Krieg der Knöpfe

Jugendliche prügeln darum, wer die Bronx der Schweiz ist. Aber wie lebt es sich in einer solchen?

«Krieg der Knöpfe»: Jugendliche zweier rivalisierender Dörfer prügeln sich immer wieder. (Printscreen: Youtube)

Da wissen dreissig Jugendliche nichts Besseres zu tun, als sich darum zu prügeln, wer die Bronx der Schweiz ist. Und manche Medien wissen nichts Gescheiteres darüber zu berichten, als die beiden Gemeinden, in denen diese Jugendlichen leben, zur Bronx der Schweiz zu erklären.

Ich bin eine dieser Bronx-Bewohnerinnen. Ich habe allerdings nie Angst, mich in dieser offenbar tristen Bahnhofgegend von Dietikon aufzuhalten, weil es dort eigentlich immer Menschen hat, die miteinander plaudern oder draussen sitzen. Oft riecht es süsslich nach Shisha-Pfeifen von einer nahen Bar, die draussen auftischt, sobald es ein bisschen warm ist. Auf der anderen Seite des Bahnhofs fliesst übrigens die Limmat und ist vor kurzem ein Kulturzentrum eröffnet worden. Ist das trist?

Gut, wenn meine betagten Schwiegereltern nachts vom Bahnhof nach Hause spazieren, mache ich mir jeweils schon Sorgen. Nicht wegen marodierenden Jugendlichen, sondern weil sie bei dem schlechten Licht stolpern und dumm fallen könnten. Ich wage mich übrigens auch nach Spreitenbach. Eher nicht zum Einkaufen, weil mir Shoppingcenter aller Art ein Gräuel sind. Lieber mit dem Velo, um beim Bauern dort Kürbisse zu kaufen. Der alte Dorfkern ist sehr hübsch.

1912 hat der französische Autor Louis Pergaud ein Buch namens «Krieg der Knöpfe» geschrieben. Es wurde zu einem Klassiker, der mehrfach verfilmt wurde. Zuletzt 2011. Es geht darin um Jugendliche – sie sind allerdings erst 12-jährig –zweier rivalisierender Dörfer, die sich immer wieder prügeln. Es ist ein Kinderbuch.

1933 schrieb Erich Kästner «Das fliegende Klassenzimmer». Es ist eines der bekanntesten Jugendbücher überhaupt und wurde mehrfach verfilmt. Darin liefern sich die Gymnasiasten und Realschüler regelmässig wüste Schlägereien. Mit Verletzten.

Dass Jugendgruppen aneinander geraten, ist offenbar nicht Neues. Doch auch wenn es in den oben erwähnten Büchern romantisiert wird, ist es ein Grund zur Sorge. Denn dass Jugendliche sich prügeln, ist natürlich völlig daneben. Dass sie sich wegen so etwas prügeln, ist bizarr. Dass es dabei einen Verletzten gab, ist schlimm. Dass danach von Ausländerproblemen und Ghetto die Rede ist, ist Unsinn. Und gewiss nicht hilfreich.

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