Schnöden über Mittag

Nirgends kann man so ungestört lästern wie bei diesem Chinesen.

Eintritt in eine andere Welt: Das Restaurant Peking, gleich beim Hallwylplatz. Foto: TA

Mit dem früheren Arbeitskollegen ging sie schon ab und an ins Restaurant Peking. Nicht, weil das übliche Angebot an chinesischem Essen dort viel besser wäre als anderswo, nein, es ist die familiäre Atmosphäre, das gedämpfte Licht, das unaufgeregte Agieren auch bei vollem Haus, das ihr gefällt. Und vielleicht auch die vielen Postkarten aus aller Welt, die dort über der Theke hängen und einem das Gefühl geben, bei sympathischen Wirtsleuten einzukehren.

Die meisten Tische befinden sich in einer Art Separee mit Eckbank, was zusätzlich zur Heimeligkeit beiträgt. Das Personal scheint unsichtbar, ist aber zur Stelle, wenn man es braucht. Und nirgendwo sitzen Leute, die man kennt. All das lullt einen ein in eine Art Blase der Verschwiegenheit, aus der scheinbar nichts, was drinnen vorgeht, jemals den Weg nach draussen findet. Selbst dann nicht, wenn die Eingangstür bei schönem Wetter meistens offensteht. Ein idealer Ort also, um sich über Mittag einer Art Reinigungsprozess zu unterziehen und gemeinsam mit Genuss über die Ex-Firma abzulästern.

Aber zuerst zum Essen. Rindfleisch Szechuan mit Reis und eine Frühlingsrolle zur Vorspeise (23 Fr.) für ihn, raffiniert gewürzter Knusper-Tofu, der ohne Sauce etwas trocken daherkommt (27.50 Fr.), und ein Tagessalat (5 Fr.) mit allzu viel Essig dressiert für sie.

Und wie immer, wenn man Ehemalige trifft, führt das Gespräch schnell zur Ex-Firma. Oft wissen jene, die schon weg sind, mehr über Interna als die, die noch in der Firma arbeiten. «Weisst du, wie es dem Huber geht, der wurde ja nach 17 Jahren entlassen», fragt der frühere Arbeitskollege, ohne aufzublicken, und fügt, ohne eine Antwort abzuwarten, hinzu: «Wahrscheinlich war der zu teuer, wie so viele Langjährige, armer Kerl.» Sagts und beisst in die Frühlingsrolle.

Wie es denn gehe mit dem RAV, will sie wissen. Er zieht die Augenbrauen hoch. Er schaffe es beinahe nicht, so viele Bewerbungen schreiben, wie vorgeschrieben wären, so wenig freie Stellen gebe es in der Branche, und dann komme noch das Alter dazu. «Schwierig», sagt er, und sie ist froh, wird die Hauptspeise serviert. Sein Rindfleisch Szechuan mundet, der Schärfegrad stimmt. Nur die Pilze, die lässt er liegen.

Peking, Verena-Conzett-Strasse 21, 8004 Zürich, Tel. 044 242 10 52. Mo–Fr 11.30–14/18–22 Uhr, Sa 18–22 Uhr.

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