Archiv für die Kategorie ‘Leben’

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 18. August 2017

«Oft kommt der Alltag in die Quere.»

Radio- und TV-Moderatorin Mona Vetsch hat für die Sendung «Auf und davon» Auswanderer ­besucht, die ihre Freiheit in fernen Ländern suchen. Finden sie diese? (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Street Parade hat uns sehr geholfen.»

In der Voliere am Zürcher Mythenquai sind just zur Street Parade ein paar besonders bunte Vögel geschlüpft – nicht zum ersten Mal. Das frohe Ereignis hat Folgen. Welche, weiss Elisabeth Schlumpf, Leiterin der Voliere Zürich. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Ich habe den Hund geholt und bin rausgerannt.»

Karl E. hat während Jahrzehnten mit Leidenschaft Dinge gesammelt. Dann kam die Brandkatastrophe. Er steht in den Trümmern seines Hauses, welches abgebrannt ist. Nun möchte er retten, was noch zu retten ist. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Das ist wie Isebähnle.»

Bevor an der grossen Central-Haltestelle wieder Trams verkehren, werden alle Gleise getestet. Vorwärts, rückwärts, vorwärts. 25 Manöver insgesamt. Markus Humbel, Abteilung Fachlead Fahrweg, freute sich, dass alles nach Plan verlief. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Bestechend schön. Umwerfend.»

Nur sieben Tage nach dem Ende der Sonnenschirme auf dem Sechseläutenplatz präsentiert Stadtrat Filippo Leutenegger einen neuen Sonnenschutz über dem nächsten Zürcher Platz. Und er ist auch von diesem Projekt dermassen begeistert, dass er sich ähnliche Installationen auch an anderen Orten in Zürich vorstellen kann. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Ist der Ruf erst ruiniert,
lebt es sich ganz ungeniert.»

Die Krankheit Demenz geht uns alle an. Die 82-jährige Brigitta Schröder kümmert sich seit Jahren um Menschen mit Demenz – und eckt mit ihren Ansichten an. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Der Bus soll mal runterkommen.»

Verschiedene Senioren kritisieren in Zürich das Verhalten der VBZ-Buschauffeure. Der Absenkmodus werde viel zu selten betätigt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Die Vögel landen sogar auf meinem Kopf.»

In der Furttaler Gemeinde Boppelsen gibt es Zoff wegen der Rotmilane, weil die 77-jährige Marion Grüter diese Greifvögel regelmässig mit Pouletflügeli füttert. Nun gipfelt der Streit in einem Abschuss. (Foto: Stefan Hohler) Zum Artikel

 

«Ich bin ein Mann und habe
Frauen, aber keine Mädchen.»

Das Bezirksgericht Zürich verurteilt den ehemaligen Zirkus-Knie-Clown Larible wegen sexueller Handlungen (Zungenküsse) mit einem 14-jährigen Mädchen. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Wenn nicht in der Schweiz, wo dann?»

Kerem Adigüzel hat einen gewagten Traum: Eine Moschee in der Region Zürich, die alle willkommen heisst – auch Homosexuelle. (Foto: Werner Schüepp) Zum Artikel

 

«Rosengartenstrasse ist eine Riesenschande.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Bewohner in Wipkingen. Wäre da nicht die Sorge um die Gentrifizierung des Quartiers und die Rosengartenstrasse. Der «Kaiserschnitt» wie ihn SP-Nationalrätin Jacqueline Badran bezeichnet, der das Quartier brutal in zwei Teile trennt. (Foto: Lea Blum) Zum Artikel

 

«Unser Vorgehen in Zürich war falsch.»

Noch Fragen zur gelben Plage? Die knallgelben Mietvelos stehen in Zürich an jeder Ecke – und bald auch in anderen Schweizer Städten. Sis Timberg nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen ihre Firma O-Bike. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

Die gelbe Pest verbreitet sich

Réda El Arbi am Dienstag den 15. August 2017
Sind nur Vorwand, um Daten zu sammeln: Die Bikes von oBike.

Sind nur Vorwand, um Daten zu sammeln: Die Bikes von oBike.

Ich könnte Kaugummi-Automaten auf öffentlichem Grund in der Stadt verteilen und ich bekäme wohl richtig grossen Ärger, wenn ich keine Bewilligung dafür hätte. Ich kann mich noch erinnern, was für ein Gschiss es damals gab, als die verschiedenen Verlage begannen, ihre Boxen für die Gratiszeitungen aufzustellen.

Trotzdem vermüllt der asiatische «Velovermieter» oBike den öffentlichen Raum mit seinen Mietautomaten.  Die grottenhässlichen Bikes sind nichts anderes als Verkaufsautomaten. Dass die Zahlung per App erfolgt und dass die Automaten nicht am Boden festgeschraubt sind, ist nebensächlich. Und inzwischen metastasiert die gelbe Pest in die Vororte und in die kleineren Städte.

oBike benutzt öffentlichen Grund in der Stadt und im ganzen Kanton, um gewerbsmässig Fahrzeuge zu vermieten. Die Stadt und die betroffenen Gemeinden stellen Infrastruktur aus Steuergeldern zur Verfügung und das Unternehmen macht daraus Geld. Wenn ich einen mobilen Glacestand oder ein Crepe-Mobile, einen Foodtruck oder sonst ein kommerzielles Angebot auf Stadtgrund stelle, dauert es meist kaum fünf Minuten, bis ein Polizist der Abteilung Wirtschaft dasteht und eine Genehmigung sehen will.

Der international tätige  Anbieter der plumpen Drahtesel hat in einem kleinen Kaff ausserhalb Genfs seinen Schweizer Firmensitz. Dort würde er wohl Steuern zahlen, wenn das Geschäft mit dem Veloverleih Gewinn abwerfen würde. Das tuts sicher noch nicht. Das ist aber wohl auch nicht der Hauptzweck der Velos. Das Geschäftsmodell ist das Sammeln von Daten.

Immer überwacht dank oBike.

Immer überwacht dank oBike.

10 000 Mal wurde die App im Grossraum Zürich nach Angaben des Unternehmens bereits heruntergeladen. Die meisten werden die App nicht benutzen. Aber das ist völlig egal. Die App verlangt Zugriff auf Bewegungsdaten AUCH WENN MAN DIE APP GERADE NICHT BENUTZT. Wenn man sich mit Facebook anmeldet, kommen die Freundesliste und die Einsicht in die da gemachten Onlinebewegungen dazu.

Aus den in der App nicht ersichtlichen Datenschutzrichtlinien auf der Homepage von oBike:

«  1. oBike sammelt und speichert die Informationen, die Sie in der oBike App eingegeben haben, oder die Informationen, die Sie uns in anderen Quellen zur Verfügung gestellt haben. Wir werden auch Ihre persönlichen oder gruppenbezogenen Informationen von kooperierenden Unternehmen, Geschäftspartnern und anderen unabhängigen Drittquellen sammeln. »

Das Unternehmen verfügt also bereits über Bewegungsprofile von 10 000 Schweizern. Die Daten können an Dritte weitergegeben werden, also zum Beispiel an die Muttergesellschaft in Singapur. Diese Dritten dürfen dann mit den Daten machen, was immer sie wollen. Die Schweizer Gesetzgebung greift da nicht mehr.

Datenhandel steht aber nicht im Handelsregistereintrag der oBike Schweiz AG.

Nachdem wir den Sklavenbetrieb UberPOP losgeworden sind, haben wir einen neuen Player, der die der Realität hinterherhinkende Gesetzgebung ausnutzt. Die Stadt hätte es in der Hand, da den Riegel zu schieben. Die Regulierungen, die für Marroni-Stände und andere Geschäfte auf öffentlichem Grund so hart sind, sollten auch auf den Datenkraken oBike angewandt werden.

Wir persönlich haben es in der Hand, unsere Daten nicht diesem Unternehmen in den Rachen zu werfen. Und uns zu weigern, deren Gewinn auf Kosten der Allgemeinheit zu finanzieren.

«Sie war schön»

Alex Flach am Montag den 14. August 2017
    Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.

Sie war schön, sie war die schönste seit vielen Jahren: Die Street Parade in diesem Jahr stand wahrlich unter einem guten Stern. Am Anfang stand der erstaunliche Wetterumschwung, just auf Beginn des Umzugs. Wer immer schon den Verdacht hegte, dass Petrus ein alter aber nach wie vor leidenschaftlicher Raver sei, der hat nun ein Indiz mehr das seine Mutmassung stützt.

Meine erste Street Parade habe ich 1994 besucht und bis Ende der Neunziger habe ich dem Umzug alljährlich entgegengefiebert, eine Vorfreude vergleichbar mit jener auf Weihnachten im Vorschulalter. Dann, ab der Jahrtausendwende, franste alles aus. Der Sound an der Parade wurde kommerziell und entsprach nicht mehr jenem, der in den Zürcher Clubs läuft. Sie verabschiedeten sich folgerichtig vom Konvoi und ich mich mit ihnen. 2002, das Jahr in dem es in Strömen regnete und in dem die Temperaturen einem miesen Schweizer Herbst alle Ehre gemacht hätten, war mein letztes auf einem Lovemobile: Damals bin ich auf Höhe des roten Schlosses vom Lastwagen gehüpft und zum Partysan Boot gerannt, in der Hoffnung der Kapitän hätte in weiser Voraussicht einen Vorrat an Heizöl beiseitegelegt.

Nach diesem, auch für das Street Parade-OK, tristen Jahr war die Street Parade nicht mehr dieselbe. Der Zauber war weg und sie hatte einen neuen Lover, die Masse der Eintagesraver, die House nicht von Techno unterscheiden können und die denken, die Swedish House Mafia sei das Nonplusultra in Sachen Danceflooring.

Doch in diesem Jahr war Vieles anders. Nicht ganz so wie früher (noch nicht), aber ein kleines Bisschen schon. Zu Beginn stand das Statement des Street Parade Bookers Robin Brühlmann, dem man entnehmen konnte, dass er die Schnauze voll hat von Beat-gestütztem Saxophongedudel. Es soll wieder mehr Techno werden, weg mit dem als Clubmusik getarnten Pop.

Als nächstes wurde dann verkündet, dass mit dem Klaus nach zig Jahren endlich wieder ein angesagter Zürcher Club ein Lovemobile stellen wird. Natürlich, das Klaus… Alain Mehmann, einer der Chefs da, ist ein Street Parädler der ersten Stunde, einer dem die Liebe zum Umzug auch in den erzkommerziellen Nullerjahren nie abhandengekommen ist.

Dennoch: Über zehn Jahre akustischer Zwiespalt lassen einen trotz dieser Schwalben noch nicht an den Sommer glauben. Erst als mir am Samstag auf dem Sechseläutenplatz von der Hauptbühne der kompromisslose Techno mit 160 bpm entgegendonnerte und erst als ich danach die Superszenis auf dem Klaus-Mobile wie Honigkuckenpferde (Mehmann und seine Partner würden sagen wie Einhörner) grinsen sah, da wusste ich, dass ein Stück des Zaubers zurückgekehrt ist.

Der Rest des Tages war Chaos und Tohuwabohu, vermengt mit reichlich Bier und Vodka Martini. Aber wenn mich die Erinnerung nicht trügt, war 2017 tatsächlich ein wenig wie 1997. Mit dem Unterschied, dass der Kater 1997 nicht ganz so garstig und nachhaltig gewesen sein dürfte.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Die Barbaren kommen!

Réda El Arbi am Dienstag den 8. August 2017
Unausprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins umland!

Unaussprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins Umland!

Es gibt in der Menschheitsgeschichte viele Beispiele, in denen eine friedliche Bevölkerung von unzivilisierten Massen überrannt wurde: Die Türken vor Wien, die mongolischen Horden, die Kreuzritter in Jerusalem – und eben die Spasszombies, die jedes Jahr im August über Zürich herfallen. Man kann keinen Widerstand leisten, die Überzahl ist unbezwingbar. Aber man kann fliehen, wenn man sich früh genug vorbereitet. Hier ein paar sichere Horte, an denen Sie diesen Samstag verbingen können:

Die andere Zürcher Stadt

Nur 16 Minuten vor den Toren der Stadt gibts ein Städtchen, das eine eigene, blühende Kulturszene aufweist. Wer Musik mag, die wirklich noch von Menschen an Instrumenten gespielt wird, wird sich an den Musikfestwochen Winterthur wohlfühlen. Je nach Wetter verbringt man den Nachmittag in einem der kleinen Cafes mit dem Lesen eines guten Buchs oder planscht mit den Kids in der Töss, um sich am Abend dann von verschiedenen Konzerten unterhalten zu lassen.

Nordwärts!

Wer dem Niederdorf nachtrauert und wissen will, wie eine lebendige Altstadt aussieht, sollte sich ans Stars in Town in Schaffhausen begeben. Neben verschiedenen Konzerten gibt ein Streetfood-Festival und ein riesiges Nebenprogramm.  Nachmittags kann man sich in Neuhausen am Rheinfall von der Gischt besprühen lassen. Schliesslich war man seit der Schulreise nicht mehr da.

In die Boote!

Wenn wir schon im Norden sind, ist eine kleine Gummibootfahrt auf dem Rhein von Stein am Rhein bis Diessenhofen zu empfehlen. Dazu gibts jede Menge Kultur und Unterhaltung: eine Burg, Wandmalereien aus dem Mittelalter, Pfahlbau-Überreste – und als grossen Joker: Die Minieisenbahn, mit denen man die Kids unterhalten kann. Abends isst man dann Fisch und schaut dem Strassenprogramm des Theaterfestivals nordArt zu.

Zum Feind überlaufen

Für einmal kann man die alte Fehde zwischen Zürich und Basel vergessen und bei den Bäppis um Asyl bitten. Die sind gar nicht so schlimm. Und dieses Wochenende lohnt es sich, Basel einmal zu besuchen: Man kann noch den letzten Tag des Basel Openair miterleben und sich davon überzeugen, dass fremde Kulturen (ja, sogar Basler!) durchaus auch ihren Charme haben.

Gemütlich nehmen

Wer dem Stress der Grossstadt entfliehen will, kann sich nach Bern absetzen. Neben Aareschwimmen und Kaffee in der Altstadt findet man in Bern unter jedem Pflasterstein eine Band. Was in Zürich die Clubs sind, ist in Bern Live-Musik. Von Klassik bis Blues und Rock – in Bern gibts am nächsten Samstag alles.

Ab in die Agglo

Verbringen Sie einen ruhigen, friedlichen Nachmittag am Greifensee und lassen Sie den Abend im Openair Kino in Uster ausklingen. Wir garantieren, dass die Gegend sicher ist, da sich alle ansässigen Barbaren schon früh morgens mit der SBahn in Richtung Stadt aufgemacht haben.

Also, fliehen Sie! Retten Sie sich und ihre Lieben!

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 4. August 2017

«In der Seeanlage werden immer
wieder neue Bäume gesetzt.»

Trotz Kritik von allen Seiten hält das Tiefbauamt der Stadt Zürich am Veloweg Utoquai fest. Doch dort am See hat es kaum Platz. Hecke und Bäume müssten weg. Stadtingenieur Vilmar Krähenbühl hat mit dem Eingriff weniger Mühe als die Kritiker des Projekts. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Rosmarin ziehe ich auf meinem Balkon.»

Hans Kunz stellt das Trendgetränk Gin zusammen mit seiner Frau vollständig zu Hause her – in seiner Wohnung in Feldmeilen. Meist ist geheim, was die Hersteller alles beigeben. Kunz verrät nur eine Zutat seines Gins und auch, wo her er sie her hat: Rosmarin. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Wir waren gezwungen, zu handeln.»

Die Benutzung der einst kostenlosen Garderoben der Zürcher Sportanlagen Waid und Fluntern ist nur noch gegen eine Depotgebühr von 100 Franken möglich. Schuld ist der Vandalismus. Zuletzt waren die Zustände unhaltbar, wie Hermann Schumacher vom Zürcher Sportamt sagt. (Foto: Tamedia) Zum Artikel

 

«Das Andere darf anders sein. Das heisst nicht,
dass auch ich anders sein muss.»

Jodler, Alphorn, Trachten – am 1. August lockt die Stadt Zürich mit Folklore. Sogar das Sechseläuten ist zeitgemässer. Die Festansprache hielt SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Ein Racket muss man
von Herzen zertrümmern.»

Stan Wawrinka gibt Tipps zum Umgang mit dem Tennisschläger, seinem Lieb- und Hassinstrument. Und Tagi-Redaktor Martin Sturzenegger wagte den Selbstversuch gegen den Champion – virtuell und per Bildschirm. (Foto: Doris Fanconi ) Zum Artikel

 

«Ich bin traumlos, das ist nicht einfach.»

Benjamin Lüthi führte als ­Fussballer ein Leben im Übermut. Dann kam dem 28-jährigen Wahlzürcher sein Kindheitstraum abhanden. Und er hörte auf. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Ich werde wieder fliegen, auf jeden Fall.»

Ex-SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer (hier mit ihrem Mann auf einem Archivbild) erzählt, wie sie die Bruchlandung mit einem Kleinflugzeug in Maur zum Glück überstanden hat. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Ein Bier muss erfrischend sein.»

Der Winterthurer Philip Bucher hat im Nu mit dem Chopfab-Bier den Schweizer Biermarkt erobert – in rasantem Tempo. Der Geschäftsführer der Brauerei Doppelleu erklärt seinen rasanten Aufstieg – und weshalb ihm Zapfhähne nicht so wichtig sind. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Lärm am Himmel war gewaltig.»

Nur noch ein Scherbenhaufen: Ein Hagelzug hat am Abend des 1. August die Gewächshäuser von Hans Fritz in Brütten stark zertrümmert. Ein späterer Sturm hat auch im Rafzerfeld und Weinland grossen Schaden angerichtet. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Wir haben das Wursten in den Genen.»

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Der Metzger Felix Bär über das Leben im Familienbetrieb und Erfolgsrezepte. Er muss es wissen, schliesslich stellt er am Rennweg den berühmtesten Fleischkäse Zürichs her. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Alle Angestellten waren da, alle weinten.»

Kurz vor Weihnachten 2016 ist der Sternen in Sternenberg komplett niedergebrannt. Die Besitzerin Marianne Brühwiler wirtet bereits wieder und plant, das Restaurant neu aufzubauen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Der Platz ist wunderbar, aber bei Sonne
kann man hier nicht sitzen.»

Weil es zu wenig Schatten auf dem Platz hat, stellt die Stadt 20 Sonnenschirme auf – und es könnten mehr folgen. FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger liess es sich nicht nehmen, den ersten Schirm persönlich zu öffnen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Liebe Schweizerinnen und Schweizer ….

Réda El Arbi am Montag den 31. Juli 2017
Die Schweiz ist eine grosse Idee, kein Museum mit hohem Gartenhag.

Die Schweiz ist eine grosse Idee, kein Museum mit hohem Gartenhag.

 … liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe in der Schweiz Lebende

«Wenn’s Ihnen nicht passt, können Sie ja wieder dahin gehen, wo Sie geboren sind!», ist einer der Sätze, die ich seit einiger Zeit in Kommentaren und in den sozialen Medien hören darf.

Das ist nicht nett. Ich stelle mir dann immer vor, wie ich nach langem, staubigen Marsch, mit zwei alten Koffern, abgetragenem, staubigen Mantel und löchrigen Schuhen traurig vor der Tür der Maternité des Zürcher Triemlispitals stehe und um ein Zimmer bitte.

Ich verbrachte mein ganzes Leben mit einem arabischen Namen in der Schweiz. Eigentlich ist mein Nachname sogar der Prototyp des arabischen Namens: «El Arbi» bedeutet wörtlich «von Arabien». Natürlich würde man annehmen, der Name sei eine Steilvorlage, um als Kind oder Jugendlicher angefeindet zu werden. Aber ich habe erst in den letzten zehn Jahren effektiv Fremdenfeindlichkeit erfahren müssen.

Heute muss ich in Diskussionen anführen, ich sei in der Schweiz geboren. Darauf werfen findige Fremdenfeinde ein, ich solle halt dahin gehen, wo meine Vorfahren herkämen. Aber ehrlich, ich will nicht wieder in die Aargauer Provinz. Da hat der Schweizer Zweig meiner Familie in den letzten zwei Jahrhunderten gelebt. Vielen dieser Hurra-Patrioten scheint nicht bewusst zu sein, dass es Gegenden gibt, in denen Vater und Mutter verschiedene Stammbäume aufweisen und nicht aus derselben Familie stammen.

Die Schweizer Identität

Zur Zeit ist dieser abwertende und ausgrenzende Nationalismus gerade wieder in Mode. Lange war es in der Schweiz verpönt, zu patriotisch aufzutreten. Eine Schweizer Fahne zu schwingen war für viele ein Unding, selbst an Fussballmeisterschaften. Inzwischen hat sich das zum Glück geändert. Heute darf man sein Heimatland wieder loben, ohne gleich als ewiggestriger Nationalist dazustehen. Trotzdem sollte man politischen Patriotismus und Nationalismus nicht einfach mit der Liebe zur Heimat gleichstellen.

Während die Heimatliebe ein positives Gefühl für ein real existierendes Gebilde ausdrückt, ist politischer Patriotismus immer ein Instrument, um andere abzuwerten. Er wird eingesetzt, um die Unterschiede hervorzuheben. Während Patriotismus im letzten Jahrhundert von politischen Kräften hauptsächlich dazu benutzt wurde, um andere Länder als minderwertig darzustellen, wird er heute vor allem instrumentalisiert, um dem politischen Gegner im Inland die Heimatliebe abzusprechen. Man ist nicht mehr Schweizer, man ist «Eidgenoss». Die ethnische Herkunft scheint wichtiger zu sein als die Nationalität.

«Fühlst du dich mehr als Nordafrikaner oder als Schweizer?», fragten mich die Leute früher oft. Für mich war die Antwort wohl einfacher als für viele meiner italienischstämmigen oder türkischen Freunde. Ich verbrachte kaum Zeit im Heimatland meines Vaters, während meine Freunde ihre Schulferien in den Herkunftsländern ihrer Eltern verlebten, die Sprache sprachen und ihr Herz natürlich für den Fussballclub des jeweiligen Landes schlug. Hier fühlten sie sich nicht heimisch, und im Süden waren sie die «Schweizer».

Ich selbst fühlte mich nie zerrissen. Für mich war immer klar, dass ich der westlich-abendländischen Kultur entsprang, Mitteleuropa, der Schweiz. Aber fühlte ich mich als Schweizer? Lange fühlte ich mich als Zürcher, mit einer Identität, die nicht über die Stadtgrenzen hinausreichte. Die Stadt war cool, das Land spiessig.

Erst meine Reisen in andere Länder haben mir gezeigt, wie privilegiert wir Schweizer sind, wie unglaublich grossartig es ist, in einem Land mit direkter Demokratie und funktionierendem Staat zu leben. Erst nach drei Jahren globetrotten von unheimlichem Heimweh nach meinem Dialekt, pünktlichen Zügen, der Gemächlichkeit, der höflichen Zurückhaltung und dem knurrigen Stolz geplagt, fand ich meine Heimatliebe. Das Reiben an anderen Kulturen – auch europäischen – hat mir gezeigt, wie sehr ich Schweizer bin.

Ab wann ist man Schweizer?

«Du als halber Ausländer kannst nicht stolz sein, ein Schweizer zu sein! Das ist nicht wirklich deine Heimat», höre ich da von selbsternannten Eidgenossen. Dann frage ich mich, worauf diese Patrioten wirklich stolz sind. Dieses Gefühl muss ja irgendwo in der realen Welt verwurzelt sein. In den drei Urkantonen? Und bei den Kriegen zwischen den einzelnen Kantonen, wer waren da die «richtigen» Eidgenossen? Und wie sah es bei den Schweizern aus, die sich auf den Schlachtfeldern Europas als Söldner gegenseitig für Geld und verschiedene Herren abschlachteten? Ab wann darf man sich Schweizer nennen?

Man ist Schweizer durch Kultur. Die gesellschaftliche Mentalität hat wenig mit dem genetischen Erbe zu tun. Ich hab hier gelernt, dass man bei Streitigkeiten so lange diskutiert, bis beide gelangweilt und genervt einem Kompromiss zustimmen. Man macht die Dinge hier nicht «halbpatzig», man ist Teil der Gemeinschaft, und nimmt Verantwortung wahr. Man jammert über Steuern, aber entscheidet gemeinsam, wofür sie ausgegeben werden. Hier in der Sicherheit und im Wohlstand der Schweiz wurde mir mitgegeben, dass eine Gesellschaft daran gemessen wird, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Hier habe ich meine grundsätzlichen ethischen Werte und mein soziales Verantwortungsgefühl verinnerlicht.

Vielleicht sollte ich hier erwähnen, dass die ersten dokumentierten Stocker – so hiess meine Mutter vor der Heirat – aus meinem Familienzweig 1386 das erste Mal erwähnt wurden. Sie kämpften und fielen in der Schlacht von Sempach. Ich bin kein Historiker, deshalb ist mir nicht ganz klar, ob sie auf der richtigen Seite standen. Aber egal, damals kämpften eh noch alle heutigen Kantone kreuz und quer durcheinander. Also, nach jedem irgendwie denkbarem Massstab bin ich dann wohl Urschweizer.

Meine Schweiz, deine Schweiz

Das Verhältnis zwischen Patriotismus und Geschichte ist sowieso immer etwas zerrüttet. So fand vor einiger Zeit eine mediale Auseinandersetzung um die Deutung der Schlacht bei Marignano statt. Als ob ein primitives Gemetzel zwischen mittelalterlichen Schlächtern im Jahre 1515 irgendetwas mit der Identität als Schweizer zu tun hätte. Als ob «DIE FREIHEIT» damals mit blutigem Schwert und organisiertem Morden erkämpft worden wäre. Das Blutvergiessen scheint vielen Patrioten denn auch wichtiger als elementare Meilensteine der Schweizer Geschichte. Zum Beispiel kennt kaum einer die von einem Freimaurer mitentworfene Verfassung von 1848, die auf die Sonderbundskriege – sich gegenseitig umbringenden «Eidgenossen» – folgte und erst die heutige Schweiz mit ihrer Vielfalt und ihrem Reichtum möglich machte. Danach gabs keinen Krieg mehr auf Schweizer Boden. Das wär doch mal ein Grund, stolz zu sein.

Aber auch in der jüngeren Geschichte pflegen die selbsternannten Patrioten eine selektive Wahrnehmung. So wärmen sie sich heute nostalgisch an der Reduit-Romantik der Kriegsjahre und ignorieren gleichzeitig, dass wir damals auch die Juden an der Grenze wieder in die Lager der Deutschen zurückschickten und in Nazi-Gold badeten. Das Bild der Schweizer Geschichte, die blutige Romantik, ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde vor dem 2. Weltkrieg sorgfältig konstruiert, um aus einem Land, das aus den verschiedensten regionalen Identitäten besteht, eine Einheit zu schmieden. Patriotischer Theaterdonner.

Ironischerweise kommt aber die stärkste Abwertung der heute real existierenden Schweiz aus den Reihen der rechten Patrioten. Durch die Angst, ihr konstruiertes Bild der Schweiz könne widerlegt werden, fokussiert sich die Ablehnung auf alles in der realen Schweiz, das nicht ihrem Bild entspricht. In erster Linie ist das der Staat, der ihnen Sicherheit und Wohlstand garantiert, danach kommen die anderen politischen Kräfte, die in den letzten 150 Jahren die Schweiz mitgestaltet haben. Man sieht selten soviel Hass gegenüber der altehrwürdigen Schweizer Institutionen wie aus den Reihen der selbsternannten Patrioten. Offenbar liebt man nur kleine Teile der Schweizer Identität und spricht den anderen das Schweizerische ab.

Patriotismus und Heimatliebe unterscheiden sich wie Verliebtsein und Liebe. Während das Eine auf Projektion der eigenen Vorstellungen auf das Objekt der Zuneigung beruht, benötigt das Andere die volle Kenntnis des Geliebten. Man kann nur lieben, was man auch wirklich kennt.

Die Nestbeschmutzer

Viele meiner linken Kollegen in meinem Alter haben Mühe damit, zu ihrem Heimatland zu stehen. Es ist für viele noch immer anrüchig, die Schweiz als Staat und als Heimat zu lieben und zu loben. Gerade in intellektuellen Kreisen und unter Kulturschaffenden fokussiert man sich gerne auf die Dinge, die in der Schweiz schieflaufen.

Es ist erstaunlich, dass viele Schweizer Künstler und Kulturschaffende sich des Dialekts und der helvetischen Wurzeln bedienen, aber trotzdem Mühe haben, offen ihre Verbundenheit mit der Schweiz zu formulieren. Es ist, als ob man mit der klaren Zusage an die Schweiz gleich im anrüchigen Kreise der Nationalisten stehe. Nur eben: Heimatliebe ist nicht gleich Nationalismus.

Geistige Landesverteidigung 2017

Natürlich werde ich wegen meines arabischen Namens (ich bin Ex-Katholik und sowas wie ein atheistischer Lifestyle-Buddhist) in letzter Zeit auch auf die Terrorattacken und den sogenannten «Kampf der Kulturen» angesprochen.

Und natürlich gibt es nur eine Schweizerische Antwort darauf: Der Kampf findet zwischen antidemokratischen Kräften und der freiheitlichen Demokratie statt, nicht zwischen Kulturen. Wer immer demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Trennung von Kirche und Staat, Menschenrechte und Mitbestimmungsrecht des Bürgers in Frage stellt, ist ein Feind der Schweiz. Egal, an was er glaubt, wie überlegen oder wie demokratisch legitimiert er sich fühlt.

Die Schweiz ist keine romantische Ansammlung von Geschichten, die durch einen Grenzzaun zusammengehalten wird. Die Schweiz ist eine funktionierende Idee. Sie kann nur dann sterben, wenn die Menschen nicht mehr in sie vertrauen.

(Da ich zur Zeit in den Ferien bin, habe ich Ihnen einen Text geliefert, den ich schon 2016 geschrieben hab. Er wurde damals von einem stv. Chefredaktor einer Printzeitung als «zu links» abgelehnt. Jänu. Ich hoffe, er gefällt Ihnen, liebe LeserInnen, trotzdem.)

Zürichs Sittenwächter

Réda El Arbi am Montag den 24. Juli 2017
Nackt ist nicht gleich «sexistisch».

Nackt ist nicht gleich «sexistisch».

Nacktheit, Erotik oder Sex – nicht alles, was mit dem Körper und sexueller Anziehung zu tun hat, ist Sexismus. Auch nicht, wenns in der Werbung stattfindet. Ehrewort! Diese übertriebene Sichtweise schadet echten antisexistischen Bemühungen und gibt das Anliegen der Lächerlichkeit preis.

Natürlich darf ich mich als Mann eigentlich nicht zu diesem Thema äussern, ohne danach als Sexist tituliert zu werden. Jänu.

Die Stadt Zürich hat ein Plakat verboten, auf dem eine halbe Brust und eine mit der Hand bedeckte Scham zu sehen ist. Also weniger Nacktheit, als wir in zwei Wochen an der Street Parade in hunderttausendfacher Ausführung zu sehen bekommen. Die Hand bedeckt mehr als mancher Bikini auf den Lovemobiles.

Die Stadt begründet das Verbot mit dem Hinweis, dass die Nacktheit nur dem Blickfang dient und nicht mit dem beworbenen Produkt gerechtfertigt sei. Hm. Die Werbung stammt von einem Fitnessstudio und das «beworbene Produkt» ist ein geiler Körper. Jaja, natürlich gehen die meisten in ein Fitnessstudio, um «gesünder» zu leben und «fitter» zu sein, nicht um einen Knackarsch, ein Sixpack und stramme Schenkel zu bekommen. Richtig? Oder …

Also, wer sollte mit einem nackten Körper werben dürfen, wenn nicht ein Fitnessstudio?

Es soll nicht mit Genderstereotypen, in abwertender Weise oder mit unrealistischen Körperbildern geworben werden. Nun ja, in jeder Werbung sind die Männer gut 15 Zentimeter grösser als ich, haben breitere Schultern und ein Sixpack. Und sicher haben sie weder Zahnschiefstand wie ich, noch kämpfen sie ab und zu mit erektiler Dysfunktion, so potent wie die wirken. Soviel zu unrealistischen Körperbildern. Und natürlich sind sie alle erfolgreich, tragen teure Uhren und fahren fette Autos. Nicht so wie ich. Soviel zu Genderstereotypen.

Es gibt attraktivere Menschen als mich. Die werden für Werbeaufnahmen gebucht. Weil Menschen in der Werbung anziehend sein sollen. Das ist ein Spiegel der Realität. Früher, an meiner Schule, gabs genau ein Mädchen, in das alle Jungs verknallt waren. Alle Mädchen wollten sein wie sie, alle Jungs wollten von ihr bemerkt werden. Wenn sie irgendetwas Neues trug, wurde das Trend. Wenn sie es fallen liess, wars out. Natürlich gabs auch immer diesen Typen vom Fussballclub, das Alphatier, das uns anderen Jungs immer schlecht aussehen liess. Das Verbot erscheint mir wie eine kindische, späte Rache an den Attraktiven.

Aber zurück zum Sex: Die erneute Tabuisierung des weiblichen Körpers nach der sexuellen Befreiung der 60er-Jahre ist ein zivilisatorischer Rückschritt und erreicht genau das Gegenteil des Beabsichtigten.  Den weiblichen Körper zu stigmatisieren – ihn nackt als «Objekt» zu definieren – ist so ziemlich das Letzte, was der gesellschaftlichen Gleichstellung nutzt.

Die Begründung «Schutz der Frau» hat zwei grosse Haken: Zum einen macht sie die Frau, als Besitzerin eines weiblichen Körpers,  per se zum Opfer. Das ist nicht Gleichstellung. Zum anderen wird mit den gleichen Argumenten die Burka verteidigt. Nur, die Frau ist eine mündige, selbstdenkende Entität und kein minderbemitteltes, schwaches Opfer. Sie kann durchaus selbst über ihren Körper entscheiden. Nicht nur da, wo es den Sittenwächtern gefällt, sondern überall. Auch als Werbemodel.

Letzte Woche wurde in Saudiarabien eine Frau verhaftet, die ein Video von sich in einem Minirock auf Youtube veröffentlichte. Das Zeigen von zuviel Haut ist Saudiarabien verboten. Die Begründung: «Schutz der Frau». Klickts jetzt?

Wenn man schon sexistische Werbung verbieten will, warum dann nicht diejenige für nutzlose Antiaging-Cremes? DIESE Werbung stellt nämlich alle Frauen als infantile, ungebildete Idiotinnen dar, die nur auf ihr Aussehen fixiert sind.

Aber egal. Die Agentur und das Fitnesstudio haben sich sicher über das Verbot gefreut. Nichts wirkt nachhaltiger für die öffentliche Wahrnehmung als der Streisand-Effekt: Erst durch das Verbot wurde das Plakat zum Thema und hat mehr Menschen bewusst erreicht, als es das Plakat je gekonnt hätte.

Der Lüstling 2. Teil

Réda El Arbi am Samstag den 15. Juli 2017
Genau so fühlte ich mich nie in der Badi.

Genau so fühlte ich mich nie in der Badi.

«Männer sind Schweine», musste ich mir nach dem letzten Post über den Badi-Besuch als Mann vorhalten lassen. Männer würden glotzen, sabbern und sich unangemessen benehmen, wenn sie Frauen in Bikinis sähen. Ich ging daraufhin tief in mich und erinnerte mich, wie der erste Badi-Besuch der Saison war, als ich noch nicht verheiratet und noch stärker hormongesteuert war. Hier ein Gedächtnisprotokoll:

Cool die Arme schlenkern. COOL schlenkern, nicht schwingen wie ein Gorilla! Dann bemerkt niemand, dass die Beine noch viel weisser sind. Ich hätte trainieren sollen. In diesen weiten Shorts sehen meine Beine aus wie Storchenstelzen. Himmel! NICHT auf die eigenen Beine starren. Cool schlendern, den Blick selbstsicher auf den Horizont gerichtet.

Hm, wo setz ich mich hin? Shit, ich hätte nicht das Snoopy-Badetuch mitnehmen sollen. Daniela meinte, es sei «süss». Um Himmels willen! Wie konnte ich nur? Ich will nicht «süss» rüberkommen. Männlich, ja. Stark. Suverän (oder wie das heisst).

Da ist noch Platz. Und da drüben sitzen drei Frauen in meinem Alter. Ha! Beute! Chrchrchr. Nah genug, um zu flirten, und weit genug weg, dass sie mein Badetuch nicht wirklich sehen können. So.

T-Shirt ausziehen. Ou, keine hat geschaut. Hm. Ich kann ja noch etwas posen, so als würde ich nachdenken. Ernst in die Weite blicken, als hätte ich gerade schwere, wichtige Gedanken.

Buch auspacken. Kafka. Da können alle gleich sehen, dass ich auf innere Werte stehe. Intellekt ist sexy! Hm, die sitzen zu weit weg, um den Buchtitel lesen zu können. Ich hätte Sartre mitnehmen sollen. Da erkennt man den Umschlag schon aus 50 Metern.

Erst mal Kaffee und Aschenbecher holen. Der Weg zum Kiosk ist ein Laufsteg und ich bin der Grösste. Hm, die beiden Typen da links sind grösser. Und stärker gebräunt. Und haben mehr Muskeln. Sch****, die sehen einfach besser aus und wirken entspannter. Keine Chance. Ahhh. Sie küssen sich. Gut. Keine Konkurrenz.

Nehm ich jetzt einen leckeren Latte oder wirkt das zu feminin? Seufz. Dann halt einen doppelten Espresso, schwarz, ohne Zucker. Wäk. Aber DAS ist männlich. Glaub ich.

Ui, da hat sich jemand in meine Nähe gesetzt. Eine Frau. Eine FRAU! Jesses Gott. Wie setz ich mich elegant hin mit heissem Kafi und dem Aschenbecher in den Händen? Tief durchatmen. TIEF durchatmen.

Hm, die ist hübsch. Sehr hübsch sogar. Nicht hinstarren. Sonst denkt sie, du hättest es nötig oder seist so ein Lüstling. Aber sie ist hübsch. Süsse Nackenlinie mit diesen kleinen, gekringelten Löckchen hinter dem Ohr. Sie schaut! Nicht auf ihren Hals starren! Nain! Auch nicht auf ihre Brüste. In den Himmel, in den Himmel!

Ich war glaubs kurz bewusstlos. Sie hat mir in die Augen geschaut und gelächelt. Und der elektrische Schlag, den das in meinem Gehirn ausgelöst hat, liess mein Gesicht sicher so geistreich wirken wie nach einem Gehirnaneurisma. Aber sie ist immer noch da. Immerhin. Und sie lächelt in meine Richtung.

Sie flirtet mit mir. Oh Gott, was mach ich jetzt? OhGottOhGottOhGott! Zigarette. Sofort. Jetzt zurücklächeln. Sie schaut nicht weg! Sie räkelt sich.

Hallo Erektion. Wo warst du vor drei Wochen, als ich dich da nach dieser Party so dringend benötigt hätte? Jetzt will dich niemand hier. Ehrlich. Geh weg. Schnellstens auf den Bauch legen. Zum Glück hab ich mich gegen die engen Speedo entschieden.

Sie steht auf und kommt in meiner Richtung. Ich muss meine Panik niederringen. Tief atmen.

«Hast du Feuer?»

Sie steht da, als Schattenriss gegen den hellen Himmel. Ich kann ihr kaum ins Gesicht sehen, da ich mich aus blutverteilungstechnischen Gründen nicht auf den Rücken legen kann.

«Klar. Schön, dass du rauchst …»

Himmel, gehts noch? ‘Schön, dass du rauchst’? Hab ich nichts Debileres gefunden?

«Was?»

«Öh, ich dachte nur, dass kaum jemand mehr raucht. Man unterstellt Rauchern immer gleich Todessehnsucht. Haha. Nein, ich bin nicht suizidal, nur weil ich eine Zigarette rauche. Haha. Du bist sicher auch nicht suizidal. Haha. Nicht dass ich sagen wollte, du würdest irgendwie suizidal wirken. Haha.»

«Äh. Danke. Tschüss.»

Wär ich im Ehrenkodex der Samurai erzogen, ich würde mich jetzt ohne ein Zögern ins Schwert stürzen. Wenigstens ist die Erektion weg, da meine Schamesröte alles Blut im Gesicht benötigt.

Sie sitzt wieder an ihrem Platz, meidet meinen Blick und räkelt sich auch nicht mehr. Ich muss jetzt stark sein. Ich darf jetzt nicht weinen. Meine Flirt-Künste sind erbärmlich. Ich bin erbärmlich.

Hätte ich die richtigen Worte gefunden, würden wir jetzt beisammensitzen und locker plaudern. Ich würde mit meinem Wissen brillieren. Sie würde mich bewundern. Ich würde sie zum Lachen bringen. Und vielleicht würde sie mich irgendwann küssen. Und dann wären wir glücklich. Und wir würden irgendwann heiraten. Und wir hätten ein kleines Häuschen und Freunde. Viele Freunde.

So bleibt mir nur, die spärlichen Reste meiner Selbstachtung und mein Snoopy-Tuch zu packen, auf dem Weg nach Hause am Kiosk noch ein Heft mit Sylvia Saint zu kaufen und daheim die Rolläden zu schliessen, um mich dann meiner Depression hinzugeben.

Ja, liebe Leser. So war das damals. So fühlt es sich an, als Single-Mann allein in die Badi zu gehen.

Eine Glacegeschichte (3)

Thomas Wyss am Samstag den 15. Juli 2017

Bevor wir hier weitermachen mit der Zürcher Glacekultur, noch eine wichtige Mitteilung in fremder, aber irgendwie doch auch in eigener Sache. Es geht um Wurstsalat. Und darum, dass am kommenden Samstag auf dem Golfplatz Frick im Aargau die 5. Wusa-WM (das ist die Kurzform für Wurstsalat-Weltmeisterschaft) stattfindet. Und dabei um die sehr, sehr beschämende Tatsache, dass Zürich an diesem Wettkampf noch nie den Titel geholt hat (wenn ich recht informiert bin, reichte es nicht mal für Silber oder Bronze).

Bei der Premiere gewannen Anja und Julia Müller aus Basel. 2014 wars Metzger Schmid aus dem Fricktal, 2015 Stefan Buser aus dem Oberbaselbiet, und im letzten Jahr setzte sich Daniel Felice aus Gipf/Oberfrick gegen eine 38-köpfige Konkurrenz durch.

Hallooo??? In unserer Stadt wird Food aus der ganzen Welt aufgetischt, etliche Cracks schwingen hier den Kochlöffel, auch bei der währschaften Küche sind wir erstklassig aufgestellt, man denke nur an die Schützenruhe, ans Muggenbühl oder Burgstein’s Gasthaus Penalty. Und trotz diesem Gastropotenzial kriegen wir keinen begeisternden Wurstsalat hin? Sorry, aber das ist doch nicht zu glauben!

Darum ist dies hier irgendwie auch ein Aufruf an Zürcher Wusa-Spezialisten, am 22. Juli an diesem Titelkampf unsere blau-weissen Farben zu vertreten (es geht auch als Team, Infos findet man unter www.wurstsalat-weltmeisterschaft.ch). Das Startgeld beträgt 10 Franken, man bringt 200 Gramm Wurstoder Wurst-Käse-Salat mit (da machen die Veranstalter keinen Unterschied), bewertet werden das Aussehen, der Geruch, der Geschmack, die Verarbeitung und letztlich der Gesamteindruck.

Wem das zu kompetitiv ist, kann ja beim sogenannten Publikumspreis mitmachen, in dieser Kategorie wird allein die Kreativität bewertet. Sollte, was wir eigentlich erwarten, jemand aus Zürich – der Kanton gilt ausnahmsweise auch – in die Ränge kommen, würden wir das in dieser städtischen Gebrauchsanleitung gross abfeiern! (Yep, die Sache ist uns tami wichtig.)

So, damit zum eigentlichen Thema. Und da lösen wir jetzt das letzten Samstag gegebene Versprechen ein und verraten (kostenlos!) das famose Eiskaffeerezept aus dem ehemaligen Restaurant Aeschlimann in Wollishofen: Man nehme eine grosse Schüssel (kein Plastik!), gebe dreieinhalb Kugeln Kaffeeglace hinein, danach schöpfe man so viel Schlagrahm (nicht aus dem Bläser, selbst gemacht) dazu, dass die Kugeln rundherum zugedeckt sind. Nun vermenge man Glace und Rahm mit einem nicht zu grossen Schwingbesen sanft, aber doch druckvoll zu einer dickflüssigen Glacecreme. Womöglich denken Sie jetzt: So what? Wegen dieses banalen Gemischs macht der Typ so ein Gschiss?

Nein, macht der Typ nicht. Die wichtigste «Zutat», die wurde nämlich noch gar nicht genannt – der eisgekühlte Silberbecher! In diesen lässt man sorgfältig die Creme einfliessen und garniert sie mit einem adretten Gupf Rahm, drapiert eine stolze Kaffeebohne oben drauf – voilà!

Am nächsten Samstag, in Teil vier, gibts noch ein paar Variationstipps plus weitere tolle Kapitel der langjährigen Zürcher Glacekulturgeschichte.