Die Stagnation ist Gift für die Clubkultur

Ein Club geht auf, ein anderer zu. Und wenn mal ein Club mit Zukunftsaussichten eröffnet, dann nur noch an einer Adresse, an der sich bereits zuvor einer befunden hat.

Die Minirock-Macherinnen verabschieden sich. Foto: Boris Müller

Mit der Eröffnung des Vieri in den ehemaligen Räumlichkeiten des Lexy an der Militärstrasse hat Zürich einen neuen Club erhalten. Bislang vertrauen dessen Macher Noah Gasser und Ronny von Rotz beim Musikprogramm auf Bewährtes und überlassen ihre Kanzel bekannten Szene-DJs wie Matija, Qebeq oder Rumlaut. Hier will man das Rad nicht neu erfinden, sondern sich nahtlos in die Reihe der traditionellen Zürcher Clubs einreihen. Dafür beweisen von Rotz und Gasser bei der Einrichtung umso mehr Kreativität: Wo sonst kann man auf einem Kunstrasen feiern?

Gleichzeitig verliert das Zürcher Nachtleben das Minirock an der Badenerstrasse: Nach nicht einmal zwei Jahren geben die vier Clubmacherinnen unfreiwillig auf. Streitbare Nachbarn haben ihnen die Polizei im Wochentakt vorbeigeschickt, die Musik lief seit einiger Zeit nur noch auf Zimmerlautstärke. Die Zürcher Clublandschaft stagniert: Geht ein Club auf, geht woanders einer zu. Neue Lokale wie das Tetriz mussten bereits nach wenigen Wochen wieder schliessen, während etliche der erfolgreichen Clubmarken bereits vor Jahren ihren zehnten Geburtstag begangen haben – der Supermarket an der Geroldstrasse feiert 2019 gar seinen einundzwanzigsten.

Ein Tanzlokal in Räumlichkeiten zu eröffnen, in denen sich bereits zuvor ein Club befunden hat, ist schon schwer genug: Auch die Betreiber des Vieri entern einen gesättigten Markt mit vielen erfahrenen Mitbewerbern. Einen Club an einer «jungfräulichen» Adresse zu etablieren, ist in dieser Stadt gar zum Ding der Unmöglichkeit geworden: Hohe Mieten, lärmempfindliche Nachbarn und Behörden, die sich in den meisten Fällen auf deren Seite schlagen, sind Gründe dafür. Neue Clubbetreiber werden zur Ergreifung teurer Lärmschutzmassnahmen verdonnert, die für kleine Clubs unerschwinglich sind. Und seit die Stadt 2015 eingeführt hat, dass Lokale mit Öffnungszeiten nach Mitternacht ein Baugesuch einreichen müssen, kann man von Verhinderung von Experimenten sprechen: Zwar betont die Stadt stets, wie wichtig ein lebendiges Nachtleben für Zürich ist, es soll aber bitte bleiben, wo es ist.

Will die Stadt, dass ihr Nachtleben gedeiht, muss sie ihm den Rahmen schaffen, in dem das möglich ist.

1 Kommentar zu «Die Stagnation ist Gift für die Clubkultur»

  • Roman sagt:

    Warum muss man auch mitten im Wohngebiet einen Club aufmachen? Die 24h Spassgesellschaft ist nicht für alle erstrebenswert. Zumal vorallem auswärtige hier die Sau rauslassen als gäbe es kein Morgen. Was kümmern mich die Anwohner? Ich leb ja friedlich in der Aglo / auf dem Land…

    Schonmal die Autonummern der parkierten Autos unter der Hardbrücke an einem FR/SA Abend geprüft? Zürcher sind das in den wenigsten fällen.

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