Archiv für die Kategorie ‘Musik aus Zürich’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 9. Juni 2017

«Eine Bieridee während der Party.»

Philip Douglas hat die Velomarke Simpel kreiert. Trotz der Lieferung von 4100 Armeevelos geriet die Firma aber in Schieflage – dank neuem Partner soll sie bald wieder auf dem Markt sein. (Foto: Keystone/Gaetan Bally) Zum Artikel

 

«Man bleibt fit und gibt keine Schadstoffe ab.»

In Zürich und Winterthur gibt es neuerdings Ausleihstationen für Cargobikes. Damit einem beim Schwertransport nicht der Schnauf ausgeht, sind sie elektrisch. Barbara Gunthard-Meier, FDP-Vorsteherin des Departements Sicherheit und Umwelt der Stadt Winterthur, passt das Projekt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Der Kunstmarkt ist eine Mafia.»

Jeremie Maret hat die Nase voll vom Klischee des brotlosen Künstlers. Für sein neues Projekt muss es Millionen Franken regnen – dank Hirst. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Das Schöne wird beleuchtet,
das Hässliche bleibt im Dunkeln.»

Was bleibt vom einst gefeierten Plan Lumière, der die Stadt Zürich besser beleuchten soll? Die acht Millionen Franken des Rahmenkredits sind aufgebraucht. Der Plan Lumière sei ja kein Projekt, sondern ein Programm, ein Konzept, sagt Stefan Hackh, Sprecher des Tiefbauamtes. (Foto: Keystone/Eddy Risch) Zum Artikel

 

«Diesen Tätern ist nichts heilig.»

Sie plündern den Opferstock, brechen in Kirchenhäuser ein und klauen vergoldete Zeiger der Turmuhr  ja sogar Betende werden bestohlen, wie Judith Hödl, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, sagt. (Foto: (Keystone/Alessandro Della Bella) Zum Artikel

 

«Die Hündeler sind Geheimbündler.»

«House of Cards» steckt in der Krise, der US-Kultserie gehen wegen dem realen Präsidenten Donald Trump langsam aber sicher die Ideen aus. Wo nach neuer Inspiration suchen? Da, wo sie Mr. President sicher nicht sucht: in Zürich, Sweden. (Foto: Keystone/Christian Beutler) Zum Artikel

 

«Der Stadtrat ist im Panikmodus.»

Keine Woche, ohne das ihm ERZ nicht ein neuer Skandal aufgedeckt wird. Diesmal: Das Entsorgungsamt (ERZ) baut eine Freizeitoase im Wert von 2,5 Millionen Franken. Die Regierung schweigt – und eckt damit an. Wenig später wird ERZ-Direktor Urs Pauli entlassen, nachdem er vor zwei Wochen freigestellt wurde. Sündenbock gefunden? Andreas Kirstein, Präsident der AL-Fraktion im Gemeinderat, wirft der Zürcher Regierung kopfloses Handeln vor. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Das Projekt brachte mich
an den Rand des Wahnsinns.»

Der Zürcher Patrick Hohmann stellt Uhren her, die aus Schrott von Raketenuhren gefertigt sind – und sammelte auf Kickstarter eine Rekord-Startsumme. Ab November ist die Uhr erhältlich. Ein Countdown von der fixen Idee bis zum fertigen Schmuck. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Rocker mögen Bier,
also mögen wir die Rocker.»

Guns N’Roses in Zürich: Im Letzigrund Hardrock, bei den Nachbarn Ländler. Der einzige gemeinsame Nenner: Bier. Für Wirt Stefan Keller geht die Rechnung auf. (Foto: Epa/Luis Tejido) Zum Artikel

 

 «Ein Vergleich ist heikel.»

An den Zürcher Tramhaltestellen Bellevue, Bahnhofquai und Milchbuck haben Delikte wie Bedrohungen, Raub und Diebstahl zugenommen – trotz Videoüberwachung. Dennoch sei ein Vegleich schwierig, sagt VBZ-Sprecher Thomas Rieser. (Foto: Keystone/Christian Beutler) Zum Artikel

Der lokale Lauschangriff

Thomas Wyss am Samstag den 20. Mai 2017

Wir kennen das ja alle: Hocken am Samstagnachmittag mit den Eltern im Honold, mampfen Butterbretzeli, Lachscanapés, Mohrenköpfe (ist es nicht seltsam, dass man diverse Kinderbuch-Klassiker wegen Rassismus umgeschrieben hat, diesen Patisserie-Klassiker-Rassismus aber locker ignoriert, so à la «Isch doch wurscht, Hauptsach, d Vanillefüllig isch fein!») und anderes Köstliches, das der Hausarzt nicht eben wärmstens empfiehlt, und klagt dabei laut über Gott und die Welt, im Stile von «Ich sage euch, unsere Firma wird immer knausriger, jetzt machen die sogar auf ‹Ich bin auch ein Tram›, sprich, die haben uns die Abfallkübel weggespart – und glaubt man dem jüngsten Gericht, ääääh, Gerücht, wirds bald noch vernichtender» (Anmerkung: Das Zitat ist frei erfunden, etwaige Ähnlichkeit mit tatsächlichen Begebenheiten wären rein zufällig), und während die Eltern bedächtig nicken – sie haben solchen Quatsch schon oft genug gehört –, werden die Ohren an den Nebenplätzen im selben Verhältnis grösser, wie der Monolog an Brisanz zulegt.

Yep, wir sind beim Thema Lauschangriff – was einerseits eine üble Zürcher Saumode beschreibt und andrerseits eine faszinierende Zürcher Band war. Die vor zehn Jahren am Taktlos-Festival in der Roten Fabrik spielte. In der Vorschau war zu lesen: «Trickreiche und abgefahrene Psychedelik kann in eine Persiflage von Björk münden.» Oder: «Sie fräsen durch ungerade Metren, lassen die Musikgeschichte ungehobelt vorbeiziehen und zerdehnen die Beats wie einst Captain Beefheart und seine Magic Band.» Was zeigt, dass man a) diese Band unbedingt mal hätte live erleben müssen, und dass man b) hierzulande einst ganz ordentlichen Journalismus fabrizierte.

Damit zum Lauschangriff als Unsitte. Die nicht allein im Honold zu beobachten ist, nein: Davon betroffen sind alle In-Bars, Plaudertaschen-Cafés, Gartenbeizen, Szene-Badis, Nobelrestaurants etc. auf Stadtgebiet mit tendenziell leiser Grundgeräuschkulisse, tendenziell interessantem Publikum und tendenziell enger Tischordnung (im Kanton, dies als Randbemerkung, sind Lauschangriffe kaum bekannt; da sorgen Buschtelefone und Stammtische dafür, dass heisses Zeugs die richtigen Empfänger findet). Bene, kommen wir zu vier zentralen Aspekten im Kontext des Zürcher Lauschangriffs.

1. Je teurer und/oder trendiger das Lokal, desto besser die Infos. Konkret: In der Kronenhalle ergattern Lausch­angreifer meist qualitativ guten Gossip; lohnenswerte Lokale sind derzeit auch das Co Chin Chin im Kreis 5 und das Binz & Kunz an der Räffelstrasse.

2. Nicht mehr neu, aber noch immer in 93 von 100 Fällen erfolgreich: Wenn man beim Fremdhören so tut, als sei man grad mit einem guten Kumpel mitten in einem Handygespräch.

3. Früher fragte man enttarnte Lauscher: «Und, alles verstanden? Oder soll ich Ihnen eine Zusammenfassung schicken? Falls ja, bräuchte ich einfach die Adresse.» Heute ists leider gang und gäbe, dem in flagranti ertappten «Sünder» die halbe Zuckerdose übers Cordon bleu zu kippen (souveräner wäre es, sofort nach dem Bemerken Hugo Balls Lautgedicht «Gadji beri bimba» oder Ähnliches zu rezitieren).

4. Menschen, die sichtbar angestrengt in der Gegend rumhorchen, sind im Normalfall keine Lauschangreifer, sie haben wahrscheinlich bloss das Hörgerät zu Hause vergessen.

Der Techno-Geburtshelfer

Alex Flach am Montag den 27. März 2017
Ueli alias Manuel Mind ca 1995 mit Chäppi-

Ueli alias Manuel Mind ca 1995 an der Street Parade und mit Chäppi. Rechts von ihm: Patrick “Noise” Finger.

28 Jahre sind es nun, die Ueli alias Manuel Mind durchs Schweizer Nachtleben geistert. Diese Zeit ist ziemlich exakt deckungsgleich mit jener, in der Techno in diesem Land eine Rolle spielt und das ist kein Zufall: Manuel Mind zählt zu den Schweizer Türöffnern des Genres. 1989 war’s, als der damalige Teenager sich nach Interlaken aufmachte um mit Boumi B und der Berner Szene-Ikone Marco Repetto seine allererste Party zu schmeissen.

Auf dem Flyer standen damals die Namen von noch unbekannten DJs, wobei zu jener Zeit noch viele gar nicht wussten was ein DJ überhaupt ist. Mit den beiden Worten «Acid» und «House», die ebenfalls vom Flyer prangten, konnte das Gros der Bevölkerung erst recht nichts anfangen. Es ist nicht gelogen, wenn man behauptet, dass die Lebensader dieses Mannes, der sich Manuel Mind nennt, die Musik ist. Sie ist es für die er stets in die Clubs gegangen ist und geht, sie ist es die ihn antreibt und sie ist es, die ihm die Energie gibt auch heute noch Partys zu veranstalten.

In den Anfangszeiten der elektronischen Clubmusik in der Schweiz hat Manuel Mind die allererste Energy-Party nach der Street Parade mitveranstaltet, zusammen mit Arnold Meyer, Bruno Stettler, Thomas Bischofberger und anderen. Die Lastwagen zuckelten damals noch nicht ums Seebecken, sondern am Fraumünster vorbei, und die Energy fand noch nicht im Hallenstadion statt sondern im Kugellager SRO. Als DJ war er im Upspace in der Kanzel anzutreffen, wie auch an den Tarot-Afterhours. Manuel Mind: «Naja… es war mehr an den After-after-afterhours als an den Afterhours». Auch als Musikproduzent war er seit seinen Anfangstagen sehr umtriebig, hat zur Jahrtausendwende gar auf Oli Stumms Label veröffentlicht und der war in den 90ern (zusammen mit Djaimin und zwei, drei anderen DJs) das A und das O des Schweizer House.

Man könnte dem Irrglauben verfallen Manuel Mind sei im Geiste in den glorreichen Anfangszeiten des Schweizer Electronica-Clubbings stecken geblieben wie so viele andere, aber weit gefehlt: Er ist der Macher der Club Syndrom-Partys, die sich dem Baltimore- und dem Jersey-Club widmen, zwei Musikstilen, die sich in Zürich noch nicht durchzusetzen vermochten, wobei ihr eifrigster Schweizer Botschafter der Meinung ist, dass dies nur eine Frage der Zeit sei. Manuel Mind blickt auch nach fast drei Dekaden Clubbing vorwärts.

Die Wehmut des Alteingesessenen schwingt bei ihm dennoch mit. Aber ein klein wenig nur: «Früher gingen die Leute auch mal in eine ihnen unbekannte Location wegen eines bestimmten DJs. Heute gehen sie nur noch in bestimmte Clubs und interessieren sich gar nicht mehr wirklich dafür, wer da spielt. Viele Booker sind dadurch zu bequem geworden, zu wenig mutig». Aber er sieht auch Verbesserungen: «Die Soundanlagen sind viel besser als früher». Die Altgedienten hatten ihre Krisen, viele haben ihre Dämonen. Aber die, die heute noch dabei sind, haben begriffen worauf man sich in diesem Umfeld besinnen muss, wenn man auch nach 28 Jahren noch Leidenschaft für diese eigene, kleine Welt empfinden möchte und nicht irgendwo unterwegs verglühen.

Und das ist (eben) die Musik.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 10. Februar 2017

«Ich hätte die Menüpreise in Zürich erhöht.»

Die Spitzenköchin Vreni Giger wirtet seit 100 Tagen im Zürcher Restaurant Rigiblick. Die Pionierin der regional-saisonalen Küche verlangt nicht mehr als zuvor im St. Galler Jägerblick – weil es der Zürcher Frauenverein so wünscht. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

«Mit Norah Jones haben wir einen Superstar verpflichtet»

Gute Nachricht für alle Musikfans: Das Zürcher Openair findet nach einer einjährigen Zwangspause wieder im Dolder statt. Der Veranstalter Hanswalter Huggler verrät, welche Stars auftreten. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Es war ein kleines Paradies.»

Keine Gnade: Dies ist die Geschichte vom Ende eines wunderschönen Gartens im Höngger Rütihof und vom hemdsärmeligen Vorgehen eines quartierbekannten ehemaligen Landwirts. Hobbygärtner Marcel Odermatt ist über dessen Zerstörungswut enttäuscht. (Foto: Marcel Odermatt) Zum Artikel

 

«Ich bin kein Promi.»

Keine Angst vor grossen Tönen: Die Zürcher Sängerin Anna Känzig ist für den Swiss Music Award 2017 nominiert und das gleich zweifach: «Best Female Solo Act» und «Best Breaking Act». Ihre natürlichre Bescheidenheit beeindruckt die Fans. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

 

«Jetzt bin ich zu alt dafür.»

Bei der Prominenten-Premiere des Musicals «Mary Poppins» haben sich diverse Politiker als Fans des Kindermädchens geoutet. Wie soll man das bloss deuten? Der Schauspieler Walter Andreas Müller hat sich jahrelang insgeheim auf die Rolle des Kaminfegers vorbereitet – doch es kam nie ein Anruf. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Unser Produkt ist tatsächlich eine Weltneuheit.»

Ihr Produkt ersetzt beinahe den Barkeeper. Eine Weltneuheit sei das, sagen die Zürcher Macher von Mikks. Wer Alkohol, Eis und ihre Geschmacksessenzen kräftig schüttelt, hat schon einen guten Cocktail geschaffen. (Foto: Raisa Durandi)

 

«Vor Gericht geht es um Details.»

Das Stadion Letzigrund zeigt exemplarisch, wie sich Rechtsstreitigkeiten im Zürcher Baugewerbe verändern. Am Ende trifft es auch den Steuerzahler. Jetzt sei harte juristische Knochenarbeit nötig, sagt Urs Spinner vom Hochbaudepartement. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Wir kämpfen, denn das darf nicht sein.»

Nach dem Umbau soll in der Tonhalle eine kleinere Orgel eingebaut werden. Gegen diese Pläne hagelt es Kritik aus dem In- und Ausland. Nun wollen Kulturschaffende wie der Organist Ulrich Meldau mit aller Kraft eine Verkleinerung des Instruments verhindern. (Foto: Timmy Stocker) Zum Artikel

 

«Ich gebe denen, die nichts haben.»

Sie kämpft seit zehn Jahren gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und setzt sich für Bedürftige ein: Hélène Vuille heisst die Frau, über die ein neues Buch mit dem Titel «Die Brückenbauerin» erschienen ist. (Foto: Reto Oeschger)

 

«Es hilft nichts, betrunken zu sein»

Das Zürcher Literaturmuseum Strauhof widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung den Rauschdichtern und Schreibbeamten. Max Frisch zum Beispiel wusste genau, was nicht hilft, wenn man mit dem Schreiben beginnen soll. (Foto: Keystone) Zum Artikel

 

Vom Glück verlassen

Alex Flach am Montag den 23. Januar 2017
Als die Welt noch in Ordnung war: Station Club 2014

Als die Welt noch in Ordnung war: Station Club 2014

Vergangene Woche hat in den Räumlichkeiten der ehemaligen Valmann-Bar an der Talstrasse 58 ein neuer Club namens Mini-Cosmos eröffnet, samt konsequent elektronischer Programmierung subkultureller Prägung. Nur ein paar Meter weiter, an der Talstrasse 25, wird demnächst der Club Gallery eröffnen, und zwar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Striplokals Kings Club.

Die musikalische Ausrichtung dieser Location wird breiter gefächert und massentauglicher sein als jene des Mini-Cosmos, steht doch mit Paolo Manduca ein Club-Kapitän auf der Brücke, der den meisten als Gastgeber des Alice Choo ein Begriff sein dürfte. Derweil der Mini-Cosmos diesbezüglich aus dem Rahmen fällt, wird sich der Gallery-Club mit seiner Programmierung nahtlos in die Reihe der bisher aktiven Kreis 1-Clubs einfügen: Jade, Vior, Kaufleuten, Hiltl Club und Aura wenden sich an ein Zielpublikum, das nicht (nur) auf harte elektronische Beats steht, sondern auf eine vielfältige Musik-Mixtur der unterschiedlichsten Stile.

Etwas abseits der bereits genannten Innenstadt-Clubs agiert ein Lokal, von dem die meisten annehmen es existiere gar nicht mehr: Der unmittelbar an den Geleisen des Bahnhofs Enge gelegene Gutenberg Club. Dort finden auch in diesen Wochen sporadisch Feten wie sonntägliche Goa Trance-Partys statt, samt ziemlich komplizierten und in holprigem Deutsch abgefassten Sonderangeboten für die Gäste: «1 Freigetränk nach Wahl im Wert von max. 10.-! Bei einem Longdrink wo mehr kostet, verlangen wir die Differenz. Nicht kumulierbar! Gilt nicht bei Free Entry!». Das klingt zwar lustig, aber beim Gutenberg handelt es sich in Tat und Wahrheit um einen der traurigsten Clubs der Stadt: Die Adresse scheint geradezu mit einem Fluch belegt zu sein.

Begonnen hat alles im Frühjahr 2012 und unter dem Namen Station. Angekündigt wurde ein Club mit einem «weltweit einzigartigen Lichtkonzept» und mit Line Ups, die den Clubs an der Langstrasse und in Zürich West Konkurrenz machen – edles Ambiente kombiniert mit Undergroundmusik, ähnlich wie es der Club Bellevue seit einiger Zeit bietet. Die Clubbing-Utopie verkam schnell zur – Dystopie: Bereits ein Jahr später wurde die Station erstmals umgebaut und auf «kommerzielle» Sounds umgestellt.

In der Folge wurde der Club mehrfach umbenannt und avancierte immer zum Versuchslabor für hoffnungsvolle Veranstalter und anverwandte Nachteulen, die aber allesamt bemitleidenswert glücklos agierten. Die einzige gute Nachricht der letzten Jahre kam nun ausgerechnet vom Zürcher Baurekursgericht: Es hat eine Lärmklage der Nachbarn des Gutenberg abgelehnt und zwar mit der Begründung, der Lärm auf der Strasse sei nicht eindeutig dem Club zuzuweisen – es sei kaum denkbar, dass der gesamte Lärm von den Clubbesuchern stamme.

Jedoch hat selbst diese gute Nachricht für die Gutenberg-Betreiber einen bitteren Beigeschmack, denn eigentlich bedeutet das Urteil ja bloss, dass mittlerweile selbst die Richter wissen, dass dort zu wenig los ist, das gegen irgendwelche Lärmvorschriften verstossen könnte. Und ist es nicht bezeichnend, dass hier tatsächlich Zürcher Richter die Klage von Club-Nachbarn zugunsten eines Clubs abgeschmettert haben und dass niemand im Nachtleben von diesem Urteil Notiz zu nehmen scheint?

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Feiern über die Feiertage

Alex Flach am Montag den 19. Dezember 2016
Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Rampe.

Die Sugarhill Gang an Weihnachten in der Amboss Ramp (Bild ganz rechts: Der 2014 leider verstorbene Big Bank Hank)

Irgendwann in den 90er Jahren in irgendeiner Halle, in der nie zuvor und nie wieder danach eine Party stattgefunden hat, stand Urs Kind auf einer Leiter und liess sich Lametta und Christbaumkugeln hochreichen um damit einen Nadelbaum von stattlicher Grösse zu schmücken. Draussen vor der Tür legte sich langsam die Nacht über Zürich und wer dem “Fest” in Festtage Tribut zollen wollte für den war Urs Kind auch Christkind, denn es war Tanzverbot und ausser ihm bot keiner Bass und Beats. Man müsste eigentlich annehmen können, dass es dafür eine ganz besonders gute Party wurde, wenn alle mangels Alternativen dort feierten, aber es war bestimmt keines von Kinds besten Feten – dafür war zu viel Platz auf der Tanzfläche.

Alljährlich steigt in der Adventszeit die Vorfreude auf Weihnachten und Silvester, nicht zuletzt weil da eigentlich die opulentesten Partys des Jahres stattfinden müssten. Was sie aber nie geschieht: Der Clubbetrieb an Heilig- und am Weihnachtsabend ist gar etwas lauer als üblich und an Silvester macht jeweils die überhöhte Erwartungshaltung den Clubbern einen Strich durch die Rechnung. Man geht in Erwartung der Nacht der Nächte aus dem Haus – und wenn man dann am Morgen des ersten Januars nach Hause kommt, war’s wie immer nur voller.

Auch in diesem Jahr findet sich in Party-Weihnachtsangebot nicht viel Extraordinäres. Einzig die Amboss Rampe trumpft an Heiligabend mit einem Act, dessen Gastspiel zumindest das Prädikat «überraschend» verdient: Dort spielt The Sugarhill Gang, die 1979 mit ihrem Song Rapper’s Delight dem Hip Hop erstmals international Gehör verschafft haben. Abseits davon gehen die Clubs ihrem ganz normalen, musikalisch tadellosen Nachtwerk nach und tun das was sie immer tun: Gute Konzerte bieten, ihren erfahrenen Resident-DJs Auslauf geben und ihre Line Ups mit den vertrauten Namen bekannter ausländischer DJs schmücken. Der einzig markante Unterschied zu den restlichen Wochenenden des Jahres ist, dass auch sonntags die meisten Clubs Gäste empfangen.

An Silvester verlegen sich die Partymacher ebenfalls auf das Bieten von Erprobtem und da dann insbesondere international bekannte DJs an Silvester ihre Gagen zu verdoppeln pflegen, wird die Zürcher Neujahrsnacht vor allem von Zürchern vertont. Einzig die New Yeah-Party im Volkshaus mit Alle Farben, Tube & Berger, Chocolate Puma und Revolution und die Maagic auf dem Maag Areal mit Alan Walker, Flic Flac, DC Breaks und DJ Flip bieten Sets von diversen international bekannten DJs, wobei sich beide Sausen an ein eher jüngeres Publikum wenden.

Meist sind die besten Weihnachts- und Silvester-Feten jedoch eben jene, an denen die Musik von den Resident-DJs eines Clubs stammt, denn Eines haben Club- und Wohnzimmerpartys gemein: Die besten sind die, die man im Kreise jener feiert die man kennt und die man mag. Das gilt ganz besonders für die festlichste Zeit des Jahres und daher empfiehlt es sich dann nicht das Ausgefallene zu erzwingen, sondern im Gegenteil dorthin zu gehen wo man einen kennt und mit Namen begrüsst.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

 

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 9. Dezember 2016

«Es existieren zu viele
Weihnachtsmärkte in Zürich.»

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Wer die Wahl hat, hat die Qual, Sechseläutenplatz, Niederdorf, Hauptbahnhof: Wo es den günstigsten Glühwein gibt und warum das Geschäft harzig läuft. Für Schmuckdesignerin Helga Cortesi ist allerdings klar: Die Leute sind von den vielen Märken in Zürich übersättigt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Es gibt immer mehr Leute, die im
persönlichen Kontakt hemmungslos sind.»

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Aggressive Kunden stellen das Verkaufspersonal vor Probleme. Gerade in der Vorweihnachtszeit ein aktuelles Thema. Laut Experten wird ruppiges Verhalten gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Man dürfe das Problem nicht unterschätzen, sagt der Arbeitspsychologe Markus Grutsch, Professor an der Hochschule für St. Gallen. (Foto: Tages Anzeiger) Zum Artikel

 

«Der Nachwuchs kann
die Lücken nicht füllen.»

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Die Zürcher Ärztegesellschaft will, dass die Gemeinden neu für die Organisation des Notfalldienstes zahlen. Um Druck aufzubauen, sollen Patientinnen politische Vorstösse einreichen, fordert der Zürcher Ärztepräsident Josef Widler. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Früher hatte ich wunderbare Träume.
Hier in Zürich sind es Alpträume.»

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Ein Zürcher Rentner ist schwer elektrosmogsensibel. Das Leiden hat ihn total einsam gemacht – und zu einem Solokämpfer wider Willen. Sein Fazit: Wer hypersensibel ist, muss sich sozial einschränken. (Foto: Ute Grabowski, Photonek.net) Zum Artikel

 

«Und nebenan ist ein Elfjähriger
untergebracht. Das geht nicht.»

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Die Kinder vom Notknast: Im provisorischen Polizeigefängnis sind auch Jugendliche inhaftiert, obwohl dies Haftgrundsätzen widerspricht. Minderjährige seien «dringend» anderswo unterzubringen, fordert Professor Alberto Achermann, Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Mir war nicht bewusst, was es heisst,
Mummenschanz zu beleuchten.»

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Eric Sauge ist bei Mummenschatz für die Lichttechnik verantwortlich. Mit seiner Arbeit trägt er massgeblich zum Erfolg der Theatergruppe bei. Mit ihr tourt er durch die ganze Welt. Er weiss: Das falsche Licht oder Licht aus dem falschen Winkel, kann das ganze Programm zerstören. (Foto: Doris Fanconi)

 

«Eine Haft kann Kinder zutiefst verängstigen.»

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Die Jugendpsychiaterin Fana Asefaw warnt davor, Minderjährige neben erwachsenen Delinquenten einzusperren, wie dies im provisorischen Polizeigefängnis auf der Kasernenwiese in Zürich gemacht wird. Die Massnahme sei nicht zielführend. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Ich tanze jeden Abend gegen Geld.»

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Paul Weilenmann, Gründungsmitglied und künstlerischer Leiter Karl’s kühne Gassenschau, auf die Frage, wann er das letzte Mal getanzt habe. Seine Tanzkünste, sagt er, seien allerdings nicht besonders gut. (Foto: Dominique Meienberg)

 

«Amerika ist das Grösste. Wie ein Traum.»

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Moritz Schädler surft in wunderschönen Lo-Fi-Popsongs ganz knapp über der Realität. MoreEats, der Musiker mit Liechtensteiner Wurzeln, plant, das zu ändern: Irgendwann will er die Dinge beim Namen nennen. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Ich bekam für die CDs nicht nur Platz,
sondern auch Pralinés angeboten.»

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Via Tages Anzeiger hat Redaktorin Claudia Schmid vor ungefähr einem Monat ein neues Zuhause für ihre CD-Sammlung gesucht. Und staunte nicht schlecht: Nach dem Aufruf bekam sie 350 Mails. Ihre Musikträger verteilte sie schliesslich nach der Salamitaktik. Yarin, Student der Kunstgeschichte, vergrösserte dadurch seine noch kleine Sammlung mit Rap-Perlen. (Foto: Sabina Bobst) Zum Artikel

 

«Das Geld kommt.»

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Eigentlich hätte in Meilen der Steuerfuss erhöht werden sollen. Doch durch eine überraschende Äusserung von Roberto Martullo, dem Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher (SVP), kam es anders. Martullo kippte in Meilen eine Steuererhöhung mit einer Nachsteuerrechnung in Millionenhöhe, die es so nicht gibt. (Foto: Daniel Kellenberger) Zum Artikel

 

«Im Gottesdienst versuchen wir,
den Himmel auf Erden zu holen.»

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Die russisch-orthodoxe Auferstehungskirche hat gestern ihr 80-Jahr-Jubiläum gefeiert. Mit «Seiner Heiligkeit», dem Patriarchen Kyrill I. als Gast. Diakon Daniel Schärer war wegen den speziellen Gastes entsprechend nervös. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich war Blocher-Fan.»

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Christoph Burgherr war Unternehmer und strammer Konservativer. Dann ging er zu einem Informationsabend. Seither leitet er eine Laufgruppe von Flüchtlingen. (Foto: Reto Oeschger) Zum Artikel

Keine Liebe für Lovemobiles

Alex Flach am Sonntag den 7. August 2016
DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street Parade.

DJs, die nicht vom Motorengeräusch zu unterscheiden sind: Keine Seltenheit an der Street-Parade.

Hierzulande kann man immer häufiger zu Sets von Frauen wie Patrischa, Eli Verveine, Honorée, Frau Hug oder Vanita tanzen. Sie alle spielen in den besten Clubs mit subkultureller Programmierung wie der Friedas Büxe, dem Basler Nordstern oder dem Supermarket. Auch die Bernerin Carol Fernandez vermag sich seit längerer Zeit in der Männerdomäne DJing zu behaupten. Im Unterschied zu den Genannten ist sie aber in sehr kommerziellen Gefilden zuhause, samt Gastauftritten bei der SRF-Sendung Glanz & Gloria. Ähnlich wie die Ostschweizerin Tanja La Croix vermarktet sie sich denn auch nicht primär über ihre Musik, sondern mit peppigen Modelfotos.

An der Street-Parade vor zwei Jahren hat Fernandez ein Zeichen gesetzt, das man trotz Absenz von Absicht als Statement interpretieren kann, und hat den ehemaligen Sidekick von Harald Schmidt und heutigen Ballermann-DJ Oliver Pocher auf ihr Lovemobile gebucht. Klar… dieses Booking war wohl eher das Resultat einer enormen Fehleinschätzung der Ansprüche leidenschaftlicher Raver, aber trotzdem hat sie damit die Entwicklung auf den Punkt gebracht, welche die Zürcher Clubs von der Street-Parade fernhält: Die Musik die von den Lastwagen runterdonnert ist mehr Tortur als Kunst und hat nichts mit dem zu schaffen, was beispielsweise in einem Club Zukunft läuft – dort würde man Pocher und Fernandez wenn nötig mit Gewalt von den Plattentellern fernhalten.

Auch in diesem Jahr lässt einen die Durchsicht der Lovemobile-DJs erschaudern. Klar gibt es Ausnahmen wie beispielsweise das «Mimmo & Friends»-Lovemobile mit DJs wie Dario D’Attis oder Mirco Esposito oder das „Black & White Lovemobile“ auf dem unter anderem das Mad Katz DJ Team zugange ist. Aber alles in allem wünscht man sich bei den meisten Lovemobiles die Motoren wären lauter als das Soundsystem. Ganz anders sieht es hingegen auf den Bühnen aus: Der Street-Parade-Booker Robin Brühlmann hat ganze Arbeit geleistet und seine acht Stages hochkarätig besetzt. Loco Dice, Mind Against, Martin Buttrich, Pan-Pot und Steve Lawler sind nur ein paar der grossen DJs die da spielen.

Vor diesem Hintergrund ist die Idee zu sehen, die neulich in den sozialen Medien aufgetaucht ist, man könnte doch die Lovemobiles abschaffen und die Street-Parade zum elektronischen Festival umbauen. Dieser Gedanke ist nicht neu und es waren bereits zögerliche Ansätze zu beobachten aus der Parade ein mehrtägiges Happening analog der Sonàr in Barcelona zu machen. Jedoch sollte auch dann keinesfalls auf den Lastwagen-Umzug verzichtet werden: Auch wenn der Zürcher die Lovemobiles nur noch als akustisches Ärgernis sieht, so sind doch sie es, die die Street-Parade so einzigartig machen. Egal wie scheusslich der Sound bisweilen ist: Die Lastwagen sind als Herzstück und ultimativer Wiedererkennungswert der Street-Parade nicht ausklammer- oder abschaffbar. Egal wie man’s dreht und wendet: Soll sich was ändern müssen die Clubs mit eigenen Lastwagen zurück an die Strecke. Je früher desto besser.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

Clubs am Züri Fäscht

Alex Flach am Montag den 27. Juni 2016
Wo man nach dem Feuerwerk noch weiterfeiern kann.

Wo man nach dem Feuerwerk noch weiterfeiern kann.

Als die Vandalen unter König Geiserich im Jahr 455 Rom plünderten, öffneten ihnen die Bürger der ewigen Stadt bereitwillig die Tore. Um Kampfhandlungen und Brandschatzungen zu vermeiden, eilte Papst Leo I. gar an die Stadtmauer zu Geiserich um ihm zu versichern, dass es keinen Widerstand geben werde. In der Folge räumten die Horden Rom bis auf das letzte Goldstück, aber ohne überbordende Gewalt und ohne die Stadt niederzubrennen – es muss eine gigantische Party für die Vandalen gewesen sein.

Während des Züri Fäschts am kommenden Wochenende dürften sich bei manchem Stadtzürcher beim Blick aus dem Fenster ähnliche Gefühle einstellen wie damals bei seinen altrömischen Leidensgenossen während der Plünderung. Mit dem Unterschied, dass die prognostizierten 2,5 Millionen marodierenden Fremden Geld in die Stadt tragen und nicht welches abtransportieren kommen. Dennoch ergreifen auch am diesjährigen Züri Fäscht viele Stadtzürcher die Flucht und haben schon vor Wochen ein Zimmer in einem lauschigen Hotel auf dem Land gebucht. Auch die Zürcher Nachtleben-Macher sehen dem grössten Schweizer Volksfest mit gemischten Gefühlen entgegen: Viele Clubs und Veranstalter stellen zwar eine eigene Festwirtschaft, ihr Club bleibt aber geschlossen.

Der Supermarket, die Friedas Büxe, die Zukunft, die Härterei, das Lexy, das Exil, das Kaufleuten, die Amboss Rampe und viele mehr werden ihren Partygästen an ihrer gewohnten Adresse nicht zu Verfügung stehen und stattdessen in den meisten Fällen mit einem Alternativprogramm am Züri Fäscht präsent sein. Einige Locations wie der Supermarket oder die Amboss Rampe zeigen zwar weiterhin die Spiele der dann immer noch laufenden Euro 2016, verzichten aber auf das Ausrichten ihrer gewohnten Partys und Konzerte.

Andere wiederum wie beispielsweise das Hive bieten in ihren Räumlichkeiten nur ein reduziertes Programm und verzichten auf die Buchung teurer ausländischer DJs und Musiker. Dabei reagieren sie flexibel auf das Wetter am kommenden Wochenende: Sollte es regnen werden einfach ein paar der DJs von der Festwirtschaft am Seebecken in den Club beordert und das dortige Line Up-Aufgebot auf diese Weise vergrössert. Das Stairs wiederum verlegt sich auf das Organisieren von Afterhours: Wenn vorne am See irgendwann Schluss ist, kann man hier ab morgens um fünf Uhr weiterfeiern. Nur sehr wenige Tanzlokale wie der Stall 6 (mit einer Dancehall/Reggae-Party am Freitag und Drum’n’Bass am Samstag), das Hard One und der Helsinki Klub machen unbeirrt weiter und bieten ihren Gästen die übliche Kost.

Wer eine echte Alternative zum Züri Fäscht sucht, der hält sich an Christian Gamp und seinen gds.fm-Sender: Ab dem 30. Juni wird wieder täglich aus der kleinen und gemütlichen Elisaburg an der Elisabethenstrasse gesendet. Besucher sind willkommen und derweil vorne am Seebecken die Massen toben, kann man sich hier mit den gds.fm-Leuten gemütlich übers Radiomachen unterhalten und dennoch das eine oder andere Bierchen zwitschern. Und zwar gänzlich ohne Vandalenhorden.

Alex-Flach2-150x150 (1)Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.