Lasst die Gartenbeizen länger offen!

Ein Postulat an den Stadtrat fordert, dass man künftig im Zürcher Sommer künftig bis 2 Uhr morgens in der Gartenbeiz verweilen darf und nicht mehr nur bis spätestens Mitternacht.

Auch das Calvados am Idaplatz würde von den Mediterranen Wochen profitieren (Foto: Werner Schlaefli)

Selbst in der lauesten Sommernacht werden in Zürcher Gartenwirtschaften spätestens um Mitternacht die Lichter gelöscht. Meistens ist um 22 Uhr Schluss, häufig früher. Die Musik an Outdoor-Partys muss um 23 Uhr ausgeschaltet werden: Die Nachtruhe dauert an Wochenenden im Sommer von 23 bis 7 Uhr, auch auf privaten Dachterrassen ist während dieser Stunden «störendes Verhalten» untersagt.

Am restriktiven Bewilligungsverfahren von Outdoor-Anlässen nach 23 Uhr wird sich vorderhand nichts ändern, selbst wenn sich die Bettgehzeit der Bevölkerung nachweislich nach hinten verschiebt.

Die jungen Politiker Nicole Giger (SP) und Andri Silberschmidt (FDP) haben vergangene Woche ein Postulat eingereicht, das vom Stadtrat «mediterrane Wochen» für Zürich fordert. Es sieht vor, dass von Juni bis August bewilligte Terrassen- und Boulevardflächen am Wochenende zwei Stunden länger bewirtet werden dürfen, also bis 2 Uhr morgens. Diese Regelung soll für das gesamte Stadtgebiet gelten, damit auch die Quartierbevölkerung profitiert. Sollte die Forderung umgesetzt werden, wäre es keine Pionierleistung des Zürcher Stadtrats. Ganz im Gegenteil: Basel, Bern, Thun und Winterthur (mit Öffnungszeiten bis 4 Uhr) haben bereits verlängerte Öffnungszeiten für Aussenwirtschaften eingeführt respektive experimentieren damit.

Dass Zürich in diesem Punkt hinterherhinkt, ist unbegreiflich. Bewilligungen für 24-Stunden-Shops werden meist problemlos erteilt. Mit dem Resultat, dass sich die Leute ihren Alkohol dort kaufen und dann auf der Strasse feiern. Die Betreiber dieser Shops müssen sich weder um Littering noch um Lärmemissionen scheren: Ist der Kunde zum Laden raus, ist es nicht ihr Problem, sondern das der Anwohner und der Polizei. Niemand wird bestreiten, dass es in Boulevardcafés und Gartenrestaurants gesitteter zugeht als auf der von 24-Stunden-Shops geprägten Langstrasse. Restaurateure schauen schon aus purem Eigennutz, dass der Trubel in ihrem Lokal nicht überhandnimmt. Sie möchten es sich ja weder mit den Nachbarn noch mit den Behörden verscherzen.

Das Gros der städtischen Bevölkerung weint der 1997 abgeschafften Polizeistunde nicht nach. Die sommerlichen Schliessungszeiten für Aussenwirtschaften um Mitternacht wird dereinst auch niemand vermissen.

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