Streiken am Waschtag

Warum unser Autor am Frauenstreiktag mitmacht? Weil er sich furchtbar aufregt.

Lohngleichheit jetzt! Zum Beispiel für Stadtpräsidentin Corine Mauch. (Foto: Doris Fanconi)

Morgen in einer Woche ist Frauenstreiktag. Vielleicht wurde das bei der Planung übersehen: Der Freitag ist – normalerweise – ein Waschtag. Montag oder Sonntag wäre wahrscheinlich besser gewesen.

Natürlich werde ich zur Demo gehen und mich an den Ausschreitungen beteiligen. Wir befinden uns im Jahr 2019. Trotzdem verdienen unsere Frauen durchschnittlich 24,6 Prozent weniger als die Männer. Das macht mich sehr wütend.

Ich habe mich in den letzten Tagen mit verschiedenen Studien befasst. Was ich da erfahren habe, rüttelt mich immer noch auf. Am meisten hat mich dabei eine Analyse aus Japan erschüttert: 34,6 Prozent der Frauen verdienen durchschnittlich 19,8 Prozent weniger als gleichaltrige Männer. 23,7 Prozent sogar weniger als 34,7 Prozent. Zählt man die 12,8 Prozent der befragten Japanerinnen hinzu, die 12,9 Prozent weniger verdienen, kommt man – aufgerundet – auf 54,8 Prozent japanischer Frauen, die im Durchschnitt 22,9 Prozent weniger als männliche Japaner erhalten.

In Zürich sieht es nicht viel besser aus. Es ist bekannt, dass Corine Mauch jeden Monat knapp 4209 Franken kriegt. Ihre männlichen Ratskollegen erhalten 34 000 Franken. Pro Monat! Das ist mehr als achtmal mehr, als unsere Stadtpräsidentin verdient. Von den 4209 Franken muss Mauch 560 Franken für Blumen, Kleider, Schminke und Tanzkurse ausgeben. Am Ende bleiben nur 3649 Franken übrig. Rechnet man das auf die Stunde aus, kommt Corine Mauch auf 19.50 Franken pro Stunde. Das ist zwar mehr, als unsere illegale Putzfrau bekommt, aber meiner Meinung nach viel zu wenig! Unsere Putzfrau heisst übrigens Natascha – oder Nadeschka. Sie kommt aus Ungarn beziehungsweise Rumänien oder Bulgarien.

Nadeschka putzt die Wohnung wie keine Zweite. Sie wurde uns von anderen empfohlen. Wir zahlen ihr 19 Franken pro Stunde plus Essen und Trinken. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen und runde auf 20 Franken auf. Ich kenne andere Haushalte, die ihren Putzfrauen nur 17 Franken pro Stunde bezahlen!

Nadeschka hat ursprünglich Wirtschaft irgendwo in Osteuropa studiert. Ihr Masterabschluss sei in der Schweiz allerdings nicht anerkannt, hat sie mir einmal erzählt. Ich hielt gerade einen Mars-Riegel in der Hand und fragte erschüttert: «Du wollen?»

3 Kommentare zu «Streiken am Waschtag»

  • Ch. Weiss sagt:

    Frau Mauch kriegt aber zusätzlich 29 400.- Spesenvergütung und wird von allen Coiffeuren in Zürich gratis frisiert! Das gleicht sich also wieder einigermassen aus, nicht wie bei Japanerinnen bzw. Chinesinnen oder Koreanerinnen!

  • Roberto Molinari sagt:

    Sehr geehrter Herr Frenkel, wieso bezahlen Sie Ihrer Putzfrau nicht einen anständigen Lohn von CHF25-30.-/h? Können Sie sich das ist nicht leisten als Sozi? Typisch, sich enervieren bezüglich den (unbewiesenenen tieferen Einkommen der Frauen), aber die eigene Putzfrau ausbeuten…

  • Stefanie Akin sagt:

    Lieber Herr Frenkel
    Wahrscheinlich ist Ihr Kommentar ironisch gemeint, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob er auch so verstanden wird. Daher die Bitte an alle Familienväter: Bleiben Sie am Frauenstreiktag zu Hause, gehen Sie mit Ihren Kindern an die frische Luft, besuchen Sie Ihre Eltern & Schwiegereltern, putzen Sie, machen Sie die Wäsche und kochen Sie etwas Ordentliches.
    Ihre Frau wird von der Kundgebung bestimmt hungrig nach Hause kommen. Auch Ihre Putzfrau, Nanny, Kindergärtnerin, Altersheim-Angestellte oder wer sonst noch die Care-Arbeit für Sie gratis oder schlecht bezahlt erledigt (ziemlich sicher alles Frauen), sollte zumindest die Möglichkeit haben, an die Kundgebung gehen zu können, ohne deswegen eine Kündigung oder Lohneinbusse zu erhalten.

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