Champions League East Africa

Es hiess, das beste äthiopische Restaurant in Zürich sei das Mesob. Wäre da nur der Fussball nicht gewesen.

Optisch ein Furioso, geschmacklich irgendwo zwischen fein und verblüffend. Bild: TA

Wer schon mal bei hoher Hitze durch eine afrikanische Wüste reiste, kennt sie bestimmt, diese trügerischen Luftspiegelungen, die einem Dinge vorgaukeln, die da gar nicht sind – ein Phänomen, das nach Morgan le Fey, einer weiblichen Figur in der Artussage, «Fata Morgana» genannt wird.

Diese Einführung ist deshalb nötig, weil auch der Titel – siehe oben – eine Fata Morgana ist: Den übersetzt der geneigte Leser im Kontext einer Gastrokritik nämlich mit «cool, hier gehts um hochdekorierte exotische Spitzengastronomie». Tatsächlich gehts hier aber exakt um das, was da steht: ein ChampionsLeague-Spiel, das wir in einer ostafrikanischen Zweigstelle namens Mesob schauten, ja schauen mussten – das Fernsehbild war erschlagend gross und der englische Kommentar derart laut, dass alles andere zum Nebenschauplatz verkam.

Blöderweise waren wir aber wegen allem anderen hergekommen, vorab über die Küche hatten wir viel Gutes vernommen. Und dies nicht allein bei Tripadvisor & Co. (wo gern dramatisiert, euphorisiert oder gar manipuliert wird), nein: Es waren vertrauenswürdige Menschen, die meinten, von den drei äthiopisch (oder äthiopischeritreisch) ausgerichteten Restaurants Habesha, Meskerem und Mesob sei das letztgenannte das spannendste.

Dass wir in Bezug auf die Atmosphäre dieser Einschätzung widersprechen würden, ist klar (obwohl das Lokal letztlich nichts dafür kann, dass mit dem PSG und Manchester United dann grad noch Teams am Werke waren, die der Schreibende und seine Begleitung auch ohne Lärm kaum ertragen).

Und das Essen? Diesbezüglich ist ein differenziertes Urteil schwierig. Zwar war die Degustationsplatte mit Fleisch- und Vegi-Gerichten für zwei Personen (6Fussball3 Fr.) optisch ein Furioso und geschmacklich eine interessante Schnittmenge zwischen fein und verblüffend – doch was genau wir da mithilfe des wie gerollte Stoffservietten aussehenden «Fladenbrotbestecks» namens Injera verspeisten, wussten wir nicht, man vergass es uns zu sagen. Immerhin gab es beim Flüssigen keine Ungewissheit – das Mulu Amber (6 Fr.) ist ein prima Bier, und der sanfte Schwips, den der Met (pro Glas 8.50 Fr.) bewirkte, verlieh dem Nachhausespaziergang etwas angenehm Schwebendes.

Mesob, Rotachstrasse 3, 8003 Zürich. Tel. 043 960 02 51. Mo bis Do, So: 11.30–24 Uhr. Fr/Sa: 11.30–4 Uhr.

1 Kommentar zu «Champions League East Africa»

  • Manuel Fischer sagt:

    Dank Freunden, welche das Land und die Kultur gut kennen, bin ich regelmässiger Gast im Mesop und freue mich sehr über ihren bünzligen Artikel – so bleibt dieses einmalige und authentische Restaurant hoffentlich noch lange seiner äthiopischen Seele treu und wird nicht auch noch ein Hipster Kafi in Wiedikon.

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