Schmatzende Rolex

Im UBS Restaurant Elite ist die Nahrungsbeschaffung anspruchsvoll. Dem Vegi bleibt zum Schluss nur eine Wahl.

Liessen sich vom Namen nicht abschrecken: Besuch im UBS Restaurant Elite. (Bild: bat)

Es ist ein Name wie Stacheldraht, eine sprachliche Mauer. Der Karnivore und der Vegi wagen sich trotzdem hin, in die Kantine UBS Restaurant Elite.

Das letzte Mal griffen sie nach den Sternen (Anm. d. Red.: Die beiden dinierten im Mesa). Jetzt kehren sie zurück in die Welt der Mittag-Massen-Verpflegung, das Elite verspricht immerhin eine sanfte Landung vom kulinarischen Himmel. Doch der Name scheint eher als Placebo zu dienen für High-Achiever, die es nicht nach oben schaffen. Niemand will einen Badge sehen, keiner schaut komisch, das Entrée – erreichbar aus einem Innenhof – wirkt wie eine grosse Schalterhalle. In dieser Kantine, betrieben von der SV-Gruppe, dürfen alle zur Elite gehören.

Die Nahrungsbeschaffung hingegen gestaltet sich anspruchsvoll. Die Neulinge irren herum zwischen den vielen Schöpfstellen. Dem Vegi bleibt am Ende doch nur eine Wahl, Grünkernburger mit Ratatouille und Kartoffelgratin (15.90 Fr. für Externe). Der Karnivore dockt nach langem Kreisen beim Menü «Chef’s World» an, gegrillten Cevapcici mit Pasta und Gemüse (16.80 Fr. für Externe). «Aha, der Global Wealth Director gönnt sich ein Entrecôte», spöttelt der Vegi.

Sitzen kann man auf zwei Stockwerken, Plätze sind rar, es gibt Suchverkehr von Tablet tragenden Anzugträgern. Angenehm demokratisch, findet der Vegi. Worauf ihm der Karnivore klarmachen will, dass auf einer Bank Menschen arbeiteten, die viel normaler seien als er selber. Längst nicht alle hätten nur Geld im Kopf und eine Rolex am Handgelenk.

Beim Beurteilen des Essens geben sich die zwei grosse Mühe. Kürzlich, nach ihrem Besuch im Mesa, warf man ihnen auf Twitter vor, sie hätten den kulinarischen Wortschatz von Fünfjährigen (was, Anm. d. Red., durchaus zutrifft). In der Elite-Kantine scheint ein solches Vokabular allerdings auszureichen. Auch nach sorgfältigem Degustieren gibt es nicht mehr zu sagen als solide und frisch, vielleicht ein wenig salzig, zeitgemässes Kantinenessen, so sättigend, dass man noch um fünf Uhr einen vollen Bauch hat.

Inzwischen hat eine Rolex neben den beiden ein Plätzchen gefunden. Deren Träger hat Stöpsel im Ohr, starrt auf sein Handy und schmatzt vor sich hin. Zeit, wieder arbeiten zu gehen.

UBS Restaurant Elite
Nüschelerstrasse 6
Montag bis Freitag, 7 bis 15 Uhr

2 Kommentare zu «Schmatzende Rolex»

  • Lichtblau sagt:

    Das UBS-Personalrestaurent nennt sich ernsthaft „Elite“? Wer hat diese Leute bei der Namensfindung bloss beraten?

  • Max sagt:

    Ja das Elite… ist tatsächlich nur für die anpruchslose Essensversorung zu empfehlen. Ab und zu tu ich mir das selbst an.
    Aber unter uns; ist der Titel Schmatzende Rolex und die entsprechende Textpassage nicht unter dem Niveau der Zeitschrift?

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.