Möbelsucht

Die Frau kauft ständig neue Möbel. Das macht ihren Mann ratlos. Und aggressiv.

Für manche das Paradies: im Innern eines Möbelhauses. Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Heute richte ich mich nur an die weiblichen Leser. Es geht um meine Frau. Aber nicht nur. Darf ich an­fangen? Also, die Gute kauft ständig Neues. Nicht Kleider, dafür Stühle, Sofas, Tische. Ich frage Sie: Warum?

Sehen Sie mich gerade? Ich sitze am Arbeitstisch. Meine Frau ist vor einer halben Stunde nach Hause gekommen. Mit vier neuen Stühlen. Die alten haben ihr nicht mehr gefallen. Sie hat mir einmal die Gründe aufgezählt, ich habe aber nicht zugehört. Es interessiert mich nicht. Es macht mich zornig und ratlos. Vor allem zornig.

Jetzt sitze ich auf einem der neuen Stühle. Die Sitzfläche ist zu niedrig. Ich komme fast nicht an den Computer heran. Ich sehe aus wie ein Kleinkind im Restaurant, das einen Teller ­Spaghetti Napoli vor sich hat, aber nicht richtig rankommt.

Meine Frau hat gefragt: «Und, gefallen dir die Stühle?» Eine gefährliche Frage. Ich habe natürlich geantwortet: «Liebling, sie gefallen mir sehr.»

Letzte Woche hat sie ein neues Sofa gekauft. Die Farbe des alten passte ihr nicht ins Ensemble. Das neue Sofa ist uringelb. Die Rückenlehne ist ­unbequem. Aber unsere Katze liebt das neue Sofa und schärft sich ihre Krallen daran. Das Sofa sieht nach einer ­Woche aus, als wäre es eine Schlaf­stätte in Pfarrer Siebers Pfuusbus.

Sind Ihnen die schönen Bücherschränke bei uns im Wohnzimmer aufgefallen? Richtig, sie sind neu. Aus Eiche. Ein Vermögen haben sie gekostet. Ihre Lebensdauer beträgt zwei Jahre. Dann gefallen sie meiner Frau nicht mehr und werden rausgestellt. Ein Tipp: Am Sonntag ab 11 Uhr steigt die Chance, dass Sie bei uns auf dem Trottoir Möbel mitnehmen können.

Warum machen das Frauen? ­Warum sind sie nie zufrieden mit ­der Wohnungseinrichtung?

Manchmal verirren sich Gäste zu uns. Wenn die Gesprächsthemen ausgehen, kommt immer der Wunsch nach einer Wohnungsführung auf. Ich sage dann immer: «Kommt nicht infrage.» Schön sitzen bleiben, Suppe fertig essen und dann tschüss. Es gibt keine Führung. Niemand darf unser Schlafzimmer betreten und Vorschläge machen, wie man die Wohnbehaglichkeit optimieren könnte.

Und wer sich beklagt, die neuen Stühle seien zu tief, wird mit einem Tischbein erschlagen.

8 Kommentare zu «Möbelsucht»

  • Christina sagt:

    Ihre Kolumne, lieber Beni Frenkel, gefällt mir sehr gut! Heute bin ich durch Marianne Kohlers Sweet-Home auf diesen wiederum witzigen Blog gestossen!
    Einen wunderbaren Tag auf einem neuen, in der Höhe passenden Stuhl wünsche ich Ihnen!

  • Zora sagt:

    „uringelb“ – ja das ist eine tolle Farbbezeichnung. Toppt fast noch mein „durchfallbraun“ – dieses Wort habe ich als Jugendliche in den 70ern erfunden, als diese Farbe aktuell war und sogar Designmöbel mit dieser senfigen Farbe mariniert waren.
    Jetzt ist mir bewusst geworden, dass keine Fäkalfarben in meiner Wohnung sind – sie sind mir alle zuwider.
    Und ja doch, ich stelle auch um. Aber immer nur optimiert. Und irgendwann ist ausoptimiert. Da wechseln nur noch die Accessoires.

  • Fredy sagt:

    Vielleicht sollte sie mal den Mann auswechseln. Besser für beide.

  • Cybot sagt:

    Kein Wunder kauft sie weiter, wenn das einzige Feedback, das sie bekommt, positiv ist. Manchmal muss man halt auch mal ehrlich seine Meinung sagen, das gibt zwar kurzfristig Zoff, aber wenn man nichts sagt, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn sich nichts ändert.

  • ironlady sagt:

    P.S. schenken Sie die überzähligen Sachen doch Bedürftigen.

  • ironlady sagt:

    Schonmal überlegt, ob einer von Ihnen beiden nicht zur Einrichtung passt?
    Und : was ist mit partnerschaftlichen Absprachen bei Neuanschaffungen? Oder haben Sie zuviel Geld?
    Und: warum lügen Sie, wenn Ihnen die Stühle nicht gefallen? Und werden dann trotzdem aggressiv? Selbst schuld.
    Blöder Artikel.

  • tststs sagt:

    Wenn Sie nur halb so Klischee sind wie Ihre Frau , dann finden Sie die Antwort im Badzimmerschränkli, hinter den 3 Axe-, 2 Rexona und Nivea-Deos (selbstverständlich alle zwischen einem und zwei Drittel angebraucht) versteckt. 😉

  • Pedro Riengger sagt:

    Was soll das? Auch wenn es sich bei einer Kolumne per Definition um die Ansicht des Verfassers handelt, sollte sie doch dem Leser irgendeine Erkenntnis, einen Mehrwert bieten. Gandenlos? Witzig? Provokativ? Einfältig und langweilig scheinen mir als Adjektive eher zutreffend. Wenn Ihnen, Herr Frenkel, nichts in den Sinn kommt oder Sie keine Lust haben (Ihren Vetrag mit dem Tagi – und dessen Lesern zu erfüllen), dann hören Sie doch einfach auf. PS: Max Frenkel, ich weiss nicht, ob Sie mit ihm verwandt sind, war auch ein hervorragender Kolumnenschreiber. Lesen Sie die mal. Da können Sie was lernen …

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