Beiträge mit dem Schlagwort ‘China’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Tibet-Demo nein, aber Nazi-Konzert ja?

Réda El Arbi am Montag den 16. Januar 2017
Die hätten sich auch diskret treffen können, wie diese Nazis in der Ostschweiz.

Die hätten sich auch diskret treffen können, wie diese Nazis in der Ostschweiz.

Heute verlassen wir mal die Grossstadt Zürich und begeben uns nach Bern, ins politische Herz unseres Landes, in den Hort unserer freiheitlichen Werte, wie es so schön heisst.

Dort wollten einige Tibeter mit ein paar Freunden gegen die Besetzung Tibets demonstrieren. Sie hätten gerne vom Recht auf Versammlungs- und Meinungsäusserungsfreiheit Gebrauch gemacht. Hätten. Konnten aber nicht. Weil sie mit ihrer Meinung das chinesische Staatsoberhaupt gestört hätten, das gerade zu Besuch ist.

Und ehrlich, das wollen wir doch nicht. Wir machen so viele Geschäfte mit den Chinesen, wir können da zu Sklavenbedingungen produzieren, billigst einkaufen und können den neureichen Chinesen auch gleich noch unseren Luxusplunder steuerfrei andrehen. Allein alt Bundesrat Blocher soll (wie er auf seiner Homepage sagt) 117 Fabriken in China haben, seine Tochter schwärmt von den Vorzügen der Einheitspartei.

Das sind BEZIEHUNGEN, die man pflegen muss. Höchst sensible Angelegenheiten, Ehrewort! Da wollen wir doch nicht Dinge wie Menschenrechte, Tibet oder freiheitliche Werte so offen zur Sprache bringen. Da könnte der Chinese sich doch unwohl fühlen.

Nein, das wollen wir sicher nicht. Sonst könnten unsere Prinzipien uns noch Geld kosten. Und da hört also diese sogenannte Freiheit auf! Für Demokratie stehen wir ja schon ein! Aber es darf uns nichts kosten, das ist doch klar. Oder?

Ausserdem: Was sind unsere tiefst demokratischen Werte schon wert? Damit kann man keinen Gewinn machen, die kann ich nicht teuer exportieren. Wir sind schliesslich neutral! Wir haben keine Meinung zu Meinungsfreiheit und Unterdrückung woanders. Schon gar nicht, wenn wir damit Geld verdienen.

Alles war so schön auf das Treffen vorbereitet, mit Röteli und Kirsch! So richtig gmüetlich schweizerisch. Und da kommen diese unhöflichen Tibeter und ihre Freunde (einer wollte sich sogar anzünden, pfui bäh) und wollen uns unanständigerweise mit Plakaten auf Ungerechtigkeiten hinweisen. Das geht doch nicht! Die hätten doch in Zürich demonstrieren können, die Banken da können gut mit solchen Sachen leben.

Dabei sind wir doch eigentlich auf ihrer Seite! Wir gehen als geschlossene politische Gruppe zu Fototerminen mit dem Dalai Lama! Und dann posten wir das auf Twitter und Facebook! Wir haben wirklich Mitgefühl mit den Tibetern und all diesen Leuten. Ehrlich.

Und natürlich dürfen sie demonstrieren und sich versammeln. Aber doch nicht da, wo es wirtschaftlich weh tun könnte! Um Himmels willen, haben die denn kein Gespür für unsere Realitäten?

Diese Tibeter sollen sich ein Vorbild an den Neonazis nehmen! Die haben sich auch irgendwo in Hinteroberpfupfikon versammelt. Da haben sie auch niemanden gestört. Und wir können stolz sagen, dass unsere Meinungsäusserungsfreiheit auch den Hitlergruss, das Hakenkreuz und Nazi-Uniformen schützt!

Also, wenn diese Tibeter auch so anständig wären wie diese Nazis, dann hätte es auch keinen so grossen Polizeieinsatz gegeben! Und alles wäre friedlich und ruhig über die Bühne gegangen, wie es sich hierzulande gehört.

China-Postpunk in Zürich

David Sarasin am Freitag den 4. April 2014
«Zürich ist für uns so etwas wie das Tor zu Europa» Foto: Dieter Seeger

«Zürich ist für uns so etwas wie das Tor zu Europa» Foto: Dieter Seeger

Musiker Hua Dong tritt mit seiner Band Re-Tros heute Abend in Zürich auf. Ein Gespräch über Punk, sein Heimatland China, zerschnittene CDs und Bertolt Brecht.

Sie spielen mit Ihrer Band Re-Tros eine Art Punk, wie kommt die Rebellion in Ihrer Heimat China an?

Wir sind gezwungen, Umwege zu gehen. Die Regierung würde einen direkten Angriff nicht tolerieren. Das heisst, wir sagen nicht: «Der Staat ist schlecht», sondern erzählen eine Geschichte, die diesen Sachverhalt möglicherweise verdeutlicht. Kennen Sie Brechts Verfremdungseffekt? Wir wollen damit die Distanz zwischen Publikum und Künstlern erreichen. Das ist ein kraftvoller Effekt.

Reagieren die Behörden nie?

Die wissen wohl nicht einmal, dass es uns gibt. Wir sind zu klein. Wir sind nicht U2 oder was Ähnliches. Wir sind bloss eine etwas berühmtere Undergroundband, was bei der Grösse des chinesischen Marktes aber doch reicht, um davon zu leben. Doch wir singen ja auch Englisch, das verstehen wohl nicht alle Funktionäre. (lacht)

Wenn Sie also berühmter wären, gäbe es Probleme.

Könnte sein. Cuijuian etwa, der Musiker, der als Bob Dylan Chinas gilt, hatte immer viele Probleme mit der Polizei und durfte nicht auftreten. Gerade kürzlich wurde er ins Fernsehen eingeladen, in eine Sendung, die mehrere Millionen Menschen verfolgen. Vor der Show bekam er eine Liste mit den Liedern, die er spielen darf. Da hat er die Show kurzerhand gestrichen. Das war ein Skandal.

Wäre so ein Fall wie der von Pussy Riot auch in China denkbar?

Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten sollte. Etwa sollte man nicht über Sex und Gewalt singen. Wenn wir uns auf dem Tiananmen-Platz vor dem Mao-Denkmal staatskritisch äussern würden, würde es uns wohl ähnlich ergehen wie Pussy Riot. Oder wie Ai Wei-Wei, der genau deswegen im Gefängnis sass. Die Musiker in China haben sich oft diesen indirekten Stil angeeignet, die Methode des Storytellings.

Wie reagieren die Medien auf Sie?

Es ist alles sehr aufregend im Moment. Vor zehn Jahren noch war die Szene sehr überschaubar. In den letzten fünf Jahren ist die Subkultur explodiert. Alle sind gespannt, wie es weitergeht. Vor zehn Jahren gab es vor allem Heavy Metal und eine Subkultur mit vielen Punk- und Hardcore-Elementen. Mit geheimen Konzerten. Das war der Underground.

Sie zählen viele englische Bands wie Joy Division, Bauhaus oder Gang of Four zu Ihren Vorbildern. Waren diese Platten in China erhältlich?

Es war sehr schwierig, an solche Musik heranzukommen. Wir kauften Raubkopien oder sogenannte Cut-off-CDs. Das sind importierte CDs, die vom Zoll extra beschädigt werden. Trotzdem konnte man sich mehr als die Hälfte der Songs auf diesen CDs anhören. Der Markt für solche beschädigten CDs florierte, vor dem Internet hat es bei uns ja fast nur diese gegeben. Ein Freund von mir wurde durch das Geschäft mit Cut-off-CDs zum Millionär.

Wie sieht es derzeit in Sachen Popkultur aus in China?

Trotz Youtube-Verbot wächst die Popkultur seit der Ausdehnung des Internets immens. Die Jungen kommen leicht an westliche Popmusik heran. Auch existieren zahlreiche neue Festivals. Der Markt boomt. Wir spielen mit den Re-Tros diesen Sommer in einem Monat an acht Festivals. Mit dem Geld, das wir verdienen, leben wir danach ein halbes Jahr. Insgesamt gibt es in China rund 150 Musikfestivals pro Jahr. Auch sehr viele ausländische Bands spielen bei uns. Björk hat gerade kürzlich gespielt oder auch die Rolling Stones.

Gab es da nicht einen Skandal?

Genau. Mit Björk gab es Probleme, weil sie ein Lied über Tibet spielte, obwohl es nicht auf ihrer Setlist stand. Diese und die Songtexte musst du vor dem Konzert bei den Funktionären abliefern. Die Isländerin hatte sich nicht an ihre Setlist gehalten. Das ist zwar cool, doch hatten daraufhin vor allem die ansässigen Veranstalter darunter zu leiden. Ebenso die Künstler, die noch kommen: Es ist seither wieder schwieriger geworden, für ausländische Bands. Sogar Elton John bekam nun Probleme, er durfte bei seinem letzten Konzert nur zehn Lieder aufführen.

Sie waren vor zwei Jahren schon in Zürich. Wie erleben Sie die Stadt?

Unser Besuch in Zürich war der erste Aufenthalt für die Band in Europa überhaupt. Ich selber kenne ja den deutschen Sprachraum durch meinen Studienaufenthalt in Halle, wo ich Germanistik studiert habe. Für die Band aber ist Zürich jetzt so was wie das Tor zu Europa. Ich habe mich sehr schnell wohlgefühlt hier. Und klar: Es ist alles sehr entspannt hier und gut organisiert. Sie sollten mal Peking sehen . . .

Ist das Leben in Peking so unterschiedlich?

Nun, wir gehen ebenfalls in Bars und Clubs. Die Stadt ist, was das kulturelle Angebot angeht, sehr westlich geworden in letzter Zeit. Es gibt immer mehr Musikclubs und Bars. Und das nicht nur in Peking, sondern auch in den Provinzstädten. Vor fünf Jahren noch gab es vielleicht zwei, drei tolle Orte für Konzerte in der Stadt. Heute sind es beinahe 20. Tendenz steigend. Die Regierung beginnt sich dafür zu interessieren, weil sie damit Geld verdienen kann oder zumindest den Standortvorteil eines attraktiven kulturellen Lebens erkennt.

Ihre Musik klingt sehr europäisch . . .

. . . vielen Dank!

Benutzen Sie auch traditionelle chinesische Elemente, oder orientieren Sie sich ausschliesslich an westlicher Popmusik?

Die traditionelle chinesische Musik hat keine Bedeutung für uns. Ich hörte immer bloss Musik aus dem Westen. Wir machen mit den Re-Tros halt einfach, was uns echt berührt. Also all die Experimente, die damals im Zuge des Punks vonstattengingen. Punk ist in China jetzt vorbei, wie in England vor 30 Jahren. Nun sind wir beim Postpunk angelangt. Wie Sie sehen, alles ist etwas zeitverzögert. (lacht)

Die Musik der Re-Tros ist sehr kraftvoll. Was ist das Wichtigste für Sie beim Musikmachen?

Franz Kafka hat gesagt: «Ein Buch muss sein wie eine Axt, um das Eis der Seele zu spalten.» Dasselbe gilt für mich für die Musik. Ich will Musik machen, welche die Leute aufwühlt.

Hua Dong spielt mit seiner Band am China-Drifting-Festival.