Was sie lebenswert macht

Wie verhindert die Agglo, dass sie zum Siedlungsbrei verkommt? Eine kleine Anleitung.

Hofkäserei in Dietikon: Eigenständig zwischen Stadt und Land. (Bild: Doris Fanconi)

Gemeinden können trotz schnellem Wachstum und Verdichtung verhindern, dass sie zum Siedlungsbrei verkommen. Davon erzählte der Siedlungsplaner Manuel Peer in den vorangegangenen Folge dieser kleinen Serie. Er sagt: Die Mühe lohne sich, denn dann habe das Wohnen in der Agglo gegenüber dem Wohnen in der Stadt durchaus Vorzüge. Nämlich …

Preis/Leistung: In der Agglo bekommt man mehr und zentraleren Wohnraum für weniger Geld. Die Wege sind kurz – ins Zentrum, zum Arzt, in die Schule, auf den Sportplatz oder ins Grüne. Die Agglo sei daher eigentlich familienfreundlicher als die Stadt, findet Peer. Er selbst ist einst in die Agglo gezügelt, als er Vater wurde.

Bevölkerungsstruktur: In der Agglo wohnen die «Normalos», ganz und gar positiv gemeint. Da muss man keine Angst haben, dass man plötzlich nicht mehr ins Bild passt, weil man keinen akademischen Titel trägt. Peer spricht jene Stadtzürcher Quartiere an, in denen es schon fast als Schmach empfunden werde, wenn es das eigene Kind nicht ans Gymnasium schaffe. Weil sich in der Agglo die verschiedenen Siedlungstypen rein geografisch näher sind, ist die Bevölkerung durchmischter. «Man kann sein ganzes Leben lang in seiner Agglogemeinde bleiben, wenn man das will», sagt Peer. «Es hat Siedlungen, die besonders gut geeignet sind für Familie, Quartiere mit Wohnungen, die für Junge passen und mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossene Gegenden für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind.»

Dazugehörigkeit: In der Agglo können sich Neuzuzüger schneller einbringen als in der Stadt. Sie sind etwa in der Politik, aber auch im Fussballverein oder im Kulturclub bald so etabliert, dass sie mitgestalten und Einfluss nehmen können. Kurzum: «In der Agglo bist Du wichtiger.»

Und gibt es für Peer eine Art Vorzeige-Agglo? Oerlikon! Dort wurde fast alles richtig gemacht, findet er. Es gibt ein lebendiges Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und mit einem grosszügigen Platz, auf dem der Markt stattfindet. Es gibt gewachsene Quartiere mit kleinen Einfamilienhäusern für Familien. Es gibt urbane, verdichtete Siedlungen für Junge und bezahlbare Genossenschaftswohnungen. Nur etwas hindert Oerlikon daran, die perfekte Agglo-Gemeinde sein: Es gehört zur Stadt Zürich.

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