Ueli Maurer in der Enge

Gerade noch war er im Withe ... äh White House, dann plötzlich wieder in Zürich. Oder doch nicht?

Bundespräsident Ueli Maurer war im Mai auf Besuch bei Donald Trump. (Foto: Jim Lo Scalzo)

Am Freitagnachmittag fuhr ich mit dem Velo Richtung Bahnhof Enge, als auf der Höhe der Tramstation Billoweg der Verkehr zum Stehen kam. Ich schlängelte mich vor, die schwer bewaffnete Polizei stand beim Muraltengut, ein dunkelblauer Einsatzbus schirmte den Eingang ab. Eben schritt ein Mann mit einer Aktenmappe durch das eiserne Portal, von Ferne sah er aus wie Ueli Maurer, grauweisser Haarkranz, bedächtiger Gang; was, fragte ich mich, ist er schon zurück aus dem Weissen Haus? Dann winkte uns die Polizei durch, beim Vorbeifahren sah ich Leute und Fotografen im Hof der Villa, aber Maurer, wenn ers war, musste schon hineingegangen sein.

Am selben Morgen hatten wir unseren Augen nicht getraut, als wir den President of Switzerland im Interview mit CNN sahen. Man lacht und schämt sich – man fühlt sich verantwortlich für die Politiker, die uns im Ausland vertreten. «Wie wird so einer Bundespräsident?», fragte meine Frau.

«Der ist hart im Nehmen», sagte ich. Im Brockenhaus Tigel hatte ich vor Jahren einen Bildband über die SVP entdeckt: «Die Mitte des Volkes», mit Fotografien von Fabian Biasio und Texten von Margrit Sprecher, aus der Edition Patrick Frey. Maurer muss eine harte Jugend gehabt haben im Zürcher Oberland, schreibt Margrit Sprecher, zerschlissene Schuhe an den Füssen, nahe am Hunger.

«Das Unglaubliche ist, dass die das nicht stört, so ein Auftritt», sagte meine Frau. «Die schämen sich nicht.» Dann schauten wir uns das «Rätpäck»-Video aus dem Jahre 2005 auf Youtube an, wo Ueli Maurer herumhüpft wie ein Teletubby. Damals war Maurer noch im Nationalrat, und offenbar hatte er eben die Hüfte operiert, aber er liess sich nichts anmerken. Die drei Jungs der Satiresendung «Rätpäck» hatten ihm erzählt, sie drehten für die Kinderstunde. Das Ganze zeige, wie blöd das Schweizer Fernsehen sei, erzählte Maurer später in «20 Minuten». Die Sendung werde er sich auch im Nachhinein nicht anschauen, weil er sowieso nie Fernsehen schaue.

«Rätpäck» war die Falle, in die der Ueli 2005 gegangen war. Ja, er ist schon lange mit uns, und bei aller harmlosen Naivität macht Maurer eisenharte Politik für die Wirtschaft, auch mit Diktatoren. Gnadenlos. Zu Hause versuchte ich, herauszufinden, was er wohl im Muraltengut gesucht hatte. Aber dann stiess ich auf die Nachricht mit Heinz Strache. Wieder ist ein Politiker in die Falle gegangen. Aber dieser macht Geschichte.

4 Kommentare zu «Ueli Maurer in der Enge»

  • Asta Amman sagt:

    Und trotzdem kann sich kaum einer einen koksenden Ueli in halbseidener Gesellschaft auf Ibiza vorstellen, der sich anschickt, unser Trinkwasser an den Teufel zu verscherbeln. Auch was wert.

  • Handschin J.F. sagt:

    Muss man als svp-Nichtwähler und eher gegen die Volchspartei votierender BÜRGER diesen Artikel von Herrn Gimes gut finden? Muss man nicht – mein bester Freund A. Briner, in D. sagt über den hoch-qualifizierten Autor: „Na ja ein Journi halt…, auch Zeilenschinder wegen dem Honorar..!) genannt. Habe meinem Freund A.B. nicht widersprochen

  • Dominic Short sagt:

    Seit Jahren lieferst Du Perlen, hier gleich eine Perlenkette!

  • Petr Horn sagt:

    mindestens sind wir den amis voraus, dass wir einen präsidenten nur für einen jahr haben und das reicht vollkommen. aber die amis lehrnen eine wirkliche demokratie kaum im nächsten jahrtausend. sparen und achtung von der meinung des volkes können sie wirklich nicht.

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