Ein magisches stilles Örtchen

Bei einem unerwarteten Tête-à-tête im Aeugstertal kommen plötzlich eigenartige Themen auf den Tisch - aber auch ein saftiges Kotelett.

Eine Säuliämtler Landbeiz zum Verweilen. Bild: Thomas Wyss

«Vielleicht seid ihr ganz für euch, an einem Montag ist das immer möglich.» Dies sagt Sabina am Telefon, als ich Tage davor einen Tisch reservieren will. Ich lache, da ich denke, die Wirtin der Alten Post im Aeugstertal habe eben einen flotten Witz gemacht.

Als wir an besagtem Montag gegen 20.30 Uhr die Vorspeisen geniessen – einen herrlich frischen, mit Gartenflora geschmückten Salat (8.50 Fr.) sowie eine nicht allzu pikante, den Gaumen aber gleichwohl facettenreichverführende nordafrikanische Gemüsesuppe (8.50 Fr.) –, zeigt sich, dass Sabinas Bemerkung nicht wirklich humorvoll gemeint war: Die wenigen anderen Gäste brechen bald nach unserer Ankunft auf, und so haben wir den anmutigen Sommergarten des Pöstli (wie das Lokal von seinen vielen Habitués geheissen wird) nun wahrhaftig für uns allein… Kein Wunder, kommen bei diesem unerwarteten Tête-à-tête plötzlich eigenartige Themen auf den Tisch, doch zum Glück ist da Franz, Sabinas Gatte und quasi ein Lottosechser von Gastgeber, der durch launig-lustvolle Schilderungen über Speis und Trank dafür sorgt, dass das Gespräch nicht zu sehr zu knistern und zu lodern beginnt.

Fast noch wichtiger aber ist anderes. Zum Beispiel der Demeterwein, ein Blauer Zweigelt (5 dl für 37.50 Fr.) vom Weingut Besson-Strasser neben dem Rheinfall, dessen pointierte, von Franz ankündigte Cassisnote uns nachhaltig verzückt. Oder die Hauptgänge, das saftige und geschmackvolle Kotelett mit Rösti (29.50 Fr.) sowie die Schafbratwurst mit Käse- und-Speck-Rösti (24 Fr.), die mir Franz «von Wurstfan zu Wurstfan» ans Herz legt (wofür ihm mein innerer Gourmet auf ewig dankbar sein wird). Und natürlich die entscheidende Frage: Wie zum Henker sind wir Cityslicker überhaupt in dieser abgeschiedenen Säuliämtler Landbeiz gelandet? Verantwortlich dafür ist mein Vespa-Händler und -Mech, der hier vor langer Zeit die Treffen seines Vespa-Fanclubs abhielt; mit Namen und Emblemen voll geritzte Holztische in der Wirtsstube sind stumme Zeugen davon. Wir wären auch sehr gern mit der Vespa da rausgefahren, doch sie ist – überfällig! – nach wie vor im Service.

Das Kotelett mit Rösti sowie die Schafbratwurst mit Käse- und-Speck-Rösti. Bild: Thomas Wyss

Als das magische stille Örtchen beim durch Espressi begleiteten Eindunkeln immer noch stiller wird, machen wir uns auf den Heimweg – mit dem Versprechen, bald zurückzukehren.

 

Alte Post

Pöstliweg 1, 8914 Aeugstertal. Tel. 044 761 61 38.

Mo/Di/Fr 16–24 Uhr, Sa/So 10–24 Uhr. Reservation empfohlen.

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