Vom Wert des Schneeschaufelns

Wenn der Schnee erst einmal da ist, lernt man in der Agglo drei Varianten der Problembehebung.

Welche Variante Schneeräumung war das? Die Minimal-, Maximal- oder die Variante Eco? (Foto: sch)

Naturgewalten sind in der Stadt keine Bedrohung mehr, oder wenigstens fühlen sie sich nicht als solche an. Im Büro steht man hinter Fünffachverglasung und schaut zu, wie Burglind an den Strassenlaternen rüttelt. Und wenn sie in Einsiedeln übungshalber den Staudamm öffnen, stellt Zürich eine Stunde später fest, dass die Sihl einen lumpigen Meter ansteigt. Und das soll ein gefährliches Hochwasser sein?

Auch in der Agglo sind Sturm und Wetter nicht mehr, was sie einmal waren. Bei Starkregen geht der Dorfbach nicht mehr über die Ufer, beim Gewitter durchsiebt der Hagel keine Garagentore mehr. Weisse Weihnachten? Fehlanzeige.

Das war einst anders. Etwa im Winter 2006. Damals schneite es zwei Tage ununterbrochen. An der Scheibe des Wintergartens war der Zuwachs der Schneedecke live mitzuverfolgen. Als es endlich zu schneien aufhörte, lagen sagenhafte 58 Zentimeter.

Besonders eindrücklich war der Schneefall, weil er nachts einsetzte. Wir merkten es um 4.30 Uhr, als der Schneepflug in die Strasse einbog. Rasch schwoll das Brummen an, bis es ein ohrenbetäubendes Schaben und Krachen war. Es tönte so, als würde das Nachbarhaus abgebrochen. Eine solche Schneeräumung hört sich im Schlafzimmer durchaus bedrohlich an.

Der Kampf gegen den Schnee setzt sich an solchen Tagen um 7 Uhr vor der Haustür fort. Hier werden sehr unterschiedliche Massstäbe angesetzt. Für die Minimalvariante braucht man nur gutes Schuhwerk, um den Schnee niederzutreten. Die Maximalvariante ist häufiger zu beobachten: Das Schwarzräumen der Hauseingänge mit intensivem Schaufeln, Kratzen und Salzen. Wir begnügten uns 2006 mit der Variante Eco: Zweckmässiges Schaufeln, das am Ende das Gefühl hinterliess, dem Haushalt einen Anschluss ins Leben frei gelegt zu haben.

Dieses Jahr mussten wir lange auf den Schnee warten, was den Autor wegen seines Namens besonders auf die Folter spannte. Er fand es fast peinlich, dass er die Schaufel schon vor Weihnachten aus dem Keller geholt hatte. Und nun betrübt ihn, dass der Schnee, der jetzt endlich gefallen ist, auch in der Agglo bald wieder weggeschmolzen ist. Es wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als in der Tagesschau den Österreichern beim Schaufeln zuzusehen.

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