Beiträge mit dem Schlagwort ‘Club’

Klaus macht Mobile

Alex Flach am Montag den 7. August 2017
Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Am kommenden Samstag findet die 26. Street Parade statt. Neben dem musikalischen und vom Street Parade-Booker Robin Brühlmann verantworteten Kurswechsel auf den Bühnen an der Strecke, einer Abkehr vom EDM hin zu House und Techno, hat im Vorfeld vor allem das Love Mobile des Klaus-Clubs für Aufsehen gesorgt. Dass ein angesagtes Szene-Lokal wie das Klaus ein eigenes LoMo stellt, ist seit vielen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr: Seit der Jahrtausendwende haben sich die Zürcher Clubszene und die Street Parade auseinandergelebt, sich immer weiter voneinander entfernt.

Als der Klaus-Mitinhaber Alain Mehmann seine erste Street Parade besucht hat, war er noch weit davon entfernt einer der Macher des Zürcher Nachtlebens zu sein. «Während der dritten Parade war ich per Zufall auf Einkaufstour in der Stadt. Da habe ich sie und die elektronische Musik erstmals wahrgenommen. Das war die Initialzündung für mich.»

Mehmann wurde später Redaktor beim ehemaligen Szene-Magazin Forecast. Noch später hat er mit Partnern den Heaven-Club im Niederdörfli eröffnet, das Partylabel Behave (Friedas Büxe) lanciert und schlussendlich hat er seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde des Klaus gesetzt, einen der aktuell liebsten Clubs aller sich mit der Aura des Wissens um die wahre Subkultur umgebenden Nachtzürcher.

Mehmann: «Vor circa einem Jahr und nach unserer Street Parade-Afterparty habe, ich halb im Jux, halb im Ernst gesagt: ‚Lasst uns nächstes Jahr auch ein Love Mobile an den Start bringen!‘. Die Reaktionen meiner Partner und Gäste waren so positiv, dass wir an der Sache drangeblieben sind. Definitiv zugesagt haben wir aber erst, als wir das Angebot erhalten haben, den Wagen zusammen mit dem BPM Festival zu organisieren.»

Auch andere Zürcher Clubmacher haben sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten überlegt einen Wagen zu stellen. Dass nun ausgerechnet das Klaus diese Überlegungen Tatsache hat werden lassen, ist auch für das Street Parade-Komitee ein Glücksfall: Nicht viele Zürcher Clubs hätten besser zum Winkelried für künftige Teilnahmen anderer Szenelokale getaugt als der Langstrasse-Memberclub. Mehmann: «Wir haben die Startnummer 13, ein Motto haben wir nicht. Der Wagen wird aber bunt, schrill und schräg sein wie unser Club. Die Deko und die Outfits gehen in Richtung ‚Alice im Wunderland und Mad Max machen zusammen einen Zirkus am Strand mit Grossmutters Möbeln‘. Wie du dir ja vorstellen kannst, machen wir nicht an der Street Parade mit, weil wir mehr Werbung bräuchten. Es ist wirklich aus Freude an der Sache und weil wir finden, dass die Street Parade für die Stadt und das Nachtleben nicht nur eine wichtige Rolle gespielt hat sondern immer noch spielt. Und schlussendlich: es ist ein Riesenspass!»

Alle die noch auf Klaus-Wagen zu den Sets der DJs Carlo Lio, Nathan Barato (beides langjährige DJs am BPM Festival), Playlove, Pazkal, Nici Faerber, Aaron Khaleian und Raphael Raban raven möchten muss Mehmann enttäuschen: «Wir sind leider längst ausgebucht.»

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Im Westen nichts Neues

Alex Flach am Montag den 30. Mai 2016
Viele Zürcher Clubs überleben nicht allzu lange..

Viele Zürcher Clubs überleben nicht allzu lange.

Nachdem sich im März dieses Jahres bereits das Café Gold aus dem Zürcher Nachtleben verabschiedet hat, ist im kommenden Frühling die Reihe am Stairs Club auf dem Dach des Einkaufszentrums Letzipark in Altstetten. Die Vermieterin, die Coop-Genossenschaft, wird den dann auslaufenden Mietvertrag mit den Club-Betreibern Johann Sollberger und Beat Herren nicht verlängern.

Grund für diesen Entscheid der Coop-Genossenschaft dürfte der Neubau sein, den sie in den vergangenen Monaten vor dem Letzipark hochgezogen hat: In das Gebäude namens FiftyFifty werden gemäss Webseite coole «Youngsters» und lässige «Best Agers» einziehen und einer derart trendy Mieterschaft kann man nächtliche Begegnungen mit zwielichtigen Clubbern natürlich nicht zumuten. Immerhin: Das Komplex 457 darf noch etwas länger bleiben.

Auch der Blok Club (ehemals Labor-Bar) wird demnächst die Segel streichen. Neben dem – im Aufnahmestudio der SRF-Sendung «Aeschbacher» beim Schiffbau beheimateten Club – wurden ebenfalls Neubauten aus dem Boden gestampft. Die Allreal AG hat ihr Bestes gegeben und die Glas/Beton-Wüste Zürich West um eine passende, städtebauliche Seelenlosigkeit erweitert. Erstaunlich: Je mehr Neubauten in Zürich West hochgezogen werden, desto menschenleerer scheint die Gegend zu werden – auf der dunklen Seite des Mondes ist mehr Betrieb als auf dem Turbinenplatz beim Puls 5 nach Sonnenuntergang.

Romano Trinchese vom Blok war jedenfalls immer klar, dass er aufgeben muss, sobald die neuen Nachbarn einziehen. Das Industriegebäude, 1944 von Escher-Wyss als Materialprüfungsanstalt gebaut, kann nicht genügend schallisoliert werden, die Fassade scheppert bei jedem Beat.

Man kann nun behaupten, die beiden Clubs seien keine boomenden Epizentren des Zürcher Nightlife und liegt damit sogar richtig. Das Stairs hat sich in den letzten Jahren auf Spartenpublikum fokussiert, der Blok Club dümpelt schon länger nur noch vor sich hin. Dennoch sind die beiden Schliessungen ein bedauernswerter Verlust, denn mit dem Transfer und der damit einhergehendenErschwerung des Bewilligungsverfahrens für neue Clubs vom städtischen Polizei- zum Baudepartement im Juni 2015 ist davon auszugehen, dass sie nicht durch etwas Frisches und Aufregendes an einer anderen Adresse ersetzt werden (Der Transfer hat zur Folge, dass gegen die Erteilung von Bewilligungen an Adressen an denen sich vorher keine Gastronomie befunden hat Einsprache erhoben werden kann).

Es wird auch weiterhin Cluberöffnungen geben, wie kürzlich jene des Lexy (Kanonengasse, ehemals Latin Palace) oder des Haus von Klaus (Langstrasse, ehemals Kinski). Aber wohl ausschliesslich in Räumlichkeiten in denen sich bereits zuvor ein Club befunden hat. Weder das Stairs noch der Blok wird durch einen neuen Betrieb ersetzt.

Sollen die beiden Clubschliessungen nicht zum Beginn eines kontinuierlichen Abbaus des Nachtlebens werden, muss das Bewilligungsverfahren wieder geändert werden. Insbesondere die Kulanz bezüglich Clubs in der Nachbarschaft zu Neubauten muss vergrössert werden: Ansonsten wird Zürich West bald den letzten Rest Leben aushauchen und die Langstrasse-Anwohner dürfen sich über viele West-Clubber auf der Suche nach einem neuen Nachtzuhause “freuen”.

aaaaaaaaaalexAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Goodbye Kinski Klub

Alex Flach am Montag den 28. September 2015
Der letzte grosse Klub, der noch Gitarrenmusik zum Tanzen lieferte.

Der letzte grosse Klub, der noch Gitarrenmusik zum Tanzen lieferte.

Das Kinski an der Langstrasse wird auf Ende Jahr schliessen. Gemäss den Betreibern sei unter anderem das Geschäft mit Live-Konzerten nicht rentabel genug. Die Reaktionen auf die Schliessungsankündigung fielen bei den Stammgästen bisweilen emotional aus, wie beispielsweise jene der Schauspielerin Jessica Matzig: «Das Kinski macht zu. Mein Herz ist gebrochen. Ich frage mich: Was ist das Problem? Wieso können sich solche Clubs nicht über Wasser halten? Wo sind die ganzen Leute die auf gute Musik stehen?».

Auch Oliver Zemp, Mitinhaber des letzten grösseren Gitarren-Clubs in Zürich, des Abart, nimmt die Schliessung mit Bedauern zu Kenntnis. Zemp, der heute am Restaurant Korner, an der Hafenkneipe und an der El Dorado-Bar beteiligt ist, wird jedoch nicht primär das Konzertlokal Kinski vermissen, sondern die Partylocation Kinski: «Clubs in denen Rock- und Popkonzerte veranstaltet werden gibt es in Zürich genug. Neben dem Mascotte fallen mir da auch das Plaza, das Helsinki, das Dynamo, unsere Hafenkneipe und noch einige mehr ein. Was in Zürich nach dem Wegfall des Kinski jedoch fehlen wird, ist ein Club in dem man zu Gitarrenmusik tanzen kann».

Clubber mit Faible für tanzbaren Rock und Pop aus dem Alternativbereich haben in Zürich derzeit tatsächlich nicht viel zu feiern. Seit der Schliessung des Abart im September 2012 fehlt ein grösserer Gitarrenclub (das Abart bot 500 bis 600 Gästen Platz). Zemp ist jedoch der Meinung, dass ein Club dieser Grössenordnung sowieso nicht mehr funktionieren würde: «Als wir das Abart geschlossen haben, arbeiteten wir zwar noch immer mit grossem Erfolg, jedoch konnten wir in den letzten zwei Jahren vor dem Aus eine leichte Abwärtstendenz feststellen, die sich wohl weiter fortgesetzt hätte. Dieser Niedergang lag und liegt vor allem in einer generellen und globalen Krise im Bereich der Rockmusik».

Das Internet und die illegalen Downloads hätten die Majorlabels vernichtet. Zwar seien diese immer bei allen verhasst gewesen, bloss hätte man irgendwann festgestellt, dass die ungeliebten Majors halt doch viel Geld in spannende Newcomerbands und –trends gesteckt hätten. Diese Förderung würde nun fehlen. Dazu komme, dass mit den Majors auch die grossen Musikzeitschriften untergegangen seien oder zumindest viel von ihrer Bedeutung eingebüsst hätten. All die Musikblogs können diese Lücke nicht füllen, seien meist nur flüchtig und oft schlecht gemacht. Zudem gäbe es tausende von ihnen und Interessierte wüssten gar nicht wo sie sich informieren sollen.

All diese universellen Entwicklungen üben nun einen unmittelbaren Einfluss auf das Zürcher Nachtleben aus. Die elektronische Musik hat das Zepter endgültig übernommen. Dennoch glaubt Zemp, dass in Zürich ein Gitarrenclub mit einem Fassungsvermögen von ca. 200 Gästen durchaus gute Chancen hätte zu bestehen: «Ich selbst mag nicht mehr. Aber wenn da ein paar junge Hungrige kommen würden, wäre ich durchaus bereit ihnen meinen Erfahrungsschatz zu Verfügung zu stellen».

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

DJs als Marktschreier

Alex Flach am Montag den 18. Mai 2015
«Einmal Party mit allem, und einpacken bitte.» -Rolf Imhof sieht sich nicht als Verkäufer.

«Einmal Party mit allem, und einpacken bitte.» – Rolf Imhof sieht sich nicht als Verkäufer.

Der Zürcher DJ Rolf Imhof sorgte an diesem Wochenende mit dieser Facebook-Statusmeldung für Erheiterung: «Solche Veranstalter mögen wir: ‚Schau zu, dass du möglichst viele Lounges und Tische verkaufst, Rolf‘. Leute… wenn das mein grösstes Talent wäre, dann würde ich schon lange bei Ikea oder bei Möbel Pfister arbeiten». Rolf Imhof bezieht sich mit seinem Post auf den Umstand, dass heute viele Veranstalter den Job eines DJs wie selbstverständlich um Promo-Aktivitäten erweitern.

Rolf Imhof ist einer der dienstältesten DJs, die heute noch an Zürcher Turntables stehen, ohne je eine längere Auszeit genommen zu haben. Bereits Ende der 80er Jahre hat er vereinzelt an Acid-Partys von Arnold Meyer gespielt, ehe er dann Mitte der 90er Resident in der legendären Limmatbar wurde. Zum Jahrtausendwechsel legte er regelmässig in Urs Kinds Zoo Club auf und 2001 übernahm er dann die Kaufleuten-Donnerstage von Dani König.

In dieser Zeit hat sich der Job des DJs sehr gewandelt, nicht immer zum Positiven. Rolf Imhof: «In den 90ern gab’s an einem durchschnittlichen Zürcher Wochenende vielleicht zwei Partys, die gut waren. Heute sind es Dutzende. Das erhöht den Druck auf die Clubs. Deren Besitzer leiten diesen dann an die Veranstalter weiter und einige dieser Veranstalter versuchen ihn dann, zumindest teilweise, den DJs aufzubürden. Diese Entwicklung hat Mitte der Nullerjahre eingesetzt».

Auch Dario D’Attis, ebenfalls seit zwanzig Jahren als DJ aktiv, steht dieser Entwicklung mit Unbehagen gegenüber: «Das geht teilweise soweit, dass Veranstalter die attraktivste Spielzeit einer Clubnacht an jenen DJ vergeben, der die meisten Gäste akquiriert. Da ist der DJ dann endgültig nicht mehr DJ, sondern nur noch Promotor. Glücklicherweise darf ich heute für Clubs spielen, bei denen es primär um die Musik geht, keine sogenannten Tischchen-Clubs, bei denen das Drumherum bisweilen wichtiger zu sein scheint als der Sound. Die Musikclubs laufen zumeist besser und sie haben eine solche Handhabe daher gar nicht nötig».

In der Frühzeit des modernen Nachtlebens, Anfang der 90er, waren die Jobs klar verteilt: Ein DJ legt auf, Ein Clubbesitzer führt das Lokal, ein Veranstalter veranstaltet, verteilt Flyer und Wildplakate. Der Zerfall dieser Jobaufteilung ging in den Nullerjahren gar so weit, dass die Gäste Bus-weise verschachert wurden: «Wenn du mich buchst, setze ich 50 Leute in einen Reisecar, die mich an mein Set begleiten». Spätestens ab da spielte der Sound nur noch eine höchst sekundäre Rolle.

Auch wenn sich das wieder etwas gelegt hat, da viele Clubbesitzer und Veranstalter eingesehen haben, dass sie sich mit einer solchen Vorgehensweise am Ende nur schaden, weil sie damit ihre Partys und Locations mit einer Aura des Dumpings umgeben, so sind dennoch auch heute noch einige Veranstalter der Meinung, dass nur ein die Werbetrommel rührender DJ ein guter DJ sei. Solche Leute sollten sich vielleicht fragen, ob sie sich den richtigen Job ausgesucht haben, denn ein Veranstalter, der auf die Promotion seiner DJs angewiesen ist, um einen Laden zu füllen, macht wohl Einiges falsch.

Rolf Imhof sieht das nicht so eng: «Ich mache gerne online Werbung für die Partys, an die ich gebucht werde. Das hat auch was mit Anstand zu tun. Und ich bin ja sowieso ständig auf Facebook. Aber ein Tischchen- und Lounges-Verkäufer bin ich dann doch nicht».

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Wem gehört die Stadt?

Alex Flach am Montag den 4. Mai 2015
Haben Clubbesucher und die Nightlife-Industrie gleich viele Rechte wie die Anwohner?

Haben Clubbesucher und die Nachtschwärmer gleich viele Rechte wie die Anwohner?

Eine Stadt lebt nicht nur in den Wohnungen ihrer Bewohner. Sie lebt in ihren Strassen, ihren Cafés, ihren Bars und Clubs. In den meisten Grossstädten existieren «Problemviertel», wobei es meist eben diese Gegenden sind, die durch ihre Quirligkeit dafür sorgen, dass eine Grossstadt als solche wahrgenommen wird.

Oft sind es die Epizentren der Nachtgastronomie, die unter der zweifelhaften Überschrift Problemviertel eingeordnet werden. Dass der Lärmpegel in solchen Vierteln höher ist als anderswo, liegt in der Natur der Sache und dass eine Stadt ein lebendiges Nachtleben braucht, dürfte mittlerweile nicht mehr Ausgangslage der Diskussion sein: Die Lebensentwürfe der Menschen haben sich in den letzten Jahrzehnten dahingehend verändert, dass auch Eltern in der Mitte ihres Lebens ihren Nachwuchs gerne mal in Obhut von deren Grosseltern geben, um eine Nacht lang in den Clubs feiern zu können – sie sind mit der elektronischen Musik aufgewachsen, die heute die Charts bestimmt und deren kreative Quelle noch immer in den Clubs liegt.

Obwohl sie diesem Umstand Rechnung tragen müssten, stellen die Behörden zumeist auch in ihren vom Clubbing geprägten Strassenzügen die Anliegen und Befindlichkeiten der Anwohner über jene der Leute, die diese aufsuchen, um dort eine gute Zeit zu geniessen. Beispiele dafür gibt es viele, so konnte in St. Gallen ein einzelner Neuzuzüger dem traditionsreichen Club Kugl den Betrieb beinahe verunmöglichen, obschon das Kugl nicht in einer Wohnzone liegt, sondern in einer gemischten Wohn- und Gewerbezone. Auch in anderen Schweizer Städten gehen immer wieder einzelne Anwohner erfolgreich gegen Clubs vor, in denen an den Wochenenden Abend für Abend hunderte Partygänger feiern.

Trotz der Zürcher Morgenröte, initiiert durch die klaren Bekenntnisse Corine Mauchs und Richard Wolffs zur städtischen Clubszene, können auch hier ein paar wenige Anwohner mit Beschwerden und Klagen dutzenden Bars und Clubs das Leben schwer machen. Aktuell versuchen dies gerade 115 Bewohner der Langstrasse, die mit einem eingeschriebenen Brief den Stadtrat auffordern, etwas gegen den Lärm und Abfall, verursacht durch den allnächtlichen Partybetrieb, zu unternehmen und das, obschon die Nachtleben-Betriebe an der Langstrasse das Milieu erfolgreich zurückgedrängt haben, ganz so, wie von der Stadtplanung wohl vorgesehen.

Die Meinungen zu dieser Aktion der Langstrasse-Anwohner sind von einer Einseitigkeit, die ihresgleichen sucht. Folgender Kommentar unter dem entsprechenden Beitrag der Gratiszeitung 20minuten generierte 968 Likes bei gerade mal 59 Dislikes: «Wer an die Partymeile zieht, muss sich nicht wundern, wenn es laut wird. Man zieht ja auch nicht neben einen Bahnhof, Flugplatz oder eine viel befahrene Strasse und beschwert sich wegen des Lärms. Solche Menschen machen unnötig Probleme und verursachen am Ende nur Aufwand und Kosten». Natürlich: Ziemlich undifferenziert und wohl auch unfaire Worte. Aber ist die Aussage der 115 Langstrasse-Anwohner und -Beschwerdesteller, der «allnächtliche Partybetrieb an der Langstrasse ist eine stadtzerstörende Sauerei», etwa differenziert und fair? Die Langstrasse mit ihrem einzigartigen Eigenleben gehört allen Stadtbewohnern und nicht nur ihren Anwohnern.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

Elitäres Zürich

Réda El Arbi am Dienstag den 21. April 2015
Die richtigen Klamotten, die richtigen Marken, die richtigen Cafes, die richtigen Freunde: Zugehörigkeit erzeugt Selbstwert.

Die richtigen Klamotten, die richtigen Marken, die richtigen Cafes, die richtigen Freunde: Zugehörigkeit erzeugt Selbstwert.

Ein Bekannter von mir ist vom Land in die Stadt gezogen und hat mich mit seinem Intergrationsprozess wieder mal auf eine Zürchersche Besonderheit aufmerksam gemacht: Wir Zürcher verstehen uns als weltoffenes und aufgeschlossenes, tolerantes Völkchen.  Wir denken gerne von uns als urbane, soziale Speerspitze der Schweizer Gesellschaft. Aber stimmt das wirklich?

Der Alltag in Zürich ist nämlich geprägt von ausgrenzenden und elitären Gruppen. Nein, ich meine nicht die Zünfter. Die haben dieses Verhalten vielleicht irgendwann mal eingeführt und ritualisiert. Aber ich spreche von den ganzen normalen Szenen. Der Kunstszene, der Clubszene, dem politischen Umfeld, dem Stammcafe etc.

Ein hervorragendes Beispiel ist die hermetische Alternativ-Kunst-Besetzerszene: Man sieht sich selbst als Elite, versteht sich durchaus als weltoffen, verweigert aber allen, die nicht denselben Hintergrund haben und schon seit Jahren dazugehören sowohl das Gespräch wie auch den Zugang. Menschen, die einen anderen politischen Hintergrund haben, werden als «Feind» und Gefahr verstanden. Genauso in der Fankultur der Zürcher Fussballclubs.

Oder aber die Clubsszene. Da ist es fast am Krassesten: Es werden nur Leute in den Club gelassen, die dem selbst definierten Coolnessfaktor entsprechen. Und da gibts natürlich noch die Elite innerhalb der Elite. Die Leute, die alle kennen und die immer auf der Gästeliste stehen wollen. Und die sehen «Neue» nicht mal mit dem Hintern an, von einem freundlichen Willkommen keine Spur. Natürlich gehören da Menschen dazu, die sich für Asylsuchende stark machen. Diese würden sie natürlich sofort ins Land lassen, in den «eigenen» Club der Wahl aber niemals.

Man muss im richtigen Quartier wohnen, weil der Rest ist ja nicht wirklich «Zürich». Man kleidet sich mit den «richtigen» Marken, hört die «richtige» Musik (die meist – wie weltoffen! – aus Berlin oder London importiert wurde) und kennt vor allem die «richtigen» Leute – Clubfolk, Künstler, Medienfuzzis, DJs, Szenegrössen. Die sprichwörtliche Zürcher Arroganz kommt oft aus dem Bedürfnis heraus, unbedingt etwas «Besonderes» sein zu wollen.

Abgrenzung und Ausgrenzung ist für manche Zürcher sehr wichtig. Man definiert sich über die Zugehörigkeit zu einer Szene, schöpft Selbstwert aus dem Status, den man innerhalb dieser Peergroup bekommt. Davon kann jeder Zugezogene ein Liedchen singen. Und natürlich vergisst man sofort, dass man zugezogen ist, wenn man sich einen kleinen Platz in einer  Szene erschlichen hat. Und grenzt dann gleich als erstes neu Zugezogene aus.

Das Verhalten unterscheidet sich eigentlich nicht von dem in einem kleinen Bergdorf, in dem man noch Jahre nach dem Zuzug «der fremde Fötzel» ist. Die verschiedenen Quartiere grenzen sich in ihrem Selbstverständnis so voneinander ab wie der klischierte eigenbrötlerische Bergler, der den Einwohnern des Nachbardorfs nicht traut.

Natürlich sind nicht alle Zürcher so, im Gegenteil. Wahrscheinlich sind 350 000 Zürcher ganz normale, tolerante Menschen. Es sind diejenigen, die in jedem zweiten Satz erwähnen müssen, dass sie aus Zürich sind. Die von sich glauben, sie machen den urbanen Wert der Stadt aus und das jedem unter die Nase reiben müssen.

Wer seinen Selbstwert aus seiner Zugehörigkeit zu einer Szene generiert, versucht oft, seinen Elite-Status zu beweisen, indem er auf Andere herunterschaut. Psychologie, 1. Semester.

Vielleicht sollten wir Toleranz, Offenheit und Aufgeschlossenheit erst mal im Alltag selbst üben. Wir könnten uns mit Andersdenkenden vernetzen und uns aus unserer gemütlichen, schonenden, geistigen Blase, in der wir es uns bequem gemacht haben, befreien und auf Fremde in der eigenen Stadt zugehen, bevor wir uns so weit über die Leute stellen, die Ausgrenzung zu einem politischen Programm gemacht haben.

Toleranz und Aufgeschlossenheit ist nämlich billig, solange wir sie als Lippenbekenntnisse und nicht als Herausforderung im Alltag verstehen.

Politisiertes Nachtleben?

Alex Flach am Montag den 30. März 2015
Kein Sinn für Ironie: Den eigenen, selbstgekauften Technikmüll als Zeichen des Widerstandes benutzen?

Kein Sinn für Ironie: Den eigenen, selbstgekauften Technikmüll als Zeichen des Widerstandes benutzen?

Das Berner «Bündnis inexistenter Partykapitalisten» hat zu einer Demonstration gegen die Umnutzung der dortigen Markthalle aufgerufen. Vor zwei Jahren mussten die Bars und Restaurants in der Markthalle mangels Rentabilität schliessen. Die Eigentümer sanierten in der Folge das Gebäude, um es weitervermieten zu können. Am vergangenen Donnerstagabend fanden sich nun mehrere hundert Aktivisten zu einer Protestaktion vor der gleichentags dort eröffneten Media Markt-Filiale ein, um dort alten Elektroschrott zu deponieren. Die Angestellten des Discounters verriegelten die Türen, die Demonstranten begannen Gegenstände in Richtung der Schaufenster zu werfen und die Polizei damit, die Demo aufzulösen.

Die Antikapitalisten in der Hauptstadt geben ihrem Wirken ganz gerne einen Nightlife-Anstrich: Die Reclaim the Streets vom 25. Mai 2013 fand unter dem Motto «Tanz Dich frei» statt. Aber nicht nur die Berner Aktivisten machen auf Nachtleben, auch ihre Zürcher GenossInnen schmücken ihr Tun gerne mit Discokugeln, so auch die ehemaligen Binz-Besetzer, deren «Tanz durch die Stadt» Anfang März 2013 mehr mit Sachbeschädigung oder gar Plünderung zu tun hatte als mit Tanz.

Dank der Verknüpfung solcher Demonstrationen mit Nightlife-Begriffen wirft ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung Clubber und Links-Aktivisten in einen Topf, so auch nach der Zürcher Reclaim The Streets von Mitte Dezember.

Das ist Blödsinn, denn politischer Aktivismus und die Gastro-Szene haben nichts miteinander zu tun: Nach der Reclaim The Streets vom vergangenen Dezember zählten Lokale wie das Le Chef von Meta Hiltebrand und das Neo von Gregory Schmid und Pius Portmann zu den Hauptbetroffenen, einer von Hiltebrands Angestellten wurde gar verletzt. Das überwältigende Mehr der Schweizer Gastronomen sieht sich als leidenschaftliche Teilnehmer am freien Markt und damit keineswegs als Antikapitalisten. Sie müssen Löhne, Lieferanten und Mieten bezahlen und haben oft eine Familie zu ernähren. Sie wollen Gewinn machen und ihre Statements sind meist kreativer und keineswegs politischer Natur.

Den ehemaligen Mietern der Berner Markthalle ist es nicht gelungen, ihre Betriebe in die Gewinnzone zu führen und dass sie schliessen mussten war nichts weiter als das logische Resultat wirtschaftlichen Misserfolges. Hätten all die Leute die nun dem Media Markt die Scheiben eingeworfen haben früher regelmässig in den Lokalen der Markthalle ein Bierchen getrunken oder gegessen, dann würden diese vielleicht noch existieren.

Einsicht ist eine Frage des Alters und der aus ihr erwachsenden Weisheit, gut abzulesen am Werdegang der Roten Fabrik. Das Areal in Wollishofen wurde 1980 und nach den Opernhauskrawallen der Jugendbewegung als Autonomes Jugendzentrum zu Verfügung gestellt. Ein bisschen Politik betreibt die IG Rote Fabrik heute noch, aber primär dirigiert sie heute eine Kultur-Institution, die nach marktwirtschaftlichen Regeln funktioniert, wenn auch mit basisdemokratischen Strukturen. Die Rote Fabrik ist ein gutes Beispiel dafür, wie revolutionäre Ideen irgendwann halt doch in der marktwirtschaftlichen Realität landen. Man kann das vielleicht mit etwas politischer Schminke übertünchen, aber wer auf lange Sicht bestehen will, kommt um den freien Markt nicht herum.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

«Femmes fatale» übernehmen

Réda El Arbi am Donnerstag den 5. März 2015
Nicht nur schmückendes Beiwerk sondern in Charge: «Femme fatale» .

Nicht nur schmückendes Beiwerk sondern in Charge: «Femme fatale» .

Normalerweise überlasse ich es unserem Nachtleben-Fachmann Alex Flach, über Clubs zu schreiben. Heute aber habe ich eine kleine Geschichte, die auch gesellschaftspolitisch relevant ist.

Die Zürcher Clubszene ist für Frauen ein eher hartes Pflaster. Nicht an den Clubtüren, da werden Frauen gerne gesehen, müssen oft weniger oder gar keinen Eintritt bezahlen, gelten sie doch als Publikumsmagneten. Sie sollen wie Honig die Fliegen (Männer) anziehen. Ansonsten sollen sie möglichst sexy tanzen, möglichst leicht bekleidet sein und die Atmosphäre mit der nötigen Erotik aufladen. Steht einmal eine Frau hinter den Plattentellern, ist sie gleich dem Verdacht ausgesetzt, wegen ihres Aussehens oder ihres Exotensstatus, nicht wegen ihres Könnens, gebucht worden zu sein. Soweit, so banal.

Schaut man aber die Anzahl der Frauen unter den Clubbesitzern, den Partyveranstaltern und den DJ(ane)s an, siehts eher schäbig aus. In der Lobbyorganisation Zürcher Bar & Club Kommission sind Frauen nicht mal mit 10 Prozent vertreten. Die ach so moderne Zürcher Clubsszene kann sich in Sachen Frauenanteil also nicht mal mit der normalen Schweizer Marktwirtschaft messen. Clubbusiness ist Männersache.

Darum war ich wirklich erfreut als ich von der im April startenden Partyreihe «Femme fatale» hörte. Von Kathrin Hasslwanter ins Leben gerufen, will dieses neue Format in erster Linie eine Plattform für Frauen sein. Das heisst, von der Organisatorin über die DJanes bis zur Security werden die Jobs nur an Frauen vergeben. So sollen neben internationalen Acts auch CH-DJanes (Auftakt am 10.4 mit Manon, Frau Hug, Susie Star, Samsara, Rennie Takeda, Rina Lou und Clit Eastwood) endlich mal die Möglichkeit haben, regelmässig vor einem einheimischen Publikum zu spielen und ihr Können zu zeigen.

Ironischerweise findet die Party im ehemaligen Füdlischuppen und jetzigen In-Club «Revier» mitten in der Strichmeile an der Langstrasse statt. Hoffentlich nehmen die anderen Clubbetreiber der Stadt die Möglichkeit wahr und schauen sich das einheimische weibliche Schaffen an den Plattentellern auch mal an. Man könnte ja jemanden sehen, den man für den eigenen Club buchen könnte.

Ansonsten bin ich gespannt, ob wir Männer an der Clubtüre jetzt mit einem süssen Augenaufschlag und knappen Shorts auch eher reinkommen. Und wie viele männliche Groupies extra sexy vor den DJ-Pulten tanzen.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf diese spezielle Partyreihe. Sie hat schon heute das Stadtblog-Gütesiegel.

Vom Bachelor zum DJ

Alex Flach am Montag den 23. Februar 2015
Er kann Kpfhörer in die Kamera halten, also ist er ein DJ. (Bild: 20minuten.ch)

Er kann Kopfhörer in die Kamera halten, also ist er ein DJ. (Bild: 20minuten.ch)

Rafael Beutl ist der Nächste in der immer länger werdenden Liste von Viertelpromis, die ihre überschüssige Zeit an zwei Plattentellern verdaddeln und die ihre warholschen 15 Minuten Ruhm auflegenderweise zu Geld machen wollen. Es scheint beinahe so, als ob eine geheime Absprache zwischen Managern von in absehbarer Zeit verglühenden TV-Sternchen existieren würde, die besagt, dass sie ihre Schützlinge (wohl in Ermangelung anderer Talente) unbedingt in die Welt der Clubmusik schubsen müssen.

Die Existenz dieses Bestrebens ist ein Rätsel, denn im Nachtleben erwarten Rafael Beutl wohl nichts als Häme und Spott. Anstatt abermals die ermüdend lange Liste mixender Prominenter wie Oliver Pocher, Pierre Sarkozy, Jimi Blue Ochsenknecht und Noah Becker durchzuackern, soll dieser Beitrag Rafael Beutl erläutern, warum er tunlichst die Finger von den Plattentellern lässt. Zum einen wäre da die Sache mit dem Mangel an Respekt den ernsthaften Clubmusikanten gegenüber.

Wahrhaft gutes DJing basiert auf fundierten Kenntnissen bezüglich Setaufbau, Rhythmik und der Konstruktion von Spannungsbögen, sowie auf einem umfangreichen Genre-Wissen. Jahrelanges Üben und unablässiges Feilen an der Mixtechnik, bestenfalls unter Ausschluss von Publikum, das nicht zur Familie und zum engsten Freundeskreis zählt, ist ebenso Pflicht. Heutzutage ist es gar so, dass sich die DJs nicht zuletzt an ihren Produktionen messen lassen müssen und da ist eine musikalische Ausbildung Voraussetzung zur Erlangung wahrer Grösse.

Ein DJ, der diesen Beruf ernsthaft angeht, steht also nicht wie Beutl gleich als erstes vor die Gäste einer Lollipop-Party im X-Tra, nur um sich dann jeden Handgriff von einem erfahrenden DJ wie Beat Schaub alias Vitamin S erklären zu lassen und um in der Folge dem «20minuten» Sätze wie diese hier zu Protokoll zu geben: «Musik mochte ich schon immer, Menschen auch. Da ist es naheliegend, dass ich mich hinter die Plattenteller stelle». Lieber Rafael Beutl… viele Menschen mögen Menschen und wohl alle essen gerne und trotzdem wird nicht jeder Koch und erst recht kein guter. Ein weiteres Problem mit dem DJ-Quereinsteiger wie der Ex-Bachelor konfrontiert sind, ist der Glaubwürdigkeit-Malus. Ja, tatsächlich… das Nachtleben hat nicht sehnsüchtig auf den nächsten Realityshow-Abgänger gewartet, der nun denkt, dass er sich die Zeit bis zum nächsten TV-Auftritt mit etwas DJing totschlagen kann.

Die Qualität der DJ-Sets in den Clubs ist alles in allem enorm gut und die heute aktiven Clubgäste sind durchaus in der Lage ein gutes Set von einem zusammengeschusterten zu unterscheiden. Wer denkt, er könne ohne Talent, Know How und Technik einen vollen Club zwei Stunden lang bei Laune halten, der unterschätzt die Qualitätsanforderungen der Leute vor den Boxen. Ein Ex-Bachelor, der bekannt geworden ist, weil er eine Staffel lang Röslein an willige Damen verteilt hat, darf nicht allzu viele Vorschuss-Lorbeeren erwarten. Apropos, lieber Rafael Beutl: Du magst doch Menschen und offensichtlich auch Blumen … Wieso versuchst Du’s nicht als Florist?

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

Sinnvolle Night Life Awards

Alex Flach am Montag den 19. Januar 2015
Die Awards könnten auch etwas bedeuten.

Die Awards könnten auch etwas bedeuten. (Bild: Usgang.ch)

In drei Wochen werden im Komplex 457 die Swiss Nightlife Awards 2014 verliehen. Überraschungen wird es keine geben: Die Kategorien sind mehr oder weniger dieselben wie in den Jahren zuvor und die drei Finalisten pro Kategorie sind meist ebenfalls Altbekannte.

Anstatt aber wie immer nur zu kritisieren, werde ich nun erklären wie man es besser machen kann: Weg mit dem Public Voting, weg mit den Kategorien Best Club, Best Big Club, Best New Location, Best Festival, Best Event Serie, Best Event und vor allem weg mit The Most Original Nightlife Bar. Begründung: Was macht einen Club zum besten Club? Was macht eine Nightlife Bar «most original»?

Das ist alles nur schwammig, viel zu sehr in individuellen Wahrnehmungen fussend und nicht empirisch begründbar. Es müssen Kategorien geschaffen werden die mit Fakten bewertet werden können: Welcher Club führt das beste Bartending, welcher die besten Line Ups (nach Genre), welche Location bietet abseits dieser beiden Basiselemente am meisten, wer bietet die besten Visuals und wer die opulentesten Dekos?

Klar: Bezüglich Qualität der Line Ups gibt es immer noch viel individuellen Spielraum, aber man könnte Bewertungsinstrumente wie «Internationalität» oder «musikalische Kompaktheit» einführen. Mit den aktuell geführten Wischiwaschi-Sparten werden alljährlich einfach nur die bekanntesten Clubs und Bars ins Finale kommen und nicht jene, die im abgelaufenen Award-Jahr tatsächlich Ausserordentliches geleistet haben.

Dasselbe gilt für die DJs: Was macht einen Aufleger zum besten House DJ, wieso stehen Bazooka, Green Giant und Vincz Lee im Finale auf den Titel des besten Open Format DJs? Was haben sie konkret geleistet? Auch hier müssen die nichtssagenden Kategorien durch griffige ersetzt werden: Wer hat im abgelaufenen Jahr den Aufsehen erregendsten Track produziert? Welcher DJ hat die besten Bookings gekriegt? Wer hat die besten Sets (technisch und musikalisch) abgeliefert?

Bei den Clubmusikanten existiert noch ein weiterer, markanter Makel: Was ist mit den Live-Musikern? Clubmusik lebt längst nicht mehr nur vom DJing, im Gegenteil: Es sind nicht zuletzt die live Spielenden, die die Genres weiterentwickeln. Und sie werden an den Swiss Nightlife Awards ignoriert.

Hier also ein paar Alternativvorschläge zu den jetzigen Kategorien, angefangen bei den Clubs und Bars: Line Ups (unterteilt nach Genres), Bartending, Eventkreativität, Visuals, Deko und Innenarchitektur, Specials (Gäste-Treatment). Für Clubmusiker und DJs: Track, Album und Compilation des Jahres, Bookings (zu bewerten nach Renommee der buchenden Clubs und Labels), Innovationscharakter der Sets, technische Skills.

Für das Komitee würde eine Umgestaltung der Kategorien grossen Abklärungs- und Evaluations-Mehraufwand bedeuten. Jedoch könnten so tatsächlich die Leistungen für ein Award-Jahr gewürdigt, die Kategorien könnten auf Basis von Fakten vorgenommen und es könnten Preise verliehen werden, die tatsächlich Sinn ergeben. Es wären die Swiss Nightlife Awards, die das Swiss Nightlife verdient.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.