Japanisches Herzstück an Zürichs Gammelecke

Und beim Bezahlen wird klar, wieso das Kokoro im Kreis 4 von aussen nicht einladend wirken muss.

Starker Kontrast: Die wenig einladende Fassade des Restaurants Kokoro. (Bild: sip)

Vor Jahren waren wir dem Sushi-Hype im Freundeskreis aufgesessen, obwohl uns der Trip nach Japan fehlte (und noch immer fehlt). In einem eintägigen Kurs in der Migros lernten wir das Rollen, neben Fisch auch Frischkäse, Mango, Zucchini. Das Einstandsmahl für die Freunde gelang, doch trampten wir noch Tage später auf klebrige Reisreste. Seither verstauben die Bambusmatten im Kasten. Sushi nur noch auswärts, der Schwur.

Die Gaststube mit 30 Plätzen ist überraschend voll für einen Mittag. Die Reservation hat sich gelohnt. Man sitzt eng, mit einem Kännchen Jasmintee (4.50 Fr.) und einer Flasche Asahi (7 Fr.), dem bekanntesten Bier des Landes, ist der Tisch fast voll. Sonst ist die Dekoration spärlich, von den behängten Osterzweigen abgesehen. Warum die Toiletten schwarz gestrichen sind, bleibt ein Rätsel. Nun zum Wichtigsten – dem Essen.

Nach einer Misosuppe beglückt uns Koch Mioh Suguros mit einer Platte Sushi (28 Fr.). Optisch eine Augenweide, der Fisch ist frisch, der Reis leicht süsslich und perfekt in der Konsistenz. Der Kokoro-Fischsalat (26 Fr.) mit rohem Lachs, Thun- und Weissfisch und Onsen-Ei (2 Fr.) auf Sushi-Reis ist mit Avocado und der Hausmarinade köstlich sämig. Da wollen wir mehr und kriegen es alsbald, weil die japanische Bedienung so flink ist.

Selten hat ein Tiramisù so abgerundet geschmeckt wie das hier servierte aus geröstetem Grüntee (12 Fr.). Das Kolonel (9.50 Fr.), Yuzu-Sorbet mit Sake, ist die perfekte Vorbereitung auf einen stressigen Nachmittag. Den Suntory-Whiskey, Nebendarsteller in «Lost in Translation», sparen wir uns fürs nächste Mal auf.

Beim Bezahlen wissen wir auch, warum das Lokal von aussen nicht einladend wirken will: Laufkundschaft hat es nicht nötig.

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