In dieser Hütte lässt sich gut überwintern

Die ideale Höhle, um sich vor dem Januarloch zu verstecken: Das Blockhus bei der Schifflände.

Habitués sagen, man müsse im Blockhus zwingend freitags oder samstags einkehren, dann tanze nicht bloss der Bär, sondern der Grizzly. (Foto: thw)

Mit dem Hundeschlitten horizontlose Schneelandschaften durchmessen, eine Eislochsauna er- und überleben, sich vom magischen Tanz der Polarlichter betören lassen, mit dem Roman in der Hand vor dem knisternden Kaminfeuer eindösen, das die Blockhütte wärmt: Wer einmal einen Winter in Lappland geniessen durfte, wird die Sehnsucht danach kaum mehr los – umso mehr, wenn er den griesgrämigen Jänner in einer Stadt zubringen muss, in der Menschen häufiger auf Toiletten denn auf Strassen durch Schnee (also: «Schnee») stöbern.

Um das Fernweh zu lindern, macht man sich auf die Suche nach einer bewirteten Zürcher Holzhütte. Und stellt fest: In den meisten riechts (oder miefts), Saisonküche halt, nach Käse. Eine Ausnahme aber gibts. Sie heisst Blockhus und befindet sich an der Schifflände. Habitués sagen, man müsse da zwingend freitags oder samstags einkehren, dann tanze nicht bloss der Bär, sondern der Grizzly.

Klingt verlockend, doch so früh im Jahr wollen wirs geruhsam angehen und treten eines Dienstags durch die Tür. Drin fühlen wir uns heimisch: Der Kellner ist galant, aber nicht zu elegant, Lacher erhellen das schummrige Lokal, derweil sich die fidele Gästeschar das Januarloch mit gelobtem Essen und Wein stopft (was man gut mitkriegt, es ist eher eng getischt).

Klar, dass wir da mitmachen wollen. Mein Vis-à-vis setzt den Fokus auf den Hauptgang, sprich auf ein (perfekt medium gebratenes) Rib-Eye-Steak, das mit Kartoffelgratin und Saisongemüse serviert wird (54 Fr.). Meinereiner indes erinnert sich an seine heisse Liebe zum kalten Fleisch, kurz: Ich ordere das, was als Spezialität angepriesen wird, nämlich das Tatar, wobei ich mich kühn an die Variante «Toskana» (31.50 Fr.) wage, mit Balsamico-getränkten Parmesansplittern, die man selbst beimischen kann. Ein Seitensprung, den ich nicht wiederholen würde – weil dieses erstklassige Rindfleisch gar keinen Zusatz benötigt. Dazu gönnen wir uns einen Paradis caché aus dem Languedoc (79 Fr.), eine keck fruchtige Assemblage von 2014, die den köstlichen Speisen ein idealer Compagnon ist.

Als wir später genüsslich eine Tarte Tatin mit Zimtglace (13.50 Fr.) löffeln, sind wir uns einig: Ja, in dieser Hütte, fern von Lappland, lässt sich gut überwintern … das nächste Mal probieren wir dann ein wildes Wochenende!

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