Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Eine Glacegeschichte (7)

Thomas Wyss am Samstag den 12. August 2017

Zuerst, dachte ich, entledige ich mich der Jacke (damit man mein cooles Che-Guevara-Shirt sehen kann), recke martialisch die Faust in die Luft, rufe «Sin perdón!» und steche ihm mit einem Rambo-Messer beide Pneus auf. Während es dann elend röchelnd die Luft verliert, zerschlitze ich den Sattel, malträtiere mit dem mitgebrachten Vorschlaghammer Pedalen, Rahmen und Speichen bis zur Stufe «irreparabel», und schliesslich übergiesse ich das, was von diesem scheusslichen O-Bike noch übrig ist, mit Benzin und zünde es an.

Dazu entrolle ich trotz der Hitze möglichst feierlich mein im Hausbesetzerstyle gestaltetes Transparent, auf dem steht: «Singapore! If I spit a spearmint chewing gum on your ground, I get penalized as I if were an outlaw… and now you think you can spit – figuratively speaking – a giant yellow-grayblack O-Bike chewing gum on my town without getting punished? Forget it!» (Auf Deutsch: «Singpur! Wenn ich bei dir einen Spearmintkaugummi auf den Boden spucke, werde ich gebüsst, als ob ich ein Gesetzloser wäre… und jetzt meinst du, du könntest – bildlich gesprochen – einen gigantischen gelbgrauschwarzen O-Bike-Kaugummi auf meine Stadt spucken, ohne bestraft zu werden? Vergiss es!») Dieses Transpi halte ich minutenlang grimmig dreinblickend in die mich filmenden Smartphones der deppert bis schockiert dreinblickenden Touristen – und all das am helllichten Tag, mitten in Zürich!

Dann dachte ich, dass es echt ziemlich krank wäre, so was zu tun. Umso mehr, als ich ja in letzter Zeit richtiggehend stolz war, endlich meine innere Mitte gefunden und diese auch in ansprechend gesunder Balance gehalten zu haben. Weiter dachte ich, dass ein Velo ja wahrscheinlich auch so was wie einen Astralleib oder zumindest eine Integrität besitzt, die zu verletzen unter einem ethisch-moralischen Gesichtspunkt betrachtet einer schweren Sünde gleichkommen würde.

Ein nächster, sehr bitterer Gedanke: Wie bünzlig meine Haltung doch war – bloss weil das eine oder andere O-Bike seit einer Woche meinen angestammten Veloparkplatz vor der Tamedia besetzte, wäre ich bereit gewesen, einen kleinen Velo-Jihad loszutreten? Pervers peinlich! Aber noch weit schlimmer: Mit dieser Attitüde lag mein Ich, das sich auf der Leinwand des Lebens immer gern in der Rolle des eigenwilligen Modern Hippie gesehen hat, plötzlich voll auf der aktuellen Mainstream-Züri-Linie… mich schauderte kurz, aber gründlich, wohl im Wissen, dass man so was nicht einfach mit gut duschen wieder wegbringt.

Ja, all das dachte ich. Und plötzlich kam mir in den Sinn, dass ich heute doch mit dieser Glacekulturgeschichte hatte weitermachen wollen (deshalb auch der Titel), und dass es glaub Teil 3 gewesen war, in dem ich Variationstipps des legendären Aeschlimann-Eiskaffees versprochen hatte. Les voilàs.

Tipp 1: Statt dreieinhalb Kugeln Kaffeeglace nehme man zwei Kugeln Kaffeeund eineinhalb Kugeln Schoggiglace, alles andere bleibt gleich – die Creme wird etwas süsser, farblich entsteht ein hübscher Zebraeffekt.

Tipp 2: Man gibt 4 cl Zuger Kirsch in die fertige Glacecreme und rührt nochmals kräftig um. Auf süssere Art kann der «Ouuii, ich han es Schwippsli»-Zustand kaum erreicht werden.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Eine Frage der Temperatur

Nicola Brusa am Donnerstag den 10. August 2017

Wie wichtig die Temperatur für den ­Genuss ist, wissen alle, die schon einmal ein Rindsfilet auf den Punkt gebraten haben. Ein Kalbsbäggli sous vide zur absoluten Zartheit geschmort haben. Oder ein Onsen-Ei mit cremiger Konsistenz fabriziert haben.
Wie wichtig die Temperatur für den ­Genuss ist, wissen alle, die dann und wann ein Süssgetränk geniessen. Oder einen Apéro nehmen. Bei Bier und Süssgetränken gibt es nur eine Temperatur: eiskalt. Bier wird sonst untrinkbar und das Sinalco klebrig. Bei Wein ist es diffiziler. Einen Champagner trinkt man kühler als einen jungen Rotwein als einen schweren Bordeaux als einen Glühwein.

Das führt uns zur Frage, die am Ursprung – oder präziser an der Quelle – dieser Stattgeschichte steht: Bei welcher Temperatur trinkt man das Züri-Wasser am besten?

Diese Frage beschäftigt mich, seit ich zum ersten Mal aus dem neuen Brunnen auf der Traminsel Paradeplatz getrunken habe. Es war Anfang dieses Sommers, ich stieg aus dem Tram 13, wollte auf das Tram 2 umsteigen, und ich war durstig. Ich musste mich weit hinunterbücken. «Ein Monument der Kleinwüchsigkeit», titelte Kollege jr, als Ende 2016 der Brunnen auf dem Paradeplatz aufgestellt war. Dem Brunnen aus Onsernone-Gneis, Zürcher Standardmodell, 60 000 Franken teuer, ging eine politische Odyssee voran. Die Kurzfassung: Dieser zusätzliche Brunnen, in einer Umgebung mit erheblicher Brunnendichte, braucht es, weil die anderen Wasserstrahlen für klein gewachsene Durstige (oder solche mit schmutzigen Händen am Ende von kurzen Armen) nur schwer zu erreichen waren.

Ich bückte mich also hinunter, sehr lange, denn der Brunnen wurde ­offenbar nach den Richtlinien der 2000-Liter-Gesellschaft erstellt: Es rinnt nur wenig Wasser aus dem Mes­singhahn. Würden hier Flaschen gefüllt, es gäbe lange Schlangen wie damals am Samstagmorgen beim Aqui-Brunnen. Neben dem bescheidenen Tempo des Durstlöschens bemerkte ich noch etwas sehr Unzürcherisches: die Wassertemperatur. Ist das schon lau?, fragte ich mich. Erfrischend kühl jedenfalls war es nicht.

«Mehr als 1200 Brunnen verschönern die Stadt Zürich, und aus allen sprudelt erstklassiges Trinkwasser», schreibt die Stadt. Sprudelt es auch aus allen gleich kalt? Oder war ich Opfer einer sensorischen Selbsttäuschung geworden?

Ich ging der Sache mit der nötigen Präzision auf den Grund: Als Liebhaber wohltemperierter Bäder packte ich mein Badethermometer ein und mass in den Brunnen nach. Die Resultate:

Brunnen Ecke Bleicherweg/Genferstrasse: 16 Grad Celsius

Tiefenhöfe: 15 Grad Celsius.

Züghusplatz: 16,5 Grad Celsius.

Münsterhof: 16 Grad Celsius.

Und das «Monument der Kleinwüchsigkeit»? Tatsächlich signifikant wärmer: 17,5 Grad Celsius.

Ich war kurz davor, eine Protestnote an die Wasserversorgung abzusetzen – bis ich merkte: Die Temperaturunterschiede sind Absicht! Denn so individuell die Temperatur beim Wein, so individuell sind die Geschmäcker der städtischen Trinkerinnen und Trinker. Es lohnt also, den Brunnen zu suchen, der Ihren Geschmack trifft.

«Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!»

Beni Frenkel am Donnerstag den 10. August 2017

Von der Wanderlust gepackt: Blick auf das (verhüllte) Brienzer Rothorn. (Foto: Beni Frenkel)

Am Dienstag sind wir zum Brienzer Rothorn gefahren. Von dort oben hat man eine wundervolle Aussicht auf die vielen Berge. Auf dem Gipfel stehen ältere Männer und zeigen mit dem Stock in verschiedene Richtungen. Sie können es nicht unterlassen, ihre Frauen zu langweilen: Dort ist die Jungfrau, da ist Obwalden, da bin ich letztes Jahr mit dem Heinz geklettert.

Im Restaurant habe ich das Tagesmenü bestellt. Dazu ein Bier. Neben mir lag der «Entlebucher Anzeiger» mit vielen Todesanzeigen. Anders als bei uns in Zürich, sieht man bei den ­An­zeigen ein Foto der Dahingeschiedenen. Bei uns steht ja immer das Gleiche. Hier aber lachen die toten Rösis, Miggis, Friedelis und Annelieslis den Leser an. Aber vielleicht sind das auch nur Symbolbilder. Ich bestellte nochmals ein Bier. Auf die lachenden Toten. Meine Frau guckte mich wütend an und meinte: «Du bist dick, du läufst runter!» Ich jubelte. Endlich mal Zeit für mich. Ich liebe wandern. Letztes Jahr – nur so nebenbei – bin ich mit der S4 auf den Uetliberg ­g­e­fahren. Von dort oben bin ich alles runtergelaufen. Und es hat geregnet.

Der Wegweiser auf dem Brienzer Rothhorn meinte, dass ich drei Stunden nach Sörenberg benötige. Das gilt für Anfänger, ich schaffe das in zwei Stunden. Nach zehn Minuten wurde ich ein bisschen unsicher. Der Weg führte über einen Kamm, links und rechts ein paar Hundert Meter Abgrund. Die Wanderer, die mir entgegenkamen, liefen in Bergschuhen und mit Walking-Stöcken. Ich trug alte Turnschuhe. Bei der schlimmsten Stelle, wo der Wanderweg knapp 40 Zentimeter breit war, dachte ich plötzlich an den Tod. Ich konnte mich nicht einmal richtig von der Familie verabschieden. Wenn ich jetzt runterstürze, steht morgen im «Blick»: «Leichtsinniger Wanderer (40) stürzte mit Turnschuhen vom Brienzer Rothorn» Vielleicht schaffe ich es sogar in den Aushang: «Blöder Kolumnist endlich tot!»

Der Hüttenwart wird natürlich auch zitiert: «Ich habe ihm eine halbe Stunde vorher noch ein Bier ein­geschenkt!» Wahrscheinlich gelingt es dem «Blick»-Journalisten, mich noch zusätzlich zu demütigen: «Immer mehr Chinesen verunglücken auf unseren Bergen. Das ist schlecht für unsere Exportwirtschaft.» Ich schaffte es bis zum berüchtigten Lättgässli. Langsam stieg ich die in den Fels geschlagene Treppe runter und hielt mich am Seil fest. Unten sang ich Halleluja. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, das Schlimmste sei vorüber, tauchen am Boden diese verdammten weiss-rot-weissen Streifen auf. Die bedeuten: Du kannst immer noch sterben.

Aber Mütter kennen das: Irgendwann hat man es geschafft. Die steilen Abhänge wurden sanfter, dafür brannten meine Oberschenkel wie Hölle. Jeder Schritt, eine Tortur. Und das dürfen Sie jetzt ruhig einmal glauben. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Kühe auf. Auch das noch. Eine Kuh mit zwei Hörnern näherte sich mir. Wieder kam mir der «Blick» in den Sinn: ­«Zürcher (40) wollte Kalb belästigen», «Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!», «Luzern-  Zürich 1:0», Nach vier Stunden kam ich im Reka-Dorf Sörenberg an. Die Familie sass vor dem Fernseher.

Eine Glacegeschichte (6)

Thomas Wyss am Samstag den 5. August 2017

Bei einer Stadt, die erstmals auf einem 185 n. Chr. gemeisselten Grabstein erwähnt wird – die aus dem Lateinischen übersetzte Inschrift lautet: «Den Manen. Hier liegt Lucius Aelius Urbicus begraben, der ein Jahr, fünf Monate, fünf Tage lebte. Unio, von Augustus freigelassen, Vorsteher der turicensischen (zürcherischen) Zollstation, [des Zollbezirks] Quadragesima Gallia, und Aelia Secundina, die Eltern ihrem liebsten Sohn» –, die also schon eher lang existiert, darf man sich nicht wundern, dass sie auch die eine oder andere Klatsche einstecken musste.

Zum Beispiel bei der «Schlacht bei St. Jakob an der Sihl» vom 22. Juli 1443 (die in der Nähe des Tamedia-Sitzes stattfand, nämlich da, wo sich heute die Tramhaltestelle Stauffacher befindet… wir hatten also Dusel, dass unser schönes Holzhaus noch nicht stand, das wäre bestimmt abgefackelt worden), bei der sieben der Acht Alten Orte der Eidgenossenschaft auf Zürich losgingen, weil sich Zürich aus Expansionslüsten seines Bürgermeisters Rudolf Stüssi, einer verwegenen Kriegsgurgel, mit den Habsburgern verbündet hatte. Am Schluss der Schlacht habe Stüssi allein die Sihlbrücke verteidigt – dazu gibts übrigens tolle Actionbilder von Werner Schodoler (1514) und Johannes Stumpf (1548) –, wobei er dann von einem pervers feigen Eidgenossen hinter- beziehungsweise unterrücks (sprich mittels Speer mitten ins Gemächt!) zu Tode gebracht worden sei.

Oder, auch das tat elend weh: die 5:6-Niederlage im Cuphalbfinal vom 3. März 2004 im Hardturm gegen die Grasshoppers. Und, nicht zu vergessen, der Verlust des Titels «Die Stadt mit der höchsten Lebensqualität» an Wien.

Doch wie schmerzhaft diese Pleiten auch sein mögen – sie sind auszuhalten, weil sich Zürich in allen erwähnten Fällen der gebotenen Herausforderung stellte. Und just darum ist das, was am 22. Juli an der Wurstsalat-WM passierte, unerträglich! Und mit «die Schande von Frick» noch viel zu nett betitelt!!!

Dammisiech, echt! Dabei hatten wir die Züribieter Wusa-Talente mehrfach dazu aufgefordert, bitte die Messer zu wetzen, um die letzte relevante Lücke im städtischen Titelpalmarès zu stopfen… und dann berichtete unser Aargau-Korrespondent völlig verstört, er habe unter den rund 40 bewerteten Tellern keine einzige Zürcher Kreation entdeckt. Ein solcher Menefreghismo könnte sogar in Italien bestehen!

Als wir dachten, schlimmer gehts nimmer, meldete sich Frau Ammann und meinte, sie hätte mit ihrem Rezept – «Cervelat, Tomaten aus dem Garten, gelbe Peperoni, hart gekochte Eier und Gürkchen in zierliche Würfel schneiden, in einer grosszügig angesetzten Vinaigrette mit Zwiebeln und etwas Knoblauch lange genug ziehen lassen, mit slowfoodmässig in Butter gebratenen Pommes rissolées im selben Grössenverhältnis und Spinatsalat servieren; der Kalt-warm-Effekt und das kunterbunte Aussehen: immer wieder der Renner!» – das Wurstsalatdesaster womöglich verhindern können. Warum sie es nicht versuchte? Hat sie leider nicht erwähnt.

PS: Stimmt, der heutige Titel hat mehr versprochen, als er einlösen konnte. Sorry. Gleichwohl sind wir dem Ziel, die längste Zürcher Glacekulturgeschichte ever zu fabrizieren, wieder einen Schritt näher gekommen. Cool.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag den 4. August 2017

«In der Seeanlage werden immer
wieder neue Bäume gesetzt.»

Trotz Kritik von allen Seiten hält das Tiefbauamt der Stadt Zürich am Veloweg Utoquai fest. Doch dort am See hat es kaum Platz. Hecke und Bäume müssten weg. Stadtingenieur Vilmar Krähenbühl hat mit dem Eingriff weniger Mühe als die Kritiker des Projekts. (Foto: Urs Jaudas) Zum Artikel

 

«Rosmarin ziehe ich auf meinem Balkon.»

Hans Kunz stellt das Trendgetränk Gin zusammen mit seiner Frau vollständig zu Hause her – in seiner Wohnung in Feldmeilen. Meist ist geheim, was die Hersteller alles beigeben. Kunz verrät nur eine Zutat seines Gins und auch, wo her er sie her hat: Rosmarin. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Wir waren gezwungen, zu handeln.»

Die Benutzung der einst kostenlosen Garderoben der Zürcher Sportanlagen Waid und Fluntern ist nur noch gegen eine Depotgebühr von 100 Franken möglich. Schuld ist der Vandalismus. Zuletzt waren die Zustände unhaltbar, wie Hermann Schumacher vom Zürcher Sportamt sagt. (Foto: Tamedia) Zum Artikel

 

«Das Andere darf anders sein. Das heisst nicht,
dass auch ich anders sein muss.»

Jodler, Alphorn, Trachten – am 1. August lockt die Stadt Zürich mit Folklore. Sogar das Sechseläuten ist zeitgemässer. Die Festansprache hielt SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Ein Racket muss man
von Herzen zertrümmern.»

Stan Wawrinka gibt Tipps zum Umgang mit dem Tennisschläger, seinem Lieb- und Hassinstrument. Und Tagi-Redaktor Martin Sturzenegger wagte den Selbstversuch gegen den Champion – virtuell und per Bildschirm. (Foto: Doris Fanconi ) Zum Artikel

 

«Ich bin traumlos, das ist nicht einfach.»

Benjamin Lüthi führte als ­Fussballer ein Leben im Übermut. Dann kam dem 28-jährigen Wahlzürcher sein Kindheitstraum abhanden. Und er hörte auf. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Ich werde wieder fliegen, auf jeden Fall.»

Ex-SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer (hier mit ihrem Mann auf einem Archivbild) erzählt, wie sie die Bruchlandung mit einem Kleinflugzeug in Maur zum Glück überstanden hat. (Foto: Giorgia Müller) Zum Artikel

 

«Ein Bier muss erfrischend sein.»

Der Winterthurer Philip Bucher hat im Nu mit dem Chopfab-Bier den Schweizer Biermarkt erobert – in rasantem Tempo. Der Geschäftsführer der Brauerei Doppelleu erklärt seinen rasanten Aufstieg – und weshalb ihm Zapfhähne nicht so wichtig sind. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Lärm am Himmel war gewaltig.»

Nur noch ein Scherbenhaufen: Ein Hagelzug hat am Abend des 1. August die Gewächshäuser von Hans Fritz in Brütten stark zertrümmert. Ein späterer Sturm hat auch im Rafzerfeld und Weinland grossen Schaden angerichtet. (Foto: Thomas Egli) Zum Artikel

 

«Wir haben das Wursten in den Genen.»

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Der Metzger Felix Bär über das Leben im Familienbetrieb und Erfolgsrezepte. Er muss es wissen, schliesslich stellt er am Rennweg den berühmtesten Fleischkäse Zürichs her. (Foto: Raisa Durandi) Zum Artikel

 

«Alle Angestellten waren da, alle weinten.»

Kurz vor Weihnachten 2016 ist der Sternen in Sternenberg komplett niedergebrannt. Die Besitzerin Marianne Brühwiler wirtet bereits wieder und plant, das Restaurant neu aufzubauen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Der Platz ist wunderbar, aber bei Sonne
kann man hier nicht sitzen.»

Weil es zu wenig Schatten auf dem Platz hat, stellt die Stadt 20 Sonnenschirme auf – und es könnten mehr folgen. FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger liess es sich nicht nehmen, den ersten Schirm persönlich zu öffnen. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

Liebes Mami, lieber Papi …

Beni Frenkel am Donnerstag den 3. August 2017

Schöne Aussicht im Reka-Dorf in Flühli. (Foto: Beni Frenkel)

 … ich bin gut in Sörenberg angekommen. Zuerst sind wir mit dem Zug von Zürich nach Luzern gefahren. Die Fahrt dauerte 45 Minuten. Dann sind wir mit einem anderen Zug nach Giswil gefahren. Die Fahrt dauerte 30 Minuten. Dann sind wir mit dem Postauto nach Sörenberg gefahren. Im Postauto hat es so viele Menschen gehabt, dass ich stehen musste. Neben mir stand ein Mann mit Mundgeruch. Die Fahrt im Postauto ging 45 Minuten. Jedes Mal schleuderte es mich in den Kurven zum Mann mit Mundgeruch. In Sörenberg sind wir dann ausgestiegen.

Dann sind wir zum Reka-Dorf gelaufen. Wir wohnen im zweiten Stock. Es ist schön. Es hat eine Küche, zwei Duschen, zwei Toiletten und einen Fernseher. Wir gucken sehr viel fern. Weil, draussen regnet es immer. Ich sage den Kindern immer: Das Wetter in den Bergen ist unbeständig. Darum gehen wir auch nicht viel wandern. Der Spielplatz ist schön. Es hat auch ein kleines Hallenbad. Es ist schön.

Die Kinder sind sehr laut. Sie streiten den ganzen Tag. Ich bekomme Kopfschmerzen. Dann mache ich ihnen den Fernseher wieder an und gehe nach draussen. Da trinke ich einen Kaffee vom Automaten. Er kostet 2.20 Franken. Er schmeckt so lala.

Ich versuche, Zeit mit der Frau zu verbringen. Wir gehen viel zum Volg. Ich sage zu meiner Frau: Du, schau, in Zürich kostet das Brot weniger. Die Milch ist 10 Prozent günstiger, die Äpfel etwa 15 Prozent. In Zürich gibt es Mayonnaise immer im Duopack. Da spart man viel Geld. Hier im Volg kostet die Tube Mayonnaise 30 Prozent mehr als in Zürich.

Mir ist ein bisschen langweilig. Das Internet läuft langsamer als in Zürich. Etwa 80 Prozent langsamer. Wenn ich einen Film angucken will, dann stoppt er alle 10 Sekunden. Das regt mich sehr auf.

Es gibt hier leider keine Badewanne. Nur zwei Duschen. Ihr wisst ja, wie gerne ich in der Badewanne liege. Das Wasser steigt immer höher. Nur noch mein dicker Bauch ragt über das Wasser. Ich stelle mir vor, wie meine Bauchhaare Menschen wären. Wegen des Klimawandels werden die Füsse, das Knie und schliesslich mein Schniedel überschwemmt. Nur noch die Bauchplatte ist trocken. Die Menschen auf meinem Bauch schreien: «Hilfe, Hilfe! Wären wir doch nie in die Seychellen geflogen! Wären wir doch nie mit einem Auto mit Verbrennungsmotor gefahren! Hilfe, Hilfe!» Doch das Wehklagen hilft jetzt auch nicht mehr. Das Wasser steigt immer höher. Bis endlich alles unter Wasser ist. Das mache ich zu Hause zweimal am Tag.

Wie geht es euch? Habt ihr schönes Wetter? Vorgestern habe ich im Internet verschiedene Webcams von Zürich angeschaut. Ich konnte in der Nacht nicht einschlafen. Die Kühe nebenan haben riesige Glocken. Man hört die Glocken auch bei geschlossenen Fenstern. Ich habe in der Nacht die Webcam von der Europaallee angeguckt. Jemand hat an der Zollstrasse im dritten Stock das Licht von drei Uhr bis fünf Uhr morgens brennen lassen. Ich versuche in den nächsten Tagen herauszufinden, welche Hausverwaltung zuständig ist.

Was macht ihr so? Guckt ihr auch viel fern? Schreibt mir doch auch mal eine Karte. Meine Adresse: Beni Frenkel c/o Reka-Dorf, Rothornstrasse 59, 6174 Flühli.

Eine Glacegeschichte (5)

Thomas Wyss am Samstag den 29. Juli 2017

Wir würden ja gern gemütlich beginnen, wie es sich für einen Sommerferienmorgen gehört. Einen Schluck kalten Kaffee nehmen (ganz früher sagte man, das sei Schnee von gestern, später behaupteten Forscher, das steigere die Attraktivität, und heute heisst das Zeugs «Cold Brew» und gilt als Trendgetränk – ob sich die Welt allenfalls doch eher rückwärts entwickelt?). Dazu würden wir zum Stück «La Mirada» («Umoja Remix») von Nicola Cruz durch die Wohnung tänzeln und daran denken, dass in den letzten zwei Tagen gleich drei wichtige Menschen Geburtstag hatten («Happy Hippie Birthday Stöffeler, Leuli und Oeschgi!»), dann unter die Dusche schwofen und dort, dem erfrischenden Nass ausgeliefert … tja, leider nein: Wir haben eine Traktandenliste abzuarbeiten. Sie umfasst zwar bloss zwei Punkte, ist aber dennoch ziemlich gewichtig. Los gehts.

1. Wie wir letzte Woche schrieben, bedauerte Leser Rothenhäusler, dass die einzige Eiscreme, die er liebe – die Cassata siciliana – in Zürich nirgendwo erhältlich sei. Wir konnten das kaum glauben – und wir hatten recht! Leser Schikowski teilte netterweise mit, dass eine feine Cassata im Ristorante Tramblu im Kreis 6 auf der Dessertkarte stehe. Grazie per l’informazione!

2. Es gibt Erzählungen, die sind herzerwärmend. Und es gibt solche, die sind noch ein wenig mehr als das; im aktuellen Kontext würde das Adjektiv (oder ists ein Adverb? Ich kann die Dinger einfach nie auseinanderhalten) «glaceschmelzend» gut passen.

Eine solche Erzählung hat uns Frau Spieler geschickt. Im Brief stand, sie sei in Wollishofen aufgewachsen, weshalb das in Teil 3 dieser Glacegeschichte publizierte Rezept des Eiskaffees, der im Aeschlimann serviert wurde (also in der Wollishofer Beiz meiner Grosseltern), bei ihr eine schlummernde Erinnerung wachgeküsst habe.

Frau Spieler, damals acht oder neun Jahre jung, sass an einem heissen Sommertag im Garten des Aeschlimann und löffelte im Beisein ihrer Mutter besagten Eiskaffee aus einem eisgekühlten Silberbecher. Wegen der Sonne entschied die Mutter, den Platz zu wechseln, und stand auf. Frau Spieler tat es ihr gleich, griff nach den beiden Eisbechern, klemmte einen unter den Arm und dann… hier der O-Ton des Briefs: «Das war wohl keine so gute Idee gewesen – lief doch der Inhalt des Eiskaffees über mein schönstes Sommerkleid und tropfte auf meine weissen Söckchen und in die Sandalen. Das Kleid war rosa Organza und mit Blümchen bestickt – dazumal was ganz Spezielles.» Dem dürfen wir beipflichten; dem Brief war nämlich ein herziges Foto aus dem Familienalbum beigefügt, das Klein Frau Spieler im adretten Gewand zeigt.

Danach passierte das, was anno dazumal bei solchen Vorfällen halt einfach gang und gäbe war: Es gab schlimm Schimpfis vom Mami – vor allen Leuten –, und zu Hause gabs viel Trost vom Grossmami, die, wie im Brief zu lesen war, das Kleid wieder tadellos sauber brachte.

Molto bene. Und nächsten Samstag, in Teil 6, kommen wir nebst weiterer Glacekulturgeschichte dann auch noch auf das kollektive Zürcher Versagen an der 5. Wurstsalat-WM vom vergangenen Samstag (bereits geläufig als «Die Schande von Frick») zu sprechen.

Gegen Enten schwimmen

Beni Frenkel am Donnerstag den 27. Juli 2017

Das Männerbad Schanzengraben in der Stadt Zürich. (Foto: Beni Frenkel)

Ich war nie eine Wasserratte. Bis heute beherrsche ich nur Brustschwimmen. Neidisch gucke ich den Crawlern hinterher. Das sieht so elegant aus, wie die durch das Wasser pflügen, während ich es immer wieder schlucke. Im Zusammenhang mit Schwimmen habe ich als Kind einmal fast einen Skandal im Kanton Aargau ausgelöst. Ich konnte nämlich bis in die 5. Klasse nicht schwimmen. Und das im Wasserkanton! Zehn weitere Kinder im gleichen Alter mussten deswegen jeden Mittwochnachmittag zum Hallenbad Baden traben, damit sie endlich mal schwimmen lernen. Die Schwimmlehrerin schrie uns jedes Mal an. Anscheinend die beste Methode. Denn sobald ein Kind 25 Meter schwimmen konnte, musste es nie wieder kommen. Ich blieb als Letzter übrig.

Auch heute noch gehe ich ungern in Schwimmoder Hallenbäder. Erstens hasse ich Schwimmen, und zweitens hasse ich Männer, die zehnmal besser aussehen als ich. Früher galt die Regel, dass man nach der Hochzeit dick wird. Sonst hiess es im Dorf: Seine Frau kocht nicht gut. Heute müssen Väter immer noch einen Waschbrettbauch haben. Zudem ist es mir unangenehm, wenn ich halb nackte Frauen sehe und dabei nur eine Badehose trage.

In Zürich gibt es zum Glück ein Schwimmbad, wo Frauen keinen Zutritt haben und hässliche Männer nicht angestarrt werden. Darf ich vorstellen: das Männerbad Schanzengraben. Da gehe ich gerne hin. Denn da schwimmen enorm viele orthodoxe Juden. Die sind zum Teil so dick, dass sie ihre primären Geschlechtsmerkmale nicht mehr sehen können. Das ist bei mir leider auch der Fall.

Der Schanzengraben ist eigentlich nur ein kleiner Abfluss vom Zürichsee. Die Strömung ist aber ziemlich stark. Flussaufwärts komme ich fast nicht voran. Wenn ich die 50 Meter aber dennoch geschafft habe, gönne ich mir immer ein Glace. In der Männerbadi gibt es nämlich einen kleinen Kiosk mit Koscher-Artikeln. Chips, Schokoriegel und eben Glace sind alle koscher und stammen entweder aus Israel oder Amerika.

Ich setze mich dann in die Sonne und lutsche das Eis. Manchmal habe ich das Gefühl, von Männern beobachtet zu werden. Angeblich soll das Männerbad Schanzengraben nicht nur von Juden frequentiert werden, sondern auch von Schwulen. Mir ist das egal. Ich bin tolerant.

Diesen Montag allerdings guckt mich niemand an. Ich ziehe meine Kleider aus und hüpfe ins Wasser. Für nächstes Jahr habe ich mir als Ziel gesetzt, den Zürichsee zu überqueren. Das würde mir helfen, die Schwimmstunden im Aargau zu verdrängen. Meine bisherige Rekordmarke liegt bei drei Runden. Die will ich heute brechen. Aber es beginnt nicht gut. Die verdammte Strömung. Ich komme nicht vom Fleck. Ich versuche Crawl. Zwei Stockenten flattern davon, und der Bademeister guckt mir zu.

Denk an das Glace! Nein, denk an nichts. Ich drehe mich auf den Rücken und versuche, so weiterzukommen. Die Strömung trägt mich weg. Bald kommt das Abflussgitter. Der Bademeister ruft mir etwas zu. Ich verstehe ihn nicht. Ich klammere mich ans Geländer und steige aus dem Wasser.

Wie peinlich.

Eine Glacegeschichte (4)

Thomas Wyss am Samstag den 22. Juli 2017

Ein zeitgeistiger Zeitungsredaktor würde jetzt stöhnen: «Ach Leute, bitte, so geht das nicht, so kommen wir mit dieser Sache nie ins Ziel… es gibt doch wirklich noch andere und vor allem wichtigere Themen… wieder und wieder auf dieser Sache rumzureiten – Pardon: an dieser Sache rumzuschlecken –, ich weiss nicht, das ist doch nicht nötig, das wird echt langsam öde.»

Ein Vertreter der guten alten Schule würde dagegen erst mal betont höflich sagen: «Merci villvillmal!» Danach würde er aus schierer Freude am Leben eine (natürlich rein imaginäre; die echte könnte er sich gar nicht leisten, zudem sei Rauchen ja glaub ungesund) Habano anzünden – notabene aus dem Anbaugebiet Vuelta Abajo – und diese Scheinzigarre würde er genauso genüsslich paffen, wie der grosse FCZ-Präsident Edi Nägeli selig nach den sechs Meistertiteln und fünf Cupsiegen seine realen Triumph-Stumpen paffte (ich bin übrigens ziemlich sicher, dass er das morgige Derby, Fliege, Hornbrille und Hut inklusive, von der himmlischen Ehrentribüne aus mitverfolgen wird). Und wenn der fette Glimmstängel beendet wäre – also wohl ungefähr jetzt –, würde er für alle Leserinnen und Leser, die bislang nur dezent amüsiert die Stirn runzelten, endlich Klarheit in dieses textliche Dunkel bringen… ja, und genau das will ich alter Schüler nun tun.

Fakt nämlich ist: Obwohl diese Beiträge zur Zürcher Glacekultur offenkundig geprägt sind durch eine ( je nach Sichtweise bedenkliche oder erstaunliche) Brisanzarmut, haben sie Post bewirkt. Emotionale Post sogar, auf die ich selbstverständlich eingehen will. Was wiederum weitreichende Folgen hat. Die erste: Das für heute angekündigte Programm wird – wie bereits die Programme der letzten Wochen – kurzfristig über den Haufen geschmissen. Die zweite: Die Serie, ursprünglich als Zweiteiler angedacht, wird lang und länger. Die dritte: Die Begeisterungsstürme, die diese Spontanverlängerung auslöst, sind (charmant formuliert) nicht überall gleich hemmungslos. Die vierte: Statt zu kuschen, rufe ich «Watsky!» (das ist vergleichbar mit Trumps «covfefe», bloss konkreter) und versuche nun, die längste Glacekultur-Serie in der langen Geschichte dieser Stadt zu bewerkstelligen. YEAH! (Okay, yeah! genügt auch).

So, genug aufgeklärt, reden wir über die zuvor erwähnte Post. Die zuerst in Form eines Mails von Herrn Rothenhäusler eintrudelte. Er schrieb, er liebe «nur die weisse Glace vom altmodischen Cassata (die mit den kandierten Früchten)», doch keine einzige Gelateria weit und breit habe Cassata im Angebot («nicht mal die mit 100 Sorten»), er verstehe das nicht. Echt wahr? Ist dieser italienische Klassiker, der im Original «Cassata alla siciliana» heisst, in Zürich nicht mehr erhältlich? Wer anderes weiss, bitte melden!

Ja, und dann kam der Brief von Frau Spieler. Das kindliche Eiskaffee-Erlebnis, das sie darin schildert, ist derart herzig und köstlich, dass es sünd und schad wäre, damit die wenigen hier verbleibenden Zeilen zu füllen; wir machen das lieber ausführlich in Teil 5 am nächsten Samstag – und rufen jetzt stattdessen nochmals alle Zürcher Wurstsalat-Könner dazu auf, unsere Farben heute Abend an der Wusa-WM in Frick AG würdig zu vertreten!