Von bösen Buben namens Thomas Weihrauch

Könnte Beni Frenkel ein Musical schreiben? Klar - wenn er sich rächen darf.

Thomas und Beni haben sich damals in jeder 5-Minuten-Pause geprügelt.  (Symbolbild: Esther Michel)

Am Dienstag habe ich mich mit einem Sänger aus Weisslingen getroffen. Er rief mich in den letzten Wochen immer wieder zu Hause an. Jede Woche lese er meine Kolumne, sagte mir der Tenor. Ich sei die Person, mit der er ein Musical schreiben wolle.

Ich fühlte mich geehrt und genervt. Von Musicals habe ich keine Ahnung. Vor über 30 Jahren stand ich das letzte Mal auf der Bühne – für das Krippenspiel des Schulheims St. Johann in Klingnau. Das war damals ein Internat für verhaltensgestörte Aargauer Kinder. Auch heute nehmen sie Schüler auf, «die eine intensive Betreuung und Begleitung benötigen». Diese Bedingung habe ich damals sehr gut erfüllt.

Ich spielte einen der drei Könige: «So nehmet mein Weihrauch an.» Zum Glück musste ich den Satz nicht singen. Jesus wurde übrigens von Thomas gespielt. Genau, der Thomas, mit dem ich mich in jeder 5-Minuten-Pause geprügelt habe. Während der gesamten Aufführung stand ich neben Jesus, der sich auf einem Liegestuhl räkelte und mich die ganze Zeit höhnisch anguckte. Am liebsten hätte ich Jesus den Weihrauch in eine bestimmte Öffnung gesteckt. Aber meine Mami und die Mami von Jesus sassen auf den Zuschauerrängen und erfreuten sich ihrer verhaltensgestörten Kinder.

Der Sänger aus Weisslingen setzte sich an seinen Flügel und sang «O mein Papa» und «Ein Schiff wird kommen».

Dann kochte er mir einen starken Kaffee auf.

Den konnte ich gut brauchen. Ich guckte auf die Uhr. Das nächste Postauto kam erst wieder in 45 Minuten. Ich fragte ihn, wie ich ihm beim Musical helfen muss. Er setzte sich zu mir hin und überschlug seine Beine.

Also, es geht um eine Bibliothek, die kaum mehr besucht wird. Die Bücher setzen Staub an und vermodern langsam. Da kommt einem Abenteuerroman die rettende Idee: Wir ziehen los! Vielleicht lesen uns die Kinder Afrikas. Die Enzyklopädie in zehn Bänden ist dagegen, ebenso Gotthelfs Werke in neun Bänden. Aber das Yoga-Buch für Kinder und der Ernährungsratgeber für Diabetiker wagen das Abenteuer.

Der Tenor ist für die Musik verantwortlich, ich für die Dialoge. Der böse Bibliothekar heisst im Musical übrigens Thomas Weihrauch. Er stirbt (leider), als ihm die Zürcher Bibel auf den Kopf fällt.

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