Zu unaufgeregt für die Kinoleinwand

Regisseur David Dietl wollte mit seinem neuen Film den Job des Türstehers portraitieren. Es ist ein Film über drei allseits bekannte Berliner Originale geworden.

Ausschnitt aus «Berlin Bouncer» von Regisseur David Dietl. Bild: Flare Film GmbH

Die neue Kinodokumentation «Berlin Bouncer» von Regisseur David Dietl porträtiert mit Sven Marquardt, Smiley Baldwin und Frank Künster drei bekannte Türsteher. Dietl verzettelt sich, schweift ab und scheitert wie die meisten vor ihm, die ihren Zuschauern einen repräsentativen Einblick ins Nachtleben gewähren wollten. Selbst Hannes Stöhr, der mit «Berlin Calling» seinem Hauptdarsteller Paul Kalkbrenner einen beeindruckenden Karrieresprung verschaffte, erging es nicht anders.

Was diese Filmemacher suchen, existiert nicht: Nachtleben-Jobs sind halt tatsächlich nur Jobs. Sie sind nicht dramatisch, nicht subversiv, über weite Strecken nicht einmal interessant. Es gibt einige Leinwand-würdige Nachtleben-Geschichten wie jene des New Yorker Studio 54, aber das sind Raritäten inmitten von sehr viel Alltag. Der umgibt all die DJs, die sich auch nach Jahren noch mit viel Aufwand um Bookings bemühen müssen, die unzähligen Club-Barkeeper, die kaum dazu kommen, mit ihren Gästen zu kommunizieren, und auch die Bouncer: Wer einmal eine Winternacht lang an der Tür eines nur mässig besuchten Clubs gestanden hat, der weiss, wie lange eine Stunde sein kann. Auch vor boomenden Lokalen wird es öde: immer dieselben Spielchen mit Gästen, die man nicht reinlassen möchte und die es trotzdem versuchen. Immer dieselben Ausflüchte von Leuten, die man rauswerfen muss, oft gefolgt von endlos scheinenden Diskussionen.

Bouncer, denen es Spass bereitet, ein paar Anstehenden eine Abfuhr zu erteilen, sind fehlbesetzt: Sie sollten die Türpolitik der Clubchefs umsetzen. Je stärker sie sich von persönlichen Befindlichkeiten leiten lassen, desto schlechtere Türsteher sind sie. Ganz besonders in Zeiten, in denen psychologische Talente die physische Kraft als erste Berufsanforderung abgelöst haben. Türsteher sind Repräsentanten des Clubs, vor dem sie stehen, und haben sich dementsprechend zu verhalten.

Regisseure wie Dietl lassen sich vom Schein verführen und müssen dann mit dem Sein klarkommen. Sie werden von zuckenden Leibern, Koks-Resten auf Toiletten und Sex in Hinterzimmern angelockt und sind dann umgeben von Leuten wie Marquardt, Baldwin und Künster, die ihren Beruf zwar lieben, einen Beruf jedoch, der die meiste Zeit nicht spannender ist als andere.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.