Damit die Agglo gedeiht

Agglogemeinden wachsen schnell. Damit sie auch gut wachsen, braucht es klare Regeln.

Ein Hochhaus in Schlieren: Mehr als 45 Meter liegen nicht drin. Foto: Urs Jaudas / Tages-Anzeiger

Im ersten Teil dieser Serie zeigte der Siedlungsplaner Manuel Peer auf, wie die Agglo seit dem zweiten Weltkrieg in drei Wachstumsschüben entstanden ist. Er sagt: «Wenn viel und schnell gebaut wird, ist die Gefahr gross, dass viel Schlechtes gebaut wird.» Wie kann man das verhindern? «Die Gemeinden müssen den Investoren klar aufzeigen, was sie wo wollen. Und was wo nicht.» Das braucht ein Konzept, etwas Mut und viel Durchsetzungsvermögen.

Beginnen wir mit dem Konzept: Eine Gemeinde, ganz unabhängig von ihrer Grösse, muss sich, wenn sie wachsen will oder muss, klar darüber sein, wo sie wachsen will. «Man kann nicht neben das Dorfzentrum, wo das höchste Haus, abgesehen von der Kirche, die Dorfbeiz mit ihren zwei Stöcken und einem Giebeldach ist, eine Siedlung mit 5-geschossigen Gebäuden und Attikawohnung hinstellen», sagt Peer. «Da nützt es auch nichts, wenn das gute Architektur ist. Der Ortscharakter ist dann zerstört.» Es müsse «ortsbaulich» stimmen.

Auch das Einfamilienhausquartier soll man in Ruhe lassen, selbst wenn es der heutigen Raumplanung, die verdichten will, entgegenläuft. Doch dann gibt es fast überall das Quartier mit gesichtslosen Blöcken oder die etwas heruntergekommene Siedlung mit den Fünfzigerjahre-Häusern. Dort wird neu gedacht. Dort wird verdichtet.

Zum Mut: Einige Investoren, vor allem kleinere, reagieren genervt auf solche Konzepte. Das hat Peer mehrfach erlebt. «Da muss man als Gemeinde durch», ist er überzeugt. Die Gemeinde müsse den Mut haben, das Wachstum in ihrem Sinne zu lenken, Siedlungsqualität einzufordern, wenn es sein muss, abzubremsen und zu dosieren.

Zum Durchsetzungsvermögen: Ein solches Konzept, das bestenfalls von Parlament oder Volk abgesegnet wurde, ist ein mächtiges Instrument in der Hand einer Gemeinde, wenn es selbstbewusst durchgesetzt wird. In Schlieren etwa, wo Peer neun Jahre Stadtingenieur war, sei beschlossen worden, dass Hochhäuser maximal 45 Meter hoch sein dürfen. Immer wieder kamen Investoren, die höher bauen wollten. «Wir konnten dank unserer festgesetzten Strategie immer abwinken.» Was akzeptiert worden sei, weil klar war, dass diese Regel für alle, also auch für die Konkurrenz, gelte. «Investoren wollen in erster Linie Sicherheit und gerecht behandelt werden.»Fortsetzung folgt.

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