Wo die krassesten Wähler wohnen

In Schwamendingen haben FDP-Regierungsräte keine Chance, in Höri wohnen die unzufriedensten Stimmbürgerinnen,

Schwamendingen, rund um die Autobahn: Hier vertragen sich SVP und Linke. Gaetan Bally, Keystone

Wer vertraut am ehesten sich selbst? Wer ist bipolar? Wer verschmäht die Einheimischen? Willkommen zur etwas anderen Analyse der jüngsten Kantonswahlen. Und es zeigt sich: Die Agglo hat es in sich. Auch die Fast-Agglo. In Schwamendingen wurde ein Trend total überzeichnet. Der Trend: FDP-Regierungskandidierende werden nicht mehr einfach so gewählt. Thomas Vogel ist das Opfer. Er verpasste die Wahl, worauf die Freisinnigen erstmals weniger als zwei Sitze in der siebenköpfigen Regierung besetzen.

Die Schwamendingerinnen aber haben nicht nur Vogel nicht gewählt, sondern auch Carmen Walker Späh. Dafür hat es im Nordosten der Stadt Natalie Rickli in die Top 7 geschafft. Eine SVPlerin vor den Freisinnigen? In Zürich? Ja, und nicht nur Rickli. Auch SVP-Landvertreter Ernst Stocker wurde locker gewählt, sogar noch vor CVP-Frau Silvia Steiner, die aus der Nachbarschaft (Oerlikon) stammt. Für eine bürgerliche Regierung reichte es dennoch nicht. Denn Schwamendingen wählte auch Mario und Jacqueline Fehr (beide SP), den Grünen Martin Neukom und Walter Angst (AL). Vier Linke, zwei SVPler und nur eine Mitte-Politikerin: Polarisierter geht nicht mehr.

Gewisse Stimmbürger waren gar nicht zufrieden mit der Auswahl. Sie wählten sich selbst, den Nachbarn oder die Hausärztin. In Höri hätte es der «Vereinzelte» – wenn immer derselbe Name notiert worden wäre – in die Regierung geschafft, auf Rang 5. Am wenigsten rebellisch waren die Wildbergerinnen. Dort hatten die offiziellen Kandidierenden die besten Karten, Vereinzelte keine Chance. In 16 Gemeinden schafften «Herr und Frau Vereinzelt» das absolute Mehr.

Und wer nutzte den Heimvorteil? Fast alle, auch die Nichtgewählten. Vogel ist in Illnau-Effretikon genauso auf dem 3. Platz gewählt worden wie Jörg Mäder (GLP) in Opfikon. Walter Angst wurde in Zürich Vierter. Sogar Hans Egli (EDU), der kantonsweit auf dem 13. und letzten Platz landete, schaffte es in Steinmaur auf Rang 7. Auch Hanspeter Hugentobler (EVP) ist in Pfäffikon (und nur dort) gewählt worden, gar auf Platz 4. Die Einzige, die nirgends das absolute Mehr schaffte, war Rosmarie Quadranti (BDP). Ihr Wohnort Illnau-Effretikon verwies sie auf Platz 10. Immerhin wurde sie an ihrer alten Wirkungsstätte Volketswil Achte. Die Einzige, die es zu Hause nicht schaffte, war Natalie Rickli. In Winterthur landete sie auf Platz 9. Ihr Trost: In Neftenbach, wo sie aufgewachsen ist, kam sie als Dritte aufs Podest.

1 Kommentar zu «Wo die krassesten Wähler wohnen»

  • Alejandro Romero sagt:

    Auch ich als sozialbenachteiligten, unzufriedenen 41 jährigen Socondo wusste im Wahlkreis 4/5 schon bei den Gemeinderatswahlen nicht was wählen, denn ich kann sowohl mit den hiesigen pseudo urbanen Grünlinksgrünen, noch mit den Rechtsbürgerlichen was anfangen, da beide Blöcke mich nicht vertreten. Die Rechten schauen für die Reichen und die Linksgrünen wollen ein Zürich als autofreies, grünsozialistisches Kibbuz mit Stadtmauern. Da bleibt einzig die CVP/EVP aber auch die ist in vielen sozialen wie progressiven Fragen zu konservativ und anderseits in Stadtentwicklungs und Verkehrsfragen an Seite der Grünlinksgrünzligen.

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