Wir treffen uns im Himmel

Die legendäre Konditorei in Baden hätte fast schliessen müssen - da traten zwei Retter auf die Bühne.

Der Kaffee war manchmal so, als hätte es reingeregnet. Aber Baden ohne Himmel? Unvorstellbar! (Foto: rba)

Noch nie war ich so betrübt über einen wolkenlosen Himmel wie vor einigen Tagen. Ich hatte in Baden einen geschäftlichen Termin und machte, wie immer, einen Abstecher in den Himmel. In die Konditorei Himmel. Denn die dortige Spezialität, die Wolken eben, sind für mich Limmattaler Agglo-Bewohnerin etwa das, was die Luxemburgerli bei Sprüngli. Und diese Wolken gab es eben nicht mehr.

Überhaupt war die Auslage seltsam mager. Als die Verkäuferin meinen fassungslosen Blick sah, erklärte sie, dass der Himmel vor dem Konkurs stehe. Nie und nimmer wäre ich auf so etwas gekommen. Eher hätte ich geglaubt, dass dem Himmel dort oben der Schnauf ausgeht als dem Himmel an bester Lage beim Badener Bahnhof.

Vor 170 Jahre kam der Zuckerbäcker Hermann Himmel aus Tübingen nach Baden und eröffnete dort den Himmel. So kam Baden zum Himmel auf Erden. Wir treffen uns im Himmel!

So etwas konnte man nur in Baden sagen, ohne zynisch zu wirken. Am Sonntag kehrte so manch einer im Himmel ein und schwänzte bei einer Tasse warmer Schokolade den Kirchgang. «Bring mit etwas aus dem Himmel mit!», bettelte der Sohn. Einen solchen Wunsch kann man nicht abschlagen.

Mit all dem soll nun Schluss sein. Petrus zieht die Wolken ab und schliesst das Himmelstor zu.

Gut: Der Kaffee war manchmal tatsächlich so, als ob es in ihn rein­geregnet hätte. Das Interieur des Cafés war etwas gar gestrig, aber die Stammgäste störte das nicht. Im Himmel bleibt bekanntlich die Zeit stehen. Die Torten waren in letzter Zeit nicht mehr das Manna von früher. Und dass die Mitarbeiterinnen in letzter Zeit zuweilen für Gottes Lohn arbeiteten, ist nur mit deren Engelsgeduld zu erklären. Aber ein Baden ohne Himmel? Um Himmels Willen, unvorstellbar.

So ging es offenbar auch den Gebrüdern Frei aus Nussbaumen. Im letzten Moment – die Gerichtspräsidentin sprach laut «Aargauer Zeitung», es sei zwei Sekunden vor Zwölf, betraten sie, als leibhaftige Dei ex Machina, die Bühne und retteten den Himmel. Auch die Konditorei Frei ist ein Traditionsunternehmen. Es hat allerdings erst 52 Jahre auf dem Buckel, dagegen ist der Himmel ein Methusalem. Dominik Frei begründete letzte Woche den Kauf der Badener Bäckerei mit den passenden Worten: «Wir glauben an den Himmel.»

3 Kommentare zu «Wir treffen uns im Himmel»

  • Seraphim Weibel sagt:

    Kein Wunder. Innovation war denen fremd. Nicht mal wlan obwohl die Kundschaft und die Angestellten mehrfach den Wunsch dazu geäußert haben. Für ist der konservative Sesselkleber endlich weg. Kann nur besser werden.

  • Lori Ott sagt:

    Kein Wunder geht ein Café pleite, wenn „der Kaffe schmeckt als hätte es reingeregnet“, und „die Torten nicht mehr das Manna von früher“ sind. Allein mit einem Namen hat sich noch nie ein Unternehmen behaupten können, das ist auch im 21. Jahrhundert noch so.
    Hoffentlich setzt der neue Besitzer den Hebel am richtigen Ort an!

  • Christine Goldinger sagt:

    Das kann doch nicht wahr sein: Der Himmel, an bester Lage, immer gut gefüllt, knapp am Konkurs vorbei? Wie ist das nur möglich?
    Allerdings war ich selber (früher Stammgast) schon einige Zeit nicht mehr dort, nachdem nämlich die unglaublich feinen Himmel Gipfeli durch langweilige Allerweltsdinger ersetzt worden waren. Aber trotzdem – Baden Bahnhofplatz ohne Himmel, aber dafür vielleicht mit einem Starbucks? Gut, dass und das erspart worden ist!

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