Wie bringt man zwei Politiker wieder aus der Wohnung?

Beni Frenkel hat ein Problem. Lokalpolitiker überraschten ihn mit einem Hausbesuch.

Stand plötzlich vor der Tür: Christoph Luchsinger und seine Parteikollegin. (Archivbild: Sabina Bobst)

Am Abend hat es geklingelt. Vor der Tür standen zwei Politiker. Von der FDP. Sie wollten mit mir über Politik reden. Ich trug Shorts und ein Spaghetti-Shirt. Worte können nicht beschreiben, wie wenig Lust ich gerade verspürte, über Politik zu reden.

Aber ich liess sie reinkommen. Die beiden setzten sich an den Küchentisch und stellten sich vor: Christoph Luchsinger und Lisa Willenegger. Ich war etwas ratlos. Was macht man mit zwei Politikern in der Wohnung? Was trinkt so ein Politiker? Beide verlangten nach einem Glas Wasser.

Dann stellten sie sich vor. Er ist Mathematiker, und sie ist Physikerin. Ich guckte die Politikerin fassungslos an. Ich habe nämlich noch nie eine Frau gesehen, die Physik studiert hat. Sie ist sicher so eine Frau, dachte ich mir, über die man später einmal sagen wird: «Sie war die erste Frau in der Schweiz, die an der Universität Physik studierte.» Ich habe grossen Respekt vor klugen Frauen.

Dann guckte ich die beiden Politiker genau an und überlegte scharf: «Wer ist wohl klüger? Der Mathematiker oder die Physikerin?» Ich hätte die beiden gerne getestet: «Wie viel gibt 15 mal 17?», «Wenn meine Mutter 46 Jahre alt ist und ich die Hälfte von ihrer Quersumme, wie alt ist dann meine Schwester?»

Aber ich schwieg. Ich schaute der Physikerin in die Augen und zupfte spielerisch an meinem Spaghetti-Shirt. Plötzlich merkte ich, dass die beiden bereits fünf Minuten redeten und ich ihnen gar nicht zuhörte. Vom Lärm aufgeschreckt, kamen meine Kinder in die Küche. Die Grosse guckte die beiden an und sagte entschieden: «Die Blauen wähle ich nicht.»

Der Mathematiker holte kleine Schokoladetafeln hervor und teilte sie gleichmässig unter meinen Kindern auf. Ich fand das eine gute Idee, denn die Kinder hatten bereits ihre Zähne geputzt und sollten längst im Bett sein.

Wie bringt man zwei Politiker wieder aus der Wohnung? Ich stand auf und sagte: «Sie haben mich überzeugt.» Der Mathematiker und die Physikerin strahlten. Dann guckten sie auf die Uhr: «Schon 20 Uhr? Jetzt dürfen wir wahrscheinlich niemanden mehr belästigen.»

Ich dachte an den Nachbarn von unten, der immer motzt und früh ins Bett gehen muss. «Da unten können Sie bis Mitternacht klingeln.»

13 Kommentare zu «Wie bringt man zwei Politiker wieder aus der Wohnung?»

  • Mabo sagt:

    Wiedermal so lustig der Schreibstil und die Geschichte, während den Wahlen in den Kantonsrat und Gemeinde.

    Super Beni mach weiter so. Mabo

  • Bert Kramer sagt:

    Der Text ist ja sowas von langweilig… schnarch! Bekommt er Geld dafür?

  • Gian Padrutt sagt:

    Indem man sie gar nicht erst hereinlässt.

  • Paul Meier sagt:

    Ich finde diese Klinkenputzerei lächerlich…. das mag in den Staaten funktionniert haben, aber hier ist das verlorene Liebesmüh… Glaube nicht, dass jemand mehr als eine Handvoll Stimmen ergattern kann in diesen langen Abenden…. Die Parteien sollen wieder vernünftigere Politik machen, dann erhalten sie die Stimmen automatisch….

  • Paul Landis sagt:

    Den Tipp mit dem Nachbarn finde ich super! So etwas pflegt eine gute Nachbarschaft, lol.

  • Sander sagt:

    Wissenschaftler bei der FDP? Was ist denn bei denen falsch gelaufen?

  • Bebbi Fässler sagt:

    Kürzlich klingelte die SP an der Türe, mit roten Rosen.
    .
    Am anderen Tag die CVP, nicht mit Rosen, sondern mit einem Rosenkranz.
    .
    Der von den Grünen überreichte mir Blattspinat aus Eboli, Christus kam nur bis Eboli, aber der Spinat von dort zu mir!
    .
    Der von der FDP reichte mir Straussbrustfilet!
    .
    Jetzt warte ich auf die SVP und ich hoffe auf eine scharfe ungarische Pfeffer-Paprika-Bananenrösti!

    Üü

  • Eduard J. Belser sagt:

    Wenn ausgerechnet FDP-PolitikerInnen die Frechheit hätten mich als normalverdienenden Steuerzahler/Rentner und Opfer ihrer Umverteilungspolitik zu Gunsten ihrer Milliardärs-Filzlis in meinen eigenen vier Wänden heimsuchen zu wollen, würde ich mich als Nichthundebesitzer in der Haustüre umdrehen, pfeifen und nach hinten rufen «Rambo komm, fass, es gibt FDPler-Fleisch». Dann würde ich genüsslich zusehen, wie die Belästigerinnen gehetzt von meinem virtuellen Rambo wegrennen.

  • pierre sagt:

    ich hätte ihnen gesagt, wenn sie staubsaugen und die fenster putzen würden, würde ich mir überlegen, ob ich in ihre partei eintreten solle.

  • Florian Müller sagt:

    Falsche Frage, aber zuallererst keine Politiker ins Haus lassen. Denn diese wollen nicht hören, was wir denken, sondern uns erzählen, was wir denken sollen. Wann je hat ein Freisinniger Velowege unterstützt ausser vor den Wahlen?

  • Till Füdlibürger sagt:

    Was sagt es über den Zustand unserer Gesellschaft, wenn betont wird, „Ich habe Respekt vor klugen Frauen“

    • Joe sagt:

      Vielleicht sagt es das: Das man als “füdlibürger“ besser nasenbohrend aus dem Fenster schauen soll, als sich um den Zustand unserer Gesellschaft Gedanken zu machen.

Kommentar

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