Saint Laurant vs. Fashion House

Die Mode am Bahnhof Spreitenbach und an der Zürcher Bahnhofstrasse sieht gerade sehr ähnlich aus.

Luxusshopping an der Zürcher Bahnhofstrasse: Die Vorbilder leben in Spreitenbach und Dübendorf. Foto: Walter Bieri/Keystone

Es ist eine Schweizer Eigenart, beim Smalltalk regionale Unterschiede anzusprechen. Nicht selten betreffen sie Stadt und Land. Oder noch besser: Stadt und Agglo. Je kleinräumiger gedacht, umso besser. Die minimalen Dialektdifferenzen zwischen Baden und Zürich etwa gehören zu den beliebten Themen. Oder der Unterschied zwischen Säuliamt-Beiz und Kreis-3-Boutique-Restaurant, die nur zehn S-Bahn-Minuten von einander entfernt liegen.

Oder aber die Mode, die bereits deutlich anders erscheint, wenn man in Schlieren oder Dübendorf aus dem Zug steigt. Wandelte man in der Europaallee, so heisst es, noch durch die Modestrecke eines Hochglanz-Lifestylemagazins für Kosmopoliten, dominiert im Shoppi Tivoli oder im Migrolino am Bahnhof Spreitenbach bei jungen Männern der Strassenlook: eng geschnittene Polyester-Trainerhose mit Bund über dem Knöchel. In Kombination getragen mit leichten, aber dickbesohlten Turnschuhen.

Man könnte im lockeren Gespräch nun noch einen der teuersten Modeläden an der Bahnhofstrasse erwähnen. Doch würde das einiges durcheinander bringen. Denn dort gibt es scheinbar gewöhnliche Trainer oder Edi-Hardy-ähnliche, zerschlissene Jeans, die gleich viel kosten wie die Monatsmiete für eine Wohnung in einem Block in Urdorf. Das Gleiche gilt für Turnschuhe und Shirts.

Das Gespräch versiegt, denn der Unterschied zwischen Luxus-Brands und günstigen, an den Vorort-Bahnhöfen beliebten Produkten bei flüchtigem Betrachten zu erkennen, ist beinahe unmöglich geworden.

Wenn die hier modisch denen dort nacheifern, und die dort jene hier als Vorbild nehmen, wird dann irgendwann alles gleich?, lautet eine berichtigte Frage. Womit sich auch die regionalen Unterschiede komplett erledigt haben. Und damit auch das Apéro-Gespräch unter Bekannten. Ist das nun schon eine Vorstufe zum Sozialismus?, fragt einer noch besorgt. Schweigen.

Dagegen spricht der Umstand, dass in den Läden an der oberen Bahnhofstrasse ein wohlhabendes Klientel verkehrt und im Fashion House in Rümlang eines mit deutlich knapperem Budget. Das aber ist ein anderes Thema. Es bleibt also nur noch, die Smalltalk-Palette über regionale Unterschiede durch Geldfragen zu erweitern. Es wäre an der Zeit.

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