Das Urbild einer Dorfbeiz

Im Hecht in Winkel überzeugen die Pommes-Frittes. Und die Atmosphäre.

Hat einst von Napoleon das Tavernenrecht erhalten: der Gasthof Hecht, genannt Stützli. Foto: Helene Arnet

Da wir fürchten, dass wir vor lauter Geschichten und Geschichte, die es über den Gasthof Hecht in Winkel zu erzählen gibt, vergessen, das Kulinarische zu erwähnen, dies mal gleich vorweg: Die Karte ist reich an Fleischgerichten, der Salat wird weitherum gelobt, die Preise sind angemessen, und zu fast allem gibt es Pommes frites. Gute Pommes.

Die Burgunderbergschnecken (10.80  Fr.), die meine Freundin bestellte, haben ihr geschmeckt, das Carpaccio (12.80 Fr.) hat mir geschmeckt. Das Fondue Chinoise ­(39.50 Fr. pro Person) war reichhaltig, die Saucen gut, das Rindfleisch etwas zu dünn geschnitten und kam gefroren auf den Tisch, was die Handhabung schwierig machte. Dazu gab es eine ganze Parade von Schälchen mit Früchten, Spargeln, Kapern etc. Zumeist aus der Büchse. Macht nichts. Denn das Ambiente macht alles wett.

Der Hecht in Winkel ist einer der ­ältesten heute noch betriebenen Gasthöfe des Kantons. Es war Napoleon, der ihm das Tavernenrecht erteilen liess – er hat in seinem Leben definitiv Dümmeres gemacht. In der Region geht man nicht in den Hecht, sondern ins Stützli. Weniger Wortkarge gehen ins Stützli-Füfzg, denn so viel soll die Wirtin während des 2. Weltkriegs quasi pauschal den Soldaten verrechnet haben. Dafür bekamen sie etwa drei Bier, je nach Laune der damaligen Wirtin Hedy Meier auch eines mehr. Es wirtet immer noch eine Hedy auf dem Hecht, Hedy Eymann, und zwar seit vierzig Jahren. Wenn man beim Stützli online einen Tisch reservieren will, stutzt man: Da muss man tatsächlich angeben, ob man Raucher oder Nichtraucher will. Im Stützli gibt es noch ein Raucherstübli.

Wir fahren vom Flughafen in zehn Minuten mit dem Postauto bis zur Haltestelle Seebüel und sind erst einmal baff ob des gewaltigen Fachwerkbaus. Drinnen ist es weniger historisch, sondern einfach gemütlich. Auch etwas laut.

Als Fremdlinge wird man höflich begrüsst, aber die wirklichen Könige sind hier die Stammgäste. Die sind nicht nur zahlreich, sondern auch ein bunt gemischter Haufen. Der Hecht ist eine Dorfbeiz, wie es einst viele gab und es noch viele geben sollte. Hier kann man eine Zeit lang den Rest der Welt vergessen. Bis dann am Nebentisch laut über Journalisten geschimpft wird. Da haben wir schleunigst bezahlt.

Gasthof Hecht, Zürichstrasse 12, 8185 Seeb-Winkel, Tel. 044 860 65 70, offen: Di–Sa 6–24 Uhr, So 8.30–22 Uhr.

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