The Sound of the Suburbs

Die Agglo ist ziemlich popmusikaffin. Aber: Wie aggloaffin ist eigentlich die Popmusik?

Schafft es auf unsere Playlist: Stiler Has mit «Walliselle». (Bild: Keystone/Peter Klaunzer).

«Die Agglomeration bestimmt, welcher Song ein Hit wird.» Je nach Wohnort ist das eine eher erfreuliche oder eher erschütternde Aussage. Abgesehen davon ist sie mit grosser Wahrscheinlichkeit glaubwürdig – sie stammt nämlich von Roman Camenzind, dem Boss der Zürcher Hitfabrik «Hitmill», die seit ihrer Gründung im Jahr 1997 in der Schweizer Hitparade nicht weniger als fünf Nummer-1-Hits landete, er äusserte sie letzten November in einem SRF-Interview.

Zu Ende interpretiert, bedeutet das nichts anderes, als dass die Agglo offensichtlich ziemlich popmusikaffin ist. Was unweigerlich Fragen nach sich zieht. Die meisten liegen (jedenfalls aus Sicht des Städters) auf der Hand; ebenso klar ist, dass Grundton der Fragen, würde man sie ausformulieren, ein hämischer oder gar zynischer wäre. Das muss echt nicht sein. Darum taten wir dann aus Jux das Gegenteil davon, stellten die Sache also auf den Kopf … und das führte lustigerweise zur Frage: Wie aggloaffin ist eigentlich die Popmusik?

Dass wir bei der Suchanfrage im Internet relativ rasch auf David Buchers Aussage «Die Agglo finde ich persönlich das Schlimmste» stiessen, war für die weitere Recherche wenig ermutigend, immerhin ist der Mann der Kopf der Zürcher Oberländer Band Dabu Fantasic, anders gesagt – ein Experte. Was tun? Ganz einfach: Compi aus, Kopf an, und mit dem Motto «nicht verzagen, tiefer graben» und einer Flasche Wein als Denk-Öl ging es ans Werk, und nach knapp zwei Stunden stand sie fest, die internationale Popsongliste mit einen rassigen Sound of the Suburbs (die Reihenfolge ist zufällig gewählt), die alles drin hat, was die Agglo verdient, vom modrig trüben Abgesang bis zur melancholisch zerrissenen Sort-of-Liebeserklärung. Here we go:

  • Steven’s Nude Club: «Reussbühl ‘94»
  • Arcade Fire: «The Suburbs»
  • Element of Crime: «Delmenhorst»
  • Adriano Celentano: «Il ragazzo della Via Gluck»
  • Züri West: «Bümpliz-Casablanca»
  • The Members: «The Sound of the Suburbs»
  • Del Amitri: «Nothing Ever Happens»
  • Fabrizio de André: «Bocca di Rosa»
  • Franz Josef Degenhardt: «Umleitung»
  • Bronski Beat: «Smalltown Boy»
  • Stiller Has. «Walliselle»
  • Tindersticks: «Chocolate»
  • Radio 200’000: «Im Huus»
  • Tom Waits: «In the Neighborhood»
  • Lou Reed & John Cale: «Small Town»

Was fehlt: Was Französisches und was Spanisches. Pardon, perdon (es war halt italienischer Wein).

6 Kommentare zu «The Sound of the Suburbs»

  • Thomas sagt:

    „I ha diä Landluft langsam satt, i wött i d’Stadt, i wött uf Uzwil“

    Natürlich fehlt in dieser Liste „Uzwil“ von Knöppel!

  • Dani Mettler sagt:

    Manuel Stahlberger „Leaving Eggersriet“

  • Asta Amman sagt:

    Schön, wieder mal von Ihnen zu lesen. Danke für die Erinnnerung an „Bocca di Rosa“ des unvergessenen „Faber“. Damit liesse sich wohl sogar Agglo aushalten – ganz knapp.

  • Sam Fuller sagt:

    Einer der Besten Mundartlieder, leider wieder hochaktuell: Baby Jail`s Tubel Trophy:
    Es isch emal en Tubel gsi, dä isch am Stammtisch gsässe
    Er hät gseit: Wär schaffe will, dä hät au öpis z Frässe
    Er hät grüeft: Es isch e Schand, es isch e Katstrophe
    Wànnt en Chällner bruchsch dann chunnter grad mit sine Goofe
    Er hät blödi Witz gmacht über d Neger und die Schwule
    Er hät gseit: Ich zahl doch nöd no Schtüre für di Fuule

    und dann der versöhnlicher Schluss:

    Jede Tubel sölls begriiffe, und au d Philosophe
    All ihr Tuble wo mit eune Tubel Schprüch husiered
    All ihr Tuble, ihr wo jedem Tubel naamarschiered
    Schtönd emal i d Schiisi, und am Griff wos hät deet ziehnder
    Wänn ihr nüme da sind, dänn vermisst eu nämmli niemer

    • Lichtblau sagt:

      Das ist für mich auch der Inbegriff eines Agglosongs. Wir wussten damals auch, wo der Tubel wohnt: Immer auf dem Weg zur Ikea fuhren wir an seiner sinistren Hütte vorbei und grüssten ihn. Wobei die „Tubel Trophy“ einfach ein (beinahe) makellos gereimter Song ist. Bis heute Hammer.

  • Max Emch sagt:

    Anspieltipp und Ergänzung für die Playlist:
    Die Zürcher Mundart Band „Ongatu“ mit dem Album „Hinter Seebach“.

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