungshaltung den Clubbern einen Strich durch die Rechnung. Man geht in Erwartung der Nacht der Nächte aus dem Haus – und wenn man dann am Morgen des ersten Januars nach Hause kommt, war’s wie immer nur voller.

Auch in diesem Jahr findet sich in Party-Weihnachtsangebot nicht viel Extraordinäres. Einzig die Amboss Rampe trumpft an Heiligabend mit einem Act, dessen Gastspiel zumindest das Prädikat «überraschend» verdient: Dort spielt The Sugarhill Gang, die 1979 mit ihrem Song Rapper’s Delight dem Hip Hop erstmals international Gehör verschafft haben. Abseits davon gehen die Clubs ihrem ganz normalen, musikalisch tadellosen Nachtwerk nach und tun das was sie immer tun: Gute Konzerte bieten, ihren erfahrenen Resident-DJs Auslauf geben und ihre Line Ups mit den vertrauten Namen bekannter ausländischer DJs schmücken. Der einzig markante Unterschied zu den restlichen Wochenenden des Jahres ist, dass auch sonntags die meisten Clubs Gäste empfangen.

An Silvester verlegen sich die Partymacher ebenfalls auf das Bieten von Erprobtem und da dann insbesondere international bekannte DJs an Silvester ihre Gagen zu verdoppeln pflegen, wird die Zürcher Neujahrsnacht vor allem von Zürchern vertont. Einzig die New Yeah-Party im Volkshaus mit Alle Farben, Tube & Berger, Chocolate Puma und Revolution und die Maagic auf dem Maag Areal mit Alan Walker, Flic Flac, DC Breaks und DJ Flip bieten Sets von diversen international bekannten DJs, wobei sich beide Sausen an ein eher jüngeres Publikum wenden.

Meist sind die besten Weihnachts- und Silvester-Feten jedoch eben jene, an denen die Musik von den Resident-DJs eines Clubs stammt, denn Eines haben Club- und Wohnzimmerpartys gemein: Die besten sind die, die man im Kreise jener feiert die man kennt und die man mag. Das gilt ganz besonders für die festlichste Zeit des Jahres und daher empfiehlt es sich dann nicht das Ausgefallene zu erzwingen, sondern im Gegenteil dorthin zu gehen wo man einen kennt und mit Namen begrüsst.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.