Die Stadtgrenze überwinden

Uber-Fahrer sind die neuen Pendler, findet unser Autor.

Die eine Spezies im Strassenverkehr: der Uber-Fahrer. Bild: Doris Fanconi

Ab und zu lasse ich mich von Uber von A nach B fahren. Weil die Verbindungen des ÖV schlecht sind, weil ich das ÖV-Netz nicht innert nützlicher Frist verstehe (neulich in Basel passiert), weil es bequemer ist – etwa beim aktuellen Regenwetter.

Das kommt nicht allzu oft vor. Aber doch wage ich zu behaupten: Uber stellt die Verbindung zwischen Stadt und Land her, zwischen Zürich und seiner Agglo, zwischen dem Städter und dem Aggloaner.

Meine erste Uber-Fahrt überhaupt war eine der wenigen in einem Fahrzeug mit ZH-Schildern. Der Mann, der fuhr, lebte irgendwo ausserhalb, von der Stadt hatte er keine Ahnung, vom Autofahren wenig, und dass dichter Schneefall die Sichtweite in dieser Nacht drastisch einschränkte, machte die Sache nicht besser. Es war die Fahrt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir fuhren ewig, und es kostete nur wenig.

Ich weiss ja nicht, wie das System Fahrer und Gast (eine Fahrerin hatte ich noch nie) zusammenbringt. Aber ein ZH-Schild kam mir kaum mehr unter (auch in Basel nicht). Da war diese Fahrt mit dem dicken schwarzen Audi mit BS-Nummernschild. Fahrer Matthias verriet sein Geschäftsmodell: Er fährt am Morgen Kunden von Basel an den Zürcher Flughafen und ubert dann ein bisschen Zusatzverdienst rein. Der optimale Tag endet mit einer Fahrt vom Flughafen zurück nach Basel.

Noch dicker war die Mercedes-S-Klasse mit 3-D-Cinema-Navi über die ganze Breite des Armaturenbretts. Normalerweise fährt die Limousine als Uber Black Geschäftsleute umher – und von denen gebe es nun mal in der Stadt Zürich die meisten, sagte der stolze, geschalte Fahrer.

Anfang Woche nun, als wieder einmal ein Schneesturm in Zürich tobte, fuhr mich Hanspeter zurück ins Büro. Er kennt die Stadt offensichtlich bestens, trotz Schnee ging es zügig voran. Wir redeten über die Beatles, die gerade im Radio liefen, über die Stones, und er erzählte, wie sein Sohn vor zwanzig Jahren das ganze Quartier beschallt hatte. Das käme ihm jeweils wieder in den Sinn, wenn Guns n’ Roses liefen.

Hanspeter ist so etwas wie ein moderner Pendler. Er fährt jeden Morgen um 5.30 Uhr aus dem Aargau in die Stadt und bleibt hier, solange es sich lohnt. Manchmal endet sein Arbeitstag am Mittag, meistens pendelt er nach 14.30 Uhr heim.

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