Schwarze Liste ja oder nein?

Ein Nachtleben-übergreifendes Hausverbot für Gewalttäter, Vandalen und Belästiger. Eine auch in Zürich diskutierte, kontroverse Idee, die nun Realität zu werden scheint.

Bild: Sophie Steiger

Die Idee einer Club-übergreifenden schwarzen Nachtleben-Liste geistert seit Jahren durch Zürich, ein Register, in dem unbelehrbare Randalierer, Schläger oder Belästiger vermerkt werden. Einmal auf dieser Liste, hätten diese Störenfriede bei allen beteiligten Lokalen Hausverbot. Bis anhin ist es beim Gedanken geblieben. Zwar sprechen die meisten Clubmacher Hausverbote aus, geben die Informationen aber nicht an ihre Konkurrenten weiter

In Stuttgart scheint man dieser Idee nun Taten folgen lassen zu wollen. Verschiedene Nachtleben-Macher arbeiten mit einer Anwaltskanzlei am Projekt «Nightwatch». Auch die Stadt Stuttgart selbst beteiligt sich an der Ausarbeitung eines Konzepts für eine kollektive schwarze Liste. Ihre Begründung: In Stuttgart gebe es ein zunehmendes Unsicherheitsgefühl, und die Beschwerden Vandalismus und «anderes Fehlverhalten» betreffend würden zunehmen.

Das Verfahren, das im Sommer an einem runden Tisch besprochen wird, sieht vermutlich wie folgt aus: Die Gastronomen nehmen die Personalien von Übeltätern auf. Sollten die Missetäter widerspenstig sein, erledigt das die Polizei. Diese Personalien kommen dann zu einer Kanzlei, die diese Personen abmahnt. Sollten der oder die Abgemahnte abermals in einem der Lokale randalieren, gibts eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

Die Tatsache, dass eine Handvoll Unbelehrbare immer wieder anderen die Party versaut, durch Vandalismus hohe Kosten verursacht, macht die Idee einer schwarzen Liste verlockend.

Die Medaille hat aber auch eine Kehrseite: Die Aufnahme und Registrierung von Personaldaten ist rechtlich und gesellschaftlich problematisch. Zudem verleitet eine solche Liste zu Missbrauch: Clubmacher könnten versucht sein, Personen, die aus anderen Gründen unerwünscht sind, mittels konstruierter Vorfälle ein städtisches Hausverbot zu erteilen. Dann wäre da noch der Umstand, dass eine durchschlagskräftige Liste einer engen Zusammenarbeit mit den Behörden bedarf – diese Kooperation dürfte bei einem Grossteil der Clubberinnen und Clubber nicht gut ankommen.

Die Stuttgarter Initianten argumentieren, dass eine schwarze Liste eine abschreckende Wirkung haben werde. Ob das stimmt, wird sich weisen, denn alkoholisiert denkt wohl keiner an allfällige Konsequenzen.

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