Wieder mal Glück gehabt

Eine Würdigung unserer Helden des Alltags, zwischen Tramchauffeusen, Busfahrern und kiffenden Skilift-Arbeitern.

Und manchmal Chlöpfts. (Archivbild: Urs Jaudas)

Kein Wunder, dass Leute, die am Skilift arbeiten, sich ab und zu einen Joint drehen. Den ganzen Tag Bügel und Sessel unter fremde Hintern zu schieben, stelle ich mir eher eintönig vor. Gleichzeitig darfst du dir in diesem Job bei aller Monotonie keinen einzigen Fehler erlauben. Vor einem Jahr begann ein Sessellift in Georgien plötzlich rückwärtszufahren, schnell, immer schneller, Skifahrer wurden durch die Luft geschleudert wie in einem Trickfilm, nur war es Realität. Heute kann man lachen, wenn man sich das Video anschaut, aber ob tatsächlich niemand schwer verletzt wurde, ist nicht bestätigt.

Es muss ja nicht gleich so strub zu und hergehen wie in Georgien. Es reicht, wenn der Bügel in der Windjacke einhängt und dich hochzieht, du zappelst und versuchst, dich zu befreien, während die Wendeschlaufe immer näher kommt. Oder wenn am Kinderlift ein Handschuh sich am Drahtseil verheddert, und die Kleine einfach mitgezogen wird – da ist blitzschnelle Reaktion gefordert, bevor die Kinderhände zwischen Draht und Wenderad eingeklemmt werden. Als mir der Vater des Kindes davon erzählt, schaudert es ihn.

Aber Glück gehört zum Leben, das ist im Strassenverkehr nicht anders. Als ich achtjährig war, wurde ich von einer Vespa angefahren, Tempo 60 innerorts. Eine rothaarige Frau, sie kam müde von der Arbeit, und ich lief ihr vor den Töff. Das Schutzblech des Rollers drang in meinen Unterschenkel und zog mich mit, mein Kopf prallte immer wieder aufs Pflaster, bis die Vespa zum Stehen kam. Auch da wieder: Ich kam glimpflich davon, ein paar Löcher und Fleischwunden. Wir haben die Vespafahrerin nicht belangt, das Leben ist hart genug.

Ein Lied davon singen können unsere Helden von den VBZ, die täglich beim Bürkliplatz um die Ecke biegen, während die Fussgänger über die Geleise hasten, Kinder, Touristen, alte Leute. Keine Ampel regelt den Verkehr, rette sich, wer kann! Wer hat sich diese Falle ausgedacht? Oder am Hegibachplatz, wenn die Forchbahn durchbrettert und die Busse sich um die Ecke drücken. Diese Stadtgeschichte widme ich den namenlosen Bügelhaltern und VB-Zlern, etwa der Tramchauffeuse vor ein paar Wochen, mit Vollgas unterwegs Richtung Helvetiaplatz. Da fährt ihr ein BMW vor die Schnauze, obwohl jeder weiss, dass hier Linksabbiegen verboten ist, sie steht voll auf die Bremse, nur Blechschaden. Die Leute im Tram murren, es ist Feierabend.

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