Redet mit euren Söhnen

Wer als Mann die Frauen unterstützen will, muss seine Söhne zu Frauenförderern erziehen.

Frauen spielen besser Fussball, findet der Kolumnist. Ausschnitt aus dem Spiel der Schweizer Nationalmannschaft. Foto: Melanie Duchene/Keystone

Nur noch einmal schlafen, und dann ist Frauenstreiktag. Ich freue mich riesig. Wir sind ein kleines Grüppchen von Männern und Frauen, die an diesem Tag freigenommen haben, um für die Rechte der Weiber zu demonstrieren. Wir leben zwar im Jahr 2019 – aber die Hälfte der Menschheit wird immer noch unterdrückt. Ich hoffe, dass morgen so viele Menschen auf die Strasse gehen, dass wirklich allen klar wird: The future is today, the future is female!

Eine Untersuchung der University of Istanbul hat gezeigt: Männer, die an Frauenstreiks teilnehmen, sind fast 23 Prozent empathischer als der Rest.

Ich denke aber, dass es mit einem Streiktag allein nicht getan ist. Was fehlt, ist ein durchdringender Appell an die (männlichen) Entscheidungsträger der Schweiz: Fördert die Schweizer Frauen! Bestückt die Verwaltungsräte mit Frauen, setzt so viele Frauen wie möglich ins Jet-Cockpit und führt endlich verbindliche Frauenquoten ein. Die Zeit, sie ist reif dazu.

Aber redet auch mit euren Söhnen. Sie sind entweder die nächsten Unter­drücker oder die ersten Frauenförderer der Schweiz. Ich rede sehr viel mit meinem Jungen. Auch über Frauen. Zum Beispiel wenn wir einer Fahrschülerin beim Parkieren zugucken.

Dann bleiben wir minutenlang neben dem Parkplatz stehen und rühren uns keinen Zentimeter. Der Fahrlehrer versucht uns mit einer Handbewegung zu verscheuchen, und die Fahrschülerin fährt über die Bordstein­kante. «Was du hier siehst», erkläre ich meinem Sohn, «ist dem männlichen Fahrlehrer geschuldet.»

Oder ich gucke mit ihm Frauenfussball. Bitte beantworten Sie die Frage ehrlich: Wie ist das Spiel USA – Thailand an der WM ausgegangen? 13:0. Das spannende Spiel hat einmal mehr gezeigt: Frauen können gleich gut wie Männer Fussball spielen. Meiner Meinung nach sogar besser.

Meine Lieblingsspielerin ist übrigens Suchawadee Nildhamrong. Die erst 22-Jährige ist Stürmerin und zählt zu den grössten Talenten des Reiselands Thailand. Nildhamrong ähnelt in ihrem Spielaufbau sehr stark Melanie Müller (YB-Frauen).

Ich weiss übrigens schon, was ich morgen an der Frauendemo tragen werde: ein Nationaltrikot der ­Schweizer Fussballnationalmannschaft der Frauen. Und Sie?

3 Kommentare zu «Redet mit euren Söhnen»

  • Mike Müller sagt:

    „Wie ist das Spiel USA – Thailand an der WM ausgegangen? 13:0. Das spannende Spiel hat einmal mehr gezeigt: Frauen können gleich gut wie Männer Fussball spielen. Meiner Meinung nach sogar besser.“

    Ist das Sarkasmus?

  • Hans Müller sagt:

    Wenn Frauenquoten eingeführt werden, müssen im gleichen Atemzug auch Männerquoten eingeführt werden. Ansonsten wäre eine Belegschaft möglich, die zu 100% weiblich ist, aber das Gegenteil nicht. Das wäre ja dann keine Gleichberechtigung, sondern Übervorteilung. Das kann nicht im Interesse jener sein, die GLEICHberechtigung fordern.

  • K.A. Barett sagt:

    Beni Frenkel darf das alles, was er schreibt. Aber das Gleiche von anderen Männern erwarten, oder gar fordern?
    Eine staatlich verordnete Frauenquote für jeden Betrieb? Das wäre toxisch. Das wollen all jene relevanten Frauen nicht, die ich persönlich kenne. Der Staat soll und darf sich nicht in Führungsfragen der privaten Wirtschaft einmischen. Ansonsten kann er auch noch gleich die geschäftlichen Risiken übernehmen.
    Dann hätten wir das, was die Jusos und Jean Ziegler längst fordern: Den Kapitalismus überwunden, beziehungsweise, diesen mit „Erfolg“ abgeschafft.
    Jeder vernünftige Unternehmer fördert in seinem Betrieb fähige Frauen. Nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil sie fähig sind.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.