Eine würdige Bühne für die Mutter

Im La Salle liess sich die Mama sogar zu einem Nachtisch hinreissen – und das will etwas heissen.

Hier fühlen wir uns wertgeschätzt: Das La Salle im Schiffbau. Bild: TA-Archiv

Die Frage drängt sich jedes Jahr auf, sobald der Mai naht. Soll oder will ich meine Mama zum ihr geweihten Tag zum Essen ausführen? Und wenn ja, wohin? Lokalitäten, die den zweiten Sonntag im Mai ganz auf die Mütter ausgerichtet haben, fallen schon einmal weg. Es soll ums Essen gehen, ums Zusammensein – und nicht um das aufgesetzte Theater darum herum.

Der Ort soll feierlich, aber nicht steif sein. Einladend, aber nicht angesagt. Einzigartig, aber nicht zu ausgefallen – der hochgeschätzten Mama würdig.

Wenn Theater an einem Ort aussen vor geht, dann im La Salle, dem Restaurant im Glaskubus unter dem Dach des Schiffsbaus. Im nüchternen Saal mit den hell aufgedeckten Tischen und dem weissen Kronleuchter, den das Gastgeberpaar Claudine Brunner und Walter Schmid mit Architekt Peter Kern vor mehr als 18 Jahren geschaffen hat, soll die Ausgeführte im Rampenlicht stehen.

Um es vorwegzunehmen: Eine bessere Bühne für die Mutter gibt es in der Stadt kaum. Das beginnt bei der Begrüssung. «Die Damen», sagt die bedienende Dame, «darf ich Ihnen die Jacke abnehmen?» Darauf: «Darf ich den Damen etwas zu trinken bringen?» Nach der Vorspeise: «Soll ich den zweiten Gang abrufen, oder möchten Sie noch warten?» Kurz: Wir fühlen uns als Gäste wertgeschätzt und authentisch umsorgt. Und nicht nur umgarnt, weil zwei Drittel der 200 Plätze an diesem Abend (kurz nach Muttertag) mangels Theaterund Konzertvorstellungen frei sind.

Die Speisekarte mit Klassikern und asiatisch angehauchten Kreationen behagt der Mutter. Sie lässt sich nach Vorspeise und Hauptgang gar zu einem Nachtisch hinreissen, was etwas heissen will.

Mögliche Erklärungen: weil die Erbsensuppe mit Minze (10 Fr.) erfrischend schmeckt und so schön wirkt wie die Jakobsmuscheln mit Mango-Avocado-Salat (23 Fr.) (wobei: Avocadomousse mit Mangoschnitzen würde die Dekoration wohl besser umschreiben). Weil die Kalbsleberli (38.50 Fr.) und das Kalbsschnitzel (45 Fr.) das Prädikat perfekt verdienen. Und weil weder das Rhabarberparfait (10 Fr.) noch das Zitronensorbet (4.50 Fr.) eine zu eisige Konsistenz haben und nicht nur der gewählte Rotwein (Al Passo, 9.50 Fr./dl) auserlesen ist, sondern die ganze Karte.

La Salle
Schiffbaustrasse 4
8005 Zürich
044 258 70 71
Mo bis Fr ab 11 Uhr. Sa und So ab 17 Uhr
Website

 

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