Die Eiszeit ist vorbei

Lange Zeit waren die Zürcher Szene-Clubs nicht mit Lovemobiles an der Street Parade präsent. Tempi passati: Mit Klaus, Supermarket und Hive sind 2019 gleich drei dabei.

Clubs und Parade nähern sich wieder an. Bild: Fabienne Andreoli

Anlässlich des zwanzigsten Geburtstags der Street Parade 2011 hat das «Rckstr»-Magazin um Herausgeber Joel Meier, der gleichzeitig auch der Präsident des Organisationskomitees der weltweit grössten Technoparty ist, einen Round Table zum Thema «Die Street Parade und die Zürcher Clubs» organisiert. Mit dabei waren Clubmacher, Veranstalter und Journalisten.

Diese Diskussionsrunde vor acht Jahren hat aufgedeckt, wie tief der Graben zwischen dem Umzug und dem Zürcher Nachtleben geworden ist: Das OK warf den Clubs vor, an der Street Parade mit Afterpartys zu verdienen, sich aber nicht aktiv an ihr zu beteiligen. Die Clubs waren wiederum der Ansicht, dass der Umzug ihr Tun in keiner Weise mehr repräsentiere, schon gar nicht auf musikalischer Ebene. Es schien so, als würden die beiden Parteien für immer getrennte Wege gehen. Zwar mixten tagsüber am Seebecken und auf den Love-Mobiles etliche DJs, die an den Wochenenden auch in den Zürcher Clubs spielen, aber die Namen dieser Clubs hat man an der Strecke vergebens gesucht.

Dann, vor einigen Jahren, hat der Booker der Street Parade, Robin Brühlmann, damit begonnen, die musikalische Ausrichtung der Bühnen an der Strecke umzukrempeln, weg von allzu kommerziellem EDM, hin zu clubtauglichem Techno. Zur selben Zeit eröffnete an der Langstrasse mit dem Klaus ein Club, dessen Chefs sich keinen Deut um Konventionen scheren, die einfach nur Spass haben wollen. Aktuellster Ausdruck dieser Einstellung ist das «Vierilüüte», das am Samstag erstmals die Langstrasse in den Ausnahmezustand versetzt hat. Es war dieser Club, der 2017 als erstes namhaftes Zürcher Tanzlokal wieder ein Love-Mobile stellte. Ein Jahr später und anlässlich seines zwanzigsten Club-Geburtstags tat es dem Klaus der Supermarket gleich, der in diesem Jahr ebenfalls wieder mit einem Lastwagen ins Rennen gehen wird.

Als dritter Club folgt den Pionieren nun das Hive. Die Betreiber werden sich für ihre Love-Mobile-Premiere mit den Machern des Berliner Katermukke-Labels um Dirty Doering zusammentun. Die Eiszeit zwischen Street Parade und dem Zürcher Nachtleben auf Clubebene scheint endgültig vorbei zu sein. Zwar zieren sich nach wie vor etliche Clubs, aber ein vollständiges Abbild der Zürcher Clubkultur war die Street Parade noch nie. Auch nicht zu ihrer Anfangszeit.

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