Beiträge mit dem Schlagwort ‘Frauen’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Der Lüstling 2. Teil

Réda El Arbi am Samstag den 15. Juli 2017
Genau so fühlte ich mich nie in der Badi.

Genau so fühlte ich mich nie in der Badi.

«Männer sind Schweine», musste ich mir nach dem letzten Post über den Badi-Besuch als Mann vorhalten lassen. Männer würden glotzen, sabbern und sich unangemessen benehmen, wenn sie Frauen in Bikinis sähen. Ich ging daraufhin tief in mich und erinnerte mich, wie der erste Badi-Besuch der Saison war, als ich noch nicht verheiratet und noch stärker hormongesteuert war. Hier ein Gedächtnisprotokoll:

Cool die Arme schlenkern. COOL schlenkern, nicht schwingen wie ein Gorilla! Dann bemerkt niemand, dass die Beine noch viel weisser sind. Ich hätte trainieren sollen. In diesen weiten Shorts sehen meine Beine aus wie Storchenstelzen. Himmel! NICHT auf die eigenen Beine starren. Cool schlendern, den Blick selbstsicher auf den Horizont gerichtet.

Hm, wo setz ich mich hin? Shit, ich hätte nicht das Snoopy-Badetuch mitnehmen sollen. Daniela meinte, es sei «süss». Um Himmels willen! Wie konnte ich nur? Ich will nicht «süss» rüberkommen. Männlich, ja. Stark. Suverän (oder wie das heisst).

Da ist noch Platz. Und da drüben sitzen drei Frauen in meinem Alter. Ha! Beute! Chrchrchr. Nah genug, um zu flirten, und weit genug weg, dass sie mein Badetuch nicht wirklich sehen können. So.

T-Shirt ausziehen. Ou, keine hat geschaut. Hm. Ich kann ja noch etwas posen, so als würde ich nachdenken. Ernst in die Weite blicken, als hätte ich gerade schwere, wichtige Gedanken.

Buch auspacken. Kafka. Da können alle gleich sehen, dass ich auf innere Werte stehe. Intellekt ist sexy! Hm, die sitzen zu weit weg, um den Buchtitel lesen zu können. Ich hätte Sartre mitnehmen sollen. Da erkennt man den Umschlag schon aus 50 Metern.

Erst mal Kaffee und Aschenbecher holen. Der Weg zum Kiosk ist ein Laufsteg und ich bin der Grösste. Hm, die beiden Typen da links sind grösser. Und stärker gebräunt. Und haben mehr Muskeln. Sch****, die sehen einfach besser aus und wirken entspannter. Keine Chance. Ahhh. Sie küssen sich. Gut. Keine Konkurrenz.

Nehm ich jetzt einen leckeren Latte oder wirkt das zu feminin? Seufz. Dann halt einen doppelten Espresso, schwarz, ohne Zucker. Wäk. Aber DAS ist männlich. Glaub ich.

Ui, da hat sich jemand in meine Nähe gesetzt. Eine Frau. Eine FRAU! Jesses Gott. Wie setz ich mich elegant hin mit heissem Kafi und dem Aschenbecher in den Händen? Tief durchatmen. TIEF durchatmen.

Hm, die ist hübsch. Sehr hübsch sogar. Nicht hinstarren. Sonst denkt sie, du hättest es nötig oder seist so ein Lüstling. Aber sie ist hübsch. Süsse Nackenlinie mit diesen kleinen, gekringelten Löckchen hinter dem Ohr. Sie schaut! Nicht auf ihren Hals starren! Nain! Auch nicht auf ihre Brüste. In den Himmel, in den Himmel!

Ich war glaubs kurz bewusstlos. Sie hat mir in die Augen geschaut und gelächelt. Und der elektrische Schlag, den das in meinem Gehirn ausgelöst hat, liess mein Gesicht sicher so geistreich wirken wie nach einem Gehirnaneurisma. Aber sie ist immer noch da. Immerhin. Und sie lächelt in meine Richtung.

Sie flirtet mit mir. Oh Gott, was mach ich jetzt? OhGottOhGottOhGott! Zigarette. Sofort. Jetzt zurücklächeln. Sie schaut nicht weg! Sie räkelt sich.

Hallo Erektion. Wo warst du vor drei Wochen, als ich dich da nach dieser Party so dringend benötigt hätte? Jetzt will dich niemand hier. Ehrlich. Geh weg. Schnellstens auf den Bauch legen. Zum Glück hab ich mich gegen die engen Speedo entschieden.

Sie steht auf und kommt in meiner Richtung. Ich muss meine Panik niederringen. Tief atmen.

«Hast du Feuer?»

Sie steht da, als Schattenriss gegen den hellen Himmel. Ich kann ihr kaum ins Gesicht sehen, da ich mich aus blutverteilungstechnischen Gründen nicht auf den Rücken legen kann.

«Klar. Schön, dass du rauchst …»

Himmel, gehts noch? ‘Schön, dass du rauchst’? Hab ich nichts Debileres gefunden?

«Was?»

«Öh, ich dachte nur, dass kaum jemand mehr raucht. Man unterstellt Rauchern immer gleich Todessehnsucht. Haha. Nein, ich bin nicht suizidal, nur weil ich eine Zigarette rauche. Haha. Du bist sicher auch nicht suizidal. Haha. Nicht dass ich sagen wollte, du würdest irgendwie suizidal wirken. Haha.»

«Äh. Danke. Tschüss.»

Wär ich im Ehrenkodex der Samurai erzogen, ich würde mich jetzt ohne ein Zögern ins Schwert stürzen. Wenigstens ist die Erektion weg, da meine Schamesröte alles Blut im Gesicht benötigt.

Sie sitzt wieder an ihrem Platz, meidet meinen Blick und räkelt sich auch nicht mehr. Ich muss jetzt stark sein. Ich darf jetzt nicht weinen. Meine Flirt-Künste sind erbärmlich. Ich bin erbärmlich.

Hätte ich die richtigen Worte gefunden, würden wir jetzt beisammensitzen und locker plaudern. Ich würde mit meinem Wissen brillieren. Sie würde mich bewundern. Ich würde sie zum Lachen bringen. Und vielleicht würde sie mich irgendwann küssen. Und dann wären wir glücklich. Und wir würden irgendwann heiraten. Und wir hätten ein kleines Häuschen und Freunde. Viele Freunde.

So bleibt mir nur, die spärlichen Reste meiner Selbstachtung und mein Snoopy-Tuch zu packen, auf dem Weg nach Hause am Kiosk noch ein Heft mit Sylvia Saint zu kaufen und daheim die Rolläden zu schliessen, um mich dann meiner Depression hinzugeben.

Ja, liebe Leser. So war das damals. So fühlt es sich an, als Single-Mann allein in die Badi zu gehen.

Der Lüstling

Réda El Arbi am Dienstag den 27. Juni 2017
Man ist der Übermacht hilflos ausgeliefert.

Man ist der Übermacht hilflos ausgeliefert.

Es ist die Hölle, wochentags als Mann alleine in die Badi zu gehen, wie ich letzte Woche wieder mal  herausfinden musste. Man findet zwar Platz, vorallem wenn man als Frühaufsteher wie ich schon bei Türöffnung seinen Platz sucht. Dann ist der Spass aber auch schon vorbei.

Als alleinbadender Mann macht man sich verdächtig. Das Personal schaut schief, fragt sich «Ist der arbeitslos?» und zählt beim Kassieren des Kaffees das Münz besonders genau. Offenbar gibts immer noch nicht genug Männer, die Teilzeit arbeiten oder sich ihre Zeit selbst einteilen. Ein männlicher Badegast ohne Begleitung ist noch immer anrüchig, wenn er nicht klar als Student erkennbar ist.

Mit dem Kaffee wieder bei meinem Platz beginnt dann die wahre Tortur. Inzwischen haben sich Mütter und alleinbadende Frauen rund um mein Tüchli verteilt. Ich schlürfe Kaffee und blicke geistesabwesend in die Weite. Die mittelalte Dame, die in Blickrichtung sitzt, verzieht den Mund angewidert, bedeckt ihre Blösse mit einem Batik-Dings und dreht mir den Rücken zu. Botschaft klar: «Du glotzender Lüstling.»

Als ich den Blick abwende und in eine andere Richtung schaue, sind da zwei Mütter, die sich angeregt unterhalten. Bis sie mich (beziehungsweise meinen Blick) bemerken, um dann die Köpfe – mit Seitenblick auf mich – näher zusammenzustecken und abzulästern.

Ich stecke meinen Kopf in mein Buch und versuche, nicht in irgendwelche Richtungen zu schauen. Man(n) will ja kein falsches Bild abgeben. Vergeblich. Die Badi ist inzwischen voller Frauen, alleine, zu zweit, zu dritt. Mit und ohne Kinder. Ich bin der einzige Mann. Egal wohin ich blicke, ich seh Frauen in Bikinis. Nicht, weil ich das will, sondern, weil das in Badis nun mal so ist. Und auch wenn mich Bikinis gerade nicht interessieren, fühlen sich die Damen beglotzt.

Gehe ich ins Wasser, denken die Damen, die vor mir ins Nass steigen, ich folge ihnen. Verlasse ich das Wasser, halten die, die Richtung Ufer unterwegs sind, mich für einen Stalker.

Sie verhalten sich, als sei ich eine Art Fuchs im Hühnerstall. Ich bin der gefährliche Fremdkörper. Ich trage die Erbschuld aller Penisträger der letzten tausend Generationen. Nicht mal mein Ehering schützt mich. Die Blicke sagen: «Und verheiratet ist das Schwein auch noch. Wenn das seine Frau wüsste …»

Es gibt natürlich auch eine Minderheit unter den Damen, die sich nicht gestört, sondern herausgefordert fühlt. Man(n) wird gemustert, taxiert und angeflirtet. Reagiert man nicht drauf, ist man(n) ein arroganter Bastard. Antwortet man höflich mit einem freundlichen Lächeln, nicken zweihundert umliegende Frauen befriedigt mit dem Kopf: «Wir habens doch gewusst! Der Sau!»

Nach eineinhalb Stunden ins Buch starren und in den Himmel schauen (ist unverfänglich), zünde ich mir eine Zigarette an. Was natürlich die Dame neben mir zu demonstrativem Husten mit Blick auf ihren Nachwuchs veranlasst. Nicht zu erwähnen, dass ich zuerst hier war und kein Rauchverbot herrscht. Aber ich bin ja ein umgänglicher Zeitgenosse und stehe auf, um mit meiner Zigarette einen kleinen Spaziergang zu machen. Was mit dem Blick in den Himmel gerichtet gar nicht so einfach ist.

Auf meinem Rundgang lande ich in der Nähe des Kinderbeckens. Grosser Fehler. GROSSER FEHLER. Ein alleinstehender Mann beim Kinderbecken ist sowas wie die Bombendrohung der Badeanstalten. Überall scheinen lautlose Alarme loszugehen und die Mütter schieben sich zwischen ihren Nachwuchs und die drohende Gefahr. Ein Mann beim Kinderbecken muss ein pädophiler Perverser sein. Wenn ich mich jetzt auch noch über die ausgelassene Schar von Kids sichtbar gefreut hätte. würden sie mich wohl am Sprungturm aufhängen. Als Warnung für alle anderen Männer, die es wagen, beim Kinderbecken herumzustehen.

Nach zwei Stunden gebe ich auf. Ich suche meine Sachen zusammen und gehe Richtung Ausgang. Hinter mir kehrt Ruhe ein im Matriarchat.

Badis sind wochentags eine NoGo-Area für alleinbadende Männer. Vielleicht sollte ich das nächste Mal mit einem Freund kommen. Dann denken die Damen, wir wären schwule Künstler, die es sich leisten können, tagsüber zwischen den Frauen abzuhängen.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 24. März 2017

«In Erinnerung bleiben grossartige
Parties bis spät in die Nacht.»

Radio statt Tequilla: Nach zehn Jahren schliesst die Bar La Catrina im Kreis 4. Aus dem Lokal sendet bald das Zürcher Webradio. Patrick Häberlin, der das kleine Lokal vor zehn Jahren eröffnet hat, ist dort aufgewachsen und hat mit der Bar viele schöne Zeiten erlebt. (Foto: PD) Zum Artikel

 

«Es braucht Mut, aus fünf Meter
rückwärts zu fallen.»

Andréanne Quintal hat nicht nur das Trampolin im Griff. Die kanadische Artistin coacht derzeit die Fratelli Errani im Circus Knie – und sagt ihnen auch, wenn sie einen Trick lieber sein lassen sollten. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Ich zeichne den Klang einer Person.»

Der Künstler Tobias Gutmann reist mit seinem «Face-o-mat» in verschiedene Länder und malt von Leuten abstrakte Porträts – diese seien präziser als jede Fotografie, sagt er. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Ich sehe etwas kommen,
bevor es andere merken.»

Anwalt Ulrich Kohli sieht sich an der Seite der Schwächeren. Selbst wenn er Milliardär und Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach vertritt. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Unser heutiger Wermut
ist klar trinkfreudiger.»

Eine halbe Million Flaschen Jsotta-Wermut sind einst pro Jahre verkauft worden. Das Trendgetränk aus Zürich verschwand 1999. Jetzt wird es in Winterthur wieder hergestellt. Berthold Pluznik, VR-Präsident der Lateltin, setzt voll und mit Erfolg auf das Revival der Getränkemarke.  (Foto: ZVG) Zum Artikel

 

«Eine Spukgeschichte, die
für Zürich einzigartig ist.»

Es heisst, in Zürich gebe es keine Spukhäuser. Falsch: Ein besonders übler Poltergeist brachte hier sogar den obersten Pfarrer um den Verstand. Der Frage, wie es soweit kommen konnte, ist TA-Redaktor Marius Huber nachgegangen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Wir platzen aus allen Nähten.»

Die «Tribute von Panem»-Filme haben Folgen: Immer mehr Zürcher wollen Bogenschiessen. Doch jetzt wirds eng. Und die Stadt unterstützt den Bau einer neuen Halle nicht. Kurt Nünlist, Präsident des Bogensportzentrum Zürich, findet kaum mehr Platz für das Training der Vereinsmitglieder. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Der Verkehr ist die
grösste Seuche unserer Zeit»»

Der Zürcher Alt-Nationalrat Roland Wiederkehr startet kurz vor Ostern eine Spendenaktion, die Unfallopfern in Indien wieder auf die Beine helfen soll. Er findet, das passe zum Fest der Auferstehung.(Foto: Gaetan Bally/Keystone) Zum Artikel

 

«Witikon ist kein Boom-Quartier mehr.»

Der Verdrängungseffekt hoher Mieten dürfe nicht unterschätzt werden, sagt Stadtforscher Philipp Klaus. Er warnt vor flächendeckender Verdichtung in Zürich. (Foto: Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Der Böögg vom Lande ist
kein Knallkopf wie der Städter.»

Es sieht definitiv anders aus als sein Kollege aus Zürich: In der Limmattaler Gemeinde Unterengstringen brennt schon an nächsten Sonntag ein Böögg. Er ist nicht nur früher dran als sein Zürcher Leidensgenosse, sondern geht auch entschieden mehr mit der Zeit. Bööggmeister Ralph Pfister spricht von einem «schönen Böögg». (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

«Wir Frauen müssen erneut aufholen.»

Corine und Ursula Mauch haben sich «Die göttliche Ordnung», Petra Volpes Film über das Frauenstimmrecht, angesehen. Die Zürcher SP-Stadtpräsidentin und ihre Mutter erinnern sich an ihre Familiengeschichte. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Stokys muss gerettet werden.»

Stokys kämpft mit seinen Metallbaukästen ums Überleben. Eine Online-Plattform soll die Firma aus Bauma retten, eine Ausstellung im Technorama mithelfen. Fit machen für die digitale Zukunft heisst deshalb die Devise von Stoky-Geschäftsführer Beat Schaufelberger. (Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Beim Anstehen in der Warteschlange
vor dem Frauen-WC.»

Tele-Züri-Moderatorin Patty Boser auf die Frage, in welcher Situation sie lieber ein Mann wäre. (Foto: Urs Jaudas)

 

 

«Danke Alf, danke Zürich»

Beni Frenkel am Donnerstag den 29. Dezember 2016

Der Alfred-Escher-Brunnen beim Hauptbahnhof. (Foto: Beni Frenkel)

Ich führe mit meiner Frau eine sehr offene und konstruktive Beziehung. Sie sagt mir zum Beispiel: «Du hast die hässlichsten Füsse, die ich je gesehen habe. Und du bist fett.» Ich hingegen habe ihr im Dezember häufig gesagt: «Ich spiele jetzt Swiss Lotto und wenn ich den Jackpot gewinne, verlasse ich dich und die Kinder. Und dann ziehe ich in den Süden, wo die Sonne häufig scheint.»

Später habe ich mir überlegt: Warum bin ich so fies gegenüber Zürich? Habe ich verdrängt, dass meine Urgrosseltern hier ihre Zuflucht gefunden haben? Aus Anlass der Russischen Progrome (1881 – 1914) sind sie vor über 100 Jahren zuerst nach Wien und dann nach Zürich geflohen.

Seitdem lebt meine Familie ununterbrochen in Zürich, abgesehen von einer 20 Jahre währenden Diaspora im Kanton Aargau. Was andere Menschen an Zürich stört, das freut mich. Zürich ist teuer und arrogant? Die Deutschen sind den Zürcher unwillkommen? Ja. Das will ich. Meine Schwiegereltern aus Berlin plagen uns wegen den genannten Gründen nur einmal pro Jahr mit einer Visite. Hoffentlich stürzt der Euro im Januar 2017 noch tiefer, dann kommen sie gar nicht mehr.

Ich hingegen bin ein stolzer Zürcher. Was bietet mir diese Stadt nicht alles: mehrere Einkaufsmöglichkeiten, einen See, einen Berg, zwei Flüsse, einen Hauptbahnhof (mit noch mehr Einkaufsmöglichkeiten) und vieles mehr

Manchmal ist mir das Herz übervoll. Dann will ich laut schreien: Danke, danke, danke. Für all das Gute, das ich hier geniessen darf. Natürlich gibt es auch eklige Zürcher, das will ich gar nicht abstreiten. In manchen Restaurants fühle ich wenig willkommen, wenn ich nur Pizza Margherita bestelle und beim Lavabo auf der Toilette meinen Durst stille. Und manche (vor allem ältere) Menschen scheissen mich zusammen, nur weil ich bei Rot über die Strasse laufe. Trotzdem: Das Gute überwiegt.

Deswegen habe ich mir vorgenommen, am letzten Sonntag des Jahres ein bisschen Dankbarkeit zu zeigen und den Bewohner und Bewohnerinnen die Hand zu reichen. Ich habe am Morgen viele Sachen auf das Trottoir gestellt (Gurkenglas, Oliven, Spielzeug, eine (kaputte) Tasche und Spaghettibesteck). Ausser der Tasche liegt jetzt nichts mehr draussen.

Und am Abend bin ich mit dem Tram zum Hauptbahnhof gefahren. Im Tram sassen irre viele Frauen. Ich vermute: Alle Singles. Da habe ich plötzlich verstanden, warum man fast immer nur vier AA-Batterien kaufen kann: zwei für die Fernsehbedienung und zwei für den Vibrator.

Beim Hauptbahnhof stieg ich aus. Demütig stand ich vor dem Alfred-Escher-Brunnen. «Danke, Alf, danke Zürich». Ich warf Kleingeld in den Brunnen und fuhr mit dem nächsten 7er-Tram wieder zurück nach Wollishofen.

Die Opferhaltung

Réda El Arbi am Dienstag den 20. September 2016
Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Autonomie und differenzierte Selbstwahrnehmung statt Opferhaltung.

Dies wird wohl einer der Texte, die wirklich schwer zu schreiben sind, wenn ich am Schluss nicht Applaus von Idioten und Angriffe von Freunden ernten will. 

Ich beurteile Menschen nach ihren Handlungen und Äusserungen. Niemals werte ich Menschen nach ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, Rasse, ihres Reichtums oder ihrer Armut. Trotzdem finde ich mich ab und an mit den Vorwürfen Sexismus, Homophobie, etc. konfrontiert.

Gerade in einer aufgeschlossenen Stadt wie Zürich – regenbogenfarben, linksgrün, offen – treffe ich häufig auf Menschen, die sich über ihre Opferhaltung definieren. Feministinnen, die sich auf ihr Geschlecht reduzieren, Homosexuelle, die jeden Affront als «homophob» einordnen, Ausländer (meist gut integrierte Secondos), die persönliche Auseinandersetzungen gleich mit «Rassismus» kontern.

Es gibt da draussen noch viel zu viel Sexismus, Rassismus und Homophobie. Das heisst aber nicht, dass man seine eigene Identität auf sein Geschlecht, seine Herkunft, seine sexuelle Orientierung oder auf sonst ein Merkmal einer Gruppenzugehörigkeit reduzieren soll oder darf. Das zeugt von fehlender Autonomie und man wird sich selbst dabei nicht gerecht. Die eigene Person wird schabloniert und eindimensional, die Welt schwarzweiss. Es endet in «Wir und sie».

Ich hab einige Jobs und Wohnungen in meinem Leben nicht bekommen. Natürlich hätte ich schimpfen können, das sei wegen meines arabischen Namens. Wars aber meistens nicht. Da war zu Beispiel mein Betreibungsauszug. Oder meine fehlende Eignung. Oder meine persönliche Art, die lange nicht jedem passt. Wenn jemand mir sagt «Du dreckiger Kameltreiber», empfinde ich das als fremdenfeindlich. Wenn jemand mir sagt «Du grosskotziger Vollidiot», ist das wohl meiner Persönlichkeit geschuldet.

Die Selbstdefinition als Opfer führt in Zürich oft zu einer Art positiven Diskriminierung. So gehen viele meiner Bekannten viel vorsichtiger in Auseinandersetzungen mit Schwulen, Lesben, Ausländern oder feministisch orientierten Frauen. Schliesslich will man auf keinen Fall als rückständiger, intoleranter, sexistischer Vollidiot dargestellt werden. So kommt es in meiner linksgrünen Blase zu einer Art Schutzgebiet für Leute, die sich dauernd als Opfer irgendeines -ismus fühlen.

Das ist extrem abwertend. Wenn ich Leute aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung anders behandle als jeden anderen Idioten, sie schone, nehm ich sie nicht ernst. Gleichberechtigung bedeutet, dass ich den Menschen so behandle wie alle anderen. Und wenn ich mich zurückhalte, meinem Gegenüber einen Sonderstatus einräume, positiv oder negativ, diskriminiere ich aktiv. Das ist ungeheuer kontraproduktiv. Unter Ausländern, Schwulen, Lesben, Transgender und Feministinnen gibts genau gleich viele unangenehme, egozentrische und dumme Personen wie überall sonst unter Menschen.

Es gibt genug echten Sexismus, Rassismus und genug Homophobie, die wir angehen müssen, strukturell, gesellschaftlich und auf persönlicher Ebene, als dass wir uns diese Opferhaltung leisten können. Es schadet unserer gesellschaftlichen Entwicklung, wenn wir nicht zwischen persönlichem Affront und allgemeiner Abwertung unterscheiden können.

Also, wenn dich jemand «Idiot» oder «dumme Kuh» nennt, könnte das mit deinem Verhalten zu tun haben. Es muss nicht Ausdruck einer grundsätzlichen Haltung gegenüber deiner Identität sein.

Tanzen, Titten und Sexismus

Alex Flach am Montag den 27. Oktober 2014
Hätte Sie DJane Micaela Schäfer erkannt? Auf diesem Bild trägt sie Kleider.

Hätten Sie DJane Micaela Schäfer erkannt? Auf diesem Bild trägt sie Kleider.

Alice Sophie Schwarzer, Kämpferin für Frauenrechte und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma, würde schwarz vor Augen werden, fände sie die Musse, sich mit dem hiesigen Nachtleben auseinanderzusetzen.

Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass in diesem Wirtschaftsbereich Frauen in Führungspositionen dünner gesät sind, als kluge Bemerkungen des Ex-Bachelors Vujo Gavric, sie werden mit einer Selbstverständlichkeit auf ihre äusserlichen Attribute reduziert, die selbst Hugh Hefner die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.

Nicht nur von professionellen Chauvinisten wie Matthias Pöhm, dem Verfasser des nach Aufriss-Potential gewichteten Clubrankings «Die besten Verführungsclubs von Zürich», sondern in zunehmender Form auch von allen anderen Stakeholdern des Nightlife: ob Clubber, ob DJ, ob Club-Betreiber, ob Veranstalter, ob Partyfotograf oder Türsteher. Aus Sicht der Nachtleben-Schaffenden sind Frauen Club-füllende Männermagneten und aus jener der männlichen Gäste Freiwild, das es zu erlegen gilt.

Klar: Der Jagdinstinkt vieler Frauen steht jenem ihrer männlichen Abschlepp-Kollegen in nichts nach, jedoch manifestiert sich dieser vorwiegend im bilateralen Balzspiel an der Bar oder im Club und nicht in solch penetrant-öffentlicher Manier, wie es beim männlichen Willen zum Aufriss der Fall ist. Auf der Eventplattform tilllate.com gibt es eine Rubrik «Neueste Supergirls», in der bisweilen nur die Oberweiten abgelichteter Frauen zu sehen sind, einige Clubs buchen regelmässig Stripperinnen, um ihre männlichen Gäste zu ergötzen, bei den für die Animation zuständigen Dancecrews interessiert vor allem der Anteil nackter Haut (auch wenn die Tänzerinnen selbst oftmals immer noch denken, es gehe um tänzerischen Ausdruck) und im Gratisclub Wow in Zürich West gibt es tatsächlich ein Partylabel namens «Titty Flash».

Agenturen für kommerziell orientierte elektronische Musik (insbesondere im EDM- und Deep House-Bereich) haben längst entdeckt, dass ihre Youtube-Clips ein paar tausend Klicks mehr generieren, wenn sie diese mit, möglichst textilfreien, weiblichen Hintern bebildern und es gibt unzählige topless-DJanes wie Micaela Schäfer, die die Dauergeilheit männlicher Clubber eigennützig bedienen, ungeachtet der Tatsache, dass sie ihren weiblichen Berufkolleginnen ohne Hang zum Exhibitionismus das Bestehen in diesem chauvinistischen Umfeld zusätzlich erschweren.

Selbstverständlich sind Clubs munter sprudelnde Hormonquellen und sollen dies auch sein. Sie sind keine Plattformen für intellektuelle Diskussionen, alleine schon wegen der Alkoholpegel aller Beteiligter und der Kommunikations-verhindernden Lautstärke. Jedoch droht die einseitige Erotisierung des Nachtlebens aktuell im Sexismus zu verenden und damit wäre nun wahrlich niemandem gedient, da sich immer mehr Frauen dazu entschliessen könnten, sich nicht mehr freiwillig vor die Flinten männlicher Freizeit-Casanovas zu begeben.

Diese wiederum könnten, wenn sie das nächste Mal in einem Club eine Frau anquasseln, ihr wieder mal in die Augen sehen, anstatt nur auf ihre Brüste zu starren: Veränderung beginnt im Kleinen.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

Die Angst vor Frauen

Réda El Arbi am Montag den 28. Juli 2014
Besser kann ein Bild die Bezuhung Zunft/Frauen nicht darstellen. (Bild: kaffeeundgipfeli.blogspot.ch)

Besser kann ein Bild die Beziehung Zunft/Frauen nicht darstellen. (Bild: kaffeeundgipfeli.blogspot.ch)

Es war einmal eine Zeit – lange, lange ist’s her – da galt der Zürcher Wirtschaftsfilz noch etwas. Alte, weisse Männer regierten die Stadt, alte weisse Männer, verbunden durch Freundschaften aus Universität und Militär, bestimmten, wer in den Zürcher Chefetagen das Sagen hatte. Emporkömmlinge, Ausländer und andere unzulängliche Personen kannten ihren Platz in der Gesellschaft noch. Die Frauen hatten noch kein Stimmrecht und alles hatte seine Ordnung. Die Zürcher Elite sammelte ihre Mannen in den Zünften (Für Auswärtige: Zünfte sind eine Art M-Budget-Freimaurerorden).

Diese Zeit (die 60er und 70er) ist leider schon lange vorbei. Die Stadt wird inzwischen von einer lesbischen Velofahrerin regiert, die Wirtschaft findet global statt und relevant und erfolgreich ist, wer neue, innovative Ideen vorweisen kann. Natürlich ist das hart für die alten, weissen Männer, die damals noch jung waren und sich der Hoffnung hingaben, dass sie auch ohne herausragende Leistung, nur durch Seilschaften, einen Platz in einer wichtigen Position finden würden. Inzwischen sind sie etwas bitter und ein wenig unflexibel geworden, diese Mannen.

«Keine Weiber in der Zunft» heisst es da im O-Ton bei der neuerlichen Abstimmung über die Teilnahme einer Frauenzunft am Sechseläuten. Und: «Das einzige Gewerbe, in dem Frauen erfolgreich sind, ist das älteste», kalauern die ihrer Bedeutung beraubten Senioren (wie der «Blick» berichtete). Sie halten die Forderung der Frauen nach der Teilnahme am Sechseläuten für eine Impertinenz  «militanter Emanzen».

Nun, liebe Zünfter, es tut mir leid. Aber irgendjemand muss es euch sagen: Es gibt keine Zeitmaschinen. Wenn ihr jeden Frühling alte Uniformen anzieht und euch auf Pferde setzt, bedeutet das nicht, dass die Stadt wieder ins 17. Jahrhundert zurückkehrt. Es reicht nicht mal, um uns in die 70er zurück zu katapultieren. Leider sind die Zeiten vorbei, in denen Beziehungen, geschmiedet in urchiger Kameradschaft, noch Sicherheit und Wohlstand boten. Ihr steht jetzt in Konkurrenz mit gebildeten, flexiblen und ehrgeizigen Frauen, die sowohl über Sozialkompetenz wie auch über wirtschaftliches Knowhow verfügen.

Und ehrlich, die Frauen, die bei Euch mitmachen wollen, sind nicht die Frauen, die ihr fürchten solltet. In Acht nehmen solltet ihr euch vor den Frauen, denen die Bedeutungslosigkeit der Zünfte, der reine Fasnacht-Charakter dieser ehemals mächtigen Institutionen, bereits bewusst geworden ist.

Es macht nichts, dass Ihr an euren althergebrachten Rechten festhalten wollt. Das verstehen wir gut. Die meisten Frauen mögen es euch gönnen, wenn ihr in einem Männerverein der Irrelevanz entgegendämmert. Während ihr die Vergangenheit vor Frauen und anderen Gefahren schützt, gestalten die Mädchen und Frauen von heute die Zukunft mit.

«Die Unsicheren, die Arroganten & die Idioten»

Réda El Arbi am Mittwoch den 18. Juni 2014
Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Nichtbeachtung erzeugt Interesse. Verkehrte Welt.

Zürich gilt als Stadt für Singles. Das ist durchaus nachvollziehbar: Auf der einen Seite haben wir all die Nightlife-Möglichkeiten und Orte der Begegnung, die viele Menschen in Beziehungen nicht mehr nutzen und die als Tummelplatz für Singles gelten. Auf der anderen Seiten haben wir eine Flirtkultur, die dafür sorgt, dass Singles auch Singles bleiben – und die uns darüber staunen lässt, dass wir noch nicht ausgestorben sind.

Gestern durfte ich Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Frauen um die Dreissig werden, das mir die Augen für das komplizierte Paarungsverhalten in der Stadt öffnete:

Frau 1: «Immer wenn ich mich ein wenig zurechtmache, getraut sich nachher keiner mehr, mich anzusprechen. Es ist, als ob ich zu sexy zum Flirten wär. Die Männer schauen nur ein wenig und wenden gleich den Blick ab, wenn ich zurückschaue. Sie haben einfach nicht mehr die Eier, eine Frau anzusprechen.»

Frau 2: «Aber das stimmt doch gar nicht! Gestern am Match hattest du das Sommerkleid an und mindestens zwei Typen haben dich angequatscht. Und der Dunkelhaarige hat dir zwei Mal mit seinem Bier zugeprostet. Das nenn ich keine schlechte Ausbeute.»

Frau 1: «Ja, aber das waren Idioten. Hast du das T-Shirt des Dunkelhaarigen gesehen? Abercrombie? Da kann ich ja gleich an eine Ü30-Singleparty. Und die anderen Beiden waren einfach nur aufdringlich und plump. Echt. Der an der Bar hingegen war süss, aber der hat nur alle paar Minuten rübergelinst, ohne die Cojones, mich anzusprechen. Und der geile Typ später am See hat mich nicht mal beachtet. In Spanien war alles viel lockerer, offener. Die Männer sind da eher noch Männer.»

Aus der Sicht des Mannes ist das ein unlösbares Dilemma: Wenn wir auf eine Frau zugehen und sie ansprechen, sind wir «einfach nur aufdringlich», kurz Idioten. Wenn wir zurückhaltend flirten und ab und zu den Blickkontakt suchen, sind wir Weicheier. Wirklich interessant werden wir aber nur dann, wenn wir die Frauen, die uns faszinieren, ignorieren, also die Arroganz raushängen lassen. Schaffen wir es, die Angst zu überwinden und eine Frau anzusprechen, kriegen wir einen Korb, der, egal wie oft eingefangen, immer wieder weh tut. So schauen wir die Frauen an, denken, dass diese Schönheit sowieso nichts für uns ist, und nippen weiter an unserem Bier.

Inzwischen verstehe ich, dass Männer gar nicht mehr versuchen, jemanden Neuen kennen zu lernen. Die meisten normalaussehenden Männer ohne speziellen Status haben vor ihrem 30. Lebensjahr ihre tausend schmerzhaften Abweisungen eingefahren. Das prägt und nimmt die Lust, auf Frauen zuzugehen. So werden wohl auch in Zukunft die meisten Beziehungen am Arbeitsplatz oder im erweiterten Freundeskreis entstehen, ohne den kitzelnden Flirt.

Für die Zürcher Single-Frauen hab ich einen Tipp: Versuchen Sie mal den 1. Schritt zu machen und sich eine Abfuhr abzuholen. Spüren Sie der Erniedrigung etwas nach und machen Sie sich klar, dass Männer das oft verspüren, wenn sie den Mut aufbringen, eine Frau anzusprechen. Vielleicht entlockt Ihnen dann der nächste Versuch ein Lächeln, und wenns nur eins ist, das die Abfuhr versüssen soll.

Und bevor Sie über den fehlenden Flirtelan der Zürcher Männer jammern und sich nach ihrem Ferienort sehnen (wo doch alles viel lockerer und offener war), fragen Sie sich doch mal, wie viel lockerer und offener Sie selbst da unten am Strand waren. Und dann stehen Sie auf, gehen Sie auf einen Mann zu und beginnen Sie ein freundliches Gespräch. Wir leben schliesslich im 21. Jahrhundert.

 

Flirten in Zürich – der Stadtblog-Selbstversuch

Réda El Arbi am Donnerstag den 18. April 2013
Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Zürich ist ein hartes Pflaster mit vielen schönen Frauen

Von Reda El Arbi und David Sarasin

Im Grunde ist alles Kopfkino. Man sieht jemanden, die Dame gefällt und schon schwankt man zwischen Euphorie, Selbstzweifel und Überschätzung. Aber diese emotionale Achterbahn muss nicht so heftig ausfallen, erklärte uns Frau  «Flirt-Coach»  Wilkinson bei den Vorbereitungen, einen Tag vor unserem Selbstversuch. Man könne das besser machen. Selbst in einer Stadt wie Zürich, in der man mehr kalte Schultern sieht als in jedem Vampirfilm. Unsere Fragen an sie waren so naiv wie notwendig:

Frau Wilkinson, wann weiss man, ob eine Frau am Flirt interessiert ist?
Wenn man dreimal Blicke ausgetauscht hat, im besten Fall auch ein Lächeln.

Also starre ich die Dame an?
Das nun auch wieder nicht.

Darf man hingehen und sagen: «Hoi, wie gahts?»
Ich würde das vermeiden, sprechen sie lieber die Umgebung an: die Musik, die Menschen! Vermeiden sie zu ernste Themen, Politik, Religion oder Krieg.

Und wenn man zu unsicher ist?
Am Besten zu seiner Unsicherheit stehen und sie ansprechen, denn alle sind unsicher.

Also Schweissflecken am Hemd zeigen und stottern?
Das auch wieder nicht!

Wann weiss ich im Gespräch, ob es sich lohnt weiterzumachen?
Achten sie auf die Körpersprache. Ob sie sich in die Haare fährt, ob sie eine offene Haltung einnimmt, den Kopf kokett schräg hält, alles kann auf das Interesse der Frau hinweisen. Im Gegensatz dazu verheissen eine abgewandte Haltung oder verschränkte Arme nichts Gutes.

Also, auf  in den Feldversuch!

Mit diesen Anweisungen starten wir unser Experiment. Samstagabend, die Sonne scheint – in der 01-Bar am Limmatquai setzen wir uns an einen Tisch. Um uns sind alle Tische besetzt.

Sarasin (nach fünf Minuten):
Mit der da habe ich schon zweimal Blicke ausgetauscht. Wie viel Mal hat Frau Wilkinson gesagt?

El Arbi (dreht sich um):
Drei. Ich glaube aber, der Typ neben ihr ist ihr Freund. Sie sonnt nur ihr Ego in unseren Blicken.

Sarasin:
Ich glaube eher, sie ist schon ein bisschen verliebt in mich.

El Arbi:
Obwohl sie zu mir schaut?

Wir wollen klären, wer von uns beiden Chancen hätte. Klar bricht sie uns das Herz, als sie sagt, sie habe uns nicht mal aus dem Augenwinkel bemerkt. Klar finden wir in einem Anflug von Grössenwahn, sie lüge wie gedruckt. Klar war das ein schlechter Start. Wir verlassen die Bar  und wechseln in ein etwas «posheres» Lokal Nähe der Bahnhofstrasse. Das klassische Setting: Drei Frauen am Stehtischchen. Wir setzen uns daneben an die Bar, gucken und zählen die erwiderten Blicke. Beide diesmal. Eine schaut. Zu uns? Zur Bar? Will sie bestellen? Neue Taktik: Wir tun nun so, als würden wir uns vollauf genügen, denn Bedürftigkeit auszustrahlen sei ein grober Fehler, wie unser Coach ebenfalls sagte. Als wir doch wieder zum Nachbartisch schielen, steht bereits ein Konkurrent im Kappa-T-Shirt dort und unterhält das Trio scheinbar blendend. Ein Kappa-T-Shirt! Wir gehen!

In der Central-Bar im Kreis 4 dann folgende Szene: El Arbi spricht seine Nachbarinnen an – ohne auch nur Blicke gezählt zu haben. Es wären sowieso null gewesen, meint Sarasin. El Arbi wagt es trotzdem, stürzt dummerweise aber bereits nach der Einstiegsfrage ab: «Kommst du aus Bern?» – mehr fällt ihm spontan einfach nicht ein.

Noch eine halbe Stunde später wird er behaupten, er wäre bei den Beiden weiter gekommen, wenn sie ihm nur etwas mehr Zeit gegeben hätten. Den Rest des Abends flirteten wir dann mit der Barfrau, zwischen uns freilich stets der schützende Tresen aus Holz.

Was wir gelernt haben? 1. Flirts misslingen eher, als dass sie gelingen. 2. Absagen einstecken schmerzt mit der Zeit weniger. 3. Grössenwahn und Unsicherheit wechseln sich ab – es hilft jedoch, sowohl das Eine wie auch das Andere nicht allzu deutlich zu zeigen. 4. Alkohol hilft auch. 5. Die Welt ist ungerecht.

Helfen tun wir damit niemandem, schon klar. Aber wenigstens wissen die Männer da draussen, dass sie in ihrem Versagen nicht alleine sind. Doch auch wenn wir an dem Abend nichts erreicht haben, am Ende waren wir uns in einem Anflug von tröstlicher Selbstüberschätzung einig: eigentlich hätten wir jede haben können.