Im Club der fehlenden Frauen

Die grosse Mehrheit der Nachtleben-Treibenden steht den durch den Frauenstreik vermittelten Anliegen positiv gegenüber, zögert jedoch bei deren konsequenter Umsetzung.

Grossandrang an der Zürcher Frauenstreik-Demo (Bild: Keystone)

Rund um den Frauenstreik sind unzählige Beiträge erschienen, die betonen, wie wichtig die Frauen für die Wirtschaft seien, dass ohne sie «nichts laufen» würde. Viele derTexte wurden von Männern verfasst, punkten mit gönnerischem Unterton und werden auf Facebook eifrig beklatscht. Auch Alexander Bücheli, der Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich (BCK), hat sich auf Hellozurich.ch mit einem Beitrag zum Nachtleben zu Wort gemeldet. Er habe es satt, dass vor allem Männer imScheinwerferlicht stehen würden.

In der Folge zeigt er auf, welche Frauen in den vergangenen Jahrzehnten das Nachtleben geprägt haben. Von Viola Zimmermann ist da die Rede, die 1992 an der ersten Street Parade mit einem Love-Mobile dabei gewesen war. Auch auf Manuela «DJ Ajele» Ardayfio kommt er zu sprechen, die heute noch auflegt. Marion Meier, die Geschäftsführerin des ehemaligen Rohstofflagers, und Leila Benaissa, verantwortlich für die Vision-Outdoors, dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Man liest und ist beeindruckt, was Nightlife-Frauen bewegt haben. Im Schlussabsatz betont Bücheli, dass Zürich gut aufgestellt sei, die weibliche Erfolgsgeschichte der Technokultur weiterzuschreiben. Auch wenn die Nachtkultur mehr Weiblichkeit nötig habe, da Gleichberechtigung noch lange nicht Realität sei.

Bloss: Zürich ist alles andere als gut aufgestellt. Gerade hat die Stadt mit dem Minirock den einzigen, mehrheitlich von Frauen geführten Club verloren, und der war nicht mal Techno. Leila Benaissa hat ihre Vision eben erst weitergegeben – an eine Gruppe von Männern. Marion Meier ist schon vor langer Zeit von der Nachtleben-Bildfläche verschwunden, und es gibt keinen einzigen Electronica-Clubder von Frauen betrieben wird. Einzig bei den Bookings von DJ-Frauen gibt es Hoffnung, aber nach wie vor sind sie in den meisten Lineups (wenn überhaupt vorhanden) in der Unterzahl.

Es ist eine Schweizer Unart, den Protest stets in Watte zu packen: Ohne Frauen läuft in der Techno-Stadt Zürich nichts? Techno-Zürich würde wohl auch dann reibungslos weiterfunktionieren, würden sämtliche Nachtleben-Frauen auf einen Schlag ihre Jobs quittieren. Bloss an den Garderoben und Bars käme es zu Personalengpässen. So ist das.

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