Beiträge mit dem Schlagwort ‘Love Mobile’

Klaus macht Mobile

Alex Flach am Montag den 7. August 2017
Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Am kommenden Samstag findet die 26. Street Parade statt. Neben dem musikalischen und vom Street Parade-Booker Robin Brühlmann verantworteten Kurswechsel auf den Bühnen an der Strecke, einer Abkehr vom EDM hin zu House und Techno, hat im Vorfeld vor allem das Love Mobile des Klaus-Clubs für Aufsehen gesorgt. Dass ein angesagtes Szene-Lokal wie das Klaus ein eigenes LoMo stellt, ist seit vielen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr: Seit der Jahrtausendwende haben sich die Zürcher Clubszene und die Street Parade auseinandergelebt, sich immer weiter voneinander entfernt.

Als der Klaus-Mitinhaber Alain Mehmann seine erste Street Parade besucht hat, war er noch weit davon entfernt einer der Macher des Zürcher Nachtlebens zu sein. «Während der dritten Parade war ich per Zufall auf Einkaufstour in der Stadt. Da habe ich sie und die elektronische Musik erstmals wahrgenommen. Das war die Initialzündung für mich.»

Mehmann wurde später Redaktor beim ehemaligen Szene-Magazin Forecast. Noch später hat er mit Partnern den Heaven-Club im Niederdörfli eröffnet, das Partylabel Behave (Friedas Büxe) lanciert und schlussendlich hat er seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde des Klaus gesetzt, einen der aktuell liebsten Clubs aller sich mit der Aura des Wissens um die wahre Subkultur umgebenden Nachtzürcher.

Mehmann: «Vor circa einem Jahr und nach unserer Street Parade-Afterparty habe, ich halb im Jux, halb im Ernst gesagt: ‚Lasst uns nächstes Jahr auch ein Love Mobile an den Start bringen!‘. Die Reaktionen meiner Partner und Gäste waren so positiv, dass wir an der Sache drangeblieben sind. Definitiv zugesagt haben wir aber erst, als wir das Angebot erhalten haben, den Wagen zusammen mit dem BPM Festival zu organisieren.»

Auch andere Zürcher Clubmacher haben sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten überlegt einen Wagen zu stellen. Dass nun ausgerechnet das Klaus diese Überlegungen Tatsache hat werden lassen, ist auch für das Street Parade-Komitee ein Glücksfall: Nicht viele Zürcher Clubs hätten besser zum Winkelried für künftige Teilnahmen anderer Szenelokale getaugt als der Langstrasse-Memberclub. Mehmann: «Wir haben die Startnummer 13, ein Motto haben wir nicht. Der Wagen wird aber bunt, schrill und schräg sein wie unser Club. Die Deko und die Outfits gehen in Richtung ‚Alice im Wunderland und Mad Max machen zusammen einen Zirkus am Strand mit Grossmutters Möbeln‘. Wie du dir ja vorstellen kannst, machen wir nicht an der Street Parade mit, weil wir mehr Werbung bräuchten. Es ist wirklich aus Freude an der Sache und weil wir finden, dass die Street Parade für die Stadt und das Nachtleben nicht nur eine wichtige Rolle gespielt hat sondern immer noch spielt. Und schlussendlich: es ist ein Riesenspass!»

Alle die noch auf Klaus-Wagen zu den Sets der DJs Carlo Lio, Nathan Barato (beides langjährige DJs am BPM Festival), Playlove, Pazkal, Nici Faerber, Aaron Khaleian und Raphael Raban raven möchten muss Mehmann enttäuschen: «Wir sind leider längst ausgebucht.»

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Rechtsnationale an der Street Parade?

Réda El Arbi am Donnerstag den 11. April 2013
Swissness mit schalem Beigeschmack: «Eidgenoss» aus Basel

Swissness mit schalem Beigeschmack: «Eidgenoss» aus Basel

Heute machte folgende Nachricht die Runde: «Eidgenoss», das  freundliche Label mit der (in der rechtsnationalen Szene beliebten) gotischen Schrift, hat eine provisorische Zusage erhalten, mit eigenem Love Mobile an der Street Parade teilzunehmen, die in diesem Jahr das Motto «Dance for Freedom» trägt.

Doch denkt man beim Event- und Kleider-Label «Eidgenoss» nicht zuerst an Freiheit oder  abgespacte Raves und tanzende Nakedeis, sondern eher an Marschmusik, nationales Getümmele und an träfe Burschen mit Glatzen. Doch DJ Roger M., der Mann hinter «Eidgenoss», sieht das ganz anders. Er wehrt sich vehement dagegen, dass sich irgendwelche Rechtsradikalen, Nazis oder Fremdenhasser mit seinen Kleidern schmücken. Er betreibt ja schliesslich nicht nur ein Kleiderlabel, sondern organisiert auch Techno-Partys und legt selbst auf.

Naja, ein Blick in seine Facebook-Likes zerstreut unser Befürchtungen nicht. Folgende Gruppen und Seiten findet er besonders gut:

– Ich bin stolz auf das JA zur Ausschaffungsinitiative,
– Ausschaffungs Initiative – Unsere grosse Chance
– Wir stehen zu unserer Schweiz und sind stolz darauf!
– Alle kriminellen Ausländer müssen ausgeschafft werden!
– *Schwiiz*-mini Heimat, mis Läbe..ich blieb Dir treu!
– Burka? NEIN! Sharia? NEIN! Minarett? NEIN!-Und dazu steh ich!!!

Joel Meier von der Street Parade sieht indes keinen Zusammenhang von «Eidgenoss» und einem rechtsnationalen Umfeld: «Natürlich haben wir die Anmeldungen sorgfältig geprüft. Wir wollen keine politische Propaganda an der Street Parade. Bis jetzt haben wir keine Verbindungen zwischen dem Label «Eidgenoss» und rechtsradikaler Propaganda gefunden.»

Nun gut. Wir könnten den Street Parade-Machern  Ignoranz vorwerfen, aber vielleicht gehts ja auch nur noch ums Geld bei dem Grossanlass. Und vielleicht kriegen wir das Label, das bei uns ein wirklich ungutes Gefühl verursacht, von einer anderen Seite her zu fassen. Denn selbst wenn man von einer möglichen Rechtsaussen-Verbindung von Roger M. absieht, zeigen sich da Unvereinbarkeiten mit dem grössten Zürcher Anlass: Eine weitere Seite, die der Basler M. auf Facebook geliked hat, und die ihm die Teilnahme an der Street Parade ebenfalls erschweren müsste, war folgende: «I HATE ZURICH» In der Stadt wird sich der Basler DJ damit wohl wenig Freunde machen.

Nachtrag: Eben erreichte uns seitens der Street Parade-Organisation die Nachricht, dass «Eidgenoss» sein Love Mobil von der Street Parade zurückgezogen hat – ganze vier Monate vor dem tatsächlichen Start des Umzuges. Nicht schlecht. Ob das was mit unseren Recherchen zu tun hat, wissen wir nicht. Wir gratulieren aber der Marke zum klügsten Schritt ihrer stolzen Firmengeschichte.

Nachtrag II: Wie das Label «Eidgenoss» heute abend auf seiner Homepage bekannt gibt, wollen die Macher das Label umbenennen. Hauptsächlich, weil man es immer mit «politischer Motivation» in Verbindung bringt. (Wir denken, dass es eher die politischen Statements des Machers sind, die es mit politischer Motivation in Verbindung bringt). Hier der Link zur Seite.

Street-Parade, na und?

David Sarasin am Dienstag den 7. August 2012

Die neue Durchgeknalltheit: Ein Techno-Fan feiert an der Street-Parade. Foto: Keystone

Als ob das mit Kokain verunreinigte Wasser uns nicht schon bis zum Hals stünde, rauscht jetzt auch noch die Street-Parade heran. Aber miesepetrig sein bringt selten etwas. Handeln dagegen schon: Entweder man flüchtet also aufs Land oder man findet sich mit den mindestens 500’000 zusätzlichen Besuchern ab, die Regenbogen farbig bekleidet und vortrefflichst gelaunt Zürichs Strassen fluten – als gäbs keine Geschmacksfragen freilich.

Aber fertig jetzt! Wie einst der Journalist und Drogenfreund Hunter S. Thompson sagte: «It never got weird enough for me» (Etwa: Es war nie verrückt genug für mich). Und das soll auch für uns gelten. Also Tele Züri wegschalten und mittenrein ins Gedöns. Es gibt nämlich einiges zu tun, an diesem grossen Feiertag, der quasi Weihnachten, Ostern und Pfingsten in einem bedeutet für die Party-Gemeinde. Und vieles vom Dargebotenen kostet ja nicht einmal etwas.

Just follow your heart! Das hat glaubs auch DJ Bobo in den 80ern schon mal gesungen… Und was dem Poeten aus dem Aargau recht ist, kann für uns doch niemals verkehrt sein…ich werde wieder zynisch…

Also mal im ernst. Hier ein paar Empfehlungen unterschiedlichster Art zur Strassenparade, auf die wir uns, sind wir mal ganz ehrlich, auch in diesem Jahr wieder heimlich freuen.

Was also tun, nachdem wir entschlossen haben den Laptop zuzuklappen und unseren von Langeweile schon etwas träge gewordenen Körper ans Sonnenlicht zu hieven?

Zuerst muss die Ausrüstung stimmen. Klar: Sonnenhut, feste Schuhe, Rucksack und so. Vor allem aber mal generell: Kleider. Denn Bluttsein steht nicht allen gleich gut. Dies zu erkennen gehört zu den grossen zivilisatorischen Leistungen.

Weil man an der grossen Techno-Fasnacht kleidertechnisch sowieso niemanden über- oder untertrumpfen kann, darf man auch bloss in Shirt, Jeans und Sonnenbrille anreisen.  Oft wünscht man sich sogar, mehr Leute würden das tun. Aber wir sind auch etwas bieder.

Was übrigens auch jenen 14-jährigen Mädchen guttun würde, die mit Strapsen bekleidet und in hochhackigen Pumps durch die Innenstadt stelzen.

Da sind wir schon beim nächsten No-go: Fotoapparate. Die Street-Parade ist zwar so was wie der offizielle Tag der alten Säcke, die halbnackte Mädels ablichten, doch sollte man sich davon distanzieren. Den ausfahrbaren Zoom kann man dann auf der Blüemlisalp wieder benutzen.

Auch zu Hause lassen: Wasserpistolen. Wie ein schlauer Freund von mir mal sagte: Bei Regen donnerts zwischendurch auch mal.

Dann: Die richtigen Orte besuchen. Die Zurich Stage etwa liegt etwas abgelegen vom Hauptumzug bei der Nationalbank. Da kann man gemütlich ein selbst mitgebrachtes Bierchen trinken. Ausserdem sei die Swiss Innovation Stage erwähnt. Sie liegt noch weiter weg, am Limmatquai, und bietet ein Programm, das sich angenehm vom Einheits-Bum-Bum unterscheiden dürfte. Ganz abseits der Parade finden ebenfalls Openair-Partys statt. Vor der Zukunft etwa an der Dienerstrasse gibt’s Block-Party New York-Style. Doch um zwölf verlagert sich die Feier in den Club. Ansonsten: Lethargy und so. Einfach mal den Züritipp anschauen am Donnerstag für nützliche Hinweise.

Und das noch: Nicht wie Hunde an jede Ecke urinieren. Die Erkenntnis, dass wir keine Vierbeiner sind, darf man nämlich ebenfalls zu den zivilisatorischen Leistungen zählen. Und so weiter. Auf mehr Spass an der Street-Parade!