Eine erstaunliche Ortsangabe auf der S-Bahn

Hat die Agglo seit dem Fahrplanwechsel eine direkte Zugverbindungen auf eine Zürcher Alp? Nicht ganz.

Ganz neu: Der Bahnhof Kyburg-Sennhof. Bilder: net

Seit dem Fahrplanwechsel begegnet einem im Limmattal auf der S-Bahn eine erstaunliche Ortsangabe als Endstation: Sennhof-Kyburg. Sennhof? Hat die Agglo jetzt eine direkte S-Bahn auf die Alp? Und Kyburg? Schulreisen ohne nerviges Umsteigen?

Wir fahren hin. Und steigen aus. Und staunen. Die Bahnstation ist so neu, dass sie am Rand noch eine Baustelle ist. Linkerhand ist etwas Wiese und lauter Wald. Es dämmert. Eine ewig lange hell beleuchtete Rampe führt nach unten zu einer Unterführung.

Wir tauchen in einer anderen Welt auf: Block, an Block, an Block. Nicht hässliche, aber viele Blöcke. Aus einem Fenster leuchtet es bläulich, ein grosser Flachbildschirm flimmert hinter dem Tüllvorhang, niemand sitzt davor; durch ein anderes Fenster sieht man einen Mann, der in der Küche hantiert. Überall sonst ist es dunkel, offenbar sind erst vereinzelte Wohnungen bezogen. Auch der alte Bahnhof mit Güterschuppen sieht unbewohnt aus, ein Trottinett liegt wie weggeworfen auf dem Boden und eine kaum schulterbreite Tür führt in eine Toilette.

Auf dem dunkeln Weg, der entlang den Gleisen führt, nähert sich zitternd ein Licht, das sich als Mann mit Stirnlampe herausstellt. Er führt zwei Hunde Gassi. Dann kommt ein verwahrlostes Bauernhaus – war das einmal der Sennhof

Sennhof stellt sich als eine Aussenwacht von Winterthur heraus. Es gibt einen Dorfladen, der gerade geschlossen ist, und den «Frohsinn» in dem ein einzelner Gast am Stammtisch sitzt. Es gibt eine Strasse mit einem Geschwindigkeitsradar, ein altes Schulhaus mit Türmchen und ein neueres daneben. Und weitere Mehrfamilienhäuser, darunter viele Neubauten. Dann stehen wir an einer Brücke, die über die Töss zu einer Fabrikanlage führt: eine Spinnerei, die allerdings bereits zur Gemeinde Illnau-Effretikon gehört, wie wir etwas später einem Wikipedia-Artikel entnehmen.

Dort steht auch, dass Sennhof tatsächlich lange Zeit nur ein Vieh- und Milchwirtschaftsbetrieb war. Doch die direkte S-Bahn aus der Agglo auf die Alp gibt es nur dem Namen nach. Was hier entsteht ist Agglo. Und was hat es mit der Kyburg auf sich? Ihr begegnen wir tatsächlich. Auf dem Wanderwegweiser vor dem Bahnhof: Sie liegt vierzig Minuten Fussmarsch von hier.

4 Kommentare zu «Eine erstaunliche Ortsangabe auf der S-Bahn»

  • Bruno Steiner sagt:

    Ich bin Telekommonteur bei der SBB. Als ich vor Fahrplanwechsel den Auftrag erhielt bei Fallplattanzeigern auf den Perrons die Fallplätter Sennhof-Kyburg einzusetzen war ich etwas erstaunt. Ihr Artikel habe ich gerne gelesen. Nun weiss ich den Grund meines Auftrages.

  • Bruno Steiner sagt:

    Ich Bin Telekommonteur bei der SBB.
    Als ich vor Fahrplanwechsel den Auftrag erhielt bei Fallplattanzeigern auf den Perrons die Fallplätter Sennhof-Kyburg einzusetzen war ich schon etwas erstaunt. Ihr Artikel hat mich gefreut, nun weiss ich den Grund des Auftrags.

  • Ruedi Keusch sagt:

    Bildunterschrift ist nicht ganz korrekt, der Bahnhof heisst Sennhof-Kyburg – wie im weiteren Text richtig geschrieben.

  • Slemi sagt:

    Na ja, dieser Bahnhof ist ja nicht ganz so neu und erstaunlich, es gibt ihn bereits seit 1875. Neu ist nur, dass die S-Bahn neu bis hierhin fährt (in der Stosszeit sogar bis Wila) und dafür der Bahnhof (wieder) auf 2 Gleise erweitert wurde. Was mich aber erstaunt, dass Kyburg immer noch im Bahnhfsnamen erwähnt ist. Vielleicht weil die Kyburger bis Stadt Winterthur gegründet haben?

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