Stänkern mit Google

Für Restaurants sind schlechte Google-Bewertungen meistens verheerend. Ganz anders für Clubs, die tiefen Online-Ratings gegenüber weitgehend immun sind.

Dank Google ist jeder ein Kritiker (Bild: Keystone)

Google-Bewertungen und -Rezensionen bieten Unzufriedenen die Chance, sich öffentlich über Gastronomiebetriebe zu beschweren. Diese wird rege wahrgenommen, viel öfter als beispielsweise auf dem von Bubbles bestimmten Facebook, wo weit häufiger Leute ihre Meinung kundtun, die einem Betrieb nahestehen.

Meist wird auf Google nicht das Angebot negativ bewertet, sondern der Service. Ein Kellner bringt die falsche Vorspeise? Gibt einen Stern ohne Kommentar. Man muss lange aufs Essen warten, und der Geschäftsführer kriecht einem nicht in den Hintern? Ein Stern und ein langer Kommentar zum desolaten Zustand der Zürcher Gastronomie.

Für Restaurants sind solche Bewertungen ein Problem. Ob thailändisch, italienisch oder gutbürgerlich: Für jede Küche existiert in Zürich ein reiches Angebot. Feinschmecker mögen die Abwechslung und orientieren sich auf der Suche nach einem Restaurant gerne an den Google-Bewertungen. Dabei achten sie nur auf die Sterne, ohne nach fundierten Kommentaren zu forsten.

Fair ist das nicht: Musste ein Restaurant in der Phase nach der Eröffnung eine chaotische Zeit durchlaufen und hat dadurch tiefe Bewertungen bekommen, drücken die für immer auf den Durchschnitt. Selbst wenn die Probleme längst ausgebügelt sind.

An Clubbetreibern scheinen schlechte Google-Rezensionen hingegen abzuperlen. Dies, weil der überwiegende Teil dieser schlechten Bewertungen von Leuten ins Netz gestellt wird, die abgewiesen wurden. Die Clubmacher sind aber oft stolz darauf, für einen rentablen Betrieb nicht Hinz und Kunz aufnehmen zu müssen. Zudem ist man der Ansicht, dass Abgewiesene einen Club nicht glaubwürdig mit einem Stern bewerten können, weil sie ja gar nicht drin waren und deshalb dessen Angebot nicht kennen.

In Zürcher Clubs tanzen vor allem Leute aus der erweiterten Region, und die besuchen Clubs, weil ihr Umfeld da hingeht. Der gute Ruf in der Community ist deshalb wichtiger als schmeichelhafte Bewertungen. Sich an einem Club mit einer schlechten Bewertung rächen zu wollen, weil man nicht reingekommen ist, bringt nichts. Wer tatsächlich etwas zu beanstanden hat, ist besser damit beraten, sich mit einer fundierten Kritik direkt an den Club zu wenden.

2 Kommentare zu «Stänkern mit Google»

  • Lichtblau sagt:

    „In Zürcher Clubs tanzen vor allem Leute aus der erweiterten Region, und die besuchen Clubs, weil ihr Umfeld da hingeht“.
    Erweiterte Region? Also Agglo? Wo tanzen dann die Zürcher selbst? Werden die etwa als „Hinz und Kunz“ abgewiesen? Aber danke für den Artikel. Die „Gute Nachtgeschichte“ hält zusammen mit „Little Zürich“ den geschätzten Stadtblog am Leben.

  • Herbert sagt:

    Hab mir mal soeben die Bewertungen der Clubs in Zürich angeschaut. Die meisten Bewertungen der Besucher scheinen jedoch mit viel Wahrheit verbunden zu sein. Zb. das Gonzo ,Attico oder das Jade miserable Bewertungen. Clubs hingegen wie der Club Supermarket, Haus Klaus , Kanzlei Club haben allesamt Top Bewertungen. Gibt nun einmal Clubs in Zürich mit eher negativ behaftetem Publikum, schlechte unfreundliche Türe und Personal. Ich als „zahlender “ Gast erwarte ein gewisses Niveau und Respekt gegenüber dem Kunden. Fällt dieses, besuche ich diesen Ort einfach nie wieder. Man muss sich nicht alles bieten lassen. Das tolle an Zürich ist ja die enorme Masse an Clubs, bei schlechter Behandlung und Respektlosigkeit gegenüber der Gäste gibt es zig unzählige Alternativen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.