Freiburg als Vorbild

In Freiburg in Deutschland wird ein Fonds geschaffen, bei dem Clubs Geld für innovative Bookings beantragen können und an dem sich auch die städtische Politik beteiligt.

Foto: Dominique Meienberg

Freiburg im Breisgau ist die jüngste Stadt Deutschlands. Dort leben mehr als 26 000 Studentinnen und Studenten bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 230 000. Trotzdem spielt Freiburgs Nachtleben keine Hauptrolle, nicht in Deutschland und schon gar nicht in Europa: Die bekannten deutschen Clubs befinden sich in Berlin, vielleicht noch in Hamburg, Frankfurt oder München. Doch jetzt tut sich in Freiburg etwas, das Signalwirkung auf Schweizer Städte haben könnte.

Wie in Zürich existiert in Freiburg kaum Freiraum, in dem sich ein Nachtleben von kultureller Bedeutung entwickeln könnte. Für Clubs geeignete Räumlichkeiten sind rar, die Nachbarschaft ist empfindlich und der (finanzielle) Druck auf die Club-Betreiber hoch. Wie in Zürich auch dürfen in Freiburg Theater und Konzerthäuser mit beiden Händen in die Kasse der öffentlichen Hand greifen, derweil die Stätten der Clubmusik selbst schauen müssen, wie sie die Gagen ihrer Musiker zahlen. Resultat: Die Clubs trauen sich selten was und gehen meist auf Nummer sicher. Sie buchen Acts, die dem Massengeschmack entsprechen, und verzichten aus Angst vor leeren Tanzflächen auf innovative Bookings.

Der Freiburger Veranstalter und Student Deniz Binay hat die Schnauze voll. Also hat er sich was ausgedacht: einen Fonds, aus dem Mittel für Künstler-Bookings beantragt werden können. Dieser soll von drei Quellen gefüttert werden: der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und von Fonds-Mitgliedern, die auch Gönner sind. Die Idee kommt an: Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn ist der Meinung, dass die Anregung Binays als Teil eines Massnahmenkatalogs ein gutes Instrument sein könnte, um der Verödung des Undergrounds entgegenzuwirken. Im Oktober erhält der Booking Fonds von der Politik erstmals 45 000 Euro.

Auch Zürich fördert elektronische Musik – ein bisschen, aber nicht mit Überzeugung, obschon der Zürcher Techno von der Unesco zum Kulturerbe erkoren wurde. Es empfiehlt sich, die Entwicklung in Freiburg im Auge zu behalten. Nicht nur, weil Oberbürgermeister Horn offenbar noch weitere Massnahmen zur Nachtlebenförderung plant. Sondern auch, weil Freiburg bezüglich Einwohnerzahl viel eher mit Zürich zu vergleichen ist als etwa Berlin, in dessen Nähe sich der Zürcher ja so gern rückt.

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