Kein Gerede über Preise

Viele fahren mit dem eigenen Schiff zu Strozzi's Strandhaus. Oder mit einem Ferrari. Es geht auch in der S-Bahn.
Goldküste von oben. Die Seesicht gibts hier nicht umsonst. Foto: Alessandro Della Bella/Keystone

Goldküste von oben. Die Seesicht gibts hier nicht umsonst. Foto: Alessandro Della Bella/Keystone

Es gibt nur eine Handvoll Restaurants am Zürichsee, die man auf dem Wasserweg ansteuern kann. Eines davon ist Strozzi’s Strandhaus in Herrliberg, wobei die am Steg aufgereihten Boote fast schon an Saint-Tropez erinnern.

Wer kein Boot auf dem Zürichsee besitzt, nimmt entweder das Wassertaxi (rund 100 Fr. von Zürich aus) oder fährt mit dem Kursschiff nach Erlenbach (6.80 Fr.). Von dort aus erreicht man das Strozzi’s zu Fuss in 20 Minuten. Und man merkt beim Ankommen rasch, dass Fussgänger hier in der Unterzahl sind. Auf dem Parkplatz stehen die Audis und die Ferraris, die ein «Valet Service» gekonnt versorgt hat.

Die Besitzerinnen und Besitzer der Gefährte essen entweder in Strozzi’s Strandhaus oder im Seehaus, das gleich danebenliegt. Das seit diesem Jahr von Mike Gut geführte Restaurant gehört zu den besten Adressen direkt am Zürichsee. Dementsprechend nautisch mutet die Atmosphäre an. Männer mit golden gestickten Tauen an der dunkelblauen Jackett-Tasche, Frauen tragen bunte Sommerkleidern.

Das Seehaus ist bei unserem abendlichen Besuch voll, also nehmen wir mit Strozzi’s Strandhaus vorlieb. Was die Familien-Pizzeria für die Agglo-Bewohner ist, ist das Strandhaus für Leute von der Goldküste. Wir kriegen einen Platz unter Dach, da es windet und kühl wird – und das passt so. Nebenan hat sich eine Festgemeinschaft mit Kindern eingerichtet. Ihr Geräuschpegel ist bemerkenswert, wie auch die Aussicht über den See.

Zur Vorspeise gibt es Vitello tonnato (25 Fr.) und Insalata di Polpo (24 Fr.). Beides schmeckt gut, Ersteres sehr gut. Danach Fisch und Fleisch, Tagliata di Manzo (46 Fr.) auf einem Rucola-Beet und Spaghetti alle vongole
(35 Fr.). Wir geniessen die Seesicht, sie kostet aber auch: Eine Flasche San Pellegrino schlägt mit 12 Franken zu Buche. Darüber, ob sich das lohnt, wird hier ebenso wenig diskutiert wie in der Pizzeria im Industriegebiet.

Richtig bezahlt macht sich das Dessert, das wir einige Schritte weiter im Seehaus einnehmen: eine Buttermilch-Mousse in einem Holunder-Champagner-Süppchen (16 Fr.) und eine Panna Cotta mit Heidelbeeren unter Erdbeererde (11 Fr.). Sie schmecken beide perfekt. Da der Abend etwas gekostet hat, nehmen wir zurück die S-Bahn. Und: Geht auch.

Strozzi’s Strandhaus, Seestrasse 146, Herrliberg. 044 915 14 18. Mo bis Fr 11.30 bis 23 Uhr. Sa u. So 12 bis 23 Uhr (wetterabhängig). strozzis.ch

1 Kommentar zu «Kein Gerede über Preise»

  • Patrice sagt:

    Interessanter Bericht muss ich echt sagen, dem beizufügen ist das wirklich nicht so viele Goldküsten Bewohner aus Herrliberg, Erlenbach, Küsnacht und Meilen da essen gehen, denn auch Goldküsten Bewohner achten aufs Geld und sind in der Regel sparsam und zahlen nur ungern 12 Franken für ein San Pellegrino und schon gar nicht für einen unaufmerksamen Service mit einer durchschnittlichen Küche.

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